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Die Welt · 1905-04-28 · 17 (28.4.1905) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
17 (28.4.1905)
Date
1905-04-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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A Seite 10 Jfbi* # w^it11 Nr. 17 und an anderer Stelle berufen sie sich für ihre Vorschläge schrittweisen Kolonisierens mit stufenweiser Erlangung von Konzessionen und Privilegien auf die „Geschichte aller Kolonisation". Ussischkin selbst führt ein Beispiel an, das die Phantasmen seiner Berliner Gesinnungsgenossen zunichte macht: Das Volk ist zur Wiedergeburt bereit, hat dazu alle Mittel, das Land befindet sich tatsächlich in seinen Händen, aber die äusseren Bedingungen sind dafür ungünstig — in einer solchen Lage befindet sich das türkische Armenien! Soli vielleicht in 100 Jahren in einer Broschüre zu lesen sein : in'einer solchen Lage befindet sich das türkische Judäa. Nein! Experimente, Staats- und zivilrechtliche, würden bei jedem anderen Territorium zulässig, sein, mögen in den Nachbarländern Palästinas in grösstem Stil gemacht werden. In unser Land müssen wir als eigene Herren einziehen, seine Besiedlung nur im Bewusstsein sicheren Besitzes und freier Selbstherrschaft beginnen. Die neue Phase unserer Geschichte soll uns nicht als irgendwie konzessionierte, privilegierte, emanzipierte Unterthanen, sondern als Vollbürger eines eigenen Gemeinwesens wiedersehen. Und die höchsten Sicherheiten sind gerade hinreichend, um ein Werk, das tausendjährige Sehnsucht erfüllen soll, vor einem Fiasko zu bewahren, das auf Jahrhunderte hinaus alle Hoffnungen zunichte machen würde. Hüten wir uns darum vor dem Bruch mit Prinzipien, für die Herzl gelebt hat und die mit seinem Tode wohl ihren kraftvollsten Vertreter, aber nicht ihre vernünftige Geltung eingebüsst haben. Hüten wir uns vor einem Sprung ins dunkle, wo es sich um unser Letztes und Höchstes handelt! Lassen wir uns von der begreiflichen Ungeduld, den Anfang der Erfüllung zu sehen, nicht zu Wagnissen hinreissen, deren Ausgang einer Fülle von ungewissen Faktoren anheimgegeben ist. Ausdauer und Geduld predigt auch Ussischkin und dass man die Interessen der Gegenwart für die Zukunft opfere. Und wie unvergänglich sind die Worte, die Herzl am IV. Kongresse sprach: „Mühsam ist unser Gang und schmerzensreich, jawol. Aber daran wird sich nur unser Mut und unsere Treue erproben. Die Hascher nach augenblicklichen Erfolgen sollen sich nur wieder von unserer Fahne wegstehlen. -Und wenn der endliche Erfolg noch eine Weile auf sich warten lässt, so werden wir inmitten der materiellen Not unseres Volkes wenigstens einen moralischen Gewinn zu verzeichnen haben: es wird bewiesen sein, daes das Judentum noch einen Idealismus hervorbringt, der den Gefahren trotzt, die Entbehrungen erträgt und die grosse Geduld hat, mit der man das grosse Ziel erreicht." Nach alledem glaube man nicht, dass nicht auch i m Rahmen der Herz l'schen Politik ein reichhaltiges Programm praktischer Palästinaarbeit möglich wäre. Wissenschaftliche Vorarbeiten in grösstem Stil, insbesondere Errichtung von Musterfarmen, landwirtschaftlichen und industriellen Versuchstationen, bakteriologischen und hygienischen Instituten, Gewerbeschulen etc. Wirtschaftliche Entwi cklung und nationalkulturelle Organisation der bestehenden Kolonien» Industrialisierung der bereits in Palästina ansässigen Städte bevölkerung, Kolonisation jeglicher Art in den N a c h b a r 1 ä n d e r n Palästinas. Ausbau der Kolonialbank zu einem erstrangigen Finanzinstitut des