Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 12 (24.3.1905)
- Date
- 1905-03-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3315709-3316128-3316145--46703-3341562- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 12 wbie # weit11 Seite 7 Aber nicht bloss die Romantik spricht für Palästina und gegen ein anderes Territorium. Wir brauchen ein Land, das gross genug ist, um eventuell das ganze jikliische Volk aufnehmen zu können: Palästina genügt auch dieser Bedingung, wohlverstanden, Palästina nicht im Sinne Ussischkins, sondern im Sinne Werburgs. Nach den P>e rech nun gen des letzteren kann Paliistina allein bei mittlerem Kulturstande 2% Millionen "Menschen aufnehmen, dagegen können die NebenlänJdcr Palästinas die Kleinigkeit von 100 Millionen Seelen aufnehmen. Also. Platz genug für das jüdische Volk. Tatsächlich kann man gar nicht von Palästina allein sprechen. In unserem Zeitalter des schnellen Verkehrs kann man ein Land nicht mit einer Mauer umgeben. Wenn wir auch im Beginne nur Palästina kolonisieren wollten, so würde die weitere Entwicklung ganz natürlich zur Kolonisation der Nebenl ander führen. Wir werden im folgenden Artikel nachzuweisen versuchen, dass die Idee vom „greater Palestine" gerade jetzt, in Anbetracht des Territorial ismus, zu einer Lebensbedingung der normalen zionistischen Entwicklung geworden ist. Jetzt aber begnügen wir uns mit dem Hinweis darauf, dass Palästina mit den T^obenländorn das. „beste, günstigste und entwicklungsfähigste Territorium ist". .Wir können uns in. dieser Beziehung auf einen sehr unparteiischen Zeugen berufen, dessen Autorität auch die Territorialisten anerkennen werden: auf Israel Zangwill, dessen Artikel „Die kommerzielle Zukunft Palästinas" in demvor kurzem erschienenen Buche „Die Stimme der Wahrheit" wieder abgedruckt ist. "NTun aber werden doch alle diese Beweise keinen einzigen Territorialisten von seiner „Weltanschauung" abtrünnig machen, weil er, als praktischer Mensch, wieder und wieder auf zwei Tatsachen Inn weisen kann: 1. Haben wir Palästina nicht, m'an gibt uns dieses Land nicht, und 2. 7nuss man die Judenkolonisation so schnell als möglich beginnen. Wir meinen aber, dass gerade die zweite Forderung, die ganz berechtigt ist, noch mehr, deren Erfüllung in nächster Zukunft gerade zu den Lebensnotwendigkeiten, des Zionismus gehört, sehr gut erfüllt werden' kann, auch unter den gegebenen .Umständen. Darüber sprechen wir im folgenden Artikel. Jetzt aber möchten wir nur kurz den ersten Punkt berühren. Es ist einfach ein Zeichen der Entartung, wenn Repräsentanten des jüdischen Proletariats von einer gos c h e n k t e n Freiheit sprechen. M a n wird' uns die Autonomie ,geben! Was geigeben ist, kann auch genommen werden. Erinnern wir uns doch an das Schicksal der Buren! Wir wollen damit kein Urteil über schon geschehene Ereignisse fällen, aber wir müssen doch betonen, dass keine gegebene Autonomie garantiert ist.5) Jetzt ist die Lage so, dass, wenn die Juden ihre eigene nationale Sehlde haben wollen, sie die Mittel dafür von der ganzen Welt zusammenbetteln müssen. Vielleicht unter gewissen Umständen kann man noch eine Kolonie, aber nie und nimmer die Freiheit geschenkt erhalten. Das jüdische Proletariat, das überhaupt erst seit zwei bis drei Jahren in die zionistische Bewegung eingetreten ist, hat überhau])! kein moralisches Recht, sehr ungeduldig zu werden. Hat es alles geleistet, was es leisten konnte und sollte? Wer weiss, ob wir nicht Palästina schon hätten, wenn das jüdische Volk in seiner Totalität das Werk der nationalen Befreiung unterstützt hätte? Wer ist am meisten berufen, für die Volksbefrehing zu arbeiten, wenn nicht das bewusste jüdische Arbeitsprole- 