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Die Welt · 1905-03-31 · 13 (31.3.1905) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
13 (31.3.1905)
Date
1905-03-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
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Seite 12 „bis * weit" Nr. 13 ein zählt jetzt 25 Mitglieder, in dessen Mitte auch vier Studentinnen sind, und bilden einen Faktor, mit dem unsere Gegner stark zu rechnen haben. Die Gleichmütigkeit und Geringschätzung, die sie anfangs zeigen wollten, ging in eine ganz klare Stellungnahme üben Man spricht von ihm, man befasst sioh mit ihm. Während der letzten Zeit war die Tätigkeit des Vereines besonders lebhaft. Referate, Diskussionen über verschiedene theoretische sowie Organisationsfragen fanden fast jeden Sonnabend statt. Die Stellungnahme zu den verschiedenen Fraktionen im Zionismus wurde viel diskutiert urd deshalb mit Klarheit und Schärfe präzisiert. Am 25. Februar fand die Revidierung der Statuten des Vereines statt, wo ein neuer Paragraph, der die Physiognomie des Vereins andeutet, angenommen wurde. Er lautet: ,Der Verein stehtfest auf dem Baseler Programm". Dazu wurde die folgende Bemerkung hinzugefügt: .Dieser Punkt unterliegt niemals einer Diskussion, eventuell Abänderung." Damit wurde jede Möglichkeit, die Grundprinzipien des Vereines umzusetzen, ausgeschlossen. Dann wurde eine neues Komiie" von fünf Mitgliedern gewählt: Ch. Schuh, Margolin, Techernenko, stud. •leck, Lessi, cand. elect. und G. Katel, Ingenieur. Der Verein beschloss soweit es möglich, zionistische Agitation unter den hiesigen Juden zu betreiben. Er besitzt eine Bibliothek mit verschiedenen hebräischen Zeitschriften. Er erteilt gern jede Auskunft über die Aufnahmsbedingungen und Gang des Studiums an der Universität zu Lüttich, woau Briefe mit N.-F.-Marken, versehen an den : Cercle Sioniste des Etudiants de Liege, Rue Dothöe 16, zu senden sind, G. K. New York. Die .Föderation" of American Zionists", deren Präsident Gg. Harry Friedenwaid ist, veröffentlicht einen kurzen Bericht über die Tätigkeit des Vollzugsausschusses der Federation, an deren Spitze er steht. Die Tätigkeit des Ausschusses war eine sehr befriedigende. Häufige Versammlungen wurden abgehalten und eine energische Propaganda betrieben. Nichtsdestoweniger hat die Federation in finanzieller Beziehung manche Schwierigkeiten da mehrere Vereine ihre Beiträge nicht rechtzeitig eingezahlt haben. Wegen materieller Schwierigkeiten der Federation hat auch der Sekretär derselben, der wohlbekannte Agitator Mr. J. de Haas sich zurückziehen müssen, an dessen Stelle jetzt Mr. J. L. Magnes getreten ist. Der Ausschuss ist unablässig bestrebt, Propaganda zu machen, zu welchem Zwecke er Vorträge in englicher und jüdischer Sprache veranstaltet. Die nächste Konferenz der amerikanischen Zionisten wird wahrscheinlich demnächst (vor dem Kongresse) in Philadelphia statifinden. Personalnachrichten. Das geehrte Mitglied des grossen A.-C. Herr Dr. Rubin Jonas in Stanislau hat sich mit Frl. Marie Kindler aus Radautz verlobt. — Unsere Gg. Herr David Schwager, Obmann der Sectiunea Zionista Bnei Zion Dr. Max Nordau, und Fr. Anna ßercovici in Bukarest haben sich verlobt. — Bl. Israel Waldmann von der Verbindung „Bar-Kochbaa in Tarnopol wurde an der Lemberger Universität zum Dr. jur. promoviert. — Gg. Abraham Glanz, A. H. der „Bar-Kochbau-Wien. wurde am 30. d. an der Wiener Universität zum Doktor der Medizin promoviert. Todesfälle. Unter grosser Beteiligung wurde in Leitomischl Herr Moriz Stolcz, Fabriksdirektor der Firma S. E, und H. Michelstädter zu Grabe getragen. Er war ein guter Bürger und Jude. Herr Rabbiner Dr. J. Folkmann hielt eine rührende Grabrede. Das Andenken des Toten in Ehrer. — Vorige Woche ist in Krakau Herr J. M. Bader, der Vater unseres Gesinnungsgenossen G. Bader im Alter von 64 Jahren gestorben. Er war in Krakau einer der angesehen dsten und besten Talmudlehrer und hat sich auch sowohl im Hebräischen als im Jargon literarisch betätigt. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Aus dem Jahresberichte des Wiener Schriftsteller- und Journalistenvereines „Corcordia". In diesen Blättern hat das Benehmen der „Neuen Freien Presse", die ihres grössten Mitarbeiters politische Haltung zu verschweigen suchte, die gebührende scharfe Verurteilung gefunden. Das Vorgehen dieses Blattes hat keineswegs dem Empfinden der Wiener Journalistik entsprochen; dies geht deutlich aus dem Jahresberichte des Schriftsteller- und Journalistenvereines „Concordia" hervor, der in diesen Tagen versendet wurde. Diese hervorragen dsteVereinigung der österreichischen Schriftsteller zeigt den Tod ihres Mitgliedes mit folgenden Worten an : „Dr. Theodor Herz Ts Tod hat im vergangenen