Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 11 (17.3.1905)
- Date
- 1905-03-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 „bie # weit« Seite 3 tenen romanisch-katholischen Kultur, in einem Lande, das ein Emigrationsgebiet für das fruchtbare Volk der Italiener . bildet, von einer jüdischen Autonomie und kulturellen Selbständigkeit die Bede sein kann. Die abstrakten Deklamationen der Territorialisten verdecken nur sehr schwach ihren konkreten Wunsch: die Kommission möge "Uganda für kolonisierbar befinden. Dieser Wunsch sei erfüllt. Was dann? Was haben überhaupt die denkenden Ugandisten von dem neuen Projekte erwartet? Was kann» man von ihm billigerweise erwarten? Trotz aller Hochachtung, die wir Herrn Dr. Niordau ' entgegenbringen, sind wir mit seiner Idee des Nachtasyls ganz und gar nicht einverstanden. Diese'Idee hat grossen Wirrwarr angerichtet. Man meinte, dass die Juden zuerst nach Uganda und1 von dort nach Palästina übersiedeln sollen, was ja die reinste Phantasie ist. Einige erwarteten von Uganda eine tatkräftige Erleichterung der Judennot. Nun glauben wir, dass Afrika, aus rein objektiven Gründen, für eine intensive Kolonisation nicht geeignet ist, so dass der Sättigungspunkt Ugandas bald erreicht wäre. Trotzdem waren wir für das ostafrikanische Projekt, wenn es auch nur einigen huiuderttausenden von Juden ein menschenwürdiges und normales Leben gewähren könnte. Wir meinten, diese neue Kolonie hätte für uns einen hohen politischen und moralischen Wert. Es handelte sich *#ärum, ein wirkliches Gegenwartsprogramm zu schaffen, das unsere Kräfte nicht schwächen, sondern stärken sollte. Auf demselben Standpunkte steht auch jetzt der eifrigste Verteidiger des ostafrikanischen Planes, Herr Greenberg. Für ihn handelt es sich um die teilweise Linderung der materiellen Not, um die Stärkung unserer Positionen behufs Erreichung Palästinas. Wir waren für Ostafrika, als für ein reelles Gegenwartsprogramm., weil wir glaubten, das jüdische Volk sei stark genug, um mit zwei Fronten zu kämpfen; wir glaubten, Uganda werde neue jüdische Elemente, die bis dahin unserer Sache fernstanden, heranziehen und sie in den Ideenkreis des nationalen Judentums einführen; wir hofften, dass unsere entwurzelte Jugend eine grossartige kultursoziale Arbeit auf jüdischem Gebiete finden und sich dadurch mehr und mehr unserem Volke nähern werde, wir wähnten, neue potentielle Energien würden entstehen, die dem Zionismus überhaupt zu gute kommen werden. Wir haben keinen Augenblick zulassen können, dass Uganda zum Selbstzweck werde, dass daraus der Territorialismus entstehen solle. Wir konnten gar nicht voraussehen, dass sich sogenannte Zionisten finden werden, die, um für Uganda Stimmung zu machen, gegen Palästina hetzen werden, dass hebräische Schriftsteller in der Bibelsprache gegen das Land unserer Väter, unserer Nationalität, unserer Grösse und der Aspirationen unseres Volkes, hetzen werden. Nein, Herr G-reenberg! Es handelt sich nicht mehr um einfache Zwistigkeiten, wie Sie in jeder lebensfähigen Bewegung vorhanden sind, sondern um die Aufrechterhaltung der Grundlagen des Volksideals. Gestehen wir offen: das jüdische Volk ist in allen Hinsichten noch zu schwach, um nach zwei Pichtungen hin zu arbeiten, um Uganda und Palästina harmonisch miteinander zu verknüpfen. Gestehen wir offen, nach den Erfahrungen seit dem letzten Kongress, dass wir mit Uganda wenig zu gewinnen, dagegen viel zu verlieren haben. Vor allem verlieren wir die - Einheitlichkeit unserer Bewegung und damit ist unsere Macht gebrochen. Alle diejenigen, die mit Herrn Greenberg der Meinung sind, „nichts kann dem Juden Palästina ersetzen. Dort und nur dort kann er wieder einen jüdischen Staat gründen; in Palästina und nur in Palästina können wir wieder eine Nation werden", müssen sich vereinigen, um vor der ganzen Welt die Kontinuität unserer Bestrebungen behufs Erreichung einer gesicherten Heimstätte in Palästina zu bekunden. 