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Die Welt · 1905-04-19 · 16 (19.4.1905) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
16 (19.4.1905)
Date
1905-04-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr/16 9» öle * W^It" Seite 13 Produkten etwa 615 Rbl. An die Administration sind etwa 287 Rbl. an Anzahlungen zu machen, so dass ihm noch 328 Rubel bleiben. In den günstigsten Verhältnissen befindet sich die Kolonie Mauricio, weil sie einem guten Absatzmarkte, der Stadt Buenos Aires, nahe liegt und auch nicht durch Heuschrecken, Dürre oder allzuviel Regen zu leiden hat. Diese Kolonie hat eine Bevölkerung von 1128 Seelen (164 Kolonistenfamilien) und hatte Anfang 1904 schon 18.267 Hektar Land bestellt. Hornvieh gibt es hier obll Stück, darunter 2555 Milchkühe, ferner 3500 Pferde. Auch die Schafzucht hat hier schon einen ziemlich beträchtlichen Umfang — 3000 Schafe. Die Fahrt durch die K o 1 o n i e n hat auf mich den an g e n e h m s t e n E i n d u c k gemacht. Immer hat man mich herzlich aufgenommen. Russlands erinnern sich die Kolonien sehr gern. Nirgends habe ich Erbitterung oder Hass bemerkt; alle ihre Erklärungen hierüber kanü man mit den Worten eines Kolonisten ausdrücken : „Russland ist ein gutes Land; kein Argentinien hält ihm den vergleich; nur uns ist dort das Leben unmöglich. Man zwingt uns, in der Enge zu leben; deshalb ist auch Schmutz und Armut, da sich keinerlei Erwerb finden lässt und des Volkes immer mehr wird. Wenn ma?i es erlaubte, würde ich an einen anderen Platz gehen, würde eine passende Beschäftigung finden, und für mich und die Familie würde es besser sein." Alle Kolonisten haben ihren Samowar mitgenommen und lieben sehr den Tee. „Wir sehnen uns nach Russland", sagte mir einmal mein Gastwirt; was wollen Sie, es ist doch das Vaterland, und das Vaterland liebt jeder. Hier kann man zwar frei leben, niemand rührt dich an; aber doch ist alles fremd; man muss sich an alles gewöhnen." Wenn Juden nach Buenos-Aires kommen, so sind alle über ihr seltsames, erschöpftes Aussehen erstaunt; langschössige Röcke, geflickte, schmutzige Mützen, auf den mageren Gesichtern Niedergeschlagenheit. Aber in Argentinien werden sie rasch neue Menschen; ihre Kleidung ist die aller Argentinier und das Gesicht gewinnt einen offenen, kühnen Ausdruck. Besonders das junge Geschlecht, das schon die Schule durchgemacht hat und spanisch spricht, hat sich die Lebensweise, die Manieren, die Bräuche und Interessen der Argentinier angeeignet. Sogar dem Gelde gegenüber legen sie eine gewisse argentinische Nachlässigkeit an den Tag. Wie die richtigen Argentinier stopfen sie die zerknitterten papierenen Pesos r achlässig in ihre Taschen. Am meisten aber hat K r j u k o w der Umstand in Erstaunen gesetzt, dass sich bei den j üdischen Kolonisten Argentiniens ein richtiges landwirtschaftliches Leben entwickelt. Die Laute verschmelzen mit der Landwirtschaft, weil sie sehen, dass ihre Arbeit keine verlorene ist, und sie zu steigendem Wohlstand führt. In Argentinien, schliesst Staatsrat K r j ukow seine Studie, ist der Beweis geliefert, dass man bei einer gewissen Organisation, bei einer gewissen Verausgabung von Mitteln, die in schmutzigen Städtchen eingepferchte jüdische Bevölkerung in Landwirte umwandeln (die meisten nachher dem Judentum den Rücken kehren) und zu geringer für die Volks-und Mittelschulen herbeiführt wurde diesmal fast debattenlos — abgesehen von dem Eintreten Dr. Landesmanns und J. Rownitzkys für das Cheder — angenommen. Eine Revisionskommission wurde in aller Eile gewählt und man ging zu dem mit grosser Spannung erwarteten Punkte Eventualia üben 25 Mitglieder hatten folgenden schriftlichen Antrag eingebracht : „Die Unvollständigkeit des Staatslebens in Russland tritt vielleicht nirgends mit einer solchen Kraft hervor wie in der Aufklärung im aligemeinen und besonders bei den Juden. Wir ersuchen daher das Komitee, in den nächsten Tagen eine Generalversammlung einzuberufen, weiche Sr. Majestät dem Zaren Vorschläge behufs Ordnung des Staatswesens machen solle.