Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 17 (28.4.1905)
- Date
- 1905-04-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 12 „bis # weit11 Nr. 17 werden, ihre Adressen mit eventuellen Wünschen betreffs Wohnung und Kost an Herrn JUDr. Leopold M e i s 1, Prag Komenskyplatz Nr. 3 einzusenden. I. A. J u Ii u s L ö w y. * * * An die Vereine und Vertrauensmänner des südgalizischen Distriktes. Da die Frist zur Ablieferung der Schekelgelder und und Blocks bereits am 15. d. M. abgelaufen ist, so fordern wir Euch auf, uns Bloks und Gelder sofort einzusenden. Regina Melier m. p Dr. Rubin Jonas m. p. * # * Wien. Die Generalversammlung des „Vereines zionistischer Frauen und Mädchen F ü n fhaus* findet am 4. Mai 1905, 4 Uhr nachmittags im Klublokal des Cafe Schwenderhof XIV., Mariahilfer- Strasse 189 mit folgender Tagesordnung statt: 1. Erstattung des Jahresberichtes durch die Präsidentin Frau Fanny Weiss. 2. Kassenbericht, erstattet von Frau Dr. Rieger. 3. Neuwahlen. 4. Vortrag der Frau Julie Goldbaum: „Russisch-jüdische Verhältnisse." Gäste herzlich willkommen. Im Namen des Ausschusses: Laura Krenberger, Vizepräsidentin. * # * Wien. (Poale-Zioti.) Samstag 29. April a. c. findet im Vereinslokal, II. Förstergasse 8, eine Monacsversammlung mit folgender Tagesordnung statt: l. Bericht über die bisherige Tätigkeit, c2. Programm für die nächste Periode. 3. Verbands- und Vereinsangelegenheiten. 4. Parteitag. 5. Eventuelles. Beginn V2S Uhr, Schluss *I2\Q Uhr abends. Gesinnungsgenossen erscheint pünktlich und zahlreich. Der Ausschuss. * * * Jüdische Theatervorstellung. Der Akad. Verein zionistischer Hochschüler aus Russland, „Leo Pinsker" beschliesst die diesjährige Saison der Jüdischen Abende, Vorträge aus der Literatur der ostjüdischen Volkssprache („Jargon") mit einem Theaterabend. Derselbe findet S a m s t a g, d e n 6. M ai d. J. im Hotel Bayerischer Hof, II. Obere Augartensirasse, Ecke Taborstrasse, statt und zwar gelangt das Meisterwerk David Pinskis „Di* Familie Zwitf Tragödie in vier Akten zur Aufführung. "V^' Das Wiener jüdische Publikum gewinnt hierdurch die Möglichkeit dieses hocbbedeut?ame in Berlin mit grossem Erfolg aufgeführte Stück aus dem russisch-jüdischen Verfolgungselend kennen zu lernen. Dem am Theaterabend zur Ausgabe gelangendem Programme wird auch eine Inhaltsangabe des Stückes in deutscher Sprache beigedruckt. Das Reinerträgnis fliesst russisch-jüdischen Hilfszwecken zu. Preise der Plätze: Parkett K 3.—; Parterre I. Platz K II. Platz K 1.—; Galeriesitz K 1.--; Stehplatz K —.60. Karten sind zu haben im Akad. Vereine „Leo Pinsker" IX., Bleichergasse 6; Cafe Augartenbrücke, IT., Obere Augartenstrasse; Cafe zur Börse, L, Wipplingprstrasse; Zionistisches Kongressbureau, IX., Türkenstrasse 9; Verlag „Zionu IL, Untere Augartenstrasse 9; in der Redaktion des „Jüdischen Völksblattes", IX., Servitengasse 4 und bei M. Hammer, L, Rot^nturmstrasse 31. Berichtigung. Im Feuilleton „Theodor Herzl beim Seder" sind folgende Errata zu berichtigen: Seite 22, I. Spalte, 21. Zeile von unten anstatt ihm — ihn. Auf derselben Seite IL Spalte 3. Zeile von oben nach Sänger schliefist der Satz. 15. Zeile von unten lies statt Einigkeit Ewigkeit. Seite 23, 4. Zeile von oben nach Menschheit Satzschluss. Und an diesem Sederabend! bildet einen Satz für sich Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Die erste Nummer der vom Bureau fü r Statistik der Juden, Berlin-Halensee, Westfälische Strasse 46, herausgegebenen „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" ist kürzlich erschienen. Die Zeitschrift bringt imHaaptteilgrössereOriginalabhandiungen,im „Statistischen Archiv" zuverlässige, quellenmässiff belegte statistische und demographische Nachrichten über die Juden aus aller Herren Länder. Der einleitende Artikel »Zur physischen Anthropologie der Juden* stammt aus der Feder des Berliner Anthropologen Professor v. Luschan, bekanntlich einer ersten Autorität auf dem Gebiete des jüdischen Raesenproblems. Der Kopenhagener Statistiker