Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 20 (19.5.1905)
- Date
- 1905-05-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 „bis weit11 Seite 3 Australien erinnern, das aLs Strafkolonie seine Existenz als Siedlung begonnen hatte. Ist es nun möglich, dass wir unter Voraussetzungen guter natürlicher Bedingungen mit einem nicht verbrecheriscnen, sondern dem alilernüchte nisten und fleissigste.ii Volke Misserfolg ernten werden? Zwei Dinge sind notwendig zur Gründung eines neuen Staates — ein gesundes, fruchtbares Land und eine kleine Pioniierbevölkerung — alles übrige kommt von selbst. Ostafrika oder irgend ein anderes Territorium — nur nicht Palästina — hat endlich den Vorteil, dass es uns von den enormen politischem und theologischen Problemen, die uns in Palästina zufallen würden, entlastet. Das einzige Problem wäre nur das wirtschaftliche. Und ich g-Üaube, dass ein Volk, das gelernt hat, unter allen möglichen Verhältnissen sich durchzuringen, auch auf dem neuen Territorium nicht zusammenbrechen werde. Eine Schar von jüdischen Siedlern hat sich bereits nach Ostafrika begeben und dies ist wichtiger, als eine Reihe von zionistischen Reden. Eine Anzahl von jungen Leuten aus der Woodbine-Kolonie in den Vereinigten Staaten hat enthusiastisch erklärt, nach dein jüdischen Plateau auswandern zu wollen, da sie von der Autonomie angezogen worden seien, und wir können sicher sein, dass dieses Wort tausende von russischen Juden heranziehen wird. Es dürfte ihnen auch dieser Exodus nicht verboten werden. Die Politik unserer modernen Pharaonen ist: die Juden laufen lassen. Also an Arbeitskraft wird eis uns nicht mangeln, aber haben wir Juden, die befähigt wären, über Menschen zu herrschen, die an das wilde Leben in den neuen Ländern gewönnt wären? Ja, wir besitzen diesen Typus, gerade wir, da wir überhaupt jeden Menschenschlag besitzen. Denken Sie an Em in Pascha, den deutschen Juden, der gerade diese Gegend des äquatorialen Afrika regierte. In England selbst können wir auf den Major Sir Matthew Nathan hinweisen, der Gouverneur der Goldküste und von Sierra Leone war. Und es gibt noch andere in britischen Diensten, die weniger berühmt sind, aber Liebe zum Judentum mit britischer Tüchtigkeit in sich vereinigen. Ist es nun möglich, dass unser Staat unter einein Gouverneur von .solchem Schlag etwas anderes werde als eine Stütze für den Zionismus, eine Fundgrube von politischer Kraft, ein Ort zur Wahrung der jüdischen Rasse? Einige Siedler in Nairobi haben bereits einen zionistischen Verein gegründet. Sogar in geographischer Beziehung, mit Hilfe des modernen Eisenbahn- und Dampferverkehires, ist Ostafrika von Palästina nicht allzuweit entfernt. Als Mosis vom Berge Nebo das verheissene Land schaute, war er nicht näher der Stadt Jerusalem — wenn man die moderneu Bedingungen von Raum und Zeit in Betracht zieht — als ein moderner Führer auf einem ostafrikauischen Berg es ist. Das Judentum ist bis Abessinien vorgedrungen, wo die Falaschas uns Sympathie eutgegenbringen würden. Karl Peters erzählt uns, dass in den alten Zeiten zwischen Ostafrika und. Palästina ■Handelsbeziehungen bestanden. Dieser Handel könnte sicherlich aufleben, da die Verbindung zwischen diesen Ländern eine leichte ist. Es ist eigentümlich, dass der Längegrad von Jerusalem dieses angebotene Territorium durchschneidet. Aber es ist möglich, dass das englische Angebot oder irgend ein ähnlicher territorialistischer Plan vom zionistischen Kongresse verworfen worden wird. Es ist möglich, dass dieser daran vergessen wird, dass ale Tore der Hoffnung vor dein Wanderjuden geschlossen sind. Es ist möglich, dass die Leidenschaft für Palästina alle Rücksichten der .Politik über den Haufen werfen wird und dass unsere ganze Arbeit dazu führen wird, dass wir — die Ugandabahn zahlungsfähig machen. Sogar eine Majorität für Ostafrika wäre nutzlos, ausser wenn es eine erdrückende Majorität wäre, denn