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Die Welt · 1905-04-07 · 14 (7.4.1905) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
14 (7.4.1905)
Date
1905-04-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „bie & w$it" Nr. 14 Dubois-Reymond als einen besonders der Jugend eigentümlichen Denkfehler bezeichnet hat. Aber wind das Gros&kapital denn überhaupt die Sache übernehmen wollen? — Kurz nach dem VI. Kongress äusserte sich Dr. Karl Peters in der „Täglichen Rundschau'* über die Angelegenheit und sprach dabei speziell1 hinsichtlich des Geldpunktes die Meinung aus, dass das jüdische Grosskapital sich schon deshalb freundlich zu dem Plane werde stellen müssen, weil die assimilierten Juden des Westens schon durch die blosse Existenz eines zahlreichen jüdischen Wanderproletariats immer von neuem ihre eigene soziale und gesellschaftliche Stellung bedroht sehen. Dieser nüchternen, Erwägung eines aussenstehenden Beobachters werden sich auch diejenigen jüdischen Grosskapitalisten nicht entziehen können, welche für die zionistischen Leitmotive kein Ohr haben. Aber wir brauchen gar nicht so weit auszuschauen; denn die grossen Hilfisgesellschaften stehen ja bereits vor einer Mauer, die die ganze Welt den Einwanderern bald lückenlos versperrt. Selbst England!, Amerika, Kanada schickieai sich bereits an, dem Einwandererstrom ihre Grenzen zu verschliessen. Da werden die HilfsgeseiH sc haften ein durch Rechtsgarantien gesichertes Kolonialgebiet mit einem Gefühl der Erlösung aus unseren Händen entgegennehmen. Wie können wir also für unser Endziel aus dem Ostafrik.iprojekt lernen? — Wie Ihnen bekannt ist, hat der V. Kongress beschlossen, dass alle aus den Mitteln des Nationalfonds anzukaufenden Ländereien für ewige Zeiten Gemeineigentum bleiben sollen und niemals in Privatbesitz übergeführt werden dürfen. Damit hat er den Anfang unserer neuen Geschichte an uralte jüdische Tradition angeknüpft. „Ihr soMt das Land nicht für immer verkaufen, denn mein ist das Land, denn Fremdlinge und Beisassen seid ihr bei mir.4' Unerlässliche Bedingung für die Uebergabe des zu erlangenden Charters an die Kapitalgesellschaften ist also: Es in üssen Garantien gegeben werden, dass das Land niemals zum S p e k u 1 a t i o n s o b j e k t wird. Es muss so lange im Eigentum der zu bildenden Gesellschaft bleiben, bis es durch Amortisation in den unveräusserlichen Besitz der entstandenen Dorf- und Stadtgemeinden übergeht. Ein Hypothekenrecht darf es im Lande nicht geben. Diese Forderung ist das Mindestmass dessen, was wir verlangen müssen. Wünschenswert ist, dass noch weiter zionistische Kräfte privatim sich der Sache widmen — wie Zionisten ja auch in dem Hilfsvereinen, in den Toynbeehallen, in den Bnei-Brithlogen arbeiten — damit Oppenheimers Plan zur Geltung komme, das Rückgrat der Kolonisation müsse ein System von landwirtschaftlichen Produktivgenosseitschaften bilden, deren Erträgnisse in erster Linie nicht auf den Export, sondern auf Befriedigung des Innenbedarfes angelegt sind. Herzl hat es bereits in der Eröffnungsrede des V. Kongresses mit aller Schärfe ausgesprochen: „Unsere Ansiedler sollen auf der Scholle von der Scholle leben, nicht besorgt als kraftlose Händler nach dem Marktpreise auslugen. Den Markt sollten sie nur mit den Erzeugnissen aufsuchen, die sie über den Eigenbedarf hinaus haben. Jede Ansiedlung soll sich nach den Grundsätzen, die uns Erfahrung und Wisse n Schaft he/ute schon an die Hand geben, als landwirtschaftliche Produkt i v g ie' n o s s e n s c h a f t selbst verwalten.1 Das ist der Weg, auf dem alle aus den bisherigen kapitalistischen Wirtschaftsmethoden abgeleiteten Schlussfolgerungen über die Frage, wievielte Menschen wohl das Land