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Die Welt · 1905-05-19 · 20 (19.5.1905) · page 6

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
20 (19.5.1905)
Date
1905-05-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 „bie # weit" Nr. 20 diesen Elementen, die ihnen den Boden vom politischen wie auch vom ökonomischen Standpunkte streitig machen worden, zu rechnen haben." „Glauben Sie nicht an die Zukunft eines Judenstaatc* in Ostafrika?" „Wie soll ich es Ihnen sagen? Ich bin nicht genau in die Frage eingeweiht. Ich möchte nur bloss einige Bemerkungen machen. Erstens sehe ich nicht ein, wie es Kngland zustande bringen könnte, einen autonomen Staat in einem Lande entstehen zu lassen, das von Europäern bewohnt ist, ohne dieselben ihrer alten Hechte zu berauben. Dann müssto das autonome Gebiet behufs grösserer Entwickhing in der Zukunft auch einen freien Ausweg, da,< heisst einen freien Hafen haben. Nun ist aber das den Zionisten angebotene Land ein allseitig geschlossenes, das in der 3Iitte des grossen ostafrikanischen Protektorats dasteht. Aus diesem Grunde glaulx* ich nicht an die politische Zukunft der angebotenen Autonomie/' (Dr. J a c o 1) s o b n, aus dem ,,Kcho Sionisteu. ) Die Landung der Auswanderer in Amerika, besonders New York. Bevor den mif den Schiffen Ankommenden die Landung in Amerika gestattet wird, werden sie daraufhin geprüft, ob sie den gesetzlichen Erfordernissen entsprechen. Den Dampfergesellschaften ist zur Pflicht gemacht worden, jedem Passagier, bevor er an Bord geht, folgende Frage" vorzulegen und die Antworten in das „Schiffsmanifest", das aus Listen von nicht mehr als 30 Namen besteht, einzutragen. Getragt wird: „Der volle Name, Alter und Geschlecht, ferner oh verheiratet oder iledig; die Bezeichnung des Berufes, ob des Schreibens und Lesens kundig, die Nationalität, der Volksstamm, der letzte Aufenthaltsort, der Landungsplatz in den Vereinigten Staaten, eventuell der endgültige Bestimmungsort nach dein Landungsplatze, ob im Besitze des Durchgangsbilletts nach diesem endgültigen Bestimmungsort, ob deir Ausländer seine eigene Ueberfahrt bezahle hat oder ob sie durch irgend eine andere Person, Korporation, Gesellschaft, Gemeinde oder Regierung bezahlt wurde, und, zutreffendenfalls, von welcher, ob im Besitz© von "50 Dollars und, wenn weniger, von welcher Summe, ob mit der Absicht, einen Freund oder Verwandten aufzusuchen und wenn dies der Fall, welchen Verwandten oder freund mit Angabe seines vollen Namens und der vollen Adresse, ob jemals vorher in den Vereinigten Staaten gewesen und, zutreffendenfalls, wann und wo, oder in einer AnstaJt oder einem Hospital, wo Irrsinnige zur Pflege und Behandlung kommen, oder ob jemals durch Wohltätigkeit unterstüzt, ob ein Polygamist, ob ein Anarchist, ob auf Grund eines Angebotes, Versprechens,, einer Aufforderung oder eines Ueibereinikommens, sei es ausdrücklich oder stillschweigend (Kontrakt) eintreffend, um eine Arbeit in den Vereinigten Staaten zu übernehmen, und wie der körperliche und geistige Gesundheitszustand des Fremden beschaffen ist, ob missgestaltet oder o.'m Krüppel und wenn ja, seit wie lange und aus welcher Ursache. Die gleichen Fragen werden jedem Einwanderer, auch dem Kajütpassagier, von den Einwanderungsbeamten vorgelebt. Die Erlaubnis zur Landung wird von der zufriedenstellenden Beantwortung abhängig gemacht. Die Ankömmlinge, die Kajüte fahren, gemessen das Privileg,, dass sie von den Einwanderungsbeamten an Bord der Schiffe, mit denen sie herüberkamen, untersucht werden und dann bei der Ankunft im Hafen ohne weiteres! landen können. Schöpfen die Beamten aber bei einem Kajütpassagier Verdacht, dass er zu der Kategorie der unerwünschten Einwanderer gehört, so wird auch er vie die Zwischendeckpassagiere beihandelt. Er muss mit diesen /lach der Einwandarungsinsel Ellis Island. Dorthin werden die