Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 19 (12.5.1905)
- Date
- 1905-05-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 „bie $ § 10. Die Arbeiten eines Kongresses werden nach der vom IILKongresse beschlossenen Geschäftsordnung durchgeführt. § IL An den Verhandlungen des Kongresses können nur die von Schekelzahlern gewählten Delegierten teilnehmen. § 12. Jeder Schekelzahler hat das aktive Wahlrecht zum Kongresse bei erreichtem 18. und das passive bei erreichtem 24. Lebensjahre. Die Wahlen sind mindestens vier Wochen vor Beginn des Kongresses möglichst an einem und demselben Tage (also heuer spätestens am 29. Juni. D.R.) in der ganzen Welt vorzunehmen. Bei Verhinderung eines Gewählten ist bis zum Beginn des Kongresses eine Ersatzwahl zulässig. Die Vereine werden ermächtigt, zur Vermeidung von Unzuträglichkeiten gleich beim Wahlakte für den Fall von Verhinderung der Delegierten Ersatzmänner mitzuwählen, welche gleichzeitig anzumelden sind. § 13. Die Wahlgruppen sind Zweihundertschaften. Die Einteilung der Wahlgruppen wird von der Landesorganisation vorgenommen durch Zuweisung einer Delegiertenanzahl welche der Schekeizahleranzahl entspricht, so weit es sich um Vereine handelt, oder durch Zusammenlegung solcher Schekelzahlergruppen, deren Zahl 200 nicht erreicht. § 14. Die Wahl der Delegierten für den Zionistenkongress ist eine direkte und geheime. Die sonstigen Wahlmodalitäten bieiben den Landesorganisationen überlassen. Sie haben jedoch mindestens drei Monate vor dem Kongresse die Bestätigung des Wahlmodus vom engeren A.-C. einzuholen. Die Verständigung über die vorgenommenen Wahlen kann nur durch die Landasorganisation erfolgen. Die Landesorganisation ist verpflichtet, den Gewählten eine Legitimation über die erfolgte Wahl auszustellen. § 15- Jeder Delegierte verfügt im Kongresse nur über eine Stimme. § 16. Die Delegiertenmandate sind nicht übertragbar. § i7. Jedes Landeskomitee führt eine eigene Liste seiner Schekelzahler, die es ebenso wie die Namen der gewählten Delegierten dem A.-C. wenigstens vier Wochen vor jedem Kongresse mitzuteilen hat. Nach den Bestimmungen des Organisationsstatutes müssen die Delegierten wählen heuer am 29. Juni bereits abgeschlossen sein. Dieser Mitteilung ist hinzuzufügen, dass es im Interesse der Delegierten liegt, die Wahlen möglichst zu beschleunigen. Der Kongress wird am 27. Juli eröffnet. Die Vorberatungen dürften auch die Woche vorher in Anspruch nehmen. Die Delegierten müssen also schon anfangs Juli ihre Reisedispositionen treffen können. Es ergibt sich daraus die Notwendigkeit, die Schekelzahlung und alle Vorberatungen für die Delesiertenwahlen mit grösster Energie und Beschleunigung zu treffen. * * * Unsere Baseler Freunde werden wie in den vergangenen Jahren ein Empfangs- und Vohnungskomitee bilden. Ein Briefwechsel. Architekt Oskar Mar rn orek erhielt vom Präsidenten der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, folgendes Schreiben: Welt" Seite 3 Wien, 5. Mai 1905. Herrn Architekten Oskar Marmorek, Wien. Hochgeehrter Herr! Wie Ihnen bekannt, wird heute die Judenschaft Oesterreichs und auch — wie deutsche jüdische Zeitungen bezeugen — Deutschlands durch die Schächtfrage in mächtige Erregung versetzt. Die Schächtfrage spielte seinerzeit auch nach Belgien und anderen Ländern hinüber, sie ist ganz unzweifelhaft eine antisemitische — allenthalben, wo sie zur Sprache kam, im deutschen Reichstage wie im Wiener Gemeinderate, wurde auf das leuchtende Vorbild, die Schweiz, hingewiesen. Nun lese ich heute in der „Welt"', dass demnächst wieder ein Zionistentag nach Basel einberufen werden solle. Und da drängt sich mir als politischem Antizionisten die Frage auf, ob es der von den Zionisten so hervorragend betonten jüdischen Solidarität entsprich!, ihre Bundesversammlung nach einem deklariert antisemitischen Lande und in demselben nach der deklariert antisemitischen Stadt Basel, wo das Schächtverbot strenge gehandhabt wird, einzuberufen. Ich werfe diese Frage auf vom Standpunkte der „nationaljüdischen Solidarität", vom Ehrenstandpunkte, und ich bitte Sie dringend, hierin nicht etwa einen Angriff gegen den Zionismus zu sehen, da es mich vielmehr sehr freuen und ich es auch öffentlich aussprechen und anerkennen würde, wenn meine Anregung den Erfolg hätte, dass Ihr Kongress /etwa nach Holland oder Belgien oder England etc. einberufen würde. Ich ermächtige Sie auch, von vorliegendem Schreiben jeden Ihnen beliebigen Gebrauch zu machen, und zeichne in vorzüglichster Hochachtung Dr. Alfred Stern» Architekt M arm orek antwortete folgendermassen: Wien, 9. Mai 1905. S e Ii r g e e Ii r t e r IL e r r P resident 1 Ihr Schreiben in Angelegenheit des Einberufungsortes des nächsten Zio.ni sten-Kongresses habe ieh erhalten und daraus zu meiner Befriedigung erfahren, dass Sie. Herr Präsident, der Sie sieh selbst als ,,politiseher Airtiziouist" bekennen, die Bedeutung des Zionismus und. seiner Kongresse für das »Judentum vollauf würdigen und den 11 a t loh a 1 - j ü d i s e I i e n. Soli d a r i t ä ts - S t a n d j > i m k t, e i n c s der Axiome unserer Anschauungen über das Judentum, auf dem der Zionismus aufgebaut ist, vollkommen teilen. Gerne stehe ich Ihnen darum Bede und Antwort in. der von Urnen, angeregten Frage und will Ihnen begründen, warum die Leitung der Zionisten-Bewegung die schweizerische Stadt Basel zu ihrem Kongress-Sitze erwählt hat. Sie erinnern, sieh doch wohl, wie unser grosser Führer Dr. Herzl, als er die kühne Idee gelasst hatte, eine Iri-!>üne zu schaffe]), auf der die Juden ihre eigenen Angelegenheiten, ihre Sorgen und Beschwerden öffentlich vorbringen, ihre Plane und Hoffnungen, für die Zukunft erörtern können — dass Ilerzl in dem ersten Appell an die Judenheit die gute Stadt München als Vorort vorgeschlagen hat und dorthin den I. Kongress einberufen wollte. Fs war keine geheime Versammlung geplant, sondern, vor aller Welt, ohne Heimlichkeit, sollte die Lage des •Judentums erörtert werden, niemandem zuleide, sondern nur dem. Judentume zuliebe, unserem Volke, das so lange und soviel gelitten, ohne bis dahin auf die primitive Idee verfallen zu sein, dies.;' Hilfe nicht mehr von der Wandlung des Sinnes der Völker oder durch. Wunder vergebens zu erwarten, sondern sich einmal selbst zu einer Hilfsaktion zu organisieren und selbst die Mittel zu berat seid a-