Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1905-03-10 · 10 (10.3.1905) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
10 (10.3.1905)
Date
1905-03-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3315709-3316128-3316143--46659-3341516
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 10 „&i$ # weit" Seite 5 die beste Sicherheit dafür bietet, da&s die Juden als Juden für die Welt erhalten werden können". Wozu aber dann ein Experiment auf einem anderen Territorium? Und während Sie auf pag. 3 ausdrücklich betonen, dass „Ostafrika in keinem Sinne ein Nebenbuhler Palästinas" sein könne, däss wir nur „in Palästina in d nur in Palästina wiedereine Nation" werden können, bezeichnen Sie auf pag. 5 die Besiedlung Ostafrikas als ein Mittel für uns, „wieder ein grosses Volk zu werden — gross im besten Sinne des Wortes". Sie werden mir zugaben, dass es schwer ist, hier Ihre Meinung zu erkunden. Wie sehr stimme ich mit Ihnen überein, wenn Sie schreiben: „Es scheint mir aber, dass in jedem Falle, wenn die Erfüllung von Prophezeiungen mit niathematiseher Genauigkeit nachgewiesen wurde, die menschliche Arbeit dabei eine bedeutende, eine wesentliche Rolle gespielt hat."' Aber ich bitte Sie, verehrter Herr Gesinnungsgenosse, lenken Sie diese menschliche — in diesem Falle jüdische — Arbeit, welche die Prophezeiung: „Palästina für die Juden" zur Wirklichkeit machen soll, nicht ab nach Ilgand;:, damit der Sehluss Ihres Briefes, „die Erlangung einer öffentlich rechtlich anerkannten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, der Wiederaufbau von Israel als Nation", recht bald erfüllt sein möge. Mit Zionsgrüssen bin ich Ihr ganz ergebener Dr. Felix- Pinkm. B o r n, den. 15. Adar 5065. Die Landesversammlung der Orthodoxen in Ungarn. (Fortsetzung.) I. T a g. A b e n d «itzung. Nach .Eröffnung der Sitzung spricht Dr. Eevesz unter anhaltender Unruhe zum Statutenentwiirf. Er will wohl den Rabbinern die alleinige Entscheidung in allen religiösen Fragen zuerkennen, möchte jedoch zumindest in administrativen Angelegenheitein die durch den Entwurf arg gefährdete Autonomie der Gemeinden gewahrt sehen. Nach'der obligaten Lärmszene erwidert Rabbiner Fuchs (Xagyvärad), dass zwischen religiösen unJd administrativen Angelegenheiten einer Gemeinde keine sichere Grenze gezogen werden könne. Redner forciert volles Vertrauen für die Rabbiner. „Wir sind keine Beamten, sondern Gottgelehrte ■!" Er beantragt, den Statutenentwurf — der zweifellos fehlerhaft sei — an das Einunddrei ssiger - Komitee, welches das Elaborat ausgearbeitet hatte, zurückzuleiten, jedoch das Komitee mit 18 aus der Versammlung zu wählenden Mitgliedern au vergrössem. Das Komitee möge den Statutenentwiirf in der gewünschten Weise modifizieren, vor allem aber die auf die Wahl des Landespräses Bezug habenden Paragraphen textieren, damit zumindest die Erledigung dieses wichtigsten Punktes der Tagesordnung gesichert sei. Hirsch (Kolozs-var) findet diesen Antrag durchaus illegal und fordert, dass die Präseswahl erst nach Verhandlung des ganzen Statutenentwurfes stattfinde. Dies galt der Versammlung ata Signal zu einer schier endlosen Unruhe, die sich, sogar auf die Präsidententribüne fortpflanzte. Man ringt sich schliesslich zur Abstimmung durch, welche die Annahme des Antrages des Rabbiners Fuchs ergibt. Wiesen Beschluss hatte freilich die l"eberzeugung diktiert, dass die disziplinfeinidliehe Versammlung unter der Leitung eines hilflosen Präsidiums keiner ersprießlichen Beratung fähig sei. Hirsch reicht einen