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Die Welt · 1905-03-03 · 9 (3.3.1905) · page 6

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
9 (3.3.1905)
Date
1905-03-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 * Wfit" m. 9 ir. anderer Weisse erfolgen, nicht aber auf Kosten unersetzbarer Rechte. Der Steuerbeitrag ist unser allen Ausgaben, die j cd er Jude zur Befriedigung seiner religiösen Bedürfnisse in die Gememdekasse fliessen lägst, entschieden nicht der beträchtlichste. So soll man denn liier bessere Ordnung schaffen, die .Leistungsunfähigen entlasten, dem Aernieren beispielsweise an den Feisttagen unentgeltlich die Unterhaltung mit Gott gönnen, das Grab ihm nicht zu sehr verteuern u. dgl., aber eine allgemeine Steuerpflicht, wenn auch in ganz geringer Höhe belassen, schon als Symbol der Zugehörigkeit zur Gemeinde, gleicher Hechte und Pflichten. Ks ist selbstverständlich nicht zu erwarten, dass eine solche Erkenntnis unter den jetzigen Gemeindevertretern durchdringe. Um so wichtiger ist der Sturm von aussen, um so gebotener, dass die Bedrohten sich zusammentun und für ihre Rechte, eintreten. Da aber die Betroffenen schlafen und unempfindlich sind, so müssen wir sie wecken. Es ist Sache der Zionisten, in dieser Weise die ersten Schritte zur Hroberung der GiMneiin'de-vertretungen zu tun. Wir müssen uns vorher die Wähler schaffen, die Mandate werden uns dann schon von selbst zufallen. j. Köthener Kurse.*) Die zionistische Praxis kann ihre sicheren Fundamente nur in der zionistischen Wissenschaft finden. Soll die Traumheimat des jüdischen Volkes seine wirkliche Heimat werden, so muss der poetisch verklärende Schleier, der sie den meisten zionistischen Augen noch verhüllt, fallen, und wir müssen uns daran gewöhnen, sie als ein reales Gebiet in allen ihren klimatischen, wirtschaftlichen, rechtlichen, kommerziellen Beziehungen und Verhältnissen mit aller Nüchternheit zu studieren und auf dieses Studium dann einen Siedlungsplan aufbauen, der den Erfolg gewährleistet. Um diese wissenschaftlich nüchterne Kenntnis Palästinas und der Nachbarländer zu fördern, hat sich die Kommission zur Erforschung Palästinas auf Anregung des zionistischen Studentenvereins „Tchioh" in Kothen entschlossen, einen ersten Versuch der Abhaltung von Ferienkursen über Kolonialtechnik mit besonderer Berücksichtigung des türkischen Orients anzustellen. Das höhere technische Institut zu Kothen stellt für diese Kurse seine Hörsäle und Laboratorien zur Verfügung und beteiligt sich durch Vorlesungen einiger seiner Dozenten über ihre Spezialgebiete. Die übrigen Vortragenden sind die Mitglieder der Palästinakommission selbst und andere von ihr geworbene Kenner des Landes. Ein Blick a«f das unten folgende Vorlesungsverzeichnis zeigt, dass die Palästinakommission bestrebt gewesen ist, eine vollständige Uebersicht über den gesamten Komplex der hier interessierenden Probleme zu ermöglichen. Derart werden die Hörer der Köthener Kurse die quinta essentia der grossen Literatur über Palästina und seine Umgebung erhalten, die viel zu umfangreich und zu schwer zugänglich ist, als dass der Nichtspezialist sie bewältigen l könnte. Und sie werden vor allem über die neuesten Phasen der kolonisatorischen, landwirtschaftlichen und kommerziellen Entwicklung des Landes diejenigen Aufschlüsse erhalten, die in der vorliegenden Literatur noch nicht enthalten sind. Die Kurse werden vom 27. März bis zum 