Sommer in der ganzen Welt schmerzlichen Widerhall geweckt. Sein Wirken gehörte nicht nur der Journalistik und der Literatur, die mit ihm eines ihrer feinsten und glänzendsten Talente verlor, sondern auch jener grossen politischenß ewegun g, dem Zionismus, deren idealer Schöpfer Herzl gewesen und als deren Führer er in der alten und n*u<?n Welt die Verehrung einer viele Tausende umfassende Anhängerschaft genoss". Den Artikel, der sich mit Herzls literarischem Wirken befasst, schliessen folgende Sätze: „In der Blüte seines Löbens, 44 Jahre alt, wurde Theodor Herzl von einem Herzleiden dahingerafft. An der Leichenfeier beteiligten sich nicht nur die Vertreter der Literatur, sondern auch die Repräsentanten der zionistischen Organisation der ganzen Welt. Den Kollegen von der Journalistik wird Herzls vornehme Persönlichkeit, die sich im kameradschaftlichen Verkehre so heiter und geistvoll zu geben wusste, unvergesslich bleiben.8 Aus diesen Zeilen sieht man, dass die Kollegen Herzls sehr wohl seine Bedeutung verstanden haben. Die Tatsache, dass oine reine, selbstlose, vornehme und grosszügige Natur wie Theodor Herzl au? der Wiener Journalistik hervorgegangen ist, gereicht dieser zur grössten Ehre. Und es scheint, dass die Vertretung der Wiener Kollegen diese Empfindung mit uns teilt. Man darf die Journalisten nicht immer nach den Zeitungsherausgebern beurteilen. Im Vorstande der „Concordia" haben die Redakteure der „Neuen Freien Presse* Sitz und Stimme und dort sind sie Herren ihrer eigenen Meinung. bzm l&o Festschrift zu Ehren des R. Moses Bloch, anlässlich de« 90. Geburtstages, herausgegeben von einstmaligen Schülern der Budapester Rabbinerschule. Budapest 1905. Besser und schöner kann ein Lehrer kaum geehrt werden, als wenn ihm gezeigt wird, dass seine erzieherisch© Arbeit nicht fruchtlos und vergeblich gewesen. Das wollten auch die Autoren dieser Festschrift ihrem greisen verdienstvollen Lehrer beweisen und gaben eine grosse, schön ausgestattete Sammlung gelehrter Abhandlungen heraus, zum grössten Teil über talmudische Stoffe, da ja Prof. Bloch ihr Talmudlehrer war. Leider aber scheint es, dass nicht alle dies« gelehrigen Schüler von ihrem Lshrer alles gelernt haben. Denn talmudieche Gelehrsamkeit sollte dooh in erster Reihe hebräisch geschrieben worden, zumal in einer Festschrift für einen Lehrer, der, wie versichert wird, ungarisch gar nicht liest. Und von den 36 Aufsätzen der Festschrift sind nicht weniger als 26 in ungarischer, und blos 10 in hebräischer Sprache abgefasst. Wir fragen nicht, wieviele ungarische Leser es denn gibt, die an Aufsäiien über Talmud, Midrasch und Sohulchan- Aruch oder gar einem gelehrten hebräischen Briefe von S. D. Luzzatto Interesse haben; es würde den Anschein haben, dase wir der deutschen Sprache allein das Recht zusprechen, dass in ihr jüdische Wissenschaft geschrieben werde. Die Frage ist für uns viel einfacher :Weshalb sollen rein talmudieche Abhandlungen denn nicht h eb r ä i g c h geschrieben werden? Sollte es der Fall sein, dass diese ungarischen Talmudgelehrten nicht hebräisch schreiben können, dann glauben wir aber auch mit um so mehr Berechtigung fragen zu dürfen: Wann werden unsere Rabbiner hebräisch schreiben lernen? M. B. „Altneuiand", die Monatsschrift unserer Palästinakommission, bringt im Märzhefte einige interessante Artikel und Notizen. Dr. Heinrich Loewe entwickelt seine Anschauungen über die künftige Stadtschule in Palästina (das Problem der palästinensischen Dorfschule wurde bereits in Nr. 3 des ersten Jahrganges behandelt), in ausführlicher Weise. Er fügt auch einen Musterstundenplan bei. Hoffentlich wird Freund Loewe in bezug auf die Vermehrung der Unterrichtsstunden in den naturwissenschaftlichen Fächern und den modernen Sprachen mit sich reden lassen, wenn es einmal Ernst werden sollte. — Sehr instruktiv für den Laien ist Dr. Sandlers Artikel über die Lepra in Palästina. Nach dem, was ich von Leprösen in Bosnien gesehen und von einem geschätzten Gelehrten, dem damaligen Leiter der Lepraabteilung in Sarajewo Primarius Doktor Glück und anderen, erfahren habe, kann ich den etwas optimistischen Standpunkt Sandlers nicht teilen. Wir müssen uns auch da, nicht nur bei Trachom, vor einer Unterschätzung hüten. Im Artikel „Jüdische privatwirtschaftliche Ackbrbaukolonien" bricht Dr. D. Pasmanik für Oppenheimers Siedlungsgenossenschaft eine Lanze. Von den Notizen iot wohl die über die neuen Bankgründungen in Palästina und die über die Gründung der Orientbank, die vorläufig noch nicht in Palästina arbeiten soll, von höchstem Tnteresse. In Palästina und im Oriente werden unsere Bankpolitiker zeigen können und müssen, was sie zu leisten imstande sind. — r.

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