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Die Welt · 1905-04-28 · 17 (28.4.1905) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
17 (28.4.1905)
Date
1905-04-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 s>\t & we!tfifi Nr. 17 jemals verlassen hat, ist das Baseler Programm. Ich denke, wir werden uns jetzt gegen phantastische Pläne aller Art aber auch gegen jede Beschränkung wehren, die z4 B. mit dem Wörtchen „nur" jeder Arbeit in den Nebenländern Palästinas den Riegel vorschieben möchte. Ich für meine Person — ich will da nur meine persönliche Ansicht aussprechen — bin allerdings dafür, dass auch die Arbeit, die man mit einem ganz miserablen Ausdruck als „ Gegenwartsarbeit" bezeichnet hat, in viel grösserem Maasse berücksichtigt werde. Wie ich das meine, hoffe ich noch ausführlicher darlegen zu können; denn unser Programm bedarf wohl momentan keiner Erweiterung, aber einer intensiveren Durchführung. Wir alle wissen, dass zu dieser intensiven Innenarbeit bisher nur Anläufe gemacht wurden, weil wir gewohnt waren, das meiste der Initiative Herzls zu überlassen. Dass diese Innenarbeit, auch die in Palästina, meiner Meinung nach hauptsächlich in einer wirtschaftlichen bestehen, dass endlich energisch an die p 1 a n m ä s s i g e Durchdringung aller jüdischen Institutionen mit zionistischer Arbeit geschritten werden sollte, dass namentlich für eine unvergleichlich gründlichere Beseitigung der Folgen der Judenwanderung durch zionistisches Eingreifen gesorgt werden müsste, will ich schon jetzt ausdrücklich betonen, wenn ich auch die Schwierigkeit und Langwierigkeit dieser Arbeit vollauf kenne. Gelingt es uns, eine Einigung auf Grund des aller Zionisten Gemeinsamen zu erreichen — hoffentlich wird die demnächst stattfindende Sitzung des grossen A.-C. dazu beitragen — dann wird es auch möglich sein, dass wir auf dem nächsten Kongresse den Nachlass Herzls nicht nur übernehmen, sondern auch vor Schaden bewahren können. Dieses Gemeinsame möglichst genau festzustellen und für das, was ich das zionistische Minimum nennen möchte, in ruhiger, durchaus nicht aggressiver Weise unsere Gesinnungsgenossen zu gewinnen, muss unsere Arbeit bis zum Kongresse sein; denn mit Lärm, Hass und wilder Leidenschaftlichkeit werden wir genau das Gegenteil dessen erreichen, was wir erreichen wollen : uns als die wirklich Erbfähigen an Herzls Nachlass zu dokumentieren. Dr. Werner. Ussischkins „Unser Programm.1**) Diesein der Sammlung „Jüdische Zeitfragen" erschienene Brochüre, von der die einleitenden Abschnitte auch in der „Welt", Nr. 3 d. J., abgedruckt sind, hat mit Recht Aufsehen erregt» Ist es doch die am schärfsten umschriebene kritische und programmatische Entwicklung der zionistischen Palästinaarbeit, die wir bisher besitzen. Wohl mag man einwenden, dass dieses Programm zu eng begrenzt ist, dass es viele oder wesentliche Felder der Betätigung des Zionismus vernachlässigt oder ganz unbeackert lässt, dass es sich zu ängstlich an den Grundpfeiler des Baseler Programms hält: „für das jüdische Volk eine öffentlich rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina zu schaffen", anstatt den weiteren weltumspannenden Entwicklungsphasen des Zionismus gleichfalls Rechnung zu trage», jenen Bestrebungen, die auf allgemeine Nationalisierung, sowie auf wirtschaftliche und kulturelle Hebung des jüdischen Volkes hinzielen, ja sogar teilweise eine zionistische Weltanschauung schaffen und* verkünden wollen. Schon äusserlich tritt dies Missverhältnis in der Würdigung des Kulturzionismus, des politischen Zionismus und des Kolonisationszionismus seitens Herrn Ussischkins deutlich darin zutage, dass das Kapitel A), Die *) Verlag „Zion«, Wien, S°, 31 Seiten, Preis 40 h. Organisation des