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Die Welt · 1905-03-31 · 13 (31.3.1905) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
13 (31.3.1905)
Date
1905-03-31
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 13 „bie weitffi Seite 13 Adatok a banäti zsidök törtenetehez a XVIII. szäzadban. (Daten zur Geschichte der Juden im ßanat im XVIII. Jahrhundert.) Von Dr. Jakob Singer, erschienen im Verlage von Markus Samu, Budapest. Der Verfasser hat mit Fieiss und Sachkenntnis das Material aus den bezüglichen Quellen gesammelt. Immer dasselbe Bild! Ueberall Leiden und Qualen! Auch im ßanat waren die Juden Verfolgungen ausgesetzt. Den Höhenpunkt erreichten sie durch die von Maria Theresia erlassene „Ju d en Ordnung*, in welcher alle Bestimmungen über die Juden enthalten sind. So durften in Temesvar nicht mehr als 49 Familien wohnen. Infolge dessen konnte man — ähnlich wie in Mähren — nicht ohne behördliche Erlaubnis heiraten. Wie undankbar es auch für den Verfasser sein mag, sich mit darartigen kleinen historischen Studien zu befassen, sie liefern doch einen schätzenswerten Beitrag zur Geschichte der Juden. L.— ,Con«ensia*-Philippopel. Ein treffliches zion. Blatt, das in populärem Ton gehalten ist. In seiner jüngsten Nummer setzt es seine Polemik gegen die jüdischen Sozialdemokraten fort. Gegen die Anwürfe, der Zionismus sei ein fauler Rest des Messianismus, er sei eine religiöse Bewegung usw., werden im Leitartikel ao schlagende Gegenbeweise geführt, dass die jüdischen Sozialdemokraten zumindest ihr unqualifizierbares Begeifern unserer lieale unterlassen müssten, wenn sie nicht auch vielleicht angeregt werden, über ihre falschen Wege nachzudenken. Ein zweiter Artikel bringt Zangwills Ugandareden in Amerika. Ein ausgezeichneter Artikel ist an die Adresse der jüdischen Arbeiter gerichtet. Es wird nachgewiesen, dass um soziale Reformen kämpfende Arbeiter in unserer Bewegung sehr wohl Platz haben, dass Entrichtung des Schekels, nationale Betätigung auch der Arbeiter Pflicht sei. Den Rest machen Berichte aus der Bewegung* Iteha. Unser von R. Calef auf das beste geleitetes Bruderorgan ,HaschofapB-Philippopel, das in spanioliseher Sprache in Raschilettern erscheint, ist das vornehmste zionistische Blatt der Sephardim. Aus dem Inhalte der jüngsten Nummer erwähnen wir: Ussischkins Programm (Fortsetzung), Nordaus „Ueber die Lage" (Fortsetzung), Berichte, Politische Neuigkeiten, Wochenschau, Feuilleton. Der Gemeindetag. Wir sehen, dass unsere Brüder spanioliseher Zunge auf dem Laufenden gehalten werden. Iteha. „Der Zionist", Oigan der zionistischen Föderation in Argentinien. Diese neue, von der zionistischen Organisation in Buenos Aires gegründete Halbmonatsschrift in der Jargonsprache entspricht allen Anforderungen eines instruktiven P a r t e i o r g a n e s. Es überschreitet jedoch den engen Rahmen eines Lokalblattes dadurch, dass es auch andere Fragen des zionistischen und überhaupt des jüdischen Lebens behandelt. „Der Zionist" hat ein sehr ausgedehntes Programm und wenn er auch fernerhin so umsichtig redigiert sein wird wie die ersten zwei Nummern, die uns vorliegen, wird er seine hohe Aufgabe erfüllen und ein wichtiger Faktor im Leben der argentinischen Juden werden. Es wäre freilich wünschenswert, nebst dem guten Inhalt auch für die äussere Form mehr Sorge zu tragen, die die Lektüre des Blattes sicherlich angenehmer gestalten würde. Hebräus. Feuilleton. Die Veränderung der Tracht bei den litauischen Juden. (Eine Reminiszenz aus einer Familienchronik.) Von sehr grosser Tragweite war die Veränderung der Tracht der russischen Juden, die sich einem im Jahre 1845 veröffentlichten Ukas gemäss (die Juden nannten ihn Gesere) vollzog. Diese Reform war ein mächtiger Faktor, der das Aeussere dieses Volkes bis zur Unkenntlichkeit veränderte und gewissermassen eine Ergänzung zur Entwicklung der westeuropäischen Kultur unter den litauischen Juden bildete. Bis dahin konnte man den Juden nach seiner Kleidung von den anderen Nationen unterscheiden und auch erkennen, welchem Stande er angehörte, da