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Die Welt · 1905-04-19 · 16 (19.4.1905) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
16 (19.4.1905)
Date
1905-04-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 flbie # weit* * Nr. 16 sich ja der Bruderschaft in Israel bewusst — ist sicherlich nicht so schwer wie die Bildung eines amerikanischen Staates aus den'Resten und Ueberschüssen von Europa. Die Juden haben eine wunderbare Eigenschaft der Nachäffung anderer in der Assimilierung an ändere Völker gezeigt, und ich kann mir nicht recht denken, dass sie gesammelt und beisammen nicht fähig wären, sich selbst nachzuahmen und ein Judenvolk zu bilden. Aber wir sind schon über die Periode der blossen Beweisführung hinaus. Die intelligenten Juden der ganzen Welt haben beschlossen, dass ein solcher Staat sein muss und sein wird. Ich komme nicht als der Apostel einer verlorenen Hoffnung, sondern als der Verkünder einer triumphierenden Bewegung. Dr. Herzls Broschüre, die den Judenstaat predigte und voraussagte, war im Jahre 1896 erschienen und wurde mit allgemeinem Misstrauen oder, was noch schlimmer ist, mit Gleichgültigkeit aufgenommen, 1897 war schon einer seiner Träume eine Tatsache. Ein internationaler Kongress in Basel hat das erste unabhängige jüdische Parlament gebildet, das seit unserem Exil je tagte, und dieser Kongress gründete die zionistische Bewegimg zur Schaffung einer öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina. Lord Milner und die südafrikanische zionistische Federation. Wie bekannt, ist Lord Milner, der Statthalter von Südafrika, einer der eifrigsten und erfolgreichsten Verfechter der imperialistischen grossenglischen Idee, vor zwei Monaten von seinem Posten zurückgetreten. An seine Stelle ist Lord Selborne getreten. Der Rücktritt des Viskounte Milner war ein freiwilliger, wenn auch nach den letzten Ereignissen in den gewesenen südafrikanischen Republiken, durch die politische Entwicklung und Verwicklung der dortigen Verhältnisse bedingt. Milners Verdienste und seine hohe politische Bedeutung sollen hier nicht weiter besprochen werden, da sie allgemein bekannt sind. Wohl aber .sollen hier seine Beziehungen zu den Juden und seine Verdienste um die zionistische Federation in Südafrika nochmals hervorgehoben werden. Er zeigte sowohl dem jüdischen „Board of Deputies", als auch der Federation seit jeher das wärmste und freundlichste Entgegenkommen. Seine Verfügung, wonach der Präsident der zionistischen Federation mit einer Art Konsularrecht gegenüber den jüdischen Einwanderern bekleidet wurde, hat sowohl die Sache der Einwanderer als auch die Autorität der Partei bedeutend gefördert. Bei seinem Abschied überreichten ihm die südafrikanischen Zionisten eine Adresse, die folgendermassen lautete: An Seine Exzellenz Viscount Milner, High-Commissioner Seiner Majestät in Südafrika. Eure Exzellenz! Wir, der Vollzugsausschuss der südafrikanischen zionistischen Federation, in Vertretung der Einzelvereine von ganz Südafrika geben unserem tiefsten Bedauern aolässlich der Abreise Euerer Exzellenz von diesem Lande Ausdruck. Wir bitten daran zu glauben, dass es unsere Hoffnung ist, dass Eure Exzellenz mit der Abreise von Südafrika der Arbeit für das Reich, zu dem wir mit ergebenster und dankbarster Liebe aufschauen, nicht ein Ende machen werden, sondern dass Euere Exzellenz noch für lange Jahie hinaus zur Förderung des Wohlstands und der Würde der zahlreichen Völker, die die britische Nation bilden, erhalten bleiben werden. Wir fühlen uns Euerer Exzellenz für das unserer Bewegung entgegengebrachte Interesse zum Danke verpflichtet und würdigen voll und ganz die einsichtsvolle und gerechte Teilnahme, die Euere Exzellenz jedem Teile der Bevölkerung erwiesen haben, ohne Rücksicht auf Nation und Konfession. Gezeichnet: S. Goldreich, L. Kessler (Mitglieder des Zentralkomitees der internationalen zionistischen Organisation), H, Solomon, B. Danziger (Vizepräsidenten der südafrikanischen zionistischen Federation), Ralph Goldselier(Kassier des S. Z. F.), D, Holt, I. Caplan, B. I. Chaimowitz, E. L. Mosely, Dr. Horwich (Mitglieder des Vollzugausschusses der S. Z. F.), Sam. Metz (Sekretär). In Beantwortung dieser Adresse langte ein Schreiben des Lord Milner vom 24. März 1. J. an Mr. Sam. G o 1 d r e i c h ein :] Geehrter Herr! Ich bin von Seiner Exzellenz Lord Milner beauftragt worden, den Empfang des von Ihnen und anderen Mitgliedern des Vollzugsausschusses der südafrikanischen zionistischen Federation gefertigten Schreibens zu bestätigen. Seine Exzellenz ist tief gerührt durch die zahlreichen Aeusserungen von Anerkennung und Sympathie, die ihm von allen Teilen Südafrikas zukommen, jedoch ist keine Kundgebung ihm wertvoller als die Ihrige. Ergebenst gezeichnet: G. Geoffrey Robinson, Privatsekretär. Zeit- und Streitfragen im Zionismus, v. Es ist hier nicht der Platz, den Nachweis zu erbringen — wir haben es schon an einer anderer Stelle getan — dass am Zionismus das ganze jüdische Volk interessiert ist. Wir wollen hier nur bemerken, dass, vom genetischen Standpunkte betrachtet, der Zionismus nichts anderes als eine Heimatsverteidigung ist — in diesem Falle steht das ganze Volk wie ein Mann, Ein Führer der deutschen Sozialdemokratie erklärte einmal im Reichstage, dass, falls Deutschland von einem Feinde überfallen würde, die Arbeiter nicht minder eifrig ihr Vaterland verteidigen würden, als die Angehörigen irgend einer anderen Klasse. Der Zionismus ist eben nichts anderes als eine friedliche Verteidigung des jüdischen Vaterlandes, an welcher alle Elemente unseres Volkes gleichmässig interessiert sind, unabhängig von allen sozialen, ökonomischen und kulturellen Unterschieden der einzelnen Gruppen. So lange also Misrachisten und Poale-Zionisten das gemeinsame Vaterland verteidigen, so lange sie die Erreichung einer rechtlichgesicherten Heimstätte in Palästina als Grundlage ihrer ganzen Tätigkeit betrachten, gehören sie alle in die zionistische Organisation. Aber nur insoferne es sich um die staatlichen Institutionen handelt, um den Kongress, die Bank, den Nationalfonds und die Arbeit in Palästina. Aber nicht weiter. Sobald es sich um die Gegenwartsarbeit handelt, da beginnt die Scheidung. Im Leben gestaltet sich die Sache so, dass die Misrachisten im vom ökonomischen und geistigen Fortschritte noch unberührten orthodoxen Milieu arbeiten, während die Poale-Zionisten vor allem das städtische Proletariat auf zionistischer Basis organisieren. Wohl werden hie und da zwischen beiden Richtungen Kämpfe ausbrechen und zwar in Orten mit noch nicht differenzierter Bevölkerung, z. B. in den kleinen Provinzstädten, Diese Kämpfe sind unvermeidlich, ebenso wie die Kämpfe zwischen den klerikalen und freisinnigen Elementen in Frankreich, die deshalb doch nicht aufhören, Söhne eines und desselben Vaterlandes zu sein.

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