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Die Welt · 1905-05-05 · 18 (5.5.1905) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
18 (5.5.1905)
Date
1905-05-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 „bie * weit Nr. 18 das eine Fläche von 200.000 Quadratkilometern bildet, zählte nach den Angaben des Statesman's Tear Book für 1904 bloss 501 Europäer und Eurasier. Aber Ostafiika ist wie Palästina eines der Zukunftßländer. Sein Export wächst immer mehr. Dampfschiffe von drei Linien besuchen schon seine Häfen und auf dem See Victoria Nyanza verkehren regelmässig drei Ugandadampfen Es herrscht telegraphischer Verkehr nach aussen und auch im Inlande gibt es drei Telegraphenlinien. Seine Postbehörde empfing und verschickte im letzten Jahre ungefähr zwei Millionen Briefe und Sendungen, Eine Eisenbahnlinie von 584 Meilen verbindet den Hafen von Mombassa, der bloss drei Wochen vonJLondon entfernt ist, mit dem grossen Binnensee. Mit der Entwicklung der Eisenbahn vom Kap bis Kairo wird auch das ostafrikanische Protektorat seinen Teil an dem Erwachen Afrikas haben. Seitdem Englands Angebot darauf aufmerksam machte, dass es im Herzen der Tropen ein schönes Weiesemännerland gibt, fliesst ein Strom von Auswanderern dahin, und die Ugandabahn, die im Jahre 1903—1904 über 60.000 Pfund Sterling verloren hat, wird heuer etwa 3000 Pfund Sterling verdienen. Sir Charles Eliot, der gewesene Oberkommissär des britischen Ostafrikaprotektorates, der früher die Einwanderung der Juden für einen Vorteil Englands hielt, befürchtet jetzt, dass wir die englischen Siedler verdrängen werden. Aber die britische Regierung bleibt ehrenhaft fest und sie verzieh uns sogar unsere Saumseligkeit aus dem Grunde, weil wir unseren Führer verloren haben, obwohl diese Verzögerung, wie ich bereits angedeutet habe, eine gewisse Modifikation des Angebotes, das ausgemacht wurde, nach sich zog, so dass die wirklich guten Ackerbaugegenden des ostafrikanischen Hochgebirges und die in der Nähe der Eisenbahn gelegenen Landstrecken uns entzogen worden sind, nooh bevor die Expedition ausgerüstet wurde. Wie Bacon sagte: „Zögern ist gefährlich." Wir versäumten das Eisen zu schmieden, so lange es heiss war, und zwar ausschliesslich infolge der politischen Kurzsichtigkeit, die es mit sich brachte, dass man den Gebrauch der zionistischen Fonds für eine so streng zionistische Angelegenheit, wie die Entsendung einer Kommission, die vom Zionistenkongress beschlossen wurde, für unzulässig hielt. Wie ist die uns angebotene Konzession beschaffen? Nun denn, die Angst der lokalen Antisemiten, — und der Umstand, dass sämmtliche 500 Europäer und Eurasier gegen uns sind, ist ein Zeugnis für unsere tatsäcniicne Popularität in Europa und Asien, die Angst, dass wir wirklicn die Konzession erlangen, beweist, dass das uns angebotene Geschäft kein so schiecntes ist. Gerade vor dem englischen Angebote schrieb Sir Harry J ohnsohn, der spezielle Kommissär für Uganda, ohne im entferntesten an eme solene Zukunft des Landes zu denken, folgendes: »Dieses schöne Land hat keinen einzigen nässlichen oder unfreundlichen Fleck. Ueberall ist die .Landschaft niedlich und lieblich, anneimeind und eben, bloss durch wenige gewaltige Formen oder verblüffende Eindrücke unterbrochen. Es ist dermassen anheimelnd, dass angesichts des Umstandes, dass das Land beinahe gar keine eingeborenen Bewohner hat, es scneinen möchte, als od es auf die Ankunft einer anderen Rasse warte, die daraus ein Wunderland von Reichtum und Bequemlichkeit, ein kleineres England, em halbes Schottland oder ein grösseres Wales machen würde". Seine Einwände, die er erhob, als er hörte, dass wir diese neue Rasse eein werden könnten, sind nun vor edelmütigeren Gefühlen gewichen. „Wenn dieses Land", schreibt er, „Ihrem Komitee gegeben wird, dann werden Sie mit einem der besten Stücke unbesetzten Bodens, die man überhaupt im britischen Reiche finden kann, beschert werden» Es ist fruchtbar, mit regelmässigen Strömen und von prächtigen Gebirgsketten umgeben. Dazu ist auch die eingeborene Bevölkerung sehr spärliche Ich kann Ihnen bezeugen", schliesst der berühmte Forscher, „dass man Ihnen einen gesunden Teil Ostafrikas angeboten hat, der alle guten Eigenschaften vom Standpunkte des Ackerbaues besitzt, dass es ein anziehendes Land ist, in welchem noch keine rivalisierenden Ansprüche auf Siedlung zu berücksichtigen sind.