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Die Welt · 1905-04-07 · 14 (7.4.1905) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
14 (7.4.1905)
Date
1905-04-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 „bie # weit Nr. 14 Bewegung zum Ziele ist alles. Nur muss die Bewegung auf das Ziel eingerichtet sein. Wir haben deshalb die Palästinatätigkeit noch vordem IV.Kongresse verlangt, sowie wir auch die Schaffung einer lebenskräftigen Palästinakommission forderten. Da wir uns schon mehreremale über die Frage ausgesprochen haben1) so können wir uns hier kurz fassen. Wir können uns eine gesunde, normale und entwicklungsfähige Tätigkeit in Palästina unter den gegebenen Umständen, dass ist ohne weitere Vorbereitungen kaum vorstellen. Wenn wir uns sogar auf den Bodenkauf beschränken wollten, so ist vor allem doch notwendig, dass unser Nationalfond die Rechte einer juridischen Person bekommt. Man kann wohl eine Zeit auf den Namen privater Personen kaufen, aber so einfach, wie uns Herr Ussischkin die Sache darstellt, ist sie doch nicht. Andrerseits kann ja derBoden nicht unbearbeitet gelassen werden aus wirtschaftlichen und juridischen Gründen. Das alles kann aber unter den jetzt in Palästina herrschenden Verhältnissen nicht anders vor sich gehen, als es der Fall ist. Was jetzt gemacht werden kann, ist wohl nicht die systematische Kolonisation, von der Herr Soskin spricht. Darausfolgt aber nicht, dass wir nur den „grossen Tag" erwarten müssen. Der politische Zionismus ist nicht blos ein Ziel, sondern auch eine Methode» Vor dem grossen Tag kommt zuerst die langwierige Arbeit. Aber nicht im Sinne der Erreichung eines Charters von den Grossmächten, sondern im Sinne der Erwerbung von Konzessionen von der Türkei selbst. In diesem Sinne schrieben wir an einen anderem Orte: „Die zionistische Diplomatie muss nur einen Zweck mit alier Energie verfolgen: Die Erwerbung von Konzessionen in Palästina und in den Nebenländern. Selbstverständlich muss also das Zentrum unserer Diplomatie nach Konstantinopel verlegt werden. Aber es kann wohl vorkommen, dass der nächste Weg von Basel nach Konstantinopel über manche europäische Hauptstädte zum Beispiel über London, St. Petersburg oder Rom führt. Das hängt von den Umständen und dem politischen Gefühle der Führer ab. Aber kein Vorschlag der türkischen Regierung darf abgewiesen werden, nur weil er nicht das enthält, was „wir gewöhnlich unter öffentlich rechtlichen Garantien" verstehen. Wir gehen so weit, dass wir im Interesse unseres Volkes jedwede Konzession in Palästina annehmen würden. Wenn man uns zum Beispiel eine solche Konzession anbieten würde, die uns die Möglichkeit gäbe, Tausende von Juden zu kolonisieren, die materiell und geistig sich normal ausleben und entwickeln könnten, so glauben wir behaupten zu können, dass unser Volk eine solche Konzession mit Freuden begrüssen würde, wenn man sogar verlangt. hätte, dass die Kolonisten türkische Untertanen werden sollen, unter türkischer Jurisdiktion bleiben müssen und nur eine kommunale Selbstverwaltung, wie alle anderen türkischen Gemeinden, besitzen dürfen. Denn trotz alledem könnten diese Juden sich physisch und ökonomisch erholen, ebenso ein nationales geistiges Leben begründen. Mit der Zeit müssten sich diese Konzessionen ausdehnen. Man darf ja nicht sagen, die türkische Regierung werde uns auch keine Konzessionen gewähren, wenn sie weiss, dass wir uns damit doch nicht begnügen, sondern weiter arbeiten würden, bis das Baseler Programm integral verwirklicht werden wird. Wir sind!) Ueber ein praktisches zionistisches