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Die Welt · 1905-04-28 · 17 (28.4.1905) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
17 (28.4.1905)
Date
1905-04-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Seite 14 „Di* # Welt" Nr. 17 nicht auf Seite des Herrn Ben-Jehuda. Dass die hebräische Sprache, welche er zu seinem Arbeitsfelde ausersah, und in welcher er so aufgeht, dadurch keinen Abbruch erleiden wird, braucht nicht erst versichert zu werden. Am 7. d. M. traf hier Herr Mayersohn in Begleitung des Herrn Wormser ein, dessen erster Besuch der heiligen Stadt galt. Von da begab er sich nach Rischon le Zion, wo er längere Zeit verweilen will. Wie verlautet, soll der Rischoner Keller in den Besitz der Kolonie übergehen. J erusalem. Hazioni. Haachofar-Philippopel Nr. 24. Der Hauptartikel „Unsere Lektion44 bespricht die Angelegenheit des Gemeindetages und Dr. Ehrenpreis*. M. Ussischkins Programm wird weiter fortgesetzt. Ein beachtenswerter Artikel von Doktor Leon K o h e n o f-Vidin spricht von der Ueberbürdung der Kinder, di« in der Volksschule nebst dem Spaniolischen Hebräisch, Bulgarisch und Französisch lernen. Die Rubriken Wochenschau, Statistik sind sehr gut, unter Korrespondenzen ist ein Brief aus Küstendil erwähnenswert, der auch auf unsere Verhältnisse passt. Ein Zionist beschwert sich da, bei den Gesinnungsgenossen, die er als Ortsfremder aufsuchte, unfreundlich empfangen worden zu sein — die Herren Vereinsfunktionäre hätten für zionistische Besprechungen keine Zeit. Den breitesten Teil der Korrespondenzen nehmen Berichte und Briefe über den Gemeindetag und Dr. Ehrenpreis ein. Nationalfondseinlauf in zwei Städten (!) in der Woche 55 Francs, Herzlfonds 117 Francs. Nr. 25 wird mit einem Bericht über die Kolonialbank, deren Bilanz eingehend besprochen wird, eingeleitet. Aus der „Welt" ist ein Artikel von Dr.Pinkus „Zur Situation* in Uebersetzung abgedruckt, ebenso Bericht über den deutschen Hilfsverein. Die ständigen Rubriken sind, wie immer gut. Nationalfondssammlung der letzten Woche 49 Francs, (Vier Städte). Es nimmt Wunder, dass man immer nur vier bis fünf Städtenamen liest, und zwar mit lächerlich geringen Sammlungsausweisen. Wenn nicht in Büchsen gesammelt wird oder durch Markenverkauf, so kann man Bulgarien den Vorwurf der Lässigkeit kaum ersparen, Consensia-Philippopel beschäftigt'sich an leitender Stelle mit der Affaire Dr. Ehrenpreis, über die wir nächstens eingehend berichten werden. Dann folgt eine Polemik mit einem Sozialisten, die sehr reichhaltigen Rubriken: „Aus jüdischer Welt" und Korrespondenzen bringen für di« Leser eine gute Auslese aus der jüdischen Presse. Iteha-Rafo. „Egyenlöseg" veröffentlicht in seiner Nummer vom 16. April einen geistvollen Artikel von Ernst Mezei über die Mission des Judentums. Stets sei man der Ansicht gewesen, dass dem Judenvolke eine besondere Mission beschieden sei. Die alte Anschauung habe die Mission des Judentums in der Verkündigung und Verbreitung des Monotheismus erblickt. Die moderne Anschauung, die auch M e z e i teilt, schreibt dem Judentum eine mächtige Anteilnahme, ja Entfachung der modernen sozialpolitischen Ideen, des Humanismus und der Demokratie zu. Bei der Untersuchung der Frage, ob der Glaube an die Mission und an den höheren sittlichen Wert des Judentums sich gestärkt oder geschwächt habe spricht Mezei iber den Einfluss des Antisemitismus auf die Juden selbst. Die einen meinten, dass das Judentum das Bewusstsein seiner selbst vollständig verlieren möge. Auf das Fallen dieser Anschauung — die wir Zionisten als die sogenannte Assimilantenpolitik bezeichnen — habe sich die Lehre der radikalen Zionisten gegründet. Auch sie lassen — allerdings bloss nach der Ansicht des Dr. Mezei — keinerlei Mission des Judentums gelten, sondern wollen ganz und gar aus dem Nationalgefühl ein scharf ausgeprägtes jüdisches