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Die Welt · 1905-04-28 · 17 (28.4.1905) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
17 (28.4.1905)
Date
1905-04-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 17 „bie $ Weit Seite 3 Verfasser mit Recht stark hervorhebt, lässt sich nur durch die Ermöglichung der Existenz einer jüdischen Arbeiterbevölkerung auf dem Lande mit Hilfe von Hausindustrie und kleiner Privatwirtschaft (Ueberlassung von Vieh und Gemüseland) ermöglichen, was eine der Hauptaufgaben der „Chowewe Zion" sein sollte und meiner Ansicht nach dem von Herrn Ussischkin befürworteten Ankauf kleiner Parzellen bei den Kolonien und Verteilung derselben an die grösseren Familien respektive zur Kolonisierung von Arbeitern vorangehen sollte. Die Hauptschwierigkeit des ganzen, übrigens höchst beachtenswerten agrarischen Kolonisationsprogrammes des Verfassers liegt in dem Missverhältnis der grossen Aufgaben und der kleinen zur Verfügung stehenden Mittel. Lassen sich keine grossen Mittel schaffen, so können die Fortschritte der landwirtschaftlichen Kolonisation naturgemäss nur ausserordentlich langsame sein. Neben der Stärkung des Nationalfonds auf jede nur mögliche Weise, neben der moralischen Unterstützung der agitatorischen Bestrebungen der uns jetzt ja eng liierten „Chowewe Zionvereine" neben der Popularisierung der Oelbaumspende oder anderer zur Aufforstung und Sanierung des Landes noch ins Leben zu rufender Spenden bleibt nur noch übrig, nach Möglichkeit privates Kapital oder das Kapital der „Ica" zur Anlagein Palästina zu ermuntern, letzteres durch fortgesetzte unermüdliche Beeinflussung der Mitglieder des Konseils der Gesellschaft, ersteres durch Unterstützung der „Geula" und Bildung von Plantagengesellschaften vermittelst der Bank, welchen Punkt Herr Ussischkin wohl noch nicht genügend hervorgehoben hat. Wenn Dr. Pasmanik hingegen Herrn Ussischkin vorwirft, dass er nur von der Kolonisation der schon jetzt in Palästina vorhandenen Kolonisten spricht, so tut er ihm Unrecht, da doch in dem Programm für jüdische Arbeitern aus dem Auslande die Möglichkeit vorgesehen iBt soweit sie genügend Mittel mitbringen — sich in den Genossenschaftskolonien als Pächter niederzulassen, und soweit sie keine Mittel haben, in den administrativ geleiteten Ackerbaukolonien zu arbeiten. Andrerseits darf man aber nicht vergessen, dass — solange die Mittel der Zionistensobeschränkt sind wie bisher — an eine Kolonisation unbemittelter Leute seitens der Zionisten, wenn überhaupt, so doch nur im allerkleinsten Massstabe gedacht werden kann. Wenn also Dr. Pasmanik die Forderung aufstellt, es müsse die Möglichkeit einer Massenkolonisation in Palästina mit seinen Nebenländern in kürzester Zeit angestrebt werden, und ferner fordert, dass der nach erlangten Konzessionen in Palästina legalerweise anzukaufende Boden nicht bloss mit Palästinensern, sondern auch mit frisch immigrierten Juden kolonisiert werde, so wird beides so lange frommer Wunsch bleiben müssen, als wir nicht über Ranz andere Mittel verfügen wie bisher oder andrerseits solange die vIcau sich nicht zur Aufnahme dieser Kolonisation im Grossen entschliessen wird; denn eine. Einwanderung von Massen vermögender jüdischer Landwirte nach Palästina wird dauernd in das Gebiet frommer Wünsche gehören. Dass uns fürs erste das Hemd näher ist als der Rock, der in Palästina schon ansässige Jude wichtiger als der erst einwandernde, wird jedem nur billig scheinen* Als Programm freilich sollte man nicht die in der momentan gebotenen Kleinarbeit erreichbaren allernächsten Ruhepunkte fixieren, sondern vielmehr weithin sichtbare, wenn vielleicht auch erst nach langer Zeit zu verwirklichende Ziele wählen. „Unser Programm" ist demnach auch nicht das zionistische Programm als solches, sondern ein kolonisatorisches, vorwiegend agrarisches Gegenwartsprogramm der Zionisten im Sinne des Herrn Ussischkin, aber