der reiche Jude Sommer und Winter täglich kostspielige Wollstoffe, Rock und Gürtel aus Seide, am Sabbat wie an Feiertagen eine Zobelmütze (Streimel genannt, eine hohe, spitz auslaufende, mit teuren Pelzstreifen besetzte Samtkappe) trug, während die mittlere Klasse an Werktagen Kleider aus Demi-coton, an Festtagen aus .Rissetu (ein billiger Wollstoff) benutzte, und der Arme sich im Sommer in Nankin (ein Baumwollstoff mit schmalen dunkelblauen Streifen) und im Winter in graues, dickes Tuch kleidete. Der orientalische Gürtal fehlte bei keiner der drei Klassen. Sie hatten ferner noch etwas Gemeinsames — das schwarze Samtkäppchen, das sie stets auf dem Kopfe behielten — bei sich zu Hause und als Gast bei anderen. Der lange Rock aus Seide, der Gürtel, die Pelzmütze und die Ohrenlockan, die berühmten „Pej@su, das charakteristische Zeichen und der schmerzlichste Punkt in der Gesere, mussten abgeschafft werden. Und damit war der „Zelem Elobim" (das Gottesaussehen, die Gottesgestalt) aus dem jüdischen Volke verschwunden..... Die Tracht der jüdischen Frauen in Russisch-Litauen trug bis dahin in allen Einzelheiten den orientalischen Stempel. Sie war bunt und bei den Reichen sehr kostbar; sie verwendeten grosse Summen für Stoffe und Geschmeide. Die goldgestickten Kleider waren eigenartig geschnitten : der Rock sehmal, kaum einen Schritt weit, die Taille sehr kurz, an der steife Rollen angebracht waren, auf denen der Rock sich hielt, vielmehr sich halten sollte. Denn er glitt immer herab und die Trägerin musste ihn fortwährend zurecht schieben, wobei sie sich nicht selten die Finger wund rieb; der Aermel, lang und schmal, verdeckte das ganze Handgelenk. Diese Art hatte sich bis zu der Gesere bloss im nordwestlichen Litauen ganz erhalten, während in den südwestlichen Gegenden schon zu Ende der dreissiger Jahre der schmale goldgestickte Rock einem faltenreichen, mit breiten Aermeln versehenen Kleide von europäischem Schnitt und Stoff gewichen wer. Auf der Brust trugen die Frauen das „Brusttuch" — einen langen schmalen Streifen goldgestickten Stoffes von grotesker Zeichnung. Die armen Frauen hatten dasselbe Kostüm, aber die dazu verwendeten Stoffe bestanden aus Wolle oder Kattun. Eine breite, bei den Reichen teuere, bei den Armen eine einfache billige Spitze, verdeckte zur Hälfte das Brusttuch; die lange, bis zum Saum des Rockes reichende Schürze war bei der wohlhabenden Frau aus buntem Seidenstoff oder einem kostbaren, mit Sammtblumen und Goldfäden bestickten weissen Battist, bei der minder bemittelten aus Wollstoff oder Kattun. Die Frauen trugen zu allen Jahreszeiten Schuhe — von hohen Stiefelchen oder Galoschen hatte niemand eine Ahnung — das junge Mädchen, reich oder arm, trug schwarze Wollstoffschuhe mit langen, schmalen schwarzen Bändchen, die man sich um die ganze Wade wand. Die grösste Aufmerksamkeit bei Reichen und Armen galt dem Kopfputz, bei den ersteren war er das kostbarste Vermögensstück. Er bestand aus einem schwarzen Sammtbande (ähnlich dem russischen Kokoschnik) dass am Rande in grotesken Zacken mit grossen Perlen und Brillantstücken reich besetzt war und oberhalb der Stirne getragen wurde, wo ein haarfarbenes Band an beiden Wangen über den Ohren angebracht war, während der Hinterkopf eine glattanliegende Haube, Kopke genannt, bedeckte. In der Mitte derselben war eine Schleife aus Tüllband und Blumen befestigt, während sich über den Nacken von einem Ohre zum anderen eine Spitzenkrause zog, an den beiden Enden der Krause in der Nähe der Augen, waren kleine Brillantohringe angebracht und in den Ohren ein zweites Paar grosser Brillanten. Den hübschen Frauen stand es natürlich sehr gut, aber selbst die minder hübschen sahen vorteilhafter dadurch aus. Diese kostbare Binde wurde täglich getragen, überdies hatte man am Halse grosse Perlen und an den Fingern grosse Brillantringe. Wahrscheinlich diente dieser Schmuck als Plakat, als Zeichen des Reichtums, zumeist der Kreditfähigkeit des Gatten. Dieser Schmuck bildete zugleich den Bestand an

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