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Die Welt · 1905-03-17 · 11 (17.3.1905) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
11 (17.3.1905)
Date
1905-03-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 „bi* # W$lt" Nr. 11 Tischen Argiunenkn (wie sie z. B. die Hellenen einst fanden), die ja des Argumentes der jüdischen Not nicht ganz entbehren muss, aussichtsreicher erscheine. Eine scheinbare Ausnahme, erklärte ich weiter, bilden die Länder mit ungeheuer überschüssigen Juidenmasseii oder die Länder der gewaltigen Judeniimnigration. Hier könnte die zionistische Politik auf den Egoismus der JVläehte rechnen — wenn sie eben in der Lage wäre, ein Land, das die Emigranten öder einen sehr bedeutenden Teil von ihnen aufnehmen könnte, zu eröffnen. Diese Politik aber führe einmal aus dem Missverstehen der Mächte zu Uganda-Anerbietungen, ein andermal aber zu einem ganz negativen Resultate, weil der Zionismus augenblicklich Mlas-sen nicht versorgen kann. In diesem Zusammenhange sprach ich von den Möglichkeiten des Entfalles auch des Emigration skalküls für die Politik. Wenn ich sagte — und da liegt das grosse M,"issVerständnis des Herrn Dr. Pasmanik — dass es zugleich mit dem russischen „Frühling" mit der Emigration zuende sein werde, so sagte ich das vor allem im Hinblick auf die zionistische Politik. Wie ich in demselben Artikel sagte, die mitteleuropäischen Mächte denken an die Judenfrage zur Not, wenn es ein Polna oder Ivonitz gibt, nachher aber „gibt es keine Judennot mehr" — versteht sieh für die .Regierungen, so meine ich, dass mit der den Juden in Russland gewahrten Freizügigkeit ein eventuelles egoistisches Interesse Kusslands an einer jüdischen Kolonisationspolitik durch die spezifisch-russischen Interessen und Sorgen ganz in den Hintergrund gedrängt werden wird. Nur in diesem Sinne hatte mein Vergleich mit den gegenvvärtign Verhältnissen in Oesterreich-Ungarn Sinn und Geltung. Was kümmert es die österreichische liegierung, wann beschäftigt sie sich ernstlich mit dem Problem, dass soundsoviel tausenjd galizische Juden jährlich auswandern müssen? Dass Herr Dr. Pasmanik mich auf das Faktum der galizischen Auswanderung aufmerksam machte, war eine dankenswerte, aber überflüssige Bemühung, verfehlt und — wie ich glaube — unwissenschaftlich aber war es, wenn er in den gegenwärtigen galizischen Verhältnissen ein sogar prozentuell massgebendes Analogon zur voraussichtlichen zukünftigen Entwicklung der russischen Juden erblickt. Für mich bestand die Analogie „a n n ä h e r n d" in dem Verhalten der Eegierungen gegenüber der Emigrationsf rage. Sonst aber nieine ich, dass die ganze Struktur der Gesellschaft und die ganz anders gearteten Expansionsmöglichkeiten auch eine wesentlich verschiedene Entwicklung der jetzigen russischen Juden des Ansiedlungsrayons zur Folge haben werde — wenn es zur Freizügigkeit kommt. Ob die Emigration selbst in Russland im Falle einer geänderten Verfassung zum Stillstande kommenwird!? lieber diese Frage möchte ich mich jedenfalls nicht mit dein „ziffemmässig" belegten Pessimismus des Herrn Dr. Pasmanik äussern. Nicht nur ich, der ich übrigens mit Herrn Dr. Pasmanik das Schicksal teile, ein auswärtiger Beobachter sein zu müssen, sondern viele russisch-jüdische Wirklichkeitsmenschen sind der Ansicht, dass die Freizügigkeit verhältnismässig bedeutenden Schichten — und nicht nur der Bourgeoisie und den Intellektuellen — den Weg ostwärts nach Kussland ersehliessen wird, dass in die freigewordenen Stellen wieder beträchtliche Schichten einströmen werden und dass endlich schon die Aussicht auf Besserung im Lande den Auswanderungsstrom zumindest für eine Zeit, wenn