Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 14 (7.4.1905)
- Date
- 1905-04-07
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 „im* * w*itw Seite 13 mich: Wie ist es möglich, dass in derselben „Welt", welche in der Hinsicht schon so geharnischte und ausgezeichnete Artikel gebracht hat, skruppellosen Schnorrern der raffiniertesten und allerschlimmsten Sorte mit ihren Schwindeleien so bereitwillig und anstandslos in jeglicher Beziehung Vorschub geleistet wird? Nach den periodischen stereotypen Kundgebungen aus der hiesigen und der Saifeder Volksküche herrscht alle drei Monate in Jerusalem und Palästina die Hungersnot. Aher ich kann Sie versichern, wenn Sie sich die Volksküchenschnorrer mit Ihrem für den Jammer der Brüder so warm schlagenden, mitleidigen Herzen daraufhin einmal selber ansehen könnten, würden Sie staunenr in welcher Art die genannte Kalamität die Leiber der armen Opfer mitzunehmen pflegt. Wenn Leute in solch verlogener, ruchloser und^ geradezu gotteslästerlicher Weise in wohlbegriffener Absicht den Teufel immerfort an die Wand malen, möchte man nur wünschen, dass er wirklich einmal kommen und sie beim Kragen packen würde. Von einer russischen Masseneinwanderung ist hier absolut nichts zu sehen; die russischen Juden wissen sehr wohl, dass hier nichts zu holen ist und nach eingezogenen Erkundigungen „muss für jede Suppe in der Volksküche so teuer bezahlt werden, dass man sich dieselbe, wie es Schreiber dieser Zeilen tut, schon besser und billiger selber kocht. Also cave canes! Hochachtungsvoll Philipp Kieferndorf. * * * An die Veraine und Vertrauensmänner des südgatizischen Distriktes! Da die Frist zur Ablieferung der Schekelgelder und Blocks schon am 15. abläuft, fordern wir euch auf, uns längstens bis zum 10. I. M. Blocks und Gelder einzusenden. Regina Meiler m. p. Dr. Rubin Jonas m. p. * * * Wien. Eine Deputation des Verbandes der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen, bestehend aus dem Obmanne Rabbiner Dr. Feuchtwang, dem Obmannstellvertreter Prof.Dr,;Ad. W e i ss und den Ausschussmitgliedern Prof. M. Kanitz und Prof. Dr. H. Pollak, begab sich Samstag den 1. April in das Ministerium für Kultus and Unterricht, um in einer Audienz von Sr. Exzellenz dem Herrn Minister Dr. W. v. Härtel empfangen zu werden und ihm eine vom Ausschusse des Verbandes ausgearbeitete Petition zu überreichen. Die Deputation sprach auch bei Herrn Sektionschef Dr. v. B e r n d t sowie bei Herrn Hofrat Dr. H u e m e r und Herrn Sektionsrat Dr. Krappe! vor. Der Verein Hebräische Sprachschule „Sephat Eber" hat bereits seine Konstituierung vorgenommen und wurde Herr Max Markus, III., Distlergasse 8, mit der Obmannschaft und Herr Osias In er, III., Hetzgasse 34, mit der Kassaführung betraut. Unmittelbar nach dem Pessachfeste werden die Lehrkurse des Vereines eröffnet werden. Die Veröffentlichung des Lehrprogrammes sowie eines Prospektes über Aufgabe und Ziele des Vereines wird demnächst erfolgen. Der Mitgliedsbeitrag ist auf 4 K festgesetzt. Anmeldungen werden schon jetzt seitens des Obmannes en tgegengen ommen. * * * Erster Wiener Jüdischer Turnverein. Euer Wohlgeboren! Der Erste Wiener Jüdische Turnverein veranstaltet Sonntag den 16. April d. J. zugunsten seines Turnhallenbaufonds eine Nachmittagsvorstellung im Deutschen Volkstheater. Zur Aufführung gelangt mit den ersten Kräften dieser Bühne das Lustspiel UNSERKÄTCHEN von Theodor Herzl. Indem wir Euer Wohlgeboren zum Besuche dieser Vorstellung höflichst einladen, bitten wir zugleich, durch Verbreitung dieser Einladung im Bekanntenkreise dem gemeinnützigen Zwecke neue Freunde zuführen zu wollen, Der Turnrat. Zentralstelle für den Kartenverkauf: Siegfried Beer, L, Zelinkagasse Nr. 3.