Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 15 (14.4.1905)
- Date
- 1905-04-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 flbi* # weit" Seite 9 dass in Anhalt zum ersten Male die Möglichkeit geboten sei, wissenschaftliche Untersuchungen, soweit sie den Zionismus beträfen, weiteren Schichten zugänglich zu machen, weshalb sein Glas den anhaltischen Landen gelte. Im Namen der Köthener Studentenschaft begrüsste ein Köthener Akademiker die studentischen Gäste und hieis sie willkommen. Ihm dankte namens der auswärtigen Studenten jur. cand. Gütig (Prag) und brachte sein Glas den Vortragenden und Dozenten der Kurse. Zum Schlüsse sprach dipl. Ingenieur Kayser, Dozent am Köthener Institut, und wünschte der einträchtigen Arbeit guten Erfolg. Montag, am 27. April begannen die Vorlesungen. Der Zionismus an der Genfer Universität. Eine ziemlich interessante Tatsache, wei sie beweist, dass dochnoch nicht alles schon dagewesen ist.Die theologische Fakultät an der Genfer Universität hat voriges Jahr als Preisaufgabe folgende Frage gestellt: „Le Sionisme et ses aspirations actueiles" (Der Zionismus und seine gegenwärtigen Bestrebungen). Wir werden uns erlauben nur ganz kurz den Inhalt dieser preisgekrönten Arbeit, sowie die offizielle Kritik des Professorenkollegiums (darunter der Genfer Rabbiner, Herr Professor Wertheimer) mitzuteilen. Nachdem der Verfasser zuerst den Messianismus im Verlaufe des Exils beleuchtet geht er zur Epoche der französischen Revolution über und zeigt ihren Einfluss auf die Lage der Juden: Emanzipation mit Verzicht auf die jüdische Nationalität einerseits, der Antisemitismus andrerseits. Den letzteren fuhrt der Verfasser auf drei Ursachen zurück: religiöse, nationale und ökonomische. Im IL Kapitel werden die Ursachen des Zionismus analysiert; die äussere, objektive Ursache — Judennot, — dann die innere, subjektive Ursache — das Judentum. „Die sittliche und lebendige Ursache der zionistischen Bewegung ist das Bedürfnis (besoin) nach einer starken und fortschrittlichen jüdischen Kultur in der jüdischen Heimat/ Im III. Kapitel wird die Geschichte des Zionismus behandelt und zwar seit den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bis zum Erscheinen Herzls. Unserem seligen Führer ist das IV. Kapitel gewidmet. Da werden in sehr guter Form die Gestalt und die Rolle dieses Mannes gezeichnet. , Im V. Kapitel werden alle sechs Kongresse behandelt und alle ihre Beschlüsse analysiert. In den Kongressen sieht der Verfasser die „ Auferstehung Israels, als einer Nation, den besten Beweis der Lebendigkeit des jüdischen Volkstums." Im VI. Kapitel, „Der Zionismus und die Juden" betitelt, werden die verschiedenen Lösungen der Judenfrage einer Kritik unterzogen. Sie sind in zwei Gruppen eingeteilt: 1. die „inneren" Lösungen, d. i. die alle das Verbleiben der Juden an den Ortej, wo sie sich jetzt befinden, anstreben, sind folgende: geistiger Autonomismus (Dubnowismus), sozialer Autonomismus (Bundismus) — dieses wird vom Verfasser als die reinste Utopie gestempelt — und schliesslich die Assimilation. 2. Die „äusseren* Lösungen, d. i. die Emigration: allgemeine Emigration, d. i. Zerstreuung der Juden und ihre gleiche Verteilung in allen Ländern des Weltalls, geistiger Zionismus (Achad-Haamismus) und schliesslich politischer Zionismus. Der Verfasser erklärt, dass „der Zionismus die einzig praktische Lösung der jüdischen Frage ist.u Im VII. Kapitel „Zionismus und Palästina" betitelt, zeigt der Autor alle Vorzüge Palästinas, auch in äusserer Hinsicht — vom geographischen, politischen und ökonomischen Standpunkte. Er ist überzeugt, dass Palästina nie einer christlichen Macht gehören kann und dass die Türkei schliesslich den Aspirationen des jüdischen Volkes entgegenkommen wird. „Nur ein Volk kann in Palästina heimisch werden —das jüdische/ Im VIII. Kapitel wird die Frage von Zionismus und Religion behandelt, wobei darauf hingewiesen wird, dass der Zionismus in religiöser Hinsicht absolut tolerant ist. Der offizielle Kritiker, Herr ProfessorMontet, hat hauptsächlich folgende Punkte einer Kritik unterzogen: erstens erklärt er sich gegen die Behauptung, die Juden wären eine besondere Rasse, denn