Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 14 (7.4.1905)
- Date
- 1905-04-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 „Die * weil Nr. 14 werden solle, die von der englischen Regierung ernannt oder bestätigt werden würden.*) Es ist dies die einzige mögliche Garantie, denn es wäre sicher lächerlich, von der englischen Regierung zu erwarten, irgend ein Projekt zu billigen, „durch das der Ausschluss von Nichtjuden aus einem unter der Kontrolle der Krone befindlichen Gebiete eine definitive Bestimmung wird*. Kurz und bündig: Es ist sehr schwer, mit Herrn Greenberg nach alledem nicht übereinzustimmen, dass dieses Schreckbild der Autonomie wirklich durchaus nicht beunruhigend ist. So sieht die Erleichterung durch Uganda aus. Jahrzehnte Arbeit auf einem von der ganzen zivilisierten Welt entfernten Territorium, bei derselben Gefahr des konkurrierenden Proletariats anderer Nationen, bei vollständiger Abwesenheit irgend einer psychologischen Anhänglichkeit an dieses Gebiet und bei An Wesenheit im Gegenteil einer auch für die Ugandisten zweifellosen, mächtigen, uralten Liebe für ein anderes Land. Aber abgesehen von dieser Anhänglichkeit, spricht noch für dieses andere Land alles: es liegt auf einem l lebhaften Handelswege und die ganze Welt sagt ihm eine nicht mehr fernliegende glänzende, industrielle Zukunft voraus, welche an und für sich auch ohne unser Zutun den Zuzug neuer Kräfte erfordern wird. Dort wohnen 80.000 Juden und wenn wir jetzt dort Schulen errichten, so werden wir in zehn Jahren, mit dem Zuwachs, eine beinahe hunderttausendköpfige Bevölkerung mit einer selbstbewussten und gebildeten Jugend haben, d. h. wir werden dort Kraft und Einfluss erwerben und (was auch Mr. Greenberg wünscht) Fabriken, Werkstätten, Kolonien und A^mter errichten. In Uganda aber können wir in zehn Jahren noch keine 20.000 Kolonisten haben. Und nichtsdestoweniger kann Uganda unsere Lage „erleichtern", d. h. unsere ungeheure Emigration aufnehmen und beherbergen und Palästina kann es nicht. Weshalb? Weil wir in Uganda eine „Autonomie" haben, dieselbe, welche „nicht so beunruhigend" ist . . 4 . Wir sind darüber anderer Ansicht. Unsere Lage „erleichtern" und uosere Emigration aufnehmen kann weder Uganda noch Palästina. Unsere kolossale Emigration aufnehmen kann nur der Judenstaat, jene Öffentlich gesicherte Heimstätte, wegen welcher die zionistische Bewegung entstanden^ und nur mit dem Augenblicke, wo Palästina oder Uganda zum Judenstaat wird, beginnt die Erleichterung des jüdischen Elends. Nicht früher. Dies aber wird nicht bald geschehen, es wird noch sehr lange dauern und die Emigration ist tatsächlich sehr gross und sehr qualvoll. Aber deswegen entstand doch der Zionismus und deswegen müssen wir eben den Judenstaat errichten. Mr. Greenberg schlägt vor, den Judenstaat in Palästina zu errichten und in Uganda eine Herberge für die Emigration, „welche niemals zum Judenstaate werden wird", zu gründen. Aber diese Begriffe sind doch identisch. Der Judenstaat ist eben der Hort für die Emigration und es kann gar keinen anderen Hort geben. Es ist unmöglich, sie zu trennen und einen an einer Stelle und den anderen an anderer zu errichten, denn zur Schaffung des Judenstaates und zur Errichtung eines Enrgrationsgebietes müssen wir uns immer derselben Waffen und Mittel bedienen : ein langer Prozess der Industrialisierung des vorgemerkten Territoriums, das heisst die ungeheure, langwierige Anstrengung des nationalen Willens des organisierten jüdischen Volkes. Unsere Emigration ist eben das Material, aus welchem der Judenstaat gebaut werden muss und die ganze Bauprozedur des letzteren ist ja nichts weiter als die Errichtung eines Emigrationsgebietes; und wenn dasselbe aufgebaut sein wird, dann wird es sich zeigen dass dies eben der Judenstaat ist. Bis dahin aber, ist das