5) .Jede Autonomie ist durch Gesetz oder Vertrag, in der Regel durch beide, garantiert. Der Vergleich mit den Buren stimmt nicht, da diese esi waren, die den Vertrag mit England zu brechen sich stark genug glaubten, (Anmerkung des Herausgebers,) tariat? Und wahrlich, welches Volk hat seine nationale Freiheit in sieben bis acht Jahren erreicht? Welches Befreiunigswerk ist überhaupt in so kurzer Zeit vollbracht worden? Seht euch doch die (^schichte der nach Selbstständigkeit ringenden Völker und Klassen an: was für eine Opferwilligkeit, Arbeit^freudigkeit, Kampfcslust und Ausdauer, besonders Ausdauer? Wenn wir aber alle unsere Pflicht getan haben werden, wenn wir die grosse -Mehrheit des im dolus verschmachtenden Juden Volkes in ein seiner Schicksale bewuss» tes und für seine Freiheit zähe kämpfendes Judenvolk verwandelt haben werden, dann werden wir -Palästina bekommen. Sogar diejenigen, die dem offiziellen Zionismus, und speziell unserem .llerzl, Optimismus vorwerfen, müssen zugaben, dass die Xichterreichung unsere]* Wünsche nicht so der prinzipiellen Abneigung der Türkei als t„dcm Umstände zuzuschreiben ist, dass wir auf ihre Gegenforderung nur ein Versprechen, keine Leistung bieten konnten. Ks will mir nach Herzls eigenen Aeusserungen, schreibt Herr Feiwel, wie ich sie aus seinem Muuide hörte, scheinen, als sei diese letztere Situation schon dagewesen/"' Von welchem Siandjninktc auch wir den Territorialisnbus betrachten, kommen wir zum Schlüsse, dass er nicht die Weltanschauung eines nach seiner AYiedergoburt strebenden Judentums, sondern des von der Not gepeitschten Juden ist. E i n e X o t s t a n d s in a s s r e g e 1 ist a b e r n i e e i n c S t a a t s a k t i o n. AYolil aber kann ein richtig erkannter Notstand die Staatsaktion beeinflussen. Der Territorialismus zwingt uns, die zionistische Tätigkeit so einzurichten, dass ihm jede Existenzberechtigung unmöglich gemacht wäre. Es genügt nicht, zu sagen: Zurück nach Palastina! AYir müssen auch über das „Wie" im klaren sein. Kurz gesagt:' d a s, w a s m a n b i 1 1 i g e r w e i s e v o m V g a n d a p r o;j e k t e r w a r t e t e, m ü s s e n w i r w o n i g s t e n s i n g 1 e i eh e m l: in f a n g e u n d j n g 1 e i c h 1 a n g e r Z e i t i n P a 1 ä s t i n a m i t d e n X e h e n 1 ii n d e r u z u r e a. 1 i s i e r e n s u c h e n. AVeder Territorialisnms noch (mowewe-Zionismus — gleichwohl, ob offener oder versteckter — sondern politischer, d. i. integraler Zionismus, der sich von allen VolksnotweinHirkeiten bestimmen hrsst. AYas schlagen unsere Zionc-Zionisten vor? Daruber im folgenden Artikel. G en f, im. März "1905. Dr. I). P a s in a n i k. An die Ja-Sager! (u.dreu dein im April v. d. gefassten A.-C-Beschließe wäre die ,AYelf'* als Organ der gesamten Zionisten bereit, objektive und sachliche Artikel für und gegen Uganda aufzunehmen, um so die Meinungen und Ansichten sich klären und fertigen zu. lassen. Sie hat auch z. B. den Artikel des Herrn Greenberg mit gleichem Vergnügen gebracht wie die Entgegnungen des Herrn Dr. Vasmanik. Bedauerliciherweise sind alle bisher von Pganelisten und Territorialisten eingelangten Artikel durchgehends so beschaffen, dass sie auf das persönliche Gebiet hinüberspielen und an Stelle objektiver Darlegungen und Begründungen lediglich Angriffe auf bestimmte Personen als Träger entgegeugesetzier Ideen entha 1 teil. Der nachstehende Auf ruf-gehört, trotz seiner vielleicht bona fide gegen, das A.A\ vorgebrachten Verdächtigungen und Anschuldigungen noch zu den zahmsten Ihnmziaf innen der auch dlas Ifgaudaprojekt propagierenden Zionislen. Wir veröffentlichen denselben daher mit den erforderlichen lieserven und erklären hiermit dezidiert, dass