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Die Welt · 1905-03-17 · 11 (17.3.1905) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
11 (17.3.1905)
Date
1905-03-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 11 „WS * Welt" Seite 9 und der Zionismus ist in Prag — ich halte das nicht geriete für ein Uebel — bereits salonfähig. Anders ist es mit den tschechischen Juden, den sogenannten Cesky zidi. Das Judentum dieser Leute ist negativ, d. h. sie verleugnen es, wo sie es köraiieft. Amüsant ist ein Briefwechsel, der jüngst anlässlich des Arbei'tskongresses der tschechischen Juden (lucus a non hicendo) zwischen diesen tschechischen Juden und den „Narodr.i Osty" geführt wurde. Es ergab sich, dass die Redaktion der „N. L.' für das Sebwteifwedeln der Cesky zidi kein Empfind n hatte und jede nationale Verwandtschaft mit die s e n in sehr kühle <n, i römischen Worten a blehnte. Ich bedauere es, dass ich die zionistische Oeffentlichkeit mit dieser Sorte von Juden behelligen muss.' Wie ernst sie es mit ihrer nationalen Stellung nehmen, zeigt der Umstand, dass ihre führenden „Geister' — an den deutschen Hoc hschulen in Prag studieren. Noch mehr bedauerlich finde ich es aber, dass sich die Zibnisten in Böhmen mit ihnen beschäftigein und ihnen das verschaffen, was sie brauchen, nämlich Reklame. Es sind armseli'ge politische Clowns, die nur, wenn sie durchaus bekämpft werden sollen, auf die Weise bekämpft werden können, wenn mau ihre gut jüdischen Väter, die gar nicht tschechisch verstehen, zu Hilfe nimmt. Die Mitglieder der Partei — sie nennt sich trotz oder wegen ihrer zehn. Dutzend Bekannter so — stehen nämillich in dem jugendlichen Alter von 15—20 Jahren, sind also harmlos, wenn man „Site mit anderen gleichen Alters vergleicht, die noch Gedichte machen' und Römerdramen schreiben. Aber schliesslich — ■vielleicht sind auch die Cesky zidi zu etwas gut. Uns geht manchmal der Humor aus, und von Zeit zu Zeit ist es gut, wenn man lachen kann. Nach hellenischem Brauch musste ja der Tragödie das Satirspiel follgen, Ich Höffe, dass die Redaktion der „Welt" es mir verzeihen wird, wenn ich de-m Weltblatte so viel Raum nehme. Aber wenn es auch richtig ist, dass die Frau die beste ist, von der man am wenigstein spricht, so gilt das nur in beschränktem Masse von einer Partei: Und ich wollte zeigen, dass wir auf unserem Posten stehen und dass die Judenschaft in Böhmen ihrer Vergangenheilt treu bleiben wird. 95 000 jüdische Seelen gibt's in unserem Lande. Und wir werden und wollen mitbestimmen, wenn über die Zukunft des jüdischen Volkes entschieden wird. Prag, März 1905. Julius Löwy. Hilfsverein der deutschen Juden. Am Sonntag den 26. Februar fand in Berlin im Hotel Prinz Albrecht die dritte ordentliche Generalversammlung des Hilfsvereins der deutschen Juden statt. Der Präsident des Hilfsvereins Herr James Simon eröffnete die gut besuchte Versammlung, zu der auch zahlreiche Mitglieder von ausserhalb erschienen waren und gedachte zunächst mit warmen, tiefempfundenen Worten der im abgelaufenen Jahre dahingeschiedenen Mitglieder. Hierauf gab der Vorsitzende einen kurzen Ueherblick über die Entwicklung des Hilfsvereins im Jahre 1904. Er konstatierte mit Genugtuung die grossen Sympathien, deren sich der Hilfsverein in Deutschland allgemein erfreut und der Förderung, die er namentlich durch die Logen wie auch durch die wohlmeinende Haltung der Presse erfahren hat. Die Zahl der Mitglieder des HilfsVereins im Deutschen Reiche ist von 5500 auf 8500 gestiegen; die regulären Einnahmen des Hilfsvereins aus Mitgliederbeiträ^en und Spenden ist gleichfalls von 42.000 Mark auf rund 70.0C0 Mark gewachsen. Die grosse Hilfsaktion, welche zugunsten der russischen Juden vom Hilfsverein eingeleitet worden ist, hat es erforderlich gemacht, dass der Redner, Herr James Simon eine Spezialsammlung für diesen Zweck veranstalten musste. Die Sammlung beschränkte sich auf einen kleinen Kreis wohlhabender Glaubensgenossen in Berlin und ergab die Summe von 108.000 Mark. Die Gesamteinnahmen des Hilfsvereins im Jahre 1904 betrugen 209.931 Mark; die Ausgaben 194.503 Mark. Das Vermögen des