als solches ein nicht unwichtiger Markstein in der Geschichte der Bewegung. Q. Warburg. Der Zionismus und das Angebot Englands. Von Israel Zangwül. II. Dieses Ideal begeisterte eine immer wachsende Zahl von Anhängern, ein Kongress folgte nach dem andern, bis die ursprüngliche Zahl der Delegierten von ein paar hundert auf tausende stieg, und kaum ein Land unserer Diaspora prahlt bloss mit seinen zionistischen Vereinen, kaum ein einziges, von Neufundland bis China, von Cochin bis zum Kaukasus. Russland, in welchem die Hälfte der Gesanitjudenschaft lebt und welches drei Viertel der Judenfrage für seinen Teil birgt, ist natürlich an der Spitze mit der überwältigenden Majorität von 1572 Vereinen, dann folgen die Vereinigten Staaten mit etwa 213, Rumänien mit 113, Oesterreich (mit Galizien) 200, England 80, Kanada und Südafrika zu 20 und gegen 10 Vereine sind unter die englischen Kolonien zerstreut, darunter einer in Ostafrika. Bulgarien hat gegen 50, Deutschland etwa 40, Italien 15, Schweden, Norwegen und Dänemark zusammen 15, Frankreich, die Schweiz, Ungarn und Argentinien je 10, Holland und Aegypten je 5. Ich habe vorderhand keine Statistik für Palästina und die übrigen asiatischen Länder, aber im heiligen Lande selbst hat bereits ein lokaler Zionistenkongress stattgefunden. Ich habe bereits über 2500 zionistische Vereine aufgezählt. Und unter all diesen sind meines Erachtens die englischen Vereine ein stärkerer Beweis unseres Fortschrittes, als die russischen, denn nicht bloss ist ihr Verhältnis zu der Bevölkerungsanzahl etwas höher, sondern sie sind auch von Juden gegründet worden, die von den niedrigeren Rücksichten des persönlichen Verfolgtseins frei sind. Aber der Zionismus bleibt nicht im Stadium der Redegesellschaft. Manche Träume des „JudenStaates" haben feste Formen angenommen. Die Bewegung hat ein finanzielles Organ. Es ist die jüdische Kolonialbank in London gegründet worden, deren Aktieninhaber in der ganzen Welt zu finden sind, und wiewohl die Aktien beinahe ausschliesslich im Besitze von Armen sind, die sich oft zusammentun mussten, um eine einzige Aktie zu kaufen übersteigt das Kapital dennoch eine Viertelmiliion Pfund. Trotz der Befürchtungen der Antizionisten, dass wir diese Armen beschwindeln werden — es waren Befürchtungen, die Hoffnungen ähnlich sahen — hat die Bank sogar eine Dividende von 3% ausgezahlt, und trotz des Materialismus, dessen wir geziehen wurden, da wir ein Geldinstitut angelegt haben, wurde diese Dividende von allen unseren „schmutzigen Shylocks0 abgelehnt und zurückgegeben. Ein Nationalfonds von 200.000 Dollars ist gesammelt worden durch Spenden und Verkauf von zionistischen Marken, welche die Gläubigen neben der Postmarke auf ihre Briefe kleben. Eine anglo-palästinensische Bank in Jaffa und die jüdisch-morgenländische Gesellschaft geben uns einen kleinen Stützpunkt auf dem heiligen Boden. Ausserdem hat es Dr. H e r z 1 im Laufe der sieben Jahre, die ihm gewährt waren, zustandogebracht, peisönliche Beziehungen zu den führenden Souveränen und Staatsmännern Europas anzuknüpfen, furchtlos Russland durchzureisen, wo n icht einmal amerikanische BürgerEingang finden kö nnen, mi t dem Sultan wegen Palästina zu unterhandeln, mit der ägyptischen Regierung wegen der Halbinsel Sinai und schiiesslichmit der britischen Regierung wegen Ostafrika— kurz, er brachte es zustande, dass die Judenfrage aut die Tribüne der internationalen Politik gestellt wurde, und erforderteim Namens seines Volkes von der Welt — nicht mehr bloss von den Regierungswirtschaften und -Misswirtschaften — die Lösung der Judenfrage. Dies aber ist sicherlich kein leeres Andenken, das ein Träumer hinterlassen hat, als er im Alter von 44 Jahren hinunterstieg in den Schatten der Gruft. Herzi ist tot. Er arbeitete für sein Volk, wie kein Mensch vor ihm seit Juda dem Mäkkabäer. Sein Volk nannte ihn einen

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