9. April 1905 dauern und die Studierenden sämtlicher Universitäten und Hochschulen sind zur Teilnahme an ihnen eingeladen. Mögen diese Kurse unsere Jugend zur späteren nutzbrin- *) Aus „ A11 n e u 1 a n da, Monatsschrift für die wirtschaftliche Erforschung Palästinas. Februarheft 1905. Redaktion und Geschäftsstelle Dr. S. Soskin, Berlin W. 15, Pfalzburgerstrasse 83. gei r i) ß 1 < anregen und uns hingebungsvoll«, über «inen ausreichenden Wissensschatz verfügende Vorkämpfer heranziehen. Die Kommission zur Erforschung Palästinas. Verzeichnis der Vorträge. 1. Dr. M. Blanckenhorn: Physische Landeskunde von Palästina. 5—-6 Stunden. Literatur (Bücher und Karten). Allgemeine Lage, Ausdehnung, natürliche Grenzen, Namen, Geologie (mit Vorlagen), Oberflächenbeschaffenheir, Klima. 2. Dr. jur. B. Blau: Die Rechtsformen der Kolonisation 2 Stunden. Pacht, Erbpacht, Rentengut, Genossenschaft usw. 3. Prof. Dr. Feyeraben d-Köthen : Einführung in die arabische Sprache. 4. Königlicher Eisenbahnbauinspektor Grossheim- Köthen: Der Eisenbahnbau in den warmen Ländern. 5. Dr. ing. J o r d a n-Köthen : Pumpenbau und Bewässerung in den warmen Ländern. 6. Ing. Kayse r-Köthen : Landwirtschaftliche Maschinen und Kulturtechnik im Orient. 7. Dipl.-Ing. Kraze-Köthen: Ton-, Kalk- und Zementindustrie in den warmen Ländern. 8. Dr. jur. A. K1 e e-Berlin : Staatsverwaltung und Recht des osmanischen Reiches. Ausgewählte Kapitel. 4 Stunden. 9. Ingenieur L a n g h e i n-Köthen : Wassermotoren in den Kolonien. 10. Dipl.-Ing. Löhne r-Köthen: Die Montage in den warmen Ländern. 11. Dipl.-Ing. Michenfelde r-Köthen : Der überseeische Maschinenhandel, mit besonderer Berücksichtigung des Patentrechts. 12. Dr. Franz Oppenheimer: Genossenschaftliche Kolonisation. 3 Stunden. Kommunistische Kolonien. Genossenschaftliche Kolonien der Vergangenheit. Siedlungsgenossenschaft 13. Dr. med. A* Sandler: Krankheiten des vorderen Orients. 4—5 Stunden. Wesen der Krankheiten und ihre Bekämpfung. Persönliche Prophylaxe. 14. Dr. S. Soskin: Die wirtschaftlichen Verhältnisse Palästinas. 4 Stunden. Verkehr: Eisenbahnen, Schiffsverbindungen und Strassen. Ein und Ausfuhr. Landwirtschaft, natürliche und rechtliche Grundlagen. Ackerbau und Viehzucht. Plantagen und Gartenbau Verarbeitung der Rohstoffe. 15. Prof. Dr, O. Warburg: Der Orient als Kolonisationsgebiet. 4 Stunden. Lage, Orographie, Hydrographie, Geologie, Vegetation, Bevölkerung, Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe, Verkehr und Handel. Kolonisation : KLeinasien, Armenien, Syrien, Mesopotamien, Arabien. Eine spätere Mitteilung wird die nähere Inhaltsangabe der Vorträge der Dozenten des Technischen Instituts zu Kothen enthalten. Aenderungen sind vorbehalten. Die einzelnen Vorträge werden 2—4 Stunden umfassen. Das städtische höhere technische Institut zu Köthen und die Kommission zur Erforschung Palästinas werden die zum Verständnis der Vorträge erforderlichen Demonstrationsobjekte liefern. Die Kommission zur Erforschung Palästinas wird für die Dauer der Kurse ihre Bibliothek (Werke über Orient und insbesondere über Palästina) nach Köthen zur Benützung der Teilnehmer an den Kursen überführen. Die Teilnehmer an den Kursen haben eine Einschreibegebühr von 5 Mk. und ein Vortragshonorar von 10 Mk. für die sämtlichen Vorträge an das Sekretariat des städtischen höheren technischen Instituts von Kothen zu entrichten.

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