Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 20 (19.5.1905)
- Date
- 1905-05-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 # weit'* Nr. 20 festgehalten werden müsste, um dem Ansturm der Aussenseiter kräftig und erfolgreich entgegentreten zu .können. Man missversiehe das nicht. Es soll damit nicht ein Dogma geschaffen und für immer festgelegt werden! Es wäre-unverzeihlich, wenn wir, die wir nach Freiheit unseres Volkes streben, einer Fortentwicklung unseres Programme* widerstreben wollten. Solange aber nicht eine ungeheure Mehrheit unserer Gesinnungsgenossen von der Notwendigkeit einer Abänderung überzeugt ist und dieser Ueberzeugung in einem feierlichen Kongressbeschluss Ausdruck gibt, solange müssen wir alle an diesen) Programme, festhalten und allen Durchstechereien und willkürlichen Interpretationen einzelner oder ganzer Körperschaften jede Berod it i gung aIsprechen. Das ist alles so oft gesagt worden, dass man jetzt .-(.•hon wahrhaftig der Mühe überhoben sein sollte, es wieder vorbringen &u müssen. Es fehlt aber nicht an Katschlägen und Beschlüssen, die1 das grosse A.-C. nach der einen oder anderen Seite drängen möchten. Freilich ist es nicht anzunehmen, dass solche Wünsche ein geneigtes Entgegenkommen finden werden, aber es ist nicht überflüssig, darauf hinzuweisen, dass eine Abweichung, und wäre sie selbst eine Art Kompromiss zwischen irgend welchen Iviehl ungen, verwirrend und zersetzend wirke» müsste, sofern das ,.(") f f e n t 1 i c h r e c h t 1 i c hu oüVr die „II e i m - statt e i n P a last i. n au dadurch in Frage kämen. Noch hat der Kongress nicht gesprochen,, der d.5e eiin/e oderr andere dieser unserer Kardinalfordertmgen atifgegebeti hätte, und so ist es nicht zu bezweifeln, dass das grosse A.-(\, die vom Kongress auf Grund des bisherigen Programme* gewählte Leitung, eine jede Abweichung preirhorreszieren und demgemäss sdne Vorschläge erstatten werde. Damit ist aber auch schon in seinem Kerne gegeben, was die Beratungen des grossen A.-U, bringen werden : die weithin veruehmbare Erklärung von unserem Festhalten an der Arbeit, wie wir sie auf sechs Kongressen beraten und beschlossen haben, die Aufforderung an alle unsere (u'sinnungsgenossen. sich auf Grund des allen Geniein- .-.am-en. unseres Programmen, zusamnien/uscbliesseji und unsere Arbeit in der Richtung fori zuführen, die von unserer bisherigen Tätigkeit ja von selbst bestimmt ist, Ausscheidung aller Pläne, die geeignet sind, unsere Grundforderungen' zu verschleiern oder gar zu erschüttern. Keine Kolonisationsprojekte, die mit unserem Ziele in keinem historischen oder sonstigen engen programmatischen Zusammenhange stehen, aber auch, keine Verflachung und Verkleinerung unserer politischen Bestrohtingen, die a/lloin geeignet sind, unsere Freiheit nicht nur zu erringen, sondern, soweit menschliche Voraussicht und die Gesetzlichkeit der Zivilisation herrscht, auch allein imstande sind, >ie uns zu garantieren. Darum können wir dieser Sitzung unseres grossen A.-C. mit ruhiger Zuversieht entgegensehen. Sie wird uns hoffentlich anbahnen hellen, was der Kongress zeigen wird und miws. wenn wir weiter bestehen wollen: unsere Einigkeit und unser festes IVharrcn auf unserem Wege, auf dem Wege zur öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in P;-Ja>ti:i;;. Dr. Werner. Der Zionismus und das Angebot Englands. Von Israel Zangwill. (Schluss.) Kinc kleine Kommission, bestehend aus Major A. St. Gibbons, Dr. Wilbuscli und Prof. Kaiser, ist endlich entsendet worden. Sie ist bereits zurückgekehrt und ihr Bericht wird in einigen Tagen fertig sein. Alles, was wir zur Stunde vernehmen, ist, dass das Klima wunderbar, die Gefahr seitens der Eingeborenen nur gering sei und dass das Land sich -eher für Viehzucht als für Ackerbau eigne. Das letztere wäre eine ernste Schwierigkeit. Ein Weideland