Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 17 (28.4.1905)
- Date
- 1905-04-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Redaktion und Administration: WIEN IX., TQrktnstrasst Nr. 9. Telephon 14.199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration : Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und unverlangte Manuskripte weder zurückgesendet noch aufbewahrt. Preist der Anzeigen : laut Aufliegendem Tarif. Der Inseratenteil wird Dienstag abends ge»«iiloiaeik Einzelne Humwara 80 Heller. RQ7lincnroioO" Oesterreitth-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. 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Das Werk soll ein getreues Abbild des Schaffens unseres Führers sein. Es soll uns die Arbeit, die er für das jüdische Volk geleistet hat, nochmals vorführen. Dass wir seiner und dass wir ihrer gedenken. Und das wird wohlgetan sein; denn nur wenige Wochen trennen uns vom nächsten Kongresse. Im Streite der Meinungen und Personen wird die Entscheidung fallen. So sollen alle wenigstens noch einmal überblicken können, was der Eine geleistet hat, der alle einigen oder wenigsten alle zu gemeinsamer Arbeit sammeln wollte. Wohl wird auch die sorgsamste Zusammenstellung seiner zionistischen Schriften nicht das zum Ausdrucke bringen, was er gedacht, geschaffen, erlebt und erlitten hat. Immerhin wird das Buch für manchen ernsten Mann eine Mahnung sein; denn sie alle, die als Delegierte zum Kongresse kommen werden, sind ebenfalls berufen, den Nachlass Herzls zu sammeln und der Welt vorzulegen. Nur dass ihre Arbeit noch tausendmal schwieriger sein wird, weil es gar manche gibt, die an die gänzliche Neuredaktion dieses Nachlasses gehen wollen. Er selbst, der nun nicht mehr mittun kann, hat ihnen in einer verhängnisvollen Stunde zur Möglichkeit verholfen, sein Werk umzugestalten. Er selbst hat ein neues Kolonisationsprojekt vorgelegt. Daran hat sein feierlicher Zionssehwur nichts mehr ändern können und die ernsten Folgen werden weder seine, noch die Schwüre der anderen aufzuhalten vermögen. Schon sind Leute aufgestanden, die seine Lebensarbeit vom Grunde aus umzustürzen versuchen. Wenn man hört, um wie viel klüger sie nach seinem Tode sind als sie zu seinen Lebzeiten waren, so muss man lächeln, aber voll Schmerz. Noch kein Jahr, dass ihn die Erde deckt, und sie sind schon bereit, sein Sehnen und Arbeiten wie seinen Leib in die Erde zu versenken, und was sie ihm gewähren möchten, ist für beide, ist tür Leib und Seele, ein schönes Denkmal. Stein oder gar Erz — aber nichts lebendiges, wie er es erstrebte. Und doch hat er Lebensvolles schaffen und nur dem Leben seines Volkes leben wollen. Welche Verkennung seiner Arbeit, wenn auf Grund des Afrikaplanes die phantastischesten Projekte aller Art auftauchen konnten! Nein, das hatte er gelernt, das hatte er tief im Herzen gefühlt, dass es für uns Juden nur eine einzige grosse Hoffnung geben könne — Altneuland* Dass er, der Not des Augenblickes Rechnung tragend, Englands Angebot nicht zurückwies, das mögen die erbarmungslos verurteilen, die nie die Last einer übermenschlichen Verantwortung auf ihren Schultern getragen haben, mögen die verdammen, die nicht zu ahnen imstande sind, welche furchtbaren Kämpfe dieser Mann in seiner Seele zu bestehen hatte, als er sah, wie man gerade aus dem Volke heraus, dem er sein Leben geweiht hatte, zu den schon in den Verhältnissen liegenden ungeheueren Schwierigkeiten immer neue aufzutürmen bereit war. Nun aber ist es einmal geschehen. Ob Fehler oder klug berechnetes Vorgehen — das Projekt ist da und muss und wird erledigt werden. Noch tobt der Kampf und wie jeder Kampf ist er von hässlichen Episoden nicht frei geblieben. Exaltados der einen und der anderen Richtung haben sich in den Streit gemengt und damit ihren Parteien einen bösen Dienst geleistet. Schlechte Musikanten haben bis zum Ueberdruss die eine oder andere Melodie heruntergeleiert und nach Möglichkeit zur Disharmonie beigetragen. Nun aber dürfte es an der Zeit sein, alle die gut- und schlechtge* meinten Ratschläge, Resolutionen, Beschlüsse, Anregungen und Aufregungen gelassen zu überschauen und sich darüber klar zu werden, dass wir schliesslich und endlich doch gemeinsam arbeiten wollen. Die in der Hitze des Kampfes verlangten Ausschliessungen, die erbitterten Absagen wollen wir nun ruhigen Blutes prüfen und uns auf das Mass unserer Mindestforderung einigen. Die Einigung gerade darüber ist ja für Zionisten nicht schwer. Der Boden, den kein ehrlicher Zionist