jüdische Elend unheilbar und es *) Bei Clement Hill heisst es „ernannt" (appointed). ist merkwürdig, dass Mr. Greenberg erst jetzt darüber erstaunt ist, während es doch der Ausgangspunkt eines jeden Zionisten ist. Bis dahin ist unsere Emigration gar keine Emigration, sondern ein Hin- und Herbewegen in einer gewaltigen Fremde. Wir sind verpflichtet, dieses Hin- und Herbewegen möglichst zu erleichtern, die Uebersiedler vor der Frechheit der Plünderer und vor der Feindschaft der Herren dieser Fremde zu beschützen, aber wenn wir ihnen eioe Heimstätte g^ben wollen, d*nn müssen wir uns deutlich sagen: eine Heimstätte für die jüdische Emigration schaffen heisst einen JudenMaat schaffen und deshalb muss diese Heimstätte nur auf dem Territorium begonnen werden, welches zum Juienstaate werden kann. Dies anerkennen auch die reinen Territorialsten. Sie sind deshalb für Uganda, weil Uganda nach ihrer Meinung endgültig zum Judenstaate werden kann. Aber Mr. Greenberg ist für Palästina und für ihn ist es klar, dass man in Uganda den Judenstaat nicht errichten kann. Folglich kann man auch dort keir;e Heimstätte für die Emigration enichten, denn das ist ein und dasselbe. * * * Noch zwei Bemerkungen. Die Ugandisten sprechen sehr gerne davon, dass Mr. Greenberg Andeutungen hat, dass zur Erlangung Palästinas die Juden ihren internationalen Eii.fluss verstärken müssen und zu diesem Zwecke es nützlich sei, ein „Gemeinwesen" in Uganda zu haben. Auch wir sini der Ansicht, dass die Juden internationalen Einfluss gewinnen müssen, aber wir nehmen an, dass dieser viel einfacher zu erlangen ist durch Organisation der zerstreuten jüdischen Kräfte, Wenn dieser ganze finanzielle, kulturelle und politische Einfluss, den tausende Juden in tausenden einzelnen Ortschaften besitzen, durch einen jüdischen Weltvereiu , geeint wäre, so würde die Jüdenschaft eiee ungeheuere Kraft darstellen. Wenn wir alle zehn Millionen Juden aber morgen uns in Uganda einfänden, so wären wir ein ganz kleines afrikanisches Reich, welches auf die Weltpolitik viel weniger Einfluss hätte, als sogar Belgien, weil Belgien dennoch in Europa ist. Eine andere Frage ist es, was vorzuziehen ist, stark sein im Golus, oder schwach im eigenen Lande. Für den Territorialisten ist die Antwort klar : Uganda befriedigt ihn .vollständig und er braucht gar keinen Einfluss mehr. Aber ein Palästinaanhänger, wie Mr. Greenberg, der nach Uganda immer noch das Land Israels anstrebt, muss. stets dessen eingedenk sein, dass ihn Uganda in diesem Sinne genau so viel politisch unterstützen wird, wie z. B Liberia die nordamerikanischen Neger. Zur Erreichung unseres Zieles muss die Judenheit erstarken. Diese Erstarkung ist aber auf dem Wege der Organisation, der Hebung des Selbstbewnsstseins und des unermüdlichen Kampfes auf Schritt und Tritt für unsere rechtlichen, ökonomischen und kulturellen Interessen zu erreichen. In der Tiefe seiner Seele fühlend, dass Uganda dasselbe und beinahe in demselben Masstabe ist, wie Argentinien, also keine zionistische Sache, schlägt Mr. Greenberg vor, „ad hoc einen Verband zu bilden zur Exploitierung des Gebietes"--Wir können es niemand verwehren, jüdisches Geld in den Wind zu streuen, aber unterstützen dürfen wir solche Ausgaben nicht. Jeder Heller jüdischen Geldes ist unserer Ansicht nach Nationaieigentum des jüdischen »Volkes und wir müssen fordern, dass dieses Geld nur zu vernünftigen und nützlichen Zwecken verausgabende. Ob nunUganda nutzlos den Nationalfonds oder die Kapitalien der „Ica" verschlingt, ist für uns ganz gleich, weil die Kapitalien der „Ica" ebenfalls dem jüdischen Volke angehören und es werden vielleicht keine zehn Jahre mehr vorübergehen, bis sich das Volk organisiert und die Millionen des Baron Hirsch seinen gesetzlich gewählten Vertretern und Führern zur Verwaltung übergeben wird. Icsolange