Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 20 (19.5.1905)
- Date
- 1905-05-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 1× ep/1046078
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Seite 4 „bis * weit Nr. 20 Meer zur Grenze und im Osten den Jordan und das Tote Meer. Dieses Gebiet umfasst über 12 00C) Quadratkilometer und hatte im Jahre 1900 eine Bevölkerung von 320 000 Seelen. Demnach, ist seine Volksdichte mit der Zahl 26 ausgedrückt, also genau der Hälfte der von Zangwill angeführten Zahl, Es liegt in der Tat kein Grund vor, anzunehmen, dass seit 1900, also in kaum fünf Jahren, die Bevölkerung sich in diesem Liwa verdoppelt hätte. Eine Vermehrung hat nur in den Städten Jerusalem und Jaffa stattgefunden. Und hiermit streifen wir den prinzipiellen Fehler der Angaben de^s Herrn Zangwill sowohl für das Liwa Jerusalem, wie auch für die Vereinigten Staaten. Herr Zangwill, hat im ersten Falle bei der geringen Fläche des Liwa die Bevölkerung der grossen Städte mit hineingerechnet (auch dann ist seine Zahl doppelt su gross als die wirkliche), und erhält eine verhältnismässig hohe Bevölkerungsziffer pro Quadratkilometer. Rechnen wir für die drei Städte Jaffa, Gaza und Jerusalem ihre Bevölkerungszahl mit zirka 135 000 Seelen von der der ganzen Liwa ab, so erhalten wir als Bevölkerung für das platte Land (mit Einschluss der kleineren Städte) 185 000 Seelen, das sind zirka 15'A pro Quadratkilometer. Dies entspricht auch den tatsächlichen Verhältnissen. Wer Palästina kennt, musste über Herrn Zangwills Angabe staunen. Andrerseits operiert Herr Zangwill mit der Bevölkerungszahl der Vereinigten Staaten, zwar äusserlich nach demselben Prinzip, dem Sinne nach aber in entgegengesetzter Richtung. Er wirft die Bevölkerungsziffer des gut bevölkerten Ostens der Vereinigten Staaten mit derjenigen des schwach bevölkerten Westens zusammen- und erhält auf diese Weise eine Bevölkerung von nur 26 Mann pro Quadratkilometer. Während; wir in Palästina ein mehr oder weniger gleich-massig schwach besiedeltes Land haben, welches nur einige stärker bevölkerte Städte besitzt, bestehen die Vereinigten Staaten aus zwei grossen Gebieten, deren Bevölkerungsverhältnisse gänzlich verschieden sind und die ein Mittel ergeben, welches keine Beweiskraft haben kann. Wir können also Herrn Zangwill trösten. Wir werden nicht gezwungen sein, nach dem Beispiel unserer Väter die Stämme, die Palästina besitzen, mit dem Schwert in der Hand aus dem Lande zu jagen. Land gibt es genug in Palästina. Allerdings muss es erworben und angebaut werden, um eine stärkere Volksdichte zu gestatten. Bei den modernen Hilfsmitteln der Agrikultur und der Wassertechnik werden wir imstande sein, auf dem fruchtbaren Boden Palästinas bei seinem milden, subtropischen Klima das Fünffache an Bevölkerung zu ernähren. Nimmt man an, dass Palästina nur 29 000 Quadratkilometer gross ist (ich halte es aber mit dem Ostjordanland und Hauran für mindestens 35 000 Quadratkilometer gross), so hat es jetzt bei seinen 650 000 Seelen Bevölkerung nur 18 Seelen pro Quadratkilometer, lieber drei Millionen Menschen können getrost auf dieser Fläche ein materiell sorgenfreies Dasein führen. Uebrigens ist Herr Zangwill mit seinen eigenen Angaben im Widerspruch. Er sagt, dass wir im Liwa Jerusalem nicht einmal 25% der Bevölkerung ausmachen. Wenn wir die jüdische Bevölkerung Jerusalems sogar mit 50 000 und diejenige Jaffas mit 10 000, die Hebrons mit 2000 und die der anderen Orte und der jüdischen Kolonien in diesem Liwa mit 3000 Seelen in Rechnung bringen, so erhalten wir hier eine jüdische Gesamtbevölkerung von etwa 65 000 Seelen, was in der Tat bei 320 000 Seelen Gesamtbevölkerung etwa 20%, also „nicht einmal 25%" ausmacht. Sollte aber das Liwa laut Zangwills Angaben eine Bevölkerung von 52 Seelen pro Quadratkilometer haben, so miisste es von 640 000 Menschen bewohnt sein (d. Ii. von der Bevölkerung des ganzen Landes), und die Juden würden 10% der Bevölkerung ausmachen. Nun gibt es aber in der Tat noch etwa 20 000 