Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 14 (7.4.1905)
- Date
- 1905-04-07
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 „bie * weit" Nr. 14 Kräftigung des Nationalfonds ausklarg, was denn auch sofort eine Sammlung zur Folge hatte, die 59 Kronen eintrug. Zum Schlüsse brachte noch Herr Samuel Mandl, dessen drollige Couplets Herr Josef Schwarz mit viel Fertigkeit und Routine am Klaviere begleitete, durch seine vorzüglich dargestellten humoristischen Typen echte Purimstimmung in die Versammlung, die sich mit dem Wunsche nach baldiger Wiederholung eines solchen Aber.ds und unter begeisterten Hedadrufen zerstreute um sich jedoch bald darauf im Kestaurant Blau zu einem sehr animierten Kommers zusammenzufinden, wo man bis r ach Mitlernacht in fröhlichster Laune beisammei blieb. Zum Schlüsse sei auch noch des wackeren Chordirigenteri Herrn Ze n k e r- Zuckermann Erwähnung getan, dessen trefft» ch geschulter Chor sehr viel zum Gelingen des Abends beitrug. Berlin. Am 23. März f-ierte die „Berliner Zionistische Vereinigung" in den Sälen der Brauerei Königstadt ein Purim-Kmderfest, dessen Leitung und Ausgestaltung die „Jüdischnationale Frauen Vereinigung* übernommen hatte. Nicht weniger als gegen 500 Kinder waren „zur Feier des Tages" erschienen und bei dieser stattlichen Anzahl wird man sich ungefähr einen Begriff von d^m Jubel und Trubel dort machen können. Nach einer kurzen Begrüssungsansprache, in welcher Fräulein R. Krucz die Kleinen herzlich willkommen hiess, wurde den Kindern an der prächtig gedeckten Tafel Kaffee un i Kuchen verabreicht, sodann ein „schmetternd Li^dw angestimmt. Herr Hai b^rt war so freundlich gewesen, noch in letzter Minute einzuspringen und hielt eine schwungvolle Festrede, welche den gebührenden Beifall der Kleinen fand. Auch dem niedlichen Theaterstück, von Fräulein Ch. Sachs sorgfältig einstudiert, sowie den Liedern des Herrn Leppien er wurde die ungeteilte Aufmerksamkeit der kleinen Zuhörerschaft zuteil. Den Glanzpunkt des Nachmittags bildete aber unstreitig der wirklich entzückende Reigen, von acht kleinen Mädchen in blauen, mit Silberfäd^n durchwirk en Kleidern, weissen Schleiern in den Händen, getanzt. Man kann sich kaum etwas Reizenderes denken als diesen graziösen Tanz, dessen sinniger Schluss, ein grosser, aus den Schleiern der Tanzenden gebildeter Mögen David, geradezu überwältigend wirkte. Fräulein M. Amolski hat durch die Einstudierung dieses Reigens, welcher wiederholt werden musste, nicht nur dem kleinen Volke, sondern auch den Erwachsenen einen wirklichen Genuss bereitet und jeder Anwesende wird dem Mädchen, welches in seiner vierjährigen Weisheit voll Ueberzeue;ung ausrief: „Der Ballett war wunderbar!" recht geben. Eine Riesenpolonaise, bei welcher kleine Geschenke verteilt wurden, mit darauffolgendem Walzer beschloss den hübschen Nachmittag, der gross und klein noch lange in Erinnerung bleiben wird. A. Drohobycz. Unser Gesinnungsgenosse Herr Nathan Löwenthal (Drohobycz) hat sich mit Fräulein Helene Hoch daselbst verlobt. Koiomea. Unter grosser Beteiligung wurde am 2. d. M im Verein "lokale „Zire Zion" eine Trauerandacht veranstaltet zu Ehren des jäh dahingeschiedenen t»euen Gesinnungsgenosten Josef Richter. Vizepräses H. I w a n i c z und Hr. Haber hoben seine grossen Verdienste im Vereine vor. Hr. Rath, ein Freund des Hingeschiedenen, hielt diesem einen tiefempfundenen Nachruf. Nach dem Vortrag des „El n.ole rachamim" wurde eine Sammlung für den Nationalfords veranstaltet zur Eintragung Richters ins „Goldene Buch"- W«l^@bpooik. Judenauswanderung aus Rumänien. Man berichtet aus Budapest: Mit dem Predealer Eisenbahnzug treffen seit einiger Zeit alltäglich rumänische Juden ein, welche in der Heimat nicht geduldet werden und in Ermangluug j*der Erwerbsquelle genötigt sind, eine zweite Heimat, zumeist Kanada, ausfindig zu machen. Die Unglücklichen erzählen haarsträubende Details über die Vexationen, welche ihnen seitens der Behörden und Bevölkerung zuteil werden. Die „Judengesetze* werden wieder mit überaus grosser Schärfe gehandhabt, und es herrschen ähnliche ZuMände wie vor fünf Jahren, als viele tausende Familien fluchtartig ihre Geburtsstätte verliessen. Seit wenigen Wochen haben mehrere hundert rumänische Judenfamilien den BudapesUr Ostbahnhof passiert und sind mit dem nächsten Eisenbahnzuge, da ihnen hier ein längerer Aufenthalt nicht gestattet wurde, nach Bremen weiterg> reist. Es dürfte sich wohl hauptsächlich um russische nicht nur um rumänische Juden handeln, die