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Die Welt · 1905-03-17 · 11 (17.3.1905) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
11 (17.3.1905)
Date
1905-03-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 „oie * w^it" Nr. 11 Zeitschriften- Rundschau. In der „Tribüne de Geneve", dem bekannten Genfer Blatte, erschien am 7. März ein von einem „I g n o tu s" unterzeichneter Artikel, der sich mit dem Vorschlag einer Lösung der orientalischen Frage beschäftigt. Man weiss, solcher Vorschläge gab und gibt es die Menge. Was diesen Vorschlag von anderen unterscheidet, ist das Verlangen nach radikaler Umänderung der türkischen Staatsform. Der Autor des Artikels wünscht eine Foederativrepublik der vereinigten Staaten der Türkei. In dieser Republik sollen auch die Juden ihr Plätzchen erhalten und Palästina besiedeln dürfen. Wir nehmen von diesem Artikel nur Notiz, weil er zeigt, dass der Zionismus überall gekannt und ernstlich in Betracht gezogen wird. Was aber die sonstigen Anschauungen des Verfassers betrifft, so wollen wir darüber nicht viel Worte verlieren. Wir Zionisten wollen auf durchaus friedlichem Wege, im Einverständnis mit dem türkischen Volke und der türkischen Regierung, Palästina kolonisieren. Nicht nur zu unserem Nutzen, sondern auch — und das wird die Türkei sicher noch einsehen lernen — zum Vorteil der Türkei. Es ist selbstverständlich, dass die zionistischen Kreise diesem Artikel ganz fernstehen. — r. Der , Rozvoy" regt sich noch immer über die zionistischen Juden auf und dessen Führer Herr Dr. Schulhof negiert allfreitäglich die Existenz des jüdischen Volkes und schlägt die hebräische Sprache tot. Als Haupteinwand sagt er wörtlich: „Uns erklang als einschlummerndes Wiegenlied ein tschechisches Lied und nur die tschechische Sprache kann uns einzig und allein die Muttersprache sein." Von dieser Gefülsduselei fällt der Redner sofort ins Komische und ich will — da Purim vor der Türe steht — weiter zitieren. „Unter den Zionisten sind zuletzt auch solche, welche wünschen, dass die deutsche Sprache die einheitliche Sprache der Juden sei. Mit diesen werden wir Gerade am meisten zu schaffen haben. Sie werden das zwar Zionismus nennen, aber es wird nichts anderes als ein Mittel des Deutschtums, ja sogar des Germanentums sein. Wir haben doch schon heute lebende Beweise dafür in den zionistischen Studentenorcranisationen.41 Der Herr Dr. Schulhof wettert* gegen die Couleurbänder und Mensuren der zionistischen Studentenschaft und vergisst. dass er — bei aller Hinfälligkeit seiner Argumentation - bloss in seinem Blättchen umzublättern braucht, um eine Notiz v?u dem Aufhauen einer tschechischen Burschenschaft „Gechie" mit Vollcouleur zu finden, die also auch — um den Jargon des „R o z v o ya zu reden — ihre „pitky, bumly a Slegry" (Kneipereien. Bummel und Mensur) haben wird und deren Statuten die Prager tschechische Statthalterei schon bestätigt hat. Es neisst eben auf den Geschmack kommen. Tm übrigen nichts für ungut. Einen zarten'Winkmöchte ich dem „Rozvoy" geben. Statt sich mit dem Totschlagen des Zionismus erfolglos abzumühen, möge er lieber trachten, dass seine „literarischen" Vortragsabende, an welchen der „Chefredakteur L. Vohryzek spricht, nicht so spärlich besucht werden. Der „R o z v o y8 ergeht sich über diesen letzteren Umstand in herzzerreissenden Klagen. Die Ursachen hat er schon gefunden. Er orakelt: Vielleicht kamen keine Leute, „weil diesmal kein musikalisches Programm war, vielleicht, weil unser Publikum schon ermüdet ist". Das letztere glaube ich auch. Es hat eben den Kohl satt. na.