Juden: (Safed mit zirka 11 OOd, Tiber ins mit zirka 4000, die Kolonien und das übrige Land mit noch etwa 50UO) in Palästina ausser den zirka 65 000 in Judäa wohnenden, und die bilden etwa 12'A% der Gesamtbevölkerung des Landes. Und so gibt es auch Herr Za n g w i .1,1 a m indem er sagt: „Jetzt machen wir bloss 12% der Bevölkerung aus." Wie gelangt er aber dann zu seinen Angaben von 52 Seelen pro Quadratkilometer im Liwa Jerusalem und von 25% jüdischer Bevölkerung in diesem Liwa, was zirka 160 000 Juden für das Liwa allein ausmachen würde? Noch eine Behauptung des Herrn Zangwill entsprient nicht ganz der Wirklichkeit. Er sagt nämlich, ,,dass ein grosser Teil des heiligen Bodens sich in den Händen, von Privatbesitzern befindet und könnte nicht sogleich unser werden, auch wenn wir bereits den Charter hätten, dagegen seien die Länder der Krone, die dem Sultan gehören und somit ganz abgekauft werden könnt e n, leider Ebenen, die von Bodenausdünstungen und Fiebeir", nicht frei sind. Und sogar diese sind bereits zum Teil okkupiert durch Mohammedaner aus der Berberei und dem Balkan." Dass ein grosser Teil des palästinensischen Bodens, ja bei weitem der grösste Teil, mag er reiner Privatbesitz (Mulk) oder der erbberechtigten Nutzniessunig von Privaten übeiiassener staatlicher Boden (Mirie) sei, seine Besitzer hat, ist vollständig richtig. Und da wird auch in der Tat kein Charter darüber hinweghelfen. Der Boden Palästinas muss auf privatwirtschaftlichem Wege des Kaufes zu uns gelangen. Mit dieser Tatsache müssen wir nun einmal rechnen. Unrichtig ist es aber, dass die Länder der Krone gleichsam im Gegensatze zu den anderen Besitzkategorien ganz abgekauft werden können. Der Sultan verkauft nicht seine Besitzungen, sondern verpachtet sie an Bauern, die sich als Pächter der Krondomäne noch am besten in der Türkei fühlen. Denn die Abgaben sind hierbei erträglicher (die Krondornäneupächter zahlen keinen Zehnten, sondern nur 20—25% des Bruttoertrages als Pachtzins), und die Behandlung seitens der Beamten der Liste civile ist eine durchwegs gute. Die Pachtung von Krondomänen kommt für unsere Ziele sehr in Betracht und wir müssen darauf bedacht sein, diesbezügliche Konzessionen von der Administration der Liste civile zu erlangen. Es ist auch nicht richtig, dass diese Ländercien grösstenteils okkupiert wären. Mohammedaner aus dem Balkan gibt es in Palästina nur an einem einzigen Orte, und zwar die seit 1884 gegründete bosniakische Ansiedlumg in Cäsaräa auf Boden, der nicht dem Sultan gehört. Maghrebiner gibt es an einem Orte, der dem Sultan gehört, nämlich im Dorfe Samach am Ostufer des Jordans unmittelbar nach seinem Austritt aus dem Tiberiassee. Dem Sultan gehört der grösste Teil der fruchtbaren und wasserreichen Jordanebene, deren nördlicher Teil in der Tat sumpfig ist und von harmlosen Beduinen (Ghawarine) bewohnt ist. Dieses Gebiet Hesse sich aber nach Trockenlegung der Sümpfe ausgezeichnet kultivieren und könnte eine grosse Bevölkerung ernähren (Vgl. Furrer in Nr. 2 von „Altneuland" 1905). Wir sehen also, dass es mit der Einwanderung von Mohammedanern aus der Berberei und dem Balkan nicht so schrecklich aussieht. Viel wichtiger für uns ist die Einwanderung von Tscherkessen;, auf die Herr Zangwill, hinzuweisen hätte, die bei Sedschena ein blühendes Dorf, Kafr-Kama, und jenseits des Jordans um Kunetra im Norden und bei Dscherasch im Süden eine Anzahl von Dörfern gegründet haben. (Das aussterbende Tscherkessendorf bei Hedera ist belanglos.) Diese Einwanderung wird besonders vom Mutessarif von Kerak gefördert. Zwar sind uns die Tscherkessen wirtschaftlich nicht gewachsen, aber immerhin sind sie bei dem momentanen Kulturstande des Landes ein nicht zu verachtender Konkurrent für uns. Dann sagt Herr Zangwill: „Wir werden mit dem Problem einer fremden Bevölkerung zu kämpfen haben, die zum grössten Teil aus Mohammedanern besteht und sich Jahrhunderte hindurch gewöhnt hat, uns zu verachten.44 Wir haben gesehen, dass das Problem der fremden Bevölkerung in seinem eigem>