über Rumänien a >^wandern. Oer Kreuzrummel an der Budapeater Universität. Die antisemitischen Hörer der Buaapester Universität haben bekanntlich seinerzeit eine erfolglose Agitation zur Anbringung von Kreuzen in den Hörsälen der Universitäten entfaltet. Da nun die Gelegenheit unter dem jetzigeu klerikalen Rektor Demkö eine günstige schien, haben die Klerikalen mit ihrer Agitation in der vorigen Woche wieder eingesetzt. Selbstverständlich stiesstn siehiebei auf den heftigsten Widerstand von Seiten der Liberalen. Die Frage wurde nun zur beiderseitigen Befriedigung in der Weise gelöst, dass das ungarische Wappen, in dem sich ja das Kreuz ohnehin befindet, in den Hörsälen angebracht werden soll. Obzwar der Sache selbst keine allzugrosse Bedeutung beizumessen ist, so ist sie dennoch symptomatisch für den aufstrebenden Klerikalismus und Antisemitismus in Ungarn. Jüdische Herrenhausmitglieder in Ungarn. Das ungarische Amtsblatt veiöffentlichte vorige Woche die Liste jener Magriatenhau?mitglieder, die „im Magnatenhause des 1905 bis 1910er Reichstages die Mitgliedschbftsberechtigung besitzen. Darunter sind fünf Juden: Sigmund Brody, Franz Chorin, "Alexander Hatvany-Deutsch, Sigmund Kornfeld und Karl Schwab. Die „Privatsache" bei den Sozialdemokraten. Religion ist auch bei den reichsdeutschen Genossen bekanntlich Privatsache. Das hat den Abg. Zubeil aber nicht gehindert, in einer Reichsratssitzung seine Polemik gegen den Abgeordneten Dr. Mugdan mit den Worten zu schliessen: „Ein Mann, der wie Abg. Mugdan seine Religion wie ein schmutziges Hemd gewechselt hat. . Die Parteigenossen nahmen diese Invektiv« mit Beifall auf. Die Herren hatten, so bemerkt dazu die „Fr. D. Presse" in jenem Augenblick wohl vergessen, dass nicht weniger als 43 Mitglieder — also weit über 50% der sozialdemokratischen Fraktion des Reichstags — der Religion ihrer Väter abtrünnig geworden sind. Auch führende Genossen, so der frühere Redakteur der „Leipziger Volkszeitung", Abg. Dr. Schönlank, und der jetzt leitende Redakteur des „Vorwärts", Abg. Dr. Gradnauer naben das Judentum gegen ein christliches gewechselt und sich evangelisch taufen lassen. Die Art der Arbeit in den jüdischen Hilfsgesellschaften. Zur jüngsten Generalversammlung der „Angio Jewish Association41 (engl. Ailiance), deren Präsident Claude Montefiore ist, erschienen nur 27 Personen, obwohl das leitende Komitee 75 Mitglieder zählt. Kurze Zeit darauf fand in Manchester die Generalversammlung statt, zu der vom Präsidium Herr Magnus aus London delegiert war. Es waren 80 Mitglieder erschienen. Herr Magnus wurde interpsiliert, warum die „A. J. A." so wenig wirke. Er antwortete, ihr Programm sei, Schulen zu gründen. Man hielt ihm vor, dass bei Gründung der Gesellschaft auch allgemeines Wirken in Aussicht gestellt worden sei. Die Versammlung erteilte der Londoner Leitung ein Misstrauensvotum. Die Heilsarmee im Heiligen Lande. Der bekannte General Booth wird im nächsten Monat einen Kreuzzug nach dem Heiligen Lande antreten. Bei all seinen Fahrten durch die Welt hat der Führer der H^ilsamee Palästina bisher noch nicht berührt. „Wo immer Seelen zu retten sind,*4 so sagt er, „da gibt es Arbeit für mich. Im heiligen Lande werde ich zu Mohammedanern, Juden und Griechen reden und zu j^dem, der mich hören will!* Von Palästina aus will der General seinen Kreuzzug nach Australien und Neu-Seeland fortsetzen. Jede Glaubensgemeinschaft sucht Arbeit in Palästina, nur unsere Rabbiner nicht. Wie sagte doch unser prächütfer „Schlemiel"? „Wo werden Sie Ihre Ferien verbringen, Herr Pfarrer?* „Im heiligen Lande*" „Und Sie Herr Rabbiner?« — „In Rom/ Die Lehrervereinipng im Lande Israel gibt ihren ausländischen Mitgliedern folgenden Beiichtüber die Leistungen seit der Grün düng: 1. Wir haben für alle Schulen Palästinas ein einheitliches Programm festgesetzt. 2. Wir haben uns bemüht und bemühen uns noch, alle Lehrer Palästinas unter das Dach unseres Vereines au bringen. 3. Wir haben eine Philologenkommisaion eingesetzt, die sich mit der Regelung der neugeschaffenen hebräischen Worte befasst, um auf diesem Gebiete dem Chaos ein Ende zu machen. Die Mitglieder der Kommission sind: J. M. Sinnes, Doktor Mase, Ben Jehuda, D. Jelin, Mjuches, Sapir, Suto und Professor Dalmann (letzterer ist Christ). 4. Wir befassen uns flcissig mit der beabsichtigten Herausgabe einer Sammlung von geeigneten Schulbüchern. Diese Herausgabe soll durch Aktien von je 20 Franks ermöglicht werden. 5. Wir gedenken demnächst eine ausführliche und genaue Landkarte