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Die Welt · 1905-05-19 · 20 (19.5.1905) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
20 (19.5.1905)
Date
1905-05-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 20 „bis # weit11 Seite 5 liehen Gewände durchaus nicht so schrecklich aussieht und sich auf dem friedlichen, [Wege der wirtschaftlichen Eroberung dies Landes, Schritt um Schritt, lösen lassen wird. Was die Gewohnheit speziell der Mohammedaner betrifft, uns zu verachten, so irrt sich auch hierin Herr Zangwill. Es ist erstens geschichtlich nicht richtig, denn die Mohammedaner lebten mit den Juden im Einverständnis dort, wo sie zusammentrafen, und zweitens entspricht es auch nicht dem gegenwärtigen Zustande. Ich gehöre zwar nicht zu denjenigen, die die Behauptung aufstellten, dass. der Araber vom der Erkenntnis durchdrungen sei, dass Palästina den Juden gehöre, und dass er schier bereit wäre, den ankommenden Juden das Land abzutreten. Aber ich muss hervorhöben, dass vo<n einer Verachtung gegenüber den Juden nur in den Städten die Rede sein könnte, wo die Juden die ärmste Bevölkerung ausmachen und häufig als solche schutzlos sind. Dagegen verstanden es die neu ankommenden europäischen Juden, de diie Kolonien gegründet hatten, sich eine achtunggebietende Stellung unter der Bevölkerung zu verschaffen. Und je mehr produktive, gesunde Elemente das Land bewohnen, desto geachteter wird die Stellung der Juden. Dass es nicht an Feindseligkeiten auf wirtschaftlichem Gebiete fehlem wird, die dort entstehen müssen, wo die Interessen zusammenstossen, braucht nicht hervorgehoben zu werden. Aber diese Feindseligkeiten sind vorläufig nicht bedeutend. Sie werden sich später vermehren, je mehr Einfluss wir im Lande gewinnen. Diese Feindseligkeiten brauchen uns nicht zu erschrecken, denn sie sind naturnotwen'dig. Wir müssen ihnen dadurch begegnen, dass wir Herren der Situation werden. Dies können wir in Palästina angesichts seiner Bevölkerungsiverhältriisse mit Leichtigkeit werden. Ich habe in dieser Richtigstellung nur diejenigen Momente besprochen, die Herr Zangwill gegen Palästina anführte. Dass damit das Problem nicht erschöpft ist, ist ausser Zweifel Berlin, den 12. Mai 1905. Dr. S. S o s k i n. Ein Interview Uber Ostafrika. M. A 1 1 u a u d vom Museum du Jardin des Plantos in Paris ist von einer wissenschaftlichen Mission im. englischen Ostafrika vor kurzem nach Paris zurückgekehrt, Unser Gg. Dr. Jacobs o h n, der wusste, dass -Mir. A 11 n a n (I mehr als ein Jahr in diesem. Territorium verbracht hatte, befragte nun den Gelehrten um seine Ansicht über das Land. M'.r. A 11 u a u d äusserte sich folgen derma ssen : „Vor allem muss ich Ihnen sagen, dass ich mich mit dieser Frage nicht sipeziel] beschäftigt habe. Ich kenne sie aber ein wenig, weil man in der Kolonie viel von ihr spricht. Während meines ganzen Aufenthaltes dort unten beschäftigte man sich nur mit dem Projekt der Konzession der englischen Eegierung an die Zionisten und ich muss Ihnen sagen, dass alle Europäer, die dort wohnen, gegen sie sind. Ihre Gegnerschaft ist so gross, dass sie dem Genera Igouverneiir Sir Elliot, dessen günstige Gesinnung für das Projekt sie kannten, das Leben dort unerträglich machten. Das ist auch der Grund der Demission desselben. Sic werden im Lande einen, hartnäckigen Widerstand finden, nicht von Seiten der Neger, aber von Seiten der Weissen." „Wo befindet sich, genau bestimmt, das angebotene Landstück?" „Man glaubt irrtümlich, dass es in Uganda liege. Uganda liegt aber eigentlich viel weiter, jenseits des Victoria Xyanza, während die jüdische Konzession sich in Ostafrika selbst befindet, fast halbwegs zwischen Mombassa. und. dem -See." „Ist es weit von der Uganda-Eisenbahn?" „Nein. Im