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Die Welt · 1905-03-17 · 11 (17.3.1905) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
11 (17.3.1905)
Date
1905-03-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „bi* # Weit Nr. 11 13) Gruppierung nach inneren Efnteilungsgründen (auf ßtoffi?eschichtlicher Grundlage u. dgl.), in welch letzterer Einteilung selbstredend auch die zeitliche Reihenfolge berücksichtigt wird, soweit die Darstellung des Stoffes es zulässt oder gar fordert. b) Formelles (Sprache, eventuell Metrik u. s. w.). * * * Keineswegs bilde ich mir ein, im vorstehenden etwas Neues vorgeschlagen zu haben. Allein ich habe das Bekannte wiederholt, um es mit einer richtigen Forderung an unseren Verband zu verbinden. Und diese betrifft die Erreichung des Zieles, das der Zionismus sich schon längst gesteckt hat, dem zuzustreben wir uns mit dem Worte „Jüdische Renaissance" zur heiligen Pflicht gemacht haben. Zweckmässig wäre es, wenn speziell die Abteilung für Literatur sich mit Studentenkorporationen anderer Staaten (zum Beispiel V. j. St. in Deutschland) verbände. Man hätte sich mit ihnen wohl leicht verständigt. Wie wertvoll dieses gemeinschaftliche Lernen, wie hoch das ideale Ziel wäre, das wir damit erreichten, braucht wohl nicht dargelegt, soll aber erwogen werden. Die jugendlichen Akademiker hätten während ihrer Studienzeit den Grundstein zu der Veste gelegt, in der sie ihre teuersten Schätze bergen und hüten müssen. Viktor Freud, Frag. Prager Brief. Unser verblichener Führer hat einmal in der- „Welt" über die Verhältnisse in Böhmen geschrieben. „Die Jagd in, Böhmen" war sein Artikel t etitelt, der mit der wenig trostreichen Aussicht schloss, dass die Juden noch einmal verblüfft roulieren werden. Das ist eingetroffen. In den böhmischen Wäldern sc hi es seil diie Hasen durcheinander, purzeln und machen die drolligsten Sprünge. Und wenn sie eimmail auf einen Sonntagsjäger treffen, setzen sie sich zu Männchen hin. Das ist micht verwunderliche Die Juden, denen Golus und Assimilation in allen Gliedern stecken, sind unfähig zu jeder sich logisch entwickelnden politischen Betätigung. Diese Sorte von Juden ist ja noch in der Mehrzahl und will den Ausweg, den der Zionismus, und nur der Zionismus zeigt, nicht gehen. Die Juden in. Böhmen sind mit der Deutschen Fortschrittspartei durch Dick und Dünn gegangen. Immer in der Rolle des Hahnemann, der die grössten Stiefel anhat. Ich will die Motive dieses Mitgehens nicht untersuchen. Ich glaube, es war eine gewisse Dankbarkeit Der Jude ist sehr ■gerne dankbar. Nun ist die Deutsche Fortschrittspartei fertig. Eine Stadt nach der anderen fällt, Mandat auf Mandat, den hungrigen Alldeutschen willkommene Beute. Es geht ihnen wie den Russen. Das eine Mal siegen die Wolfianer, das andere Mal kriegen die Fortschrittlichen Prügel. Bisher haben sie sich getröstet. Vor der Oeffentlichkeit gerierten sie sich als gewisse rrnassen a—semitisch. Beileibe nichts anderes. Ein freier deutscher Mann etc. Sie wehrten sich gegen den Vorwurf, die Judenschutztruppe zu sein. Das hätten unsere Juden noch in den Kauf genommen. Aber es gab gewisse Dinge im deutsehfortschrittlichien Lager, die den Juden ein wenig zur Besinnung verha-lfen. Es gab Gemeindewahlen, Scbulvcreinsversammlungen, Süd- und Nordmäh rertagungen und noch viele andere Dinge, und die Juden begannen sich — nicht zu rühren. Noch bei der Karlsbader Landtagswahl zauderten sie und der angeblich liberale Schäffler siegte, weil er in der glücklichen Lage ist, der Bürgermeister des Weltkurortes zu sein. In Saaz aber fiel Lecher, der beste Mann, über den das Prager Kasino verfügte, bei der Reichsratswah:l( nach, dem Tode Schiickers rettungslos durch, für die Landtagswahl wurde er gar nicht mehr kandidiert. Meister Lampe macht Männchen. Noch aber führen die unter den Juden das Wort, denen die knorrige Eiche näher steht denn die Zeder im Libanon. Aber auch die denken schon nach. Nun haben sie zwei Wege vor sich. Entweder passive Resistenz oder Kompromiss. Ueben sie die erste, dann — das ist sicher — spielen sie mit dem