kann bloss eine beschr linkte Zahl von Einwohnern ernähren. Während 500C) Quadratkilometer eines Ackerbaulandes wenigstens eine Million Menschen erhalten können, reicht ein Weideland von derselben Ausdehnung kaum für 50 000 Menschen aus. Dagegen stimmen Sir Johns ton und Sir Eliot darin üb er ein, dass das Land sich vorzüglich für Ackerbau .eigne. Warten wir also den Bericht unserer Kommission ab. Es ist klar, dass 5000 Quadratkilonieter keineswegs die endgültige Lösung der Judenfrage bieten können. Wenn sie sogar so dichtbevölkert wären wie die Vereinigten Königreiche von England, mit allen deren kommerziellen und industriellen Vorteilen — was ja unmöglich ist — sie könnten dennoch bloss anderthalb Millionen Menschen! aufnehmen. Aber sogar die Austedlung einer halben Million Juden mit eigener Verwaltung urd unter lern Schutze der liitischen Regierung wäre eine enorme Erleichterung der jüdischen Lage. Aber wenn der Bericht der Kommission unsere überschwänglichsteii. Erwartungen übertreffen würde, da bleibt die Frage noch offen: Besitzen wir Juden die Gabe, zu kolonisieren, und wenn es auch ein irdisches Paradies wäre? Woher sollen unsere Pioniertruppen kommen? Es herrscht die Anschauung, die Juden seien bloss Vermittler, Schmarotzer. Die „Sweat-shops" widerlegen diese Ansicht, da die Juden dort mit ihren eigenen Händen produktiv arbeiten. Die Meinung, dass Juden vor grober Arbeit zurückschrecken, ist auch unwahr. Wir vergeuden bloss unsere Arbeitskraft. Wir ertragen die Geburtswehen, aber das Kind gehört nie uns. Es gibt Löwen in Ostafrika, aber was wäre Juda ohne den Löwen von Juda? Unsere Altvorderen haben mit Löwen gekämpft, warum sollten wir es nicht auch? Wollen wir einmal in der Geschichte die Entstehung von Kolonien und Staaten betrachten: Neu-England, das Gerippe Amerikas, ist durch die Auswanderung einer kleinen, unabhängigen religiösen Gemeinde aus einer englischen Stadt auf dem Umwege über Holland, entstanden. Die Männer, die die Gründung von Neu-England beschlossen und ausgeführt haben und es ausserhalb des Despotismus von Königen und Pfaffen stellten, waren Puritaner und Puritaner sind eigentlich Juden. Das Gesellschaftsleben in Neu-England war nach jüdischem Muster gestaltet — das Schulhaus und das Versammlungshaus waren die Zentren des Volkslebens. Der mosaische Zivilkodex beeinflusste die Gesetzgebung. Die Bibel war ihr Standard Work. Die Eesttage im Frühling und im Herbst entsprachen den jüdischen Feiertagen. Kurz, der jüdische Geist hat Amerika gegründet. Aber wo war der jüdische Geist der Juden selbst? Sie haben ihn den, Christen geliehen. Sie sind Marranen geworden. Sie waren die Hauptaktionäre der We&t- India Company, die New York aufgebaut hat. Wenn sie, anstatt Aktionäre zu werden, bloss hin gesegelt wären! Der jüdische Geist hat die Vereinigten Staaten von Amerika gegründet. Ist es denn wirklich unmöglich, sich vorzustellen, dass auch die Vereinigten Staaten, von Afrika begründen werde? Pennsylvania ist von Quäkern gegründet worden und die Lage der Hauptstadt ist in London bestimmt worden und das Stadtratsgehäude dieser Hauptstadt steht gerade auf demselben Platze, wohin es von dem prophetischen Geiste Penns gestellt wurde. Die ersten Bewohner Philadelphias lebten in Kellern. Wenn nun sogar die wohlhabenden Westjuden gar nicht bemüht wären, für sich selbst einen neuen Staat zu gründen, so entgehen sie dadurch noch hei weitem nicht ihrer Pflicht, ihren verfolgten Brüdern zu einem freieren und edleren Leben zu verhelfen. Die Philanthropie, in weisen Händen gelegen, hat sich als erfolgreiche Staatsbildnerin erwiesen. Georgia war ursprünglich als Hilfsquelle für die armen Schuldner, die in den englischen Kerkern schmachteten, geplant. Diejenigen, die glauben, unser Volk sei ein wenig verheisseiides Material zur Bildung von Staaten, mögen sich an