'Zurück, zurück nach Hause! (Fortsetzung folgt.) Zum Artikei; „Zeit- und Streitfragen im Zionismus4'. Herr Dr. Pasmanik hat in seinem Aufsatz in Nr. 9 ein paar Sätze eines Artikels, den ich in der „Jüdischen Bundsehau" veröffentlichte, zum Anlass einer recht ausführlichen Polemik genommen. Die Redaktion der „Welt" war nun so freundlich, mir den in dieser Nummer publizierten Artikel Dr. Pasmaniks vor Abdruck zur Verfügung zu stellen, damit ich Gelegenheit hätte, einen abweichenden Standpunkt rechtzeitig geltend zu machen. Ich bin leider augenblicklich verhindert, diese Möglichkeit auszunützen, möchte aber doch nicht unterlassen, soweit ich angegriffen wurde, kurz zu entgegnen. Mit gewissen Teilen der sonstigen Ausführungen des Herrn Dr. Pasmanik bin ich übrigens einverstanden. Es handelt sich da, nicht um Wahrheiten von heute, sondern inn Erkenntnisse, die ich und andere ebenso wie ich schon lange zu vertreten in der Lage waren, ohne dass wir erst den Umweg über Uganda gehen mussten. Was aber seine Stelkmgnahme ziu den Fragen der Bedürfnisse der jüdischen Masse, zur Gross¬ und Schnellkolonisation und damit im Zusaananenliange stehenden Problemen betrifft, so wird ja gewiss, in diesem Blatte oder anderswo, an seine Adresse oder an die Aehnli andenkenden, die Antwort umso weniger ausbleiben, als die berührten Fragen tatsächlich gegenwärtig im Brennpunkte der zionistischen Auseinandersetzungen stehen. Auf seine Polemik gegen mich eingehend, kann ich Herrn Dr. Pasmanik — trotz der etwas ungelenken Diskussionsform — die Heranziehung und Zerfaserung einiger Sätze aus meinen Ausführung nicht übelnehmen, es tut mir aber leid, dass er von einem grossen Missverstän'dnis ausgeht und dass seine Polemik von vornherein eine mit untauglichen Voraussetzungen ist. Die Leser des ersten Pasmanikschcn Artikels werden sieh erinnern, dass, nach der Anschauung des Verfassers, der Zionismus die materielle Judennot, insbesondere die Not der Emigration und die dadurch hervorgerufenen Bedürfnisse der jüdischen M,'a,sse nicht ausser acht lassen dürfe. loh aber habe mich in meinen von Herrn Dr. Pasmanik herangezogenen Ausführungen nicht mit dem innere n Gehalt und der inneren Politik, sondern mit der äusseren Politik des Zionismus befasst, d, 1l ich bemühte mich, zu untersuchen, inwiefern die Mächte sieh in i h r e m Verhältnis zum Zionismus von der Not der in ihren Ländern ansässigen bezw. der ein- oder auswandernden Juden beeinflussen lassen. Wie man sieht^ sind das zwei ganz verschieden geartete Betrachtungsgebiete, wenngleich Beriihrungen da nicht ausgeschlossen sind. Selbst in den wenigen Sätzen, die er herausgegriffen^ hätte Herr Dr. Pasmanik finden können, dass ich nicht von den Grundlagen des Z i o n i s m u s, sondern den Grundlagen der Politik des Zionismus sprach. Ich müsste mich den Lesern der „Jüdischen liimdschau" gegenüber wiederholen, wenn ich noch einmal ausführte, Avas ich ais Grundlage der zionistischen Politik erklärte. Ich erwähne nur nochmals, dass ich das Dogma, „die Mächte hätten aus ihre r innerpolitischen Situation heraus, aus Egoismus^ (weil ihnen die Judenfrage Sorge und Schwierigkeiten mache), Anlass, nicht nur den Zionismus zu fördern, sondern sogar auf die eventuell dem Zionismus widerstrebende türkische Regierung einen Druck auszuüben" — dass ich dieses so starr gefasste Dogma als falsch in seinen Voraussetzungen und als für die politische Praxis unhaltbar einsehe und dass nur eine positive Politik mit kulturell-histo^