die jüdiscne politische Erziehung befindet sich in einem so primitiven Zustande, dass eine Minorität die Aktion der Majorität beeinträchtigen kann. In diesem Falle »müsste die rein palästinensische Partei eine andere Ersatzpolitik bieten oder der Zionismus wird zu einer Debattergeserlschaft herabsinken. Um dieses zu vermeiden, müssen unsere praktischen Männer1 sich in unsere Reihen stellen, sie müssen das Problem der jüdischen Rettung aufgreifen. Und dieses Problem kann bloss als ein Qanzes und auf eine heroische Weise gelöst werden. In der Mendelssohnscheii Zeit gab es in Deutschland, einen Judentypus, der Schutz- oder Hofjude genannt wurde. Während die übrigen Genossen in Elend und Verachtung schmachteten, genossen diese allein beinahe alle Privilegien eines Christen. Aber welchen Nutzen hat das Volk davon, dass einzelne Ausniahmspersonen ausnaluns weise behandelt werden? Und welchen Nutzen hat ein Volk, wenn Ausiiahmsgemeinden Ausnahmsrechte gemessen, während der grossen Masse sogar die elementarsten Menschenrechte verweigert werden? Wir westlichen Juden sind schliesslich bloss Gruppen von Hofjuden. Wie können die sich mit ihren Privilegien zufriedengeben, wenn ihre Brüder noch mit den Lassen getreten werden? Die Spanier haben ein Wort: Morgen — Mana.ua. Alles und jedes verschieben sie für morgen. Deshalb hat Amerika auch Spanien so leicht besiegt. Der Judenrnessias ist dem spanischen ,,Mananav* nicht unähnlich. Er kommt immer morgen. Aber warum nicht heute? Er ist gekommen — unser Messias ist der Zionismus, der Zionismus, der den gelben Schandfleck, dien das Mittelalter uns aufgezwüngt hat, von uns nahm und ihn in eine gelbe Rose, das Symbol unseres Stolzes, verwandelt hat, der Zionismus, der in der kurzen Spanne von sieben Jahren; so weit vorgeschritten ist, dass in der St. Louis-Ausstellung unter allen Palmen der Völker auch die blauweisse Zionsilagge wehte. Vielleicht weht sie bald — demnächst und in unseren Tagen — wenn nicht über Palästina selbst, so doch über einem vorläufigen Palästina, über irgend einem neuen Sinai, über einem Lande, wo unsere bedrückten Massen frei aufatmen kennten, wo Geist und Körper wieder gerade auischiessen könnten, wo das Maraniienjudentum vor dem Makkabüerjudentum weichen würde, wo wir wieder einmal lernen werden, wie man Berge und Elüssei liebt, dio unser eigen sind, wo wir nicht länger unsere Harfen werden hängen lassen müssen, weil wir nicht Zionslieder im fremden. Lande singen können, wo wir diese singen werden, weil wir Jerusalems gedenken. Denn unsere Passahsehnsucht ist nicht nur bloss, ,,im nächsten Jahr im Lande von Israel zu sein", sondern auch — und das ist vielleicht nicht die unwichtigste Hälfte — „im nächsten Jahre Söhne der Freiheit zu sein". Zangwili über die Bevölkerungsverhältnisse Palästinas. Herr Zangwili hatte in seinem Artikel in Nr. 17 1. J. der .AVeit" aus einigen von ihm aufgeführten Zahlen die Schlussfolgerung gezogen, dass Palästina schon stark bevölkert sei und dass „die wirkliche Schwierigkeit für die Besitzergreifung des Landes in der nichtiüdischen Einwohnerzahl läge." Mit diesem Argument operieren häufig auch unsere) Gegner, und so ist es doppelt wichtig, mit dieser Label einfür allemal aufzuräumen. Ich komme deshalb der Aufforderung der Redaktion gerne nach, die Zangwillsehen Zahlen zu rektifizieren. Herr Zangwili behauptet, dass das Paschalik von .Jerusalem zweimal so dicht bewohnt sei, als die Vereinigten, Staaten. Iis wohnten dort 57 -Menschen auf einem Quadratkilometer. Dieser Behauptung muss ich folgende Tatsachen gegenüberstellen: Oas Liwa Jerusalem umfasst den ganzen Süden Palästinas. Ls beginnt nördlich von Jaffa und zieht sich bis an die Grenze von Aegypten hin. Ls ist somit im Norden voi: einer Linie begrenzt, die zwischen Luffa und Nabulus läuft, im Süden ist die ägyptische Grenze ebenfalls die Grenze des Liwa Jerusalem. Im weiteren hat es das Mittelländische