Selbstbewusstsein aufbauen. Ebenso wie das Assimilan tentum sei auch der Zionismus als Kind des Rea- Tismus aufzufassen. Das letztere ist selbstverständlich richtig. Und wir müssen sogar unser Staunen darüber ausdrücken, dass dieselben, die uns vor nicht allzulanger Zeit „hirnverbrannte Köpfe" nannten, jetzt uns kühle Realisten nennen. , Nun denn so gar so kühle „Realisten" sind wir Zionisten denn doch nicht, wir glauben an die Mission des Judentums! Wir glauben an eine kulturelle Mission des Judentums denn wir sehen sie, wir sehen mit eigenen Augen den Einfluss, den das Judentum auf alle sozialpolitischen Bestrebungen nimmt, wir „Kinder des Realismus!" Wir glauben aber auch an eine Mission des Judentums im Judentume selbst! Rückkehr zu uns selbst, das ist unsere Mission! Jst diese Mission erfüllt, dann ist's auch mit der kulturellen Mission zu Ende! Li—. Feuilleton. Rückkehr. Von Samuel Gordon. Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen von A. K. (Fortsetzung folgt.) Die einzige Beaufsichtigung, die der Graf seinen häuslichen Angelegenheiten zuwendete, bestand darin, dass er sich über die Besuche Arfalovs informiert hielt. Dieser sprach, wie der Graf erfuhr, gewöhnlich zweimal wöchentlich vor und blieb jedesmal etwa eine Stunde. Es bedurfte keines besonderen Mechanismus für den Grafen, dies zu erfahren: seine Frau selbst berichtete ihm jedesmal, wenn Arfalov dagewesen war. Er arbeitete, so erzählte sie ihm, an einem neuen Stücke, das sein bedeutendstes Werk werden sollte, und erbat sich über verschiedene Szenen ihr Urteil; im Scherz — oder war es ihm ernst damit gewesen? — hatte er ihr einmal vorgeschlagen, dass ihr Name auf dem Titelblatt als Mitarbeiter genannt werde. All das erzählte Catherine ihrem Gatten mit einer solchen Unbefangenheit, dass es einen Othello nicht beunruhigt hätte. Aber der Graf ärgerte sich fast darüber, dass er so gar nichts an Catherine auszusetzen fand. Ihr sich stets gleichbleibendes ruhiges Wesen, die Konsequenz, mit der sie die Verhandlungen ignorierte, deren Leiter, wie sie sehr wohl wusste, ihr Gatte war — hiess das nicht die Pflicht, ihrem Uebereinkommen gemäss zu schweigen, zu weit treiben? Es war an dem Tage, da die Untersuchung beendet wurde. Der Graf war spät am Nachmittage heimgekehrt und eine Viertelstunde darauf wurde Arfalov gemeldet. Die Gräfin war damit beschäftigt, den Tee zu bereiten. „Sehr erfreut, Sie zu sehen, Maurice Ippolytovitch," begrüsste der Graf ihn herzlich; „ich bin in der letzten Zeit sehr beschäftigt gewesen, nun aber hoffe ich öfter das Vergnügen Ihrer Gesellschaft gemessen zu können." Das Gesicht Arfalovs erheiterte sich durchaus nicht bei der warmen Begrüssung, eher verdüsterte es sich. „Ich habe soeben das Urteil des Gerichtshofes erfahren," sagte er. „Welches Urteil?" fragte der Graf diplomatisch. „Es ist nichts anderes als eine Gutheissung von Mord und Totschlag," fuhr Arfalov schroff fort. Der Graf sprang auf. „Das kann ich Ihnen unmöglich gestatten, Maurice Ippolytovitch,* rief er erregt aus; „ich bin bereit, Ihnen gegenüber jede gesellschaftliche Rücksicht walten zu lassen, aber es hat alles seine Grenzen: hochverräterische Reden unter meinem Dache kann ich nicht dulden. Ich will keine hochtrabenden Redensarten gebrauchen, aber die Untersuchung hat untei den Auspizien der kaiserlichen R4te stattgefunden und das Urteil drückt die Meinung. Seiner Majestät aus, die wird doch hoffentlich nicht angezweifelt werden/ „Die kaiserlichen Räte, welche aus Ihnen sprechen, mein lieber Herr Graf, werden mich vielleicht verhindern, meiner Meinung Ausdruck zu geben," erwiderte Arfalov, der sich mit grosser Anstrengung beherrschte, „aber es wird ihnen nicht gelingen, die Welt, die kontinentale und überseeische Presse zum Schweigen zu bringen." Der Graf zuckte die Achseln.

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