Einwanderer in kleineren Dampfern von ihrem Schiff aus gebracht. Und nun beginnen die Untersuchungen. Zuerst haben a'.e. die ärztliche Kontrolle zu passieren, die von. Aerzten und Schwestern ausgeübt wird. Die Kranken werden zurückbehalten, in einen besonderen Raum gebracht, dort genauer untersucht und verhört. Stellt sich heraus, dass die Krankheit eine solche ist, die von der Landung ausscWiesst, daiui» wird der Betreffende nach dem Einschiffungshafen zurückgebracht, wenn sein Zustand es gestattet, andernfalls wird er erst kuriert. Andere Kranke werden ins Hospital gebracht, dort geheilt ur.d je nachdem sie nun durch ihre Krankheit mittellos und deshalb unerwünscht geworden sind oder nicht, zurückgesandt oder zur Landung zugelassen. Diejenigen, dieals gesund befunden werden, erhalten einen dementsprechenden Ausweis („Doktorkarte4') und kommen nunmehr in Gruppen zu je 30 vor die Registriewngsbeatnten, deren, es in New York 13 an der Zahl gibt. Diese Beamten legen ihnen sämtliche Fragen vor, die wir oben erwähnt haben, und zwar an der Hand des Schiffsmanifestes, in dem sie schon einmal beantwortet sind. Jeder Widerspruch kann dem Einwanderer, der meistenteils verblüfft ist und nicht weiss, was die ganze Prozedur bedeuten soll, gefährlich werdein. Hat er aHe Fragen, zur Zufriedenheit des Beamten beantwortet, dann kann er passieren. Will er in New York bleiben, dann kann er nunmehr in die Stadt gehen, will er aber in das limerie des Landes, dann wird er, ohnei dass er New York betreten darf, zur Bahn gebracht und weiter befördert. Die beanstandeten Einwanderer, die sich in Widersprüche verwickelt oder die Fragen nicht zur Zufriedenheit d«er Regierungsbeamten beantwortet haben, kommen vor die Behörde für Spezialuntersuchung („Board of special enquiry"). Diese besteht aus 4 Inspektoren, von denen sich 3 für die Zulassung aussprechen müssen, damit sie erfolgen kann. Ist der Bescheid ungünstig, so> kann der Zurückbehaltene ein zweites Verhör verlangen, damit er Irrtümer, die er aus Unkenntnisnis oder Verblüfftheit etwa beging, aufklären kann und schliesslich kann er an das Bundesdepartement (die vorgesetzte Behörde der Einwanderungsbea-mten) appellieren. . Die Zurückbehaltenen werden bis zur endgültigen Entscheidung im sogenannten Deteiitionshause untergebracht. Hier wird ihnen die Möglichkeit geboten, nach Geld zu telegraphieren oder sich an Freunde, Verwandte usw. zu wenden. Die jüdischen Organisationen, die „United liebrew Charities" und die „Hebrew Immigrant Aid Society" haben ihre Vertreter auf Ellis Island, die den Zurückbehaltenen mit Rat und Tat zur Seite stehen und durch ihre Intefrviention viele vor der endgültigen Zurückweisung bewahren. Andere werden von Bekannten und Verwandten aus dem Detentioushaus abgeholt und entgehen so dem Schicksal de\r Deportation.. Solche Abholer müssen Bürgschaft dafür leisten, dass der Einwanderer nicht der öffentlichen Wohltätigkeit zur Last fallen wird. Es wird immer strenger darauf gesehen, dass die Vermögensverhä'litnisse des Bürgenden, der kein Verwandter zu sein braucht, derartig sind, dass seine Bürgschaft auch von Wert ist. Bei mehr als der Hälfte aller derjenigen, die in den letzten Monaten zurückgewiesen worden sind, hat die Bürgschaft des Abholers nicht genügt. Mittellose Auswanderer also, die zu mittellosen Verwandten und; Freunden fahren, haben keine Aussicht, zur Landung zugelassen zu werden, wenn sie auch von diesen abgeholt werden. Aehnlich wie die Einrichtungen in New York, wenn auch weniger grossartig, sind die Einrichtungen in den anderen Hafenstädten: in Baltimore, Boston und Philadelphia. Auch in den kanadischen Häfen haben die Vereinigten Staaten Einwanderungsstationen errichtet, um diejenigen Einwanderer zu prüfen, die über Kanada nach den Vereinigten Staaten wollen. Isr. Wochenschr.

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