das Gegenteiljwird heutzutage mit nicht minderwertigen Tatsachen bewiesen. Dann ist er gegen die scharfe Kritik, die der Verfasser an der Alliance israelite übt, deren Verdienste in der Verbreitung der französischen Kultur in Marokko Herr Montet während seiner vorjährigen Reise in diesem Lande konstatieren konnte. Der Herr Professor scheint nicht ganz genau den Sinn der von ihm kritisierten Arbeit erfasst zu haben, denn der Vorwurf besteht darin, dass die Alliance israelite eben französische und nicht jüdische Kultur verbreitet. Die Arbeit wird in kurzer Zeit in einer französischen Zeitschrift veröffentlicht werden. Jedenfalls eine höchst erfreuliche Erscheinung, die uns beweist, dass die christlichen Kreise mehr Verständnis für unsere Bewegung bezeugen, als manche Juden. Daniel Ben Samuel. Gedenkfeier am Grabe Perez Smolenskys. Eine erhebende Gedenkfeier fand am 2. April in Meran am Grabe unseres unvergesslichen Perez Smolensky statt, der vor 20 Jahren auf dem jüdischen Friedhofe daselbst seine letzte Ruhestätte gefunden hatte. Eine kleine Schar seiner Verehrer hatte sich zusammengetan, um das Grab dieses uns allen teueren Dichters würdevoll auszustatten. Durch freiwillige Spenden war eine Summe aufgebracht worden, um das Grab mit einem zierlichen Gitter zu umgeben, das am selben Tage seiner Bestimmung übergeben wurde. Der hiesige Rabbiner Herr Dr. Tänzer hatte es in freundlicher Weise unternommen, die Gedenkrede zu halten, Nachdem Herr J. Towbin aus Königsberg i. Pr., der sich überhaupt um die Veranstaltung der ganzen Feier das grösste Verdienst erworben hat, dem Toten zunächst einige Worte in hebräischer Sprache gewidmet hatte, hielt Herr Schalit aus Riga eine kurze Ansprache, ebenfalls in der durch Smolensky zu neuer Blüte entfalteten Sprache. Alsdann ergriff Herr Dr. Tänzer das Wort, um in ergreifender Rede uns ein Bild von demLeben und Wirken Smolenskys zu geben. „In diesem Grabe/4 so sagte er unter anderem, „an dem sich heute eine so zahlreiche Versammlung eingefunden hat, ruht seit W Jahren ein stiller Mann; über das Grab hinaus haben aber der Geist, die Gedanken, das Wollen und Wirken des uns allen unvergesslichen Dichters ihr Leben bewahrt. Dieser Mann hat den Tod besiegt, indem er uns den Inhalt seines Lebens für alle Dauer als ein lebendig fortwirkendes Erbe hinterlassen hat. Sein Grab ist für uns heute mehr eine Stätte des Lebens als des Todes! „ . . . Doch wodurch hat sich Smolensky Unsterblichkeit verdient? Lediglich durch die Liebe! Er litt kämpfte und starb für sie! Und diese Liebe galt dem Judentum. Für diese Liebe war ihm selbst sein eigenes Leben nicht zu teuer. Und nur dieser unwandelbare Glaube an eine bessere Zukunft des Judentums, diese alles aufopfernde Liebe konnte Wunderwerke schaffen, wie er sie zuwege gebracht hat. In Smolensky haben wir den Begründer der modernen hebräischen Literatur zu sehen, ja noch mehr, ihm allein haben wir es zu verdanken, dass das Hebräische wieder eine lebende Sprache geworden ist, deren sich heute hunderttausende im täglichen Leben bedienen, in denen heute eine grosse Anzahl Tageszeitungen erscheinen. Durch diese allen Juden verständliche Literatur lehrte er unsere Glaubensgenossen nicht nur lesen, er lehrte sie auch sehen. Er lehrte sie neben dem Interesse für die Juden eine höhere Anteilnahme für das Judentum." An die Rede Dr. Tänzers schloss sich noch ein kurzes Gebet, dann verliess die Versammlung den Friedhof, auf dem einige Schritte weiter auch Prof. Lazarus seine letzte Ruhestätte gefunden hat. „Treu und Frei" sind die Worte, die auf dessen Gedenkstein prangen. Treu und frei ist auch das Leben des Mannes gewesen, dem eine kleine Schar seiner Verehrer heute gehuldigt hatte. Erwähnt mag noch werden, dass die Familie des Dichters benachrichtigt worden war und auch auf dem Friedhof ein Danktelegramm der Witwe Smolenskys eintraf. ludischer Nationalfonds. Das goldene Buch. Gesellschaft Chowwei Zion „Sektion David", Bukarest, trägt ihren Vizepräsidenten, den Schuldirektor und Schriftsteller Herrn Haim Bejarano ein....... Lei 250.— Die zionistische Sektion „Estera" in Vaslui trägt den verewigten Dr. Theodor Herzl ein............... „ 250.—