Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 12 (24.3.1905)
- Date
- 1905-03-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 si bst & weit HQ Wien. Bude der „Jordania", zionistischer Hochschüler aus der Bukowina, VIIL, Langegasse 14. Präses M. Schaffer. Pozsony. Samstag, 25. März, veranstaltet der „Ahavath Zion" eine grosse Purimfeier. Ueber Ansuchen der Vereinsleitung hat das Mitglied des A.-C. Herr Dr. Leopold Kahn zugesagt, die Festrede des Abends zu halten. Da die Feier eine grosse Kundgebung zu werden verspricht, so sind auch die Gesinnungsgenossen von auswärts herzlich zu dieser Veranstaltung eingeladen. Personalnachrichten. Der wackere Obmann der Ortsgruppe Eger, Herr Sigmund Pergam enter,hat sich mit Frl. Adele Weisskopf aus Königsaal verlobt. Wir gratulieren herzlich. — Der Gründungspräses des Vereines zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl", Wien, phil. M. Gottfried wurde einstimmig zum A. H. des Vereines ernannt. Todesfall. (Lemberg.) Adolf Stand, Mitglied des A.-C. und Karl Stand haben durch das am 5. d. M. erfolgte Hinscheiden ihres Vaters Herrn Josef Stand einen schweren Verlust erlitten. Das Leichenbegängnis fand unter grosser Beteiligung statt und waren ebenso die offiziellen Vertreter der Kultusgemeinde und des Spitalsrates als auch die Mitglieder der zionistischen Organisationen erschienen. Zeitschriften- Rundschau. Das Korrespondenzblatt des Zentralbureau für jüdische Auswanderungsangelegenheiten veröffentlicht Tabellen über die Reiserouten und die Preise der Schiffskarten (von deutschen Häfen) sowie der Eisenbahr karten in Deutschland, England, Holland und Amerika. Von Wichtigkeit sind auch die nachfolgenden Bestimmungen für Auswanderer, welche die deutsche Grenze passieren. Für alle ausserdeutschen Auswanderer, welche auf preussisches Gebiet übertreten wollen, um von deutschen Häfen über See zu Rehen, haben die deutschen Schiffahrtsgesellschaften dem Staate gegenüber gewisse Haftungen zu übernehmen, die in einem Ministerialerlasse vom 3. April lb95 festgesetzt sind. Zu diesem Zwecke haben der Norddeutsche Lloyd und die Hamburg-Amerika- Linie an den Grenzen und bei Berlin (Kuhleben) Kontrolloler Registrierstationen errichtet Alle fremden Auswanderer müssen, bevor sie zur Weiterfahrt zugelassen werden, diese Stationen aufsuchen. Russische Auswanderer werden in den Stationea (Kontrollstationen) gebadet, ihre Kleidung und ihr Gepäck wird einer Desinfektion unterzogen. Für Desinfektion etc. sind pro Kopf (einerlei ob Kinder oder Säuglinge), soweit direkte Linien nach Amerika benützt werden, M. 2 — zu zahlen. Soweit russische Reisende nach England oder mit indirekten Linien, bei denen man in England umsteigen muss, nach Amerika fahren, haben sie pro Kopf M. 4.— zu zahlen. Diese M. 2 resp. M. 4.- sind ausser dem Preise für die Schiffskarte zu zahlen. Ausserdeutsche nicht russische Auswanderer (also Galizier, Rumänen usw.) werden in den Stationen zwar ebenfalls ärztlich untersucht, aber nicht gebadet, Gepäck und Kleidung werden nicht desinfiziert und eine Gebühr wird in den Registrierstationen nicht erhoben. Befreit von dem Passieren der Kontrollstationen sind russische Auswanderer nur, wenn sie folgende drei Bedingungen erfüllen (Ministerialerlass vom 8. Oktober 1893, 3. April 1895, 3, August 1897): 1. einen Pass besitzen, 2. eine Kajütfahrkarte und 3. für jede erwachsene Person die Summe von 400 M., für jedes Kind unter lfr Jahren die Summe von 100 M. Befreit vom Passieren der Rsgistrierstation sind andere ausserdeutsche Auswanderer (Rumänen, Galizier usw.) nur, wenn sie einen Passagevertrag (also nicht Kajütfahrkarte erforderlich!) mit einer in Deutschland konzessionierten Linie (vergleich e Korrespon den zblatt Nr.2) b esitzen und dieselben Geldmittel wie russische Auswanderer haben (Min.