— Telephon 17.156. Ferner sind Karten zu haben: durch alle Vereinsmitglieder, im Cafe" de France und an der Tageskasse des Deutschen Volkstheater3. f(<is der J$e\freg<ii>g. Gedenket des Sohekelsi Voranzeigen. Wien. (Poale Zion.) Samstag den 8. April im Vereinslokal »Theodor Herzl", IL, Förstergasse 8. Referat über die Jargoniiteratur. Referent vorbehalten. Gäste willkommen. Beginn ^8 Uhr. Schluss V210 Uhr. Wir teilen unseren Gesinnungsgenossen mit, dass unser Verein sich von nun ab in den Vereinslokalitäten des Vereines „Theodor Herzl" IL. Förstergasse 8, befindet. Wien. (Vertreterschaft der jüdischnationalen Studentenschaft Wiens.) Sonntag den 9. April 1905, präzise 3 Uhr nachmittags, findet in der Jüdischen Lese- und Redehalle eine Obmännerkonferenz statt. Tagesordnung vorbehalten. jur« Fritz Löhner ing. Fritz Epstein Präses. prov. Schriftführer. Wien. Der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria8 veranstaltet Sonntag den 9. d. M. wie alljährlich eine „RosaKollmann-Gedächtnisfeier", bei der zwei arme Schulkinder bekleidet werden. Anschliessend findet ein Vortrag des Herrn Nathan Gross statt. Beginn präzise 31/» Uhr nachmittags im Kongresssaale, IX., Türkenstrasse 9. Gäste herzlich willkommen. Berichte. Wien. (Kommers der akademischen Verbindung „Kadimah".) Der am 23. März zu Ehren ihrer Alten Herren veranstaltete Kommers der akademischen Verbindung „Kadimah" nahm einen glänzenden Verlauf. Nach einer Eröffnungsansprache des Präses jur. Fritz Löhn er feierte Bb. Franz O eh 1er in schwungvoller Rede die A. H. A. H. der „Kadimah* als die ersten, bahnbrechenden Träger der zionistischen Idee. Namens der Alten Herren erwiderte A. H. Dr. Bernhardt in warmempfundenen Worten. Am Schlüsse des offiziellen Teiles toastierte unter allgemeiner Heiterkeit A. H. Uprimny auf die anwesenden Damen. Im inoffiziellen Teile, der äusserst animiert verlief, wurde eine komische Oper von den jungen Mitgliedern unter allgemeinem Beilall des Publikums aufgeführt. Reichen Beifall ernteten die Ausführungen des Conferenciers Bb. L i c h t e n s t e i n. Der Kommers, der von über 450 Festgästen besucht war, wohnten nebst den Vertretern sämtlicher Wiener Korporationen der „Zephiraha „Hebronia" (Czernowitz) unter anderen auch A.-C.-Mitglied Dr.Leopold Kahn, A. H. Matthias A c h e r, E. B. Dr. S c h a 1 i t und Frau Srcolensky bei. Zahlreiche Telegramme, Begrüssungs- und Entschuldigungsschreiben waren eingelangt. Wien. (Chargenwahlen der akademischen Verbindung „Kadimah".) Die am 1. d. M. für das Sommersemester 1905 vorgenommenen Chargenwahlen hatten foJgendes Ergebnis: jur. Fritz Löhner, Präses; techn. David Amar, Vizepräses;jur. Ludwig Rosenhek, Schriftführer. Pozsony. Der „Ahavat Zionu veranstaltete am 26. März im grossen Prachtsaale des Etablissement „Bellevue" eine imposante Purimfeier unter dem Titel „Jüdisch-literarischer Abend", welche sich den gelungensten Veranstaltungen dieses hier so populären Vereines würdig anreiht. Der Verlauf war folgender: Nachdem die feierlichen Weisen der Brüllschen Hymne das Fest eingeleitet hatten, bestieg Herr Dr. Leopold Kahn, mit frenetischem Jubel begrüsst, die Tribüne und beleuchtete in seiner bekannten meisterhaften Art zu zünden und zu begeistern, „das Purimfestvom nationalen Standpunkte"♦ Es folgten nun Rezitationen jungjüdischer Dichtungen, welche von Herrn Samuel S t r a u s s, der in Begleitung eines hervorragenden Künstlers nach Pressburg kam, in wahrhaft vollendeter Virtuosität zum Vortrage gebracht wurden. Die beiden Herren überboten sich förmlich in ihren brillanten Leistungen und verstanden es. das vielhundertköpfige Publikum ganz mit sich fortzureissen. Allgemein gefielen auch die mit vielem Geschmack und Verständnis gespielten Violin- und Klaviersoli der Herren Halbrohr und M. Wein er, während Herr Kövessy eine Arie aus der „ Jüdin" recht gut und hübsch vortrug. Jede einzelne dieser Nummern wurde äusserst beifällig aufgenommen. Einen geradezu tosenden Applaus gab es jedoch, als unerwarteterweise Frau Dr. Sidonie Ka h n, mit einem hübschen Rosenstrauss beehrt, das Podium betrat und mit bestechender Liebenswürdigkeit, die die ganze Zuhörerschaft sofort enthusiasmierte eine improvisierte und doch formvollendete, geistsprühende Rede über die Pflichten der jüdischen Frau hielt, die in einen Apell zur