Programm. E*r. Jisu 1904. Nr. 4. Charter und Konzessionen. Die Slimme der Wahrheit 1905. nämlich überzeugt, dass eine Zeit kommen muss, wo auch die Türkei anerkennen wird, dass der Zionismus ihr unter keinen Umständen schädlich werden kann, dass ein neu belebtes Palästina das ganze ottomanische Eeich nur stärken kann, dass aber nur die Juden diesem Lande neues Leben einhauchen können, dass andrerseits die Juden nicht darauf erpicht sind, ein eigenes Heer und eigene Botschafter zu besitzen, sondern nur von der Sehnsucht nach normalen nationalen Lebensbedingungen erfüllt sind, dass sie mit einem Worte ein jüdisches Heim unter türkischer Oberhoheit begründen wollen. Wir müssen aber der Türkei konkrete Beweise unseres Könnens geben; wir müssen ihr unsere Nützlichkeit mit Tatsachen beweisen. Das können wir nur auf dem Wege der Konzessionen tun. Da wird jegliches Mistrauen seitens der Türkei uns gegenüber gegenstandslos, denn eine Konzession ist mit keiner Einmischung von fremden Mächten verknüpft."1) Nun gibt es aber Leute die alles genau zu wissen scheinen, sogar die Absichten der Pforte. Einmal haben wir eine Tatsache: in der Eröffnungsrede zum VI. Kongress wurde offiziell verkündet, dass „eine zerstreute, zusammenhanglose Kolonisation in verschiedenen Teilen des türkischen Reiches" wohl von der türkischen Regierung zugegeben wurde. Zweitens können wir in dieser Hinsicht uns auf Hypothesen nicht verlassen, sondern müssen vor genaue Tatsachen gestellt werden: wir müssen daher alles erproben. Jedenfalls werden wir über die Möglichkeit der Erwerbung von Konzessionen eher unterrichtet sein, als über die Möglichkeit eine Massenkolonisation in einem uns völlig unbekannten Territorium. Vor allem aber müssen wir dem legalisierten Nationalfonds die juristische Persönlichkeit verschaffen: dann kann der Bodenkauf in grossem Masstabe beginnen.2) Zweitens müssen wir das Recht bekommen, die Staatssteuern selber einzusammeln, damit die Misswirtschaft mit der Zehntensteuer aufhört. Drittens — die freie Immigration der Juden nach Palästina.3) Nur auf diesem Wege sind wir vor dem Rückfall in den kleinbürgerlichen Ghowewe-Zionismus geschützt, der nie und nimmer zu einer Volksbewegung sich entwickeln kann. Nur auf diese Weise sind wir gegen die Stagnation in unsrer Tätigkeit geschützt. Dann wird der leere Streit um den Charter aufhören: das praktische Leben wird schon den richtigen Weg zeigen. Was wir jetzt sehen, ist die heilloseste Verwirrung: einerseits spricht man von „Palästinatätigkeit" schlechtweg, andrerseits verlangt man diplomatische Arbeit, ohne recht klar zu sein, wie eigentlich diese 1) Die Stimme der Wahrheit. Erster Jahrgang. Seite 73. 2) Das türkische Gesetz kennt keine Juristischen Personen" überhaupt und insbesondere keine solchen als von Eigentumsrechten an Grund und Boden. Ausnahmen wurden bisher nur wenige und diese nur mit besonderem Irade des Sultans auch nur zugunsten solcher Gesellschaften gemacht, bei denen der Heimfall an den türkischen Staatsschatz nach einer Beine von Dezennien a priori bedungen wurde» (Anmeikung der Redaktion) 3) Zu zweitens ist schon ein Charter erforderlich, weil dies zu den Hoheitsrechten des Staates gehört. Das Zehentsystem ist durchaus nicht so schlecht und galt auch im alten Thorarechte. Das „drittens* ist wohl cum grano salis zu nehmen, da eine vollständige Freiheit zu einer regellosen Immigration geradezu ein Unglück wäre. Siehe Haemeth m'erez 'Jisrael m Achad-Haams al paraschath Drachim. (Anmerkung der Redaktion.)

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