pro Quadratkilometer ernähren könne, hinfällig und von der Wirklichkeit weit überholt werden würden. Auf diesem Wege kann es mit Erfolg verhindert werden, dass mit der Einwanderung zugleich die soziale Frage wie die Reblaus mit den Reben eingeschleppt werde, weil jedem Bewohner der volle Ertrag seiner Arbet gesichert ist Diese Gesichtspunkte sind es, die ich im Sinne hatte, als ich am Anfange davon sprach, dass das ostafrikanischie Territorium uns eine volkswirtschaftliche Versuchsstation von höchster Bedeutung für unser Endziel werden könnte. (Fortsetzung folgt.) Antwort an Herrn Greenberg. Von W. Schabotinsky. Deutsch von A. Benjamin. Herrn Greenberg kann man mit Recht als den Führer der Ugandisten anerkennen. Erstens schreibt man ihm einen grossen Anteil an der Entstehung des Projektes selbst zu. Zweitens ist er eben deshalb auch mehr als jeder andere in die offenen und geheimen Einzelheiten dieses Projektes eingeweiht Drittens ist er der einzige Ugandist, der im Namen von Uganda eine gewisse Energie nicht nur in Worten, sondern auch in Taten entwickelte. Ungeachtet des ganzen Enthusiasmus der Jasager-Majorität, gab doch niemand Mittel für die Expedition und es hätte auch niemand etwas gegeben, wenn es nicht Herrn Greenberg gelungen wäre, selbst die nötige Summe aufzubringen und die Expedition zu befördern. Wie die Expedition auch zusammengestellt sein mag, wir haben dieselbe einzig und allein Herrn Greenberg zu verdanken und wir müssen ihn mit Recht als Leiter des Ugandismus ansehen. Deshalb ist sein offener Brief im gewissen Sinn eine offiziöse Deklaration der Ugandisten und nach diesem Briefe können wir uns nun einen Begriff machen von dem Ernst und der Begründung der Uganda-Theorie. Herr Greenberg ist durchaus kein Territorialist. Für ihn ist Uganda nicht einmal ein Judenstaat. „Das vorgeschlagene Land ist nicht Palästina und wird infolgedessen nie zum Judenstaat werden." Herr Greenberg geht sogar noch weiter als viele seiner Gesinnungsgenossen und anerkennt sogar die Notwendigkeit der realen Arbeit in Palästina, aber Uganda muss man dennoch annehmen. „Was aber auch geschehen mag, hüten wir uns vor der Schande, die uns notwendigerweise zuteil werden muss, wenn wir Juden dieses Anerbieten der englischen Regierung unbeachtet lassen!« Und wozu Uganda nötig ist, erklärt uns Herr Greenberg folgendermassen. Erstens „ist es sehr wichtig, dass die sich immer verschlechternde Lage der Juden erleichtert (materiell) wird". „Und wir sind überzeugt, dass diese Erleichterung in der grossen jüdischen Ansiedlung, welche uns jetzt vorgeschlagen wird, vorhanden ist.8 Zweitens „muss diese Hebung der Bewegung vorangehen, welche die Wiedergeburt der jüdischen Nation zum Ziele hat", das heisst der Besiedelung Palästinas und Schaffung des Judenstaates dortselbst, denn diese Aufgabe ist zu schwer für die Bewohner der jetzigen Ghetti und kann nur durch freie nationalistisch erzogene Bürger der künftigen Ansiedlung in Uganda ausgeführt werden. Lassen wir dieser Motivierung vollständige Gerechtigkeit zuteil werden; in derselben steckt viel Wahrheit. Je mehr sich unsere Bewegung entwickelt, desto klarer sehen wir, dass zur Schaffung des Judenstaates die Judenschaft sich nicht nur mit Tränen, sondern auch mit Kraft versehen muss, dass wir erstarken müssen. Immer lauter und lauter ertönen Stimmen, dass diese Selbstärkung ausser in der nationalen Einigung und der Entwicklung des nationalen Selbstbewustseins auch in derHebung unserer ökonomischen und rechtlichen Lage zum Ausdrucke kommen muss. Unsere Armut, der quälende Prozess unserer Emigration, die Schmach unserer Rechtlosigkeit — das alles erfordert so-

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