* Obendrein stimmen sämtliche englische Reisende überein, dass das Land den höher gelegenen und hügeligen Teilen unseres eigenen Landes (Englands) entspricht, — grünbewaldete Abhänge, Auen von blauen Vergissmeihnicht und rosa-weissem Klee hat. Urisere Veilchen und Anemonen und Geranien in den Nachbarschaft von tropischen Pflanzen! Es herrscht dort beinahe ununterbrochen Sonnensenein durch Aprilregenschauer gemildert. Es liegt jenseits der Sturmgegend. Wenn das nur die Frage wäre! Aber leider ist die Judenschaft sturmgepeitscht von innen Und von aussen. Als man auf die Suche ging, um Geld für die Kommission herbeizuschaffen, wurde natürlich die Jewish Colonisation Association eingeladen mitzutun. Sind denn nicht der „lcatt etwa zehn Millionen Pfund anvertraut worden, damit sie die Juden von RussUnd wegbringt? Ja angesichts dieses epochalen Angebots, dieser besten Chance, die die russichen Juden, vielleicht je hatten, weigerte sich die „loa", das Augebot der britischen Regierung in Betracht zu ziehen, bevor das Angebot der politischen Rechte nicht zurückgezogen werden wird. Kurz, das einzige Element, das uieses Projekt von all den philanthropischen Plänen, □ie der „Ica" missglückt sind, unterscheidet, die einzige Attraktion, die den russischen Juden als freien Mann und nient bloss als Puppe der Philantropie locken konnte, sollte ausgeschaltet werden. Ihr iebt unter dein Schutze der englischen Flagge, in einem der erfahrensten kolonisatorischen Reiche der Welt und trozdem wird gegen die Lokalautonomie, gegen einen judischen Gouverneur, gegen den Sabbath amSamstag, gegen alles spezifisch Jüdische protestiert. Aber wie kann eine Kolonie in Osiairika von der uownmgsbireet aus regiert werden? Las ist ja das Unglück, dass die „Ica" sich von der alten Judenkrankheit, der Marranen- JoranKneit^ nicht befreien kann, bie wissen vielleicht, dass ich mit der „lea* einen grossen Streit hatte. Aber jetzt haben die Vertrauensmanner von Hirsen die Gründe mres Misserfolges der Welt kundgegeben. Sie verstenen nicht, uass eine Kolonie, die durch ihre eigenen Eigenschatten anzieht, viel mehr Aussichten ha De, als eine Kolonie, m die mau die Leute philantnropiscn verschickt, und uass lceiue judiscne Kolonie je^gedeihen werde, wenn nient Einwanderer in lustigen »Scharon von selbst zuströmen werden, mit ihrem eigenen Kapital und Arbeit, mit ihren eigenen Hoffnungen und Träumen. Icn habe immer wieder die Profeösoren und GeiehrtenKÖrperschafc, die mich für den Träumer und wich für die praktischen Manner halten, darauf hingewiesen, dass Mr. Carnegies Ratschlag lautet: „Alle Eier in einen Korb zu legen und diesen Korb zu nütenu. Di« „lea* hat hundertdrei undneunzig Eier m Körben, die in allen vier Weltteilen zerstreue aind. Wollen wir die eigenen Worte des Baron Hirsch nachlesen, die er bei der Gründung ihrer Vereinigung schrieb: „Die Zentralidee, das Prinzip, von dem meines .Erachtens die Auswanderungstätigkeic ausgehen sou, ist soviel es möglich ist die Konzentration/ Also Konzentration. Das Hauptwerk der »Ica* ist aber ein Chaos von Handlungen, die zwar nützlich sind, aber in keinem direkten Zusammenhange mit der Kolonisation stehen. In demselben Paragraphen fährt der Baron fort — und es lohnt sich, seine Worte den Herren, weiche von der hoffnungslosen Gegnerschaft des Barons gegen Palästina sprechen, vorzuhalten : „Wenn die Deputation der russischen Zionisten auf ihrem (Palästina-) Projekt bestehen wird, so bin ich volikonamen bereit, meinen Einfiuss und

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