nicht ganz zum Stocken bringen, so doch ganz wesentlich einschränken wird, über diese Frage aber hatte ich in meinen Ausführungen nicht zu sprechen und halte sie für einerseits zu. kompliziert, andrerseits zu sehr von der Zukunft bedingt, als dass ich mir mit wenigen Sätzen oder mit einem Eechenexempel ein apodiktisches Urteil für alle absehbare Zeit gestatten möchte. .Berlin-Charlottenburg. Berthold Fei w e I. Von der Ostafrika-Expedition. Die Wiener „Z e i t" hat aus London am 13. März folgende Depesche erhalten: „Das Reutersehe Bureau meldet aus ]V1 o m b a s s a vom 13. d.: Major Gi bb,ons; der die von der britischen Regierung zum Zwecke der Niederlassung der Zionisten angebotene Landstrecke untersucht hatte, ist heute an Bord eines österreichischen Lloyddampfers in Begleitung seiner Kollegen, Prof. Kaiser und Dr. Wilbusch, n a c h T r i e s t abgereist. Es verlautet, die Kommission habe sich von der gesunden Lage des Landes überzeugt, obgleich sie bezüglich der Aussichten der landwirtschaftlichen Niederlassungen keine grossen Hof finnigen hegt. Der Wanandi- ►Stamm griff die Nachhut der Karawane an, wurde aber z n r ii c kge trieben." Wir bemerken dazu, dass bisher keine offizielle Nachricht vorliegt und dass alle Kombinationen, die sich vor der Publikation des offiziellen Berichtes der Expedition an diese und ähnliche Nachrichten knüpfen, hinfällig sind. Aus Argentinien. Buenos Aires, Ende Jänner 1905. Da die hiesige Landespresse aller Zungen und Schattierungen sich eine geraume Zeit mit den Vorgängen in Mosesvilie 'beschäftigte, lerachtete ich es als meine Seelsorgerpflicht, mich persönlich dorthin zu begeben, um an Ort und Stelle die Sachlage zu studieren, und kann Ihnennun folgenden Bericht zukommen lassen. Mosesville, die Stammkolonie der Ica, kann mit Recht als Musterschöpfung eines sozialökonomischen Unternehmens bezeichnet werden. liier können wir so recht sehen, was der eiserne Wille, den zu stählen die Jüdische Religion, als Mittel zu ihrem heiligen Zwecke, sich vor allem zur Aufgabe macht, fertig bringen kann. Vertrieben aus dem Lande der Dunkelmänner, wo noch gegeinwitärg Jenes mittelalterliche Losungswort: „Der Jude wird verbrannt" die Staatsparole ist, kamen die ersten Pioniere Jüdischer Kolonisation vor mehr denn einem Jahrzehnt herüber, nichts mit sich bringend wie den Willen, ailis freie Menschen, ohne Verletzung ihrer Ueberzeugung, ohne Verleugnung ihrer Stammeseigenschaften, durch ihrer redlichen Hände Arbeit allein, sich und ihren Familien eine neue Existenz zu gründen in dem Lande der Zukunft, Argentinien. Neuies Land, neue Verhältnisse, neue Arbeit. Schwere Jahre hatten sie durchzumachen und bittere Enttäuschungen zu erfahren. Um so erfreulicher ist es, heute dieses kleine Städtchen zu sehen, das hier mit der Hilfe und Organisation der Ica entstanden ist. Zirka 500 Jüdische Familien haben hier im Laufe der Jahre eine Kolonie zur Blüte gebracht, die in keiner Weise denjenigen ihrer nichtsernitischen Brüder nachsteht. Ausgedehnte Weizenfelder, Leinanpfla-nzungen, Kielelgefilde, Viehzucht zeigen, dass die EinzeMeistungen Jüdischer Kolonisten wahrhaft grossartig sind. Um den Sitz der Zentrale, ihrer Administration, die in Mosesville selbst ist, in einer Entfernung von 7 oder 8 Kilometern beginnend, sind die Kolonien gruppenweise angesiedelt. Zu Jeder Gruppe gehören vier Haushaltungen; Jede Gruppe ist einen Kilometer von der anderen entfernt. Kleine, aber nette Häuschen, umgeben von einem kleinen Gemüsegarten, hie und da auch schattige Baumanlagen zeigen, dass die Bewohner Hand in Hand mit der Geselschaift bemüht waren und es zu-

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