— In einem Feuilleton in „Hasman" Nummer 41 bespricht R. Brainin anlässlich der Teilnahme für Maxim Gorki, die bei seiner Verhaftungsich allerorts kundgab, das traurige Los der hebräischen Literatur, die nach aussenhin ungekannt ist und von deren Existenz das gebildete Europa noch kaum etwas weiss. Gorkis Werke sind in viele Sprachen übersetzt, während unsere hebräischen Literaturerzeugnisse, selbst die besten, die sich mit europäischen Meisterwerken messen könnten, keine Uebersetzer gefunden haben. Zum Schlüsse verzeichnet Brainin folgendes Kuriosum: In seinem Werke „Die 'berühmten Männer und Frauen des Judentums" Jführt Kohu t auch Smolensky an, aber nur als bekannten (?) Uebersetzer Shakespeares, während Smolensky niemals etwas von Shakespeare übersetzt hat!,. So behandelt man unsere grössten Schriftsteller und Künstler. Wir kennen eine Geschichte der „Jüdischen Literatur" in zwei sehr dicken Bänden, in denen über Smolensky gesagt wird, dass er Publizist war und auch Romane schrieb, aber das alles in kaum sechs Zeilen, s während Heine und Börne einen beträchtlichen Teil des zweiten Bandes ausfüllen. Was Wunder, wenn Kohuts „Illustrationen" nichts mehr von Smolensky wissen? Hebräus. Prolog zur Purimfeier Von H. Zuckermann. Ein Ivönigstraum! so zaubermärchenschön Wie Bliitenkeimen einer Friildingsnacht. Fin halb vergessnes, windverwehtes Lied, Das silbern klang auf unsrer Sehnsucht Harfen, Ein stolzes Pest voll Siegeszuversicht, Das war uns Purim, unser Lösetag. Kein Wunder war gesehen n! Keine Himmelszeichen Erschreckten eines feigen Königs Herz, Es hat kein Meer sich gähnend auf getan, Kein Felsen gab uns Trank, kein Mann all fiel uns zu. Nein, wundertätig allbezwingend siegte Der Ghitenhauch der opferstarken. Liebe. Das macht uns stolz unid stark, dass eine Kraft, Die fiebernd auch in unsern Pulsen pocht, Das heil'ge Werk der Volksbefreiung schuf. — Doch and'ro Juden feiern Purim anders. Das KonigsnKirchen ist zum Gaukelspiel, Das Siegesfest zum Mummenschanz geworden. Die Sage raunt von einer goldenen Krone — Sie tragen Flittergold und Maskenkleid, Weil sie so gern, so leicht sich selbst betrügen Und in dem raschen Taumel des Genüsse* Vergessen, was sie heute hat gekränkt Und was sie morgen droht aufs neu zu drücken, Tm fremden Kleid, erlauschte Worte äffend, Erborgte "Namen und Mlanieren heuchelnd, Verstellten sie sich einer vor dem andern. Und waren glücklich, nicht erkannt zu werden. Eis dass sie schliesslich selber nicht gedachten, Dass nur erborgter feiler Flitterkram Die sehlichten Alltagsröcke schlecht verberge. So feierte ein selbstbefreites Yolk Den Lösetag in eitlem Selbstvergessen. Uns sei das Fest ein hoher Tag der Liebe! Der Liebe, die sich selber hingegeben, Damit ihr armes Volk errettet werde. Die Laime eines brünstigen Despoten Versprach ein Königreich als Liebeslohn, Doch Esther wählte ihres Volkes Freiheit,- Statt eines morgen 1 andrehen Thrones Pracht. Dasselbe Volk lechzt heute noch nach Freiheit, Dasselbe Volk harrt hoffend der Erlösung, Wie können wir die Selbstbefreiung preisen, Wenn wir zu feige sind zum Selbsterkennen? D'ruui facht die grosse Liebe in uns an, Die uns're Herzen wärmt mit heiPger Flamme, Die siedend unser träges Blut erhitzt, Damit die schlaffe Hand zur Faust sich balle Und die geballte Faust die Ketten sprengt. Und können wir auch keine Königsgabe Verächtlich werfen, vor des Schenkers Füsse, Die Freiheit nnsYes Volkes aufzuwiegen. So wollen wir die frei gewordenen Anne Und uns're heissen, liebegKuYndcn Kerzen Dem grossen Sieg des stolzen Volkes weihen Und feiern Purim als ein Fest der Freien. Königin Esther. Von N*. P r u s c h a n s k i j. Deutscli von Julie G o 1 d b a u in. Mendele, der zehnjährige Sohn Saras, einer armen Witwe, welche auf den Strassen gekochte Bohnen, Erbsen und. Leber verkaufte, wartete mit Ungeduld auf das Purimfest,

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