Julius Salomon ist mit einer Abhandlung über die Mischehen in Kopenhagen, Dr. ArthurRuppin mit einer solchen über die Kriminalität von Juden und Chrißten in Deutschland vertreten, Sehr reichhaltig ist das „S t a t i st i s c h e A r c h i vÄ, das Mitteilungen über die Bevölkerungsziffer, die Bildungs- und Berufsverhältnisse, die Bevölkerungsbewegung, die Einwanderung der Juden aus Deutschland, Oesterreich, Ungarn, Italien, Dänemark, den vereinigten Staaten, Indien u. u. w. enthält. Die Zeitschrift bezeugt durch ihren Inhalt am besten, dass tatsächlich ein Bedürfnis für ein solches statistisches Organ vorlag. Das wird auch dadurch anerkannt, dass zahlreiche hervorragende Fachmänner, z. B. Prof. Werner Sombart in Breslau, Prof. Dr. Silbergleit in Schöneberg, Hofrat Prof. ßela Földes in Budapest, Dr. Wilhelm Löwy, ehemaliger Leiter des kommunalstatistischen Amtes in Wien, Privatdozent Dr. R. Weinberg in Dorpat, Dr. Sonnenfeld, Direktor der J. C. A., Paris, Dr. Max Nordau in Paris, Dr. Alfre i Nossig in Berlin, Dr. Fr. Hertz in Wien u. a. als Mitarbeiter der Zeitschrift genannt werden. Der Abonnementspreis beträgt 6 Mk. für das ganze Jahr, 3.50 Mk. für das halbe Jahr. Bestellungen sind direkt an das TBurkau für Statistik der Juden", Berlin-Halensee, Westfälische Strasse 46, zu richten. Judenrätssl. Ein eigenartiges Werk wehte mir jüngst die Flut der Neuerscheinungen auf den Schreibtisch. Es trägt den etwas abenteuerlich klingenden Titel „Die halben Christen und der ganze Teufel"*) und hat Georg Reben zum Verfasser. Auf die Höllenfahrten des Aberglaubens geleitet uns Reben; er will <iie Teufelsadvokaten moderner Gewissensgaukelei auf die Volksbühne der Oaff<mtlichkeit stellen, die hysterischen Visionäre und nüchternen Seelenwür^er, die Vergötterer der GlaubsgÖtzen und dpn geistlichen Medizin Schwindel der Kurpfuscher an den Pranger festnageln. Ein wissenschafttich gehaltenes und doch so viril Genuas brirgendes Buch, das uns leicht — ohne dass wir ps merken — durch das Christentum und Heidentum, die Schuld und Rechtfertigung der Kirche, das Kirchenporträt vom Teufel, Furcht und Sünd»\ Teufelbändiger, den Aberglauben dpr Askese, die Buhlbezwinger, die mystischen Konzsrte der Weltgeschichte, die Wundersucht, die geistlichen Don Quixotes, die Kosakenkirche und — das Judenrätsel, vorführt. Mit dem letzteren Kapitel will ich mich kritisch befassen und es wird sich hierbei zeigen, wie sich selbst ein so literaturkundiger Herr, wie Reben, bei aller Wertschätzung des Judentums zum Zionismus nicht durchzuringen vermag, weil er nicht mit Tatsachen, sondern mit zukunftsschwangeren Vermutungen arbeitet, und sich scheut, ernstlich dieser Frage auf den Grund zu gehen. Doch davon später. „An den Brüsten des Judentums", so beginnt der Autor, „hat sich das Christentum vollgesogen, ohne das jüdische Nationalepos, das Alte Testament, ist das veue gar nicht zu verstehen, es hat eine asiatische Stammutter und ein europäisches Tochterland". In der Folge befasst sich Reben mit der Geschichte der bürgerlichen Gleichberechtigung die bis zur Erklärung des Christentums zur Staatsreligion durch Konstantin dauerte. Dann hörte sie auf. „Seitdem ersten Kreuzzug begann ihre blutige Massenverfolgung, in Kischinew ist noch nicht ihre letitt gewesen, trotzdem die Ghettomauern schon geschleift sind. Judenhetze war Pöbelherrschaft. Die Juden mussten ihre Beerdigungskosten im Voraus bezahlen, sie gaben ihr Blut und ihr Geld h?r; den Jaden der sich taufen Hess, packte als Christen die Inquisition. Im Münchener Nationalrnuseum hängt ein Gemälde aus dem Jahre 1894, darunter die Inschrift: »Kurfürst Rupert I. schützt, der einzige unter allen rheinischen Fürsten, die grausam verfolgten Juden vor dem Grimme des Pöbels 1348.* Von Interesse dürfte auch die Mitteilung sein, dass das Mittelalter sogar einen Antisemitismus für verrufene Orte kannte. „Geistlichen und Juden war der Eintritt Georg Reben, „Die halben Christen und der ganze Teufel", Gross-Lichterfelde, Verlag von E. Eiszelt, 1905.