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Die Welt · 1905-04-28 · 17 (28.4.1905) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
17 (28.4.1905)
Date
1905-04-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 17 „bie # WfitM Seite 13 in solche Orte verboten; den Geistlichen auf dem Papier, den Juden tatsächlich/ Eine moralische Steigerung erfand das heutige Russland, stratVerbaunteJüdinnen dürfen dorthin von ihren Männern nicht begleitet werden, was Christen erlaubt ist. Zustimmen darf man dem Autor, wenn er von der Schauspielkunst spricht, die geistige Gewalt in sich birgt, lind an der der Antisemitismus abprallt. „Die Juden haben in ihrer Vergangenheit nie ein Theater gehabt, und liefern jetzt vorzügliche Darsteller, ein Beweis ihrer Wandlungskraft. Doch sind die Juden nicht ebensogrosse Dramendichter geworden, die Reflexionssucht, das Grüblerische des jüdischen Geistes wirkt noch zu mächtig dagegen.* Bisher kann man billiger weise alles unterschreiben. Nun aber kommt die Reversseite der Medaille, die ein totales Verkennen und Missverstehen der zionistischen Frage beweist, so zum Beispiel, wenn Herr Reben sagt: „Die blödeste Flucht vor den Antisemiten ist der Zionismus, er möchte die Juden nach dem Rabbinerstaat wieder hinführen, aus dem sie Titus vertrieben hat; er ist die einzig mögliche Zukunft des Judentums", weissagt eine Programmschrift der Zionisten.*) Trotzdem sollen „religiöse Agitationen religiösen Faktoren vorbehalten bleiben, unsre Sache sipd sie nicht" Ja, gibts dann überhaupt noch eine Zukunft des Judentums?" Jawohl, Herr Reben, wir bewussten Juden glauben so sicher und unverbrüchlich dran, wie sie an ihre freimauerischen Tendenzen, und mit uns, Millionen von Juden und Nichtjuden. „Das Ad^Isgf schlecht unter d^n Völkern", wie uns der nordische Dichterphilosoph Ibsen nenr.t, hat eine seltene Zähigkeit und nur der Glaube an eine glorreiche, schöne Zukunft des Judentums hat es in den finsteren Jahrhunderten des Mittelalters aufrecht erhaltrn, und wenn uns — Gott sei davor — dieser Glaube schwinden sollte, dann hat der letzte Jude zu atmen aufgehört. Des weiteren befindet der Verfasser sich in einem Irrtum, wenn er den Satz Franz Oppenhetmers: „Man wird sehen, dass mit der fallenden Zahl der Juden auch der Antisemitismus sinkt", anzweifelt, indem er meint, dass dies nicht einzutreffen braucht. Wir haben für die unmotivierte Anzweiflung die Tatsache, dass in Ländern, die wenige Juden beherbergen — in Ermanglung des zu fassenden Objektes — auch der Hass selbst schwindet, z. B. die nordischen Länder, hingegen dass der Antisemitismus nur dort auflodert, wo die Juden sich in grösseren Massen bei den Gastvölkern ansiedeln. Un d weiters irrt Herr Reben, wenn er den Zionismus als eine Art „Wohltat für den gequälten osteuropäischen Juden" ansieht. Zur Wohltätigkeit ist niemand verpflichtet. Der Zionismus hilft den östlichen Juden — bei aller Hochachtung menschlicher Gesetze — vor allem deshalb, weil diese Juden Blut von unserem Blut und Fleisch von unserem Fleische sind, weil es Familienangehörige unseres Stammes sind, die man nicht, wie etwa Fremde, in der Küche abspeist, sondern als Verwandte zu sich in die „gute Stube" zu Tisch einlädt. Völlig in das Gebiet einer lächerlichen Selbstüberhebung ist der folgende Vorschlag — mit Ratschlägen sind wir, nebenbei gesagt, versehen — zu verweisen, ,die osteuropäischen Juden sollten nicht herden weise sondern möglichst zerstreut ausserhalb Europas eine Heimat des Friedens erhalten, damit sie unabhängig voneinander durch den Einfluss gesünderer (??) Völker gereinigt werden von dem Schmutze, mit dem sie ihr armseliges Dasein seelisch und leiblich bedeck'". Das ist denn doch etwas stark. Wissen sie, Herr R^ben, wie viel Idealismus in dieser armen Seele eines solchen Kaftanjuden steckt? Wieviel Wissen dieser Ostjude in sich beherbergt, und nennen Sie mir nur ein Volk, dass wie wir eine „Umwertung der Werte", eine geistige Revolution in der Weltgeschichte bewerkstelligt, ein Volk, dass wie wir keinen Analphabeten in seiner Mitte hat noch duldet! Auf die i^ide Koketterie mit dem „leiblichen Schmutz", will ichr lieber nicht eingehen. r Nein, verehrter Herr R^ben, die JudehVrage ist nicht „eine Frage für Andere", sondern für uns, d>nn „nichtswürdig ist die Nation die nicht ihr Alles freudig setzt an ihre Ehre". Der Aufsatz — alles in allem — zeigt in seinem ersten Teile rudimentäre Ansätze zum historischen Verstehen des Judentums, in punkto Zionismus aber eine erstaunliche Oberflächlichkeit und Ignoranz, politische Probleme abzuwägen. Wie bitter Recht hat