Orients. Das wäre ein Palästinaprogramm, mit dessen Durchführung wir Jahrzehnte lang vollauf zu tun hätten. Und wenn das alles realisiert ist, werden die Verhältnisse, die ja heute absolut nicht vorauszuberechnen sind, uns gewiss den Weg fernerer Arbeit unverkennbar weisen. Aber wozu heute über die nach Jahrzehnten sich ergebenden weiteren Möglichkeiten hadern und ihre Fixierung schon jetzt erzwingen wollen? Das hier umgrenzte Gegenwartsprogramm kann alle Zionisten, denen an friedlicher Verständigung gelegen ißt, zu gemeinsamer, reiche Erfolge verheissender Tätigkeit vereinen und würde wohl fürimmer die Wiederkehr so heftiger und verwickelter Prinzipienkämpfe ausschliessen. Wenn die Vorsehung für die Austragung dieser Gegensätze uns den schwierigsten Moment bestimmte, so sollte wohl gerade daran die KVaft unserer Bewegung erprobt werden — ich vertraue, dass der Zionismus diese Kraftprobe bestehen, ja aus ihr gestählt und konsolidiert hervorgehen wird! Posen, 8. April 1905. Dr. Jeremias. Jüdischer Nationalfonds. Das goldene Buch. Sammlung des Vereines „B'neis Zion" in St. Petersburg an seinem ^literarischmusikalischen Abend zur Eintragung Dr. Herzls^..............Kronen 504.— Sammlung des Vereines „B'neis ZionB in St. Petersburg an seinem literarischmusikalischen Abend zur Eintragung des Frl. Clara Friedland....... „ 252.- Sammlung des Vereines „B'neis Ziona in St. Petersburg an seinem literarischmusikalischen Abend zur Eintragung Abr. Janowskys........... „ 252.— „Agudath Zion" in Bratolubowka..... „ 240.— Sammlung des Vereines „Haschachar" Pskow zur Eintragung des unvergessenen Führers Dr. Th. Herzl .... Pfd.St. 15,14.5 Verein „B'nei Zion Misrachi" in Kansas City, Mo., zur Eintragung des verewigten Dr. Herzl.......... „ 10.05.4 „Dorshei Ziontf Gate No, 30 O. K. o. Z., St. Louis, Mo.............Dollars 50.- „Agudath B'noth Zion" in Mariampol trägt diejenigen Frauen ein, die an den monatlichen Zahlungen für den N.-F. teilnehmen.............. Kronen 252.— Gustav G. Cohen, Hamburg........ Mark 205.- Zur Eintragung des Dr. Sapir aus Odessa bei seiner Abreise auf den Kriegsschauplatz .......Kronen 441.60 Sammlung Don A. Albachary bei der Jüd. Reisegesellschaft in Palästina .... Francs 250.— Richtigstellung. In Nr. 13 ist die Spende der „Societatea economica Existenta", Piatra, unrichtig mit Lei 250.— statt mit Lei 255.— ausgewiesen, [ Dr. Mayer Kayserling. i Am 11. d. M. ist der berühmte Geschichtsforscher, der Oberrabbiner Kayserling in Budapest, einem alten Leiden erlegen. Durch seinen Tod hat die jüdische Wissenschaft einen unersetzlichen Verlust erlitten. Ein Gelehrter von Weltruf, hat Kayserling, der auch als Kanzelredner zu den Hervorragendsten zählte, eine lange Reihe historischer, philosophischer und exegetischer Werke geschrieben, die von bleibendem Werte sind und seih Forschertum begründeten. Seine Mendelssohn-Biographie und seine sonstigen auf diesen Philosophen bezüglichen Arbeiten, ebenso wie seine Werke, welche die Geschichte der spanischen und portugiesischen Juden behandeln, sind geradezu grundlegend und Quellwerke ersten Ranges. Er war ein Mann, der nur seinem Beruf und der wissenschaftlichen Forschung lebte. Wie gross sein Ruf als Gelehrter war, geht aus dem Umstände hervor, dass er anlässlich des Columhus-Zentenäriums im Jahre 1892 von der spanischen Regierung damit betraut wurde, die Geschichte des Anteils der Juden an den spanischen und portugiesischen Entdeckungen zu schreiben, welchem ehrenvollen Auftrag er glänzend entsprach. Er war unter

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