Hilfsvereins betrug am 31. Dezember 1904 einschliesslich der Baron von Cohn-Oppenheim-Stiftung für Schulzwecke die Summe von 688.030'48. Herr Dr. Paul Nathan erstattete hierauf in längerer Rede den Geschäftsbericht für das Jahr 1904. Nach eine Besprechung der Aktion für die russischen Juden berichtet Dr. Nathan über die Tätigkeit in Sachen der Auswanderung. Die Bestrebungen, die planlose jüdische Auswanderung zu regulieren, führte zu einer internationalen Konferenz in Frankfurt a. auf der alle grossenjüdischen Organisationen Europas vertreten waren. Die Haupterfolge dieser Konferenz sind die Begründung eines Zentralbur^aus für jüdische Auswauderungsangelegenheiten in Berlin durch den Hilfsverein der Deutschen Juden und <$ie Grossloge für Deutschland und ferner muss die Ausdehnung der von uns ins Leben gerufenen Organisationen auf die Nachbarländer durchgeführt werden. Auf dem Gebiete des Schulwesens galt die Tätigkeit des Hilfsvereins in erster Reihe der Türkei und den Balkanstaaten. Ganz besondere Aufmerksamkeit hat der Verein den Schulverhältnissen in Palistina zugewendet. Um dem grossen Manerel an geeigneten Lehrern im Orient abzuhelfen, hat der Verein die Begründung eines Lehrerseminars in Jerusalem beschlossen, welches am 5. Mai seine Lehrtätigkeit bereits begonnen hat. Der Hilfsverein unterhält ferner in Palästina drei Kindergärten, von denen sich zwei in Jerusalem und einer in Jaffa befindet. Die Eröffnung eines vierten Kindergartens in Saffed steht; bevor. Es besteht die Absicht, im Anschluss an diese Kindergärten Normalschulen zu errichten. Das Bestreben des Hilfsvereins seit seiner Begründung giner dahin, durch Einführung von Hausindustrien den galizi sehen Glaubensgenossen Arbeitsgelegenheit zu bieten. Besonders verbreitet ist die Haarnetzindustrie. Neu hinzugekommen ist die Herrenkleiderkonfektion,KorbwarenindustriP, Fabrikation von Metalltäschchen und Fezquasten. Ein bedeutender Faktor für die jüdische Bevölkerung in Galizien verspricht die Spitzenklöppelei zu werden, welche mit Unterstützung des Hilfsvereins von einem Berliner Unternehmer in Kolomea eingeführt worden ist. Auf Antrag der Herren Schwarz und Justizrat Seligsohn, welche der Leitung des Hilfsverein Dank aussprachen für ihre aufopfernde Tätigkeit im Dienste des Judentums, wurde dem Vorstande einstimmig Entlastung erteilt. Die statutengemäss ausgeschiedenen Mitglieder des Zentralkomitees sind durch Zuruf einstimmig wieder gewählt worden. Nicht unerwähnt mag bleiben, dass einige Zeitungen sus den, Bemerkungen Dr. Nathans über die Judenfrage seine Gegnerschaft gegen den Zionismus herauskonstruieren wollten. Das ist einfach eine Unterschiebung. Dr. Paul Nathan legt Wert darauf, dass diese „Auslegung8 einer harmlosen Stelle seiner Rede nicht in diesem Sinne missdeutet werde. Dass auch der Hilfsverein diesen Notizen ganz ferne steht, soll hiermit ausdrücklich konstatiert werden. Ben. f ribäne. (Plr diese Rubrik ist die Redaktioi nicht vtrtntwortlich.) Marken für den Nationalfonds. Folgende Gesinnungsgenossen haben für den N.-F Briefmarken gespendet: Wien: Frl. A. Taglicht, Frl. O. Welt, Fr. Rawicz, Dr. Kreisler, Frl. Eitelberg, Frl. Klarnett, Dr. H. Roth, A. Bei durch Maier Thau, stud. J. Klaber durch stud. Holzer. Brody: Frl. M. Freid, jur. Freid, med. Katz. Fiume: R. Klein. Beszterczebänya: Namenlos. Tarnopol: M. und Frl. E. Nüssenbaum. Kis mar fron: A. Kohn. Prag: Frl. J. Frankl. Brünn: Frl. G. Raucher und Frl. B. Adler, stud. J. Schallinger (r Veritas"). Kolomea: Fr. A. Sennensieb. Nadworna: Berl Bramer. Pressburg: „ Ahawath Zion*. Krakau: B. Kiumak, Frl. S. Horn. Lemberg Frl. J. Buber. Saaz: jur. Karl Herrmann. Przemysl: A. Mermelstein. London: B. Schiresohn, Schanger, Prag: A. Bondy. Olmütz: Leo Beer. Galatz: J.B. Steinberg durch B. Herrmann. Neusandez: J. Nussbaum. Rzeszow: Brüder M. und L. Kohn. Czerno-. w i t z : Zionistische Mittelschüler. S t a n i s 1 a u: Fr. R. Diamant Amsterdam: H, Aronowitz. Gwozdziec Ch. A. Gelbard. Allen Spendern besten Dank und Zionsgruss! Die Philatelieabteilung der N.-F.-Kommission.

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