Gregenteil. Die Konzession liegt hart an der Eisenbahnlinie. Die Stadt Nairobi, eine wichtige Station der Eisenbahn, wird ihr natürlicher Absatzmarkt sein. Man kann, wenn man nicht ganz genau sein will, sagen, dass die Konzession zwischen Nairobi im Süden und dem Gcbirgsstock des Kenia im Norden liegt," „Wie ist das Klima?" „Das Klima ist ausgezeichnet. In der Küstengegend herrscht zwar das Sumpf lieber, man verzeichnet gleichfalls Leberahszesse, aber in den höher gelegenen Regionen wird auch das Klima viel gesünder. Das den Juden angebotene Gebiet liegt auf einer Höhe von 1500—2500 Metern, das Sumpffielxvr ist dort nur wenig verbreitet, da die Sumpf - fliegen sich zu einer solchen liöhe nicht erheben können. Der Gesundheitsznstand ist daselbst ausgezeichnet. Was die Schlafkrankheit betrifft, so ist sie dort gänzlich mibe* kannt; erst an der See sei te ist sie zu Hause. So habe ich. im Krankenhause von Port-Florence, der Endstation der Ugandabahn, an einem Tage 18 an dieser Krankheit leidende Personen gesehen. Aber das Konzessionsgebiet ist derartig sanitär, dass man. in Nairobi ein Sanatorium für die Kranken, die von der Küste kommen werden, bauen will. Diese Aufgabe will die Kongregation der „Peres du Saint-Esprit", die im Osten Afrikas einige Niederlassungen hat, auf sich nehmen/4' „Und wie liesse sich die Zukunft der Kolonie vom Standpunkte der Agrikultur voraussagen?" „Oie Kolonie hat sicherlich eine grosse agrikultureile Zukunft vor sich. Das Klima ist ausgezeichnet, es fehlt nicht an Wasser, die Vegetation entwickelt sich dort mit einer in. unseren Tündern unbekannten Ueppigkeit. Gemüsepflanzen wachsen zn allen Jahreszeiten. Man hat sogar einen Exporthandel, mit Erdäpfeln einführen wollen. Der Kaffee ist vortrefflich, der wahre Mokka, wie er im Norden Abvssiniens wächst. Ich bin überzeugt, dass man dort beinahe alle Branchen der modernen Agrikultur entwickeln könnte, da die Höhen- und infolgedessen auch die Klimamannigfaltigkeit dJafiir besonders günstig sind. Wasser ist im Gebiet überall in Ueberfiuss vorhanden. MSan könnte übrigens dort leicht Brunnen graben, da das unterirdische Wasser sich in einer nicht allzu grossen Tiefe befindet. Die Kongregation isten vom Saint-Esprit haben es sogar mit der .Rebenpflanzung versucht. Das Land ist gleichfalls für die Viehzucht geeignet. In den Gegenden aber, wo die Höhe mir 1000 Meter erreicht, findet die Viehzucht ein furchtbares Hindernis in der Fliege T'se- Tse, die schreckliche Epidemien hervorruft." „Und1 die Einwohner?*4 „Jetzt gelangen wir zur wichtigsten Seite der Frage-. Ich glaube, dass die europäischen Siedler sich in Uganda ebenso leicht werden niederlassen können, wie es z. B. in Algier der Fall war. Aber im Falle der jüdischen Kolonisation wird die Sachlage wesentlich anders. Ich hebe nämlich hervor, dass England, den Zionisten ein bewohntes Gebiet abtreten will. Ich spreche nicht von den Xegseirn, die manche Ungelegenhcit bereiten können, da die Stämme von Wa-Ki-K'uya und die „Massai" sehr kriegerisch, sind. Die Weissen würden ihnen, »schon leicht beikommen. Die grössten Schwierigkeiten haben die Zionisten von einer anderen Seite zu gewärtigen. Das angebotene Territorium ist kein un bevölkertes Gebiet. Hunderte von Siedlern haben sich schon daselbst niedergelassen. Es ist schon sogar angesichts der sehr bedeutenden Zahl der Gesuche die unentgeltliche Konzession von Boden, schwierig geworden. Wie sollte nun dort eine jüdische Autonomie gegründet werden können? Wie würde die englische Regierung den ° ö Ö Neuangekommenen Rechte einräumen können, die den Altangesessene]! gebühren? Es gibt dort Engländer, Deutsche, Holländer, ja sogar Franzosen. Die Zionisten werden mit

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