Feuer. Eine Konsequenz möchte ich zeigen. Wenn — was gewiss eintreten würde — Budwete oder Brünn, oder 01mütz (es gi'bt noch andiene Städte) an die Tschechen fällt, dann tritt an die Stelledes schleichenden deutschen Antisemitismus die brutale Zurückdrängung der Juden aus allen Positionen, die Verhängung des wirtschaftlichen Boykotts seitens der Tschechen. Nun mag man mir wieder mit dem Unterschiede zwischen dem offenen und dem versteckten Feind antworten. Lieb ist mir keiner der beiden. Aber der versteckte Feind kann von mir beeimfluisst werden, wird es sogar immer, denn sonst hätte er nichts zu verbergen. Bleibt also das Kompromiss. Das sind Erwägungen, die wir. lange zurückgedämmt haben, so lange wir Zionisten uns im Lande festsetzen mussten. Nun sitzen wir feist und nun werden diese Erwägungen akut. Wir können uns darüber nur freuen,1; denn sie sind Zeichen der wachsenden nationalen Einsicht und Kraft. Unlängst ist eine Broschüre erschienen: „Zionismus und Deutsche Fortschrittspartei". Sie stammt aus der Feder des Dr. Emil Marguilies in Teplitz und ist in Form eines offenen Briefes an den Führer disr Deutschem Fortschrittspartei in Böhmen, Dr. Eppinger, gerichtet. Der Oeffentlichkeit ist ihr Inhalt durch ein allerdings schlechtes Exzerpt bekannt geworden, das anfangs Jänner in der Wiener „Zeit" publiziert war. Die Ansichten, die Dr< Margulies vertritt, haben bei uns unliebsames Aufsehen hervorgerufen. Ich glaube, mit Unrecht. Verstehe ich den Autor richtig, dann hat er ad ocolus demonstrieren wollen, was geschehen kann, Avenn< der Zionismus in Böhmen seine trefflich geschulten Organisationen nicht nur gegen die jüdischen, sondern auch gegen die arischen Feinde Front machen lässt. Ich stimme hier mit Dr. Margulies vollkommen übe rein. Denn wenn ich auch aus einer Stadt fortziehen will, so werde ich mich doch verflucht wehren, wenn mir irgend ein Rowdy die Scheiben einschlagen will. Ich werde mich auch sehr wehren, wenn mich der Hausherr schikanieren will. Wenn aber Dr. Margulies meint, wir soiMten in der Partei des Dr. Eppiiinger verbleiben, so kann ich das nicht so unbedingt akzeptieren. Ich kann mir nur vorstellen,,. dass wir bei Reichsrats-, Landtags- oder Gemeiindewahlen, wenn wir unsere staatsbürgerlichen Rechte ausüben wollen, leicht in die Lage kommen können, von zwei Uebeln das kleinere zu wählen. Das wären vom Standpunkte des jüdischen Staatsbürgers aus entweder die Deutschte rtsehrfttlichen oder die Sozialdemokraten. Nachdem die letzteren, bei uns in Böhmen nicht in Frage kommen, ist ailiso die Frage leicht entschieden. Das wäre das Kompromiss, das ich oben gemeint habe, und so hat es meiner Ansicht nach auch Dr. Margulies gemeint. Dass wir, soweit jüdische Interessen in Frage kommen, in Böhmen die Macht in Händen haben, ist tatsächlich der Fall. Das böhmische Distriktskomitee, dem anzugehören ich die Ehre habe, ist für alle Juden in Böhmen, die noch irgend welches Interesse am Judentum nehmen, die Zentralbehörde geworden. Die verschiedenartigsten Körperschaften, Gemeinden und Vereine wenden sich an uns mit Beschwerden und Wünschen, mit Bitten um Rat. Wir stehen vor einer ungeheuren Expansion. Wir haben in Prag ein jüdisches Vereinsheim gerade in den letzten Tagen 'geschafften; wir gründen einen jüdischen Turnverein. Es vergeht keime Woche, im der sich nicht irgendwo im Lande ein Verein konstituiert, der auf -unser Programm eingeschworen ist oder ein neuer Vertrauensmann ernannt wird, der uns, wie wir das in jedem Falle fordern, die schriftliche Erklärung übersendet, das Baseler Programm anzuerkennen. Und — das ist ja etwa$ negatives — es. mehrt sich von Tag zu Tag die Zahl jener Auchjuden, die dem Zionismus „sympathisch" gegenüberstehen und die, wie sie immer so schön, sagen, „in diesem Sinne auch Zionisten sind'1. Diese Auchjuden wären noch erträglich, Sie wohnen zumeist in deutschen Gegenden oder, erklllären sich politisch für das Deutschtum. Je grösser die Zahl der Berührungspunkt, zwischen ihnen und uns wird, desto mehr nähern sie sich uns

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