Protest gegen diesen Beschluss ein, was missveriständlich als Protest gegen die Loyalität des Kongresses überhaupt verstanden wurde. Darob neuerlicher Lärm, dem das Präsidium nach halbstündigem vergeblichem Kampfe schliesslich nur durch Sehluss der Sitzung ein Ende machen konnte. IL Tag. V o r m i 11 a g s i t z u n g. Der Kongress versammelt sich in sehr gedrückter Stimmung. Der vorhergegangene Verhandlungstag flösste jedermann die Befürchtung einer totalen Arbeitsunfähigkeit des Kongresses ein. Zudem waren in Tagesblättern un!d hauptsächlich in den ungarischsprachigen die unerquicklichsten Beurteilungen der Versammlung enthalten. Vor -der Tagesordnung appelliert daher Kabbitter Kutna (Eisenstadt) an das jüdische Gefühl der Versammelten und bittet inständigst um Friedfertigkeit. Als Redner jedoch zur Definition der Orthodoxie übergehen will, ereignet sich ein Missverständnis, das wieder alle Lungenkräfte auslöst. Der greise Rabbi zitiert einen toleranten Ausspruch des Predigers Mannheimer, in der Absicht, dagegen zu polemisieren. In der Meinung, dass sich Rabbiner Kutna mit diesem Ausspruche indentifizierl, spendet die winzige liberale Minorität demonstrativen Beifall, der von der fünf zigfach überlegenen Majorität mit tosendem Widerspruch beantwortet wird, und die verzweifelte Anstrengung des Präsidiums vermag nicht die Fortsetzung einer der wenigen hörenswerten Reden dieses Kongresses zu ermöglichen. Dr. ßevesz protestiert nach eingetretener Ruhe gegen die Verleumdung der Tagesblätter, als wären die Orthodoxen geringere Patrioten. Sie wären bereit, fürs Vaterland Gut und Blut zu opfern. (Allgemeiner stürmischer Beifall.) Rabbiner Schreiber (Beregszäsz) will sans facon sofort die Präseswahl vornehmen. (Wird abgelehnt.) Hierauf wird im Sinne des am vorigen Tage gefassten Beschlusses die Ergänzungswahl des Einundclreissiger- Komitees vorgenommen und die Versammlung, nachdem dieses Komitee nachmittags arbeiten sollte, auf den nächsten Tag verschoben. III. Tag. Vormittagssitzu n g. Nach Eröffnung verlangt Dr. S chäc h t e r (Budapest) in einem Dringlichkeitsantrage die sofortige Durchberatung des Schiedsgericht spar agraphen und gibt ferner die Erklärung ab, das er auf die Landespräsessteile nie kandidiert habe. Hierauf verliest Schriftführer Marten die modifizierten, auf die Wahl der Landesvertretung Bezug habenden Paragraphen, welche en bloc akzeptiert werden. Zum Punkte Präses wähl übergehend, widmet Vorsitzender Rabbiner Reich dem dahingegangenen Präses Leopold Lipschitz einen wann empfundenen Nachruf. Im weiteren Verlaufe der Verhandlung meldet Barkany (Lehes Kellemes) einen Protest gegen die akzeptierten Wahlstatuten an. (Lärm.) Rabbiner F u eh s findet hierdurch Veranlassung, sieh in. vehementer Weise gegen den Gedanken einer Vereinigung mit der Neologie zu wenden. Er erklärt im Namen der Versammlung, dass die Kluft zwischen Neologen und Orthodoxen unüberbrückbar sei und dass diese wohl nebeneinander gehen, aber nie und nimmermehr miteinander in Frieden leben können. (!!) (Stürmischer Beifall.) Ivo rein spricht sehr wirkungsvoll über den Patriotismus der Orthodoxen. Man beschliesst, dass in das Lanideskomifoc nur solche Mitglieder gewählt werden können, welche den Sabbat heiligen, und schliesst die Sitzung. III. Tag. N" a c h m i 11 a g s sitz u n g. Auf der Tagesordnung steht die Wahl des Kaudidationsausschusses, welcher der Versammlung einen Teraovorsehlag zur Präseswahl machen sollte. Da aber bei diesem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.