doch Nietzsche, wenn er '"Z *) „Was will der Zionismus?" Herausgegeben von der Zionistischen Vereinigung Deutschlands. Berlin 1903. in „Jenseits von Gut und Böse0 sagt: „Ich bin noch keinem Deutschen begegnet, der den Juden gewogen gewesen wäre." Wien. Max Na eher. Die Freimaurerei und ihre Wertlosigkeit von I. D u h z, Berlin, Feder-Verlag, W. Eitzholzstrasse 5. Preis 50 Pfg. Der Verfasser ist selbst Freimaurer gewesen, so dass er imstande ist, sein Jrteil darüber abzugeben. In zwei Abschnitten mit je acht Kapiteln behandelt er „Das Wesen der Freimaurerei" und „Die Wertlosigkeit der Freimaurerei" und verwandter Orden, Er kommt zu dem Schlüsse, die Freimaurerei werde im Strome der Zeit untergehen und zu beklagen sei dies nicht, denn von wahrer Brüderlichkeit und Gleichberechtigung unter ihnen und von wahrem Nutzen der Freimaurerei sei keine Rede. Auskunftsbuch für Schriftsteller. Zweite vermehrte und verbesserte Auflage. Feder-Verlag. Berlin W. 30. Eitzholzstrasse 5. Die neue Auflage des Buches, dass sich als ein recht praktisches Hilfsmittel für Schriftsteller und als Wegweiser für schriftstellernde Anfänger erwiesbn hat, enthält wertvolle Verbesserungen. Die Anzahl der Auskünfte und Ratschläge ist vermehit worden, die Adressen der Zeitschriften und Verleger, die hauptsächlich für den Absatz des Schriftstellers in Betracht kommen, sind nach den neuesten Ermittlungen richtig gestellt. Firmen, die sich für den Schriftsteller als nicht empfehlenwert erwiesen haben, sind fortgelassen. Das Schema der schriftstellerischen Buchführung ist revidiert. Der Anhang bringt endlich einen längeren Artikel über Behandlung und Verwertung des Manuskripts. Preis geb. 1.40 Mk. Das erste Heft des neuen Quartals von „Jung lsraelK, illustrierte Halbmonatsschrift für die jüdische Jugend, ist soeben erschienen. Mit diesem Hefte weist die Zeitschrift eine neue Erweiterung auf, indem noch vier Umschlagseiten hinzugefügt wurden, auf denen eine neue Rubrik „An die Eltern und Lehrer" sowie Rätsel, Rätsellösungen, Briefkasten und kleinere Notizen Raum finden, so dass für den Trxt mehr Platz frei wird. Ausserdem enthält das Heft als Kunstbeilage eke verkleinerte Reproduktion des im Jüdischen Verlage erschienenen Jugendbildnisses von Heinrich Heine. — Das H^ft ist hauptsächlich mit Rücksicht auf das Pessachf^st zusammengestellt. Inhalt: Mirjams Gesang, räch Th. Moore. — Passah in früherer Zeit, von E. Fianter. - Sabbat sch'kolim, von Bezirksrabbiner Dr. Doctor (Bruchsal). — Zum Pessachfest, Gedicht von Emil Lehmann. — Der Rabbi von Bacharach, Gedicht von Heine, mit einer Einleitung. — Jude, von S. R. — Die Juden in der Oase X Mzab-Nebo, Gedicht von Löwenstein- Oberdorf. Ferner enthält das Heft an Illustrationen, ausser der erwähnten Kunstbeilage, eine Zeichnung „Die Pyramiden von Gizeh", „Der samaritanische Hohepriester" und die Wappen der Stämme Rüben, Simon und Levi. Schliesslich ist noch ein Preisrätsel hervorzuheben, für dessen Lösung 15 wertvolle Preise ausgesetzt sind. Die Lösungen müssen bis 2. Mai eingesandt sein. Probehefte der Zeitschrift „Jung Israel" werden gratis und franko (an Lehrer auch in grösserer Anzahl versandt vom Verlage von „Jung Israel4, Berlin-Charlottenburg, Her.ierstrasse 3 — 4. In der „Haschkofa* Nr. 41 hat der Redakteur Herr Ben-Jehuda zur öffentlichen Kenntnis gebracht, dass er aus dem sich unlägst hier gebildeten Komitee „zur Erweiterung der hebräischen Sprache" ausgetreten ist, „aus persönlichen Gründen". Dazu bemerkt „Die Welt" (Nr. 9, S. 14): „So viel Persönliches hätten wir diesem Manne niemals zugemutet." Gestatten Sie uns, hochgeehrter Herr Redakteur, zu dieser Bemerkung eine kleine Gegenbemerkung. Es wird jedermann, der mit der neuen hebräischen Literatur auch nur einigermassen vertraut ist, einräumen müssen, dass Herr Ben-Jehuda um die Verbreitung, Hebung und Erweiterun g der heiligen Sprache sich unvergängliche Verdienste bereits erworben hat. Damit ist aber seine Leistung auf diesem Gebiete noch lange nicht erschöpft. Diese wird erst so recht vor die Oeffantlichkeit treten, wenn einmal sein gross angelegter „Millon", dem er eine 25jährige, fast aufreibende Arbeit gewidmet hat, der denn auch seiner Vollendung entgegensieht, erschienen sein wird. Wenn es sich nun darum handelt, die heilige Sprache weiter auszubauen, so ist er gewiss einer der berufensten, in dieser Sache ein Wort mitzusprechen. Dieses Recht wäre ihm auch ohne Rückhalt eingeräumt worden, hätten nicht Motive, rein persönlicher Natur, dagegen gesprochen. Das Persönliche liegt daher durchaus

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