-Erlass v. 20. Sept. 1904). Beide Kategorien von Auswanderern müssen ausserdem Eisenbahnfahrkarten bis zum Einschiffungshafen vorweisen können. —r. Der „Fraind* rügt in seinem Leitartikel vom 15. März den ghettomässigen Stil des Memorandums, das die Petersburger Gemeinde irrxNamen von noch anderen 36 Gemeinden betreffs der Gleichberechtigung der Juden an das Ministerkomitee gerichtet hat. Er hebt besonders zwei Stellen als lächerlich hervor, in denen gesagt wird, „dass die Einschränkung der Rechte der Juden eine schädliche Wirkung auf die ökonomische Lage der christlichen Bevölkerung ausübe" und „dass die Rechtlosigkeit der Juden einen schädlichen Einfluss habe auf Administration und Polizei*. Zum Schlüsse des Artikels wird mit Genugtuung konstatiert, dass viele Gemeinden dieser Petition im Bettelstile des Ghetto sich nicht anschliessen wollten, aus Ehrgefühl und Achtung vor sich selbst. Seite 13 Loyaler noch als die Petersburger scheint die Warschauer Kultusgemeinde vorzugehen. So wird im „Fraind" von einer Antwort, die die Warschauer „Polen mosaischer Konfession" in der Angelegenheit des Petitionierens gegeben haben sollen, berichtet. Sie soll gelautet haben: „Wir können nicht gemeinsam mit den übrigen russisch-jüdischen Gemeinden vorgehen; wir können auch nicht gesondert mit einer Petition hervortreten für die Gleichberechtigung der Juden; wir dürfen uns nicht von der hiesigen (polnischen) Gesellschaft absondern, da wir gemeinsame Interessen und Forderungen haben." Also nicht mit den russischen Juden, sondern mit den Warschauer Polen haben die Warschauer Gemeindevertreter gemeinsame Interessen, in demselben Warschau, in welchem, nach einer Originalkorrespondenz des „Slowo polskie", die jüdischen Friseurgehilfen von den christlichen Genossen zum Streik angehalten wurden, trotzdem ihn*n die Aufnahme in die Genossenschaft hartnäckig verweigert wird. Nach dieser Korrespondenz sollen die Juden als Bedingung zum Anschluss an den Streik die Aufnahme gefordert — aber Schläge zur Antwort bekommen haben! Hebräus. „Der Schlemiel" hat diesmal sein Kriegsbeil gegen die jüdischen Dichter ausgegraben und schlachtet dem Gotte des Humors Hekatomben. Es war ein schreckliches Morden; ringsherum liegen in Massen ausgerissene Versfüsse, das ßlut aus den poetitschen Adern fliesst in Bächen, der Pegasus ist scheu geworden und galoppiert auf dem Schlachtfelde herum. Die jüdische Harferjule greift in die Saiten und damit dem Publikum in die Seiten, wo man am kitzlichsten ist. Nach dem Muster von Zlocisti, Loewe, Salus, Klausner, Friedländer und noch anderer ünglückllicher wir darauf losgereimt, jede Zeile eine Strof. Auch die Prosa lässt für die Betroffenen weiter nichts zu wünschen übrig, als dass das Schicksal des Haman nicht vereinzelt bleibe, was den „Schlemiel" anbetrifft. Treffend vorgeahnt ist die Schiller-Feier in einer Berliner Reformgemeinde, bei der Professor Dr. Maybaum die Messe lesen wird, während Geiger und K a r p e 1 e s ihr Deutschtum in schönen Reden von sich geben werden. Köstlich ist dargestellt, wie Zlocisti seinen Judenschmerz herunterwürgt. Auf dem Teller ist ein Ferkel — offenbar ein symbolisierter Antisemit — und daneben steht ein vollgefüllter Becher — mit Sehnsuchtsträhnen. Komplett wird derPurim mit dem Wochenschaute und noch vielen anderen Rubriken. Das einzige traurige am „Schlemiel" ist. dass er noch nicht genug verbreitet ist. J- Feuilleton- Königin Esther. Von N. Pruschanskij. Deutsch vom Julie Gcldbaum. (Schluss.) Diese so unglücklich beendete Schlacht hatte Mcndeles kriegerischen, nifer bedeutend abgekühlt und er bcschloss, einstweilen keine weiteren Feldzüge zu unternehmen und siel; mit friedlichen Angelegenheiten zu beschäftigen. Kr veranstaltete einen Ausverkauf seiner Knarren, der ihm b> Kopeken eintrug, besuchte alle seine Klienten, deren Schlach Moiiuus er an; nächsten Tage voraussichtlich austragen würde, wobei es ihm in einem Hause gelang, eine kleine „rUunantasche" sich geschickt anzueignen, die er insgeheim verspeiste, dann kehrte er m-ch Hause zurück. Iii der Synagoge hatte das Abendgebet schon begonnen, doch Mcndele dachte gar nicht an das Beten. Die .Jungen hatten ein ganzes Heer von Knarren mid diese nuisste er als Spezialist in Knarren, jede für sich, untersuchen und seine Meinung über dieselben abgeben, wobei es sich selbstverständlich herausstellte, dass die seiiügen die besten waren. Jetzt war das Gebet zu linde. Der Vorleser betrat den Altar, zog aus einem Futteral eine Mcgil'.ah heraus und begann mit einer traurig-singenden Stimme: „Und es war zu 'Zeiten des Artaxcrxes . . Mendele hörte, obwohl er buchstäblich kein einziges Wort verstand, aufmerksam zu und bemühte sich, auf die Namen aufzupassen. Sobald Hainau erwähnt wurdic, zuckte er vor