* Dieser Antrag ist auf Grund des kaiserlichen Ukases vom 16. Februar an den Senat, gestellt worden. Als erster ergreift Herr Bickermann das Wort. Er spricht zuerst von den Schulen im allgemeinen und geht dann zur Aufklärung der Juden in Russland über : „Niemand litt in dieser Beziehung so sehr wie die Juden. Ich stehe nicht auf dem Standpunkte, dass wir Juden das auserwählte Volk sind, aber kultivierter sind wir und deshalb hielt man uns hier so weit von der Aufklärung, denn der gebildete Jude ist im Vergleiche mit dem gebildeten Christen ein Intellektueller in zweiter Potenz Deshalb wurde nirgends das Gesetz so streng gehandhabt wie gerade in betreff der Aufklärung. Dort wo die Juden das Wohnrecht nicht besitzen, wohnen dennoch Zehntausende Juden. Juden dürfen keine Staatslieferungen übernehmen und die Hauptlieferanten, selbst im Kriege, sind dennoch Juden. Ueberall kennt das Gesetz mildernde Umstände, aber im Laufe von 17 Jahren ist es nicht einmal vorgekommen, dass Juden über die Prozentnorm in eine russische Lehranstalt aufgenommen wurden. Nirgends wurde das Gesetz so streng befolgt, nirgends waren die Beamten so unbestechlich wie auf dem Gebiete der jüdischen Aufklärung. Nichtsdestoweniger muss man nicht für die Erleichterung der Lage der Juden allein arbeiten, sondern für die ganze russische Bevölkerung und desshalb schlage ich folgende Resolutionen vor: L Der regelrechte Gang der Aufklärung in Russland im allgemeinen und besonders bei den Juden ist nur bei vollständiger und ausschliesslicher Herrschaft des Gesetzes, vor könne. Nur müsse man im Auge behalten, dass sich eine^™1^^^ Gleichheit aller vor dem Gesetze und bei solche Umwandlung natürlich nicht durch den Erlass diesse|J|freier Selbsttätigkeit der Gesellschaft auf allen Gebieten oder jenes Gesetzes, sondern nur durch eine praktischeres Staates möglich Organisation, durch ein^ teilnah rns voll es V^halte^ Ei dauerhafte Ordnung, wirkliche Gleichheit Bevölkerung erreichen iasst. Den Wert der Kolonien beziffert _ . . , in ^.1 , Vl Staatsrat Krjukow mit 9 Millionen Pfund Sterling. Gt.!liUD(i Entwicklungsfähigkeit aller Burger und aller Volker, _ ||fjwelche Russland bewohnen ist nur dann möglich, wenn §jp|alle Bürger des Landes, ohne Unterschied der Nationalität, Sifides Glaubens und der Vermögensverhältnisse sich Vertreter p|pwählen können, welche gesetzgeberisch und kontrollierend fvILn /-v CJ f n n 4-ril rvi i-it T-» rr fftiln okman lfÄnnflti " Brief aus Odessa. (Schluss.) Jnd wie verhält sich die Elite der Odessaer Juden-f |an der Staatsleitung teilnehmen können: schafc der jetzigen Bewegung in Russland gegenüber?^| Advokat Zwilling sucht nachzuweisen, dass es Fordert auch die hiesige Judenschaft gleich den an deren' g.H|gar keine j üd i s c h e Aufklärung gibt, sondern eine all- Gemeinden Gleichberechtigung, geht sie etwa gar, wie es|j|gemeine und fordert die Versammlung auf für die allsich geziemt hätte, in dieser Bewegung voran? ^-^gemeine Freiheit Russlands zu kämpfen. Herr Düsenhof weist darauf hin. dass es wohl eine spezifisch jüdische J Aufklärung gibt und führt dann folgendermassen aus: \J,,Bald tritt die Bulyginsche Kommission zusammen. Wir ^sollten hier vor allen Dingen darüber beschliessen, auf; welche Weise wir als Juden dort vertreten sein wollen. 'jUnd wenn der Semsky Sobor zusammentritt, so werden Lehrfächer in den zahlreichen Schulen der „Gesellschaft^ wir Juden dort keinen Vertreter haben, denn derselbe wird Das Budget, welches in jedem anderen Jahre die heftigsten';;;.-; aus den Abgeordneten der Dumas, Semstwos, Universitäten Debatten wegen Ignorierung der Chedarim (angeblich '^etc. bestehen und wir Juden werden draussen bleiben. Hier weil man dortselbst nicht Arithmetik und Russisch unter-Jefmüssen wir vor allen Dingen darüber sprechen und berichten darf), wegen zu grosser Ausgaben für Hochschüler^schliessen/ Die Antwort auf diese Fragen erhielten wir am Sonntag den 19. März in der Generalversammlung der „Gesell-' schaft zur Aufklärung drr Juden in Russland".! Vergessen war für diesen Abend der dreissigj ährige Kampf der vereinigten Nationalisten und Zionisten für die Einführung der hebräischen Sprache und der jüdischen;:

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