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Die Welt · 1905-05-12 · 19 (12.5.1905) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
19 (12.5.1905)
Date
1905-05-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 „bie # weit" Nr. 19 bessere Name sei hier gleich vorangestellt: Das Grab in Rosen. Mitten im Gestrüpp liegt der verwahrloste, niedrige Hügel. Schwarze Riesenzypressen ragen wie eherne Wächter daneben in die Lüfte. Der Turm mit der Totenglocke erhebt sich im Hintergrunde über einem schweigsamen Kloster. Keine liebende Hand hat je das Grab gepflegt, aber aus einem verwehten Samenkorn ist es aufgeschossen, rote, blutige, glühende Rosen in Menge, als hätte sie jemand aus vollen Armen hergeworfen, die Rosen der Liebe. Ob wohl drinnen in einer Klosterzelle sich kein einsamer Unglücklicher stöhnend herumwälzt und an den Hügel da draussen denkt? Wie Unglück und Tod deutet die Schwärze der Zypressen und blutig leuchtets vom verlassenen Grabe. . . „Wie wäre es, wenn Sie mit Ihren jüdischen Kollegen Ihre Atdiers für Kunstwanderungen unserer armen Brüder aus der Toynbeehalle öffneten?" fragte ich. „Ich bin überzeugt, dass Sie zur Belohnung ehrlichere Bewunderung finden würden, als bei der guten Gesellschaft, denen der Mammon den Kopf verdreht." „Sehr schmeichelhaft, wenn Sie glauben, dass mich jemand bewundert. Aber für die arbeitenden Schichten male ich zu traurig und ich fürchte, zu schlecht" war die künstlerisch bescheidene Antwort. „Wie brav, dass Sie sich mit Gorki streiten. Also auch Sie sind der Ansicht, dass nicht die Vielen um der Wenigen willen leben, sondern umgekehrt, die" — „Aufgepasst" schrie eine helle Stimme und ein Pinsel kam von der Türe her. Die kleine B., die Schülerin des Malers, hatte den Diener bestochen und ihrer Mama streng aufgetragen, daweil im Vorzimmer zu zu bleiben. Sie selbst schlich sich sachte herein und warf nach uns. Das Mädel freute sich unbändig über ihren Bubenstreich und schon kam ein neues Wuifgeschoss. Wie nun die weissen Zähne in ihrem rosigen, lachenden Munde glänzten und die schlanke Gestalt sich übermütig drehte, da war es uns, als würfe uns das Leben die Pinsel an die philosophierenden Köpfe. Wir sagten der Kleinen eine Artigkeit und schieden fröhlich. J. Upfimny. Friedrich Schiller in der neuhebräischen Literatur. Zu seinem hundertsten Todestage. (9. Mai 1805 — 9. Mai 1905). Schiller, der grosse, feinfühlige Dichter und Aesthetiker, welcher den Menschen »nur durch das Morgentor des Schönen in der Erkenntnis - und fügen wir hinzu: — auch in der Sittlichkeit Land, dringen" lässt, konnte seinen damals äusserlich noch recht verkommen dreinsehenden israelitischen Mitbürgern weder besonderen Geschmack abgewinnen noch denselben bei seiner — trotz grosser, in den Jugenddramen sich äussernder Bibelfestigkeit — geringen Kenntnis jüdischen Wesens und jüdischer Lehre Gerechtigkeit widerfahren lassen. Er betrachtet sie also in seiner „Sendung Moses* (1789) bloss „als ein unreines und gemeines G efäss, worin aber etwas sehr Kostbares aufbewahrt worden ist." Nichtsdestoweniger fand gerade das Wesentliche von Schillers Poesie: die stürmische Freiheitsliebe und das tiefe Gemüts- und Gedankenleben nirgends so lebhaften Anklang, so warmes Verständnis als im jüdischen Ghetto. Vor allem trifft; das Gesagte zu für die „Gasse" des Vormärz. Hier war Schiller unbestritten das Symbol der höchsten „Bildung". Nicht nur jeder Haskaladichter, sondern überhaupt jeder jüdische Pädagoge, der als „gebildet" gelten wollte, musste in Rede und Schrift den „göttlichen" Schiller zitieren können. Man denke nur an den vortrefflichen Privatlehrer Julius Arnsteiner, die gelungenste Gestalt Leopold Komperts (Schriften, IV, S. 306 ff.), dessen in argen Liebesnöten entstandene „ Tagebuchsblätter" Schillers „Don Carlos" stark in Anspruch nehmen. Der Schillerkultus zog in die „Gasse" am Ende des zweiten Jahrzehntes des vorigen Jahrhunderts ein. Kein deutscher Dichter wurde auch so häufig der neuerblühten hebräischen Literatur einverleibt als Friedrich Schiller, Was wurde von Schillers Schriften in die hebräische Sprache übersetzt? Meines Wissens folgendes: Lyrische Gedichte. Die Glocke von S. Bacher, Kochba Izchak, Wien 1845, M. Rabener aus Lemberg, Schir ha-chaim (Lied des Lebens) Jassy 1868. Die Fragmente: „Wo das Strenge mit dem Zarten" und „Dem dunkeln Schoss der heiligen Erde" von M. Letteris. „Die Feuersbruast" und „Die Schilderung des häuslichen Glückes" von S. L. Rappaport, Die Teilung d er Erde von Bauer, von Jakobssohn, von A. Goldberg, von L. Raschkow. Die Worte des Glaubens von Bauer, von Jakobssohn, von Letteris. AndieFreude von B. Schönfeld, von M. J. Büschenthal, von Letteris. Des Mädchens Klage von Letteris. Die Hoffnung vonB. Schlesinger, von B. Schwarzwald, von Leni Adler, von Letteris, von D. Caro,v. S. Maris Die Macht des Gesanges von Letteris. Die Sprüche des Confuzius von Jakobssohn. An die Menschen von D. Caro. Elegie auf den Tod e i n e s J ü n g 1 i n g s von Fischmann, von M. F. Stern. Die Ideale von O. Bibring, von M. A. Schwarz von N. Schapira. Resignation von A. B. Gottlober, von N. Schapira. Der Spaziergang von Julius Meiler. Hochzeitsgedicht von A. Goldberg. Die Blumen von J. Klaczko. Der Pilger von Letteris. Der spielende Knabe von Letteris. Die Kindesmörderin von D. Ehrmann, von N. Samuely. Die Führer des Lebens von M. Weissmann. Licht und Wärme von M. Werbel. Epische Gedichte. Der Handschuh von M. S. Rabener, Der Ring des Polykrates von M. E. Stern, von J. Eichenbaum. Der Taucher von? und von J. B e n j a k o b. Die Bürgschaft von S. Roth, von Fischmann, von J. Eichenbaum. Der Gang zum Eisenhammer voa J, Eichenbaum. Hero und Leander von Letteris. Pegasus im Joche von J. Erter. Das Siegesfest von S. D. Strelisker. Die Zerstörung Trojas von M. Löbensohn. Eine Auswahl von Schillers Gedichten gab M. S. Raben er unter dem Titel iiQn rip 1868 in Jassy heraus. Die Jebersetzungen von Letteris und Eichenbaum erschienen in den betreffenden Sammlungen -pp i*q-j, Zolkiew 1823, ^n»n rb*K ib- 1825 und m&i blp> Leipzig 1836; die der anderen erschienen weiters in den hebräischen Zeitschriften QTiyn man Wien 1820—1829 und pnsf "»sdis Wien 1845—1871. Dramatisches: Die Braut von Messina, Chor: „Durch die Strassen der Städte" von Letteris.

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