jüdischen Volkes 3/4 Seiten, das Kapitel B), Die Vorbereitung der Völker und Regierungen auf die autonome Besiedlung Palästinas durch die Juden l1/» Seiten und C) Die Kolonisation des Landes durch jüdische Ackerbauer und Handwerker 201]«, Seiten seiner Schrift ausfüllt. Aber es ist ja längst bekannt, dass der Verfasser einer der unerschütterlichsten und konsequentesten Führer der Nur-Palästina-Zionisten ist, und niemand kann sich daher wundern, dass „Unser Programm" ein reines Palästina- Kolonisations-Programm ist. Für mich — muss ich offen sagen — liegt gerade der Hauptreiz der Schrift Ussischkins in dieser Beschränkung darin, dass hierin mit aller Schärfe und Konsequenz der reale Untergrund UEserer Bewegung betont wird; nach den vielen Hebungs- und Vertiefungsbestrebungen der letzten Zeit verspürt man hier einmal wieder gesunden palästinensischen Erdgeruch. Selbstverständlich soll hiermit nicht gesagt sein, dass Referent dem Verfasser in allen Beziehungen zustimmt oder die Ausführbarkeit all seiner Ideen in der Form, wie sie Herr Ussischkin vorschlägt, auch für möglich hält. Den Ausschluss der Nebenländer aus dem Programm z. B4 halte ich für politisch bedenklich und für praktisch verkehrt. Es ist sogar wahrscheinlich, dass wir gerade durch kräftige Arbeit in den Nebenländern unsere Ziele in Palästina ganz ausserordentlich werden fördern können. Aber vor allem — und darauf hat Dr. Pasmanik mit Recht in Nr. 14 der „Welt* aufmerksam gemacht — versperrt man sich durch die Beschränkung auf Neu- Palästina die agitatorische sehr wichtige Aussicht auf baldige Gross-, respektive Schnellkolonisation, wie sie in Palästina ausgeschlossen, in den Nachbarländern aber wenigstens denkbar ist. Dass Herr Ussischkin das Hauptgewicht auf die agrikulturelle Kolonisation legt, ist nur anzuerkennen, wohl aber sollte in einem Programm auch der industriellen. Entwicklung etwas eingehender gedacht werden; der Verfasser überlässt hier alles der Bank, während er in bezug auf die Landwirtschaft recht detaillierte Angaben macht, Auch der geistig-kulturellen Eroberung Palästinas wird nur in aller Kürze gedacht, obgleich gerade die Behandlung dieser Frage eine der allerwichtigsten Aufgaben auch des „engeren* Zionismus sein sollte. Dass in dem Agrarprogramm von Herrn Ussischkin über die leider nur allzu bescheidenen Geldmittel der „Geula" und „Chowewe Zion" verfügt wird, lässt sich hören, nur wird den Gesellschaften mehr zugemutet, als sie zu leisten imstande sein werden; was aber die „Icau oder Baron Rothschild betrifft, so fürchte ich, dass ein Zusammengehen der Zionisten mit ihnen in dem von Herrn Ussischkin auseinandergesetzten Sinne .praktisch auf fast unüberwindliche Schwierigkeiten stossen wird. Ebenso glaube ich nicht recht an die Durchführbarkeit der dreijährigen Dienstpflicht der jüdischen Jugend des Auslandes in Palästina, und kann mir auch praktisch nicht viel davon versprechen, so lange es sich nur um agrikulturelle Arbeiten handelt. Etwas anderes wäre es vollends, wenn man grosse Konzessionen erwerben könnte, zu denen umfangreiche öffentliche Arbeiten nötig sein würden, aber auch dann wäre zu erwägen, ob man nicht besser mit anspruchslosen bezahlten Kräften (Arabern und Italienern) arbeiten würde, als mit Leuten, die nicht nur grosse Transportspesen machen, sondern sicher in bezug auf Verpflegung, Behandlung und Hygiene recht anspruchsvoll sein und den ausführenden Kräften viel Aerger bereiten würden. Was aber die landwirtschaftliche Arbeit betrifft, so werden junge Leute aus den Städten Europas in den ersten Jahren nicht viel nützen. Die sehr ernste Arbeiterfrage, der wunde Punkt der landwirtschaftlichen Kolonisation Palästinas, den der

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