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Die Welt · 1905-02-24 · 8 (24.2.1905) · page 6

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
8 (24.2.1905)
Date
1905-02-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 «bi* **weit* Nr. 8 schem Quellenmaterial gelehrt, wie wir alte Bücher zu lesen haben, wie wir Echtes von Unechtem unterscheiden seilen; er lehrte un* Kritik ül>cn, jeebch nur jene echte Kritik, die besonnen und pietätvoll alles prüft, was zum Verständnis unserer Yerg'airgenboit notwendig ist, nicht aber in „gcistreiclKMi^ Hypothesen und Konjekturen sieh, erschöpft und mehr Thrheil stiftet als jede Kritiklosigkeit. Weiss hängt an der liebiüisehen Sprache mit allen. Fasern, seines Herzens, an unzähligen Stellen seiner vielen grösseren und kleineren Schriften ergreift er die Gelegenheit, es herzlich, offen zum 'Äus'drack zu bringen. TTnd eine unüberwindliche Liehe mnl Verehrung bringt er allen, denen entgegen, die die hebräische Sprache pflegen und die Schätze ihrer Literatur vermehren. Er fühlt sieh deshalb auch .zu den Juden Eiisslaiids und Polens, die sieh bekanntlich bei westlichen Gelehrten' keiner übermässigen Gunst erfreuen, hingezogen und er kann 0 r a o t z nicht den Vorwurf ersparen, dass 'dieser die Geschichte der Juden "Russlands und Polens so stiefmütterlich behandelte. Anlässlieh seines 70. Gebnrtetagos äusserte er sich in einem T>riefe an Sokolow, den Herausgeber des „Ueassif", über sein Verhältnis zu den; östlichen' Juden und drückte seine Genugtuung darüber aus, dass unter ihnen die hebräische Sprache in aller Frische lebe; für sie habe er sein Lebenswerk, seinen w-vm th "irr, die „Geschichte der jüdischen Tradition", geschrieben. Sie sind ihm auch dankbar dafür. Tu seiner Jugend schrieb Weiss auch hebräische Gedichte, wie es denn schon die Art hebräisch Schreibender war, es vor allem mit der Lichtkunst zu versuchen. Wenn aber die neuhebräische Literatur auf die Dichtungen Weiss' nicht allzu stolz ist, so ist sie es um so mehr auf seine wissenschaftlichen und historischen Leistungen, die bahnbrechend und erzieherisch gewirkt und infolgedessen unvergängliche Bedeutung in unserer ^ationalliteratur erlangt haben. M. Berkowicz. Dies gefiel meinem Tntendewer sehr gut. „Ja./' meinte er, „wenn eine konsequente Sell>stl)esteueruug durch füh rha r wäre, dan n allerdings würde die Sache praktikabel sein." Und n im folgte die Diskussion über die Art, wie das gemacht 'werde, n könnte. Mein Widerpart, interessierte sieh immer mehr für d'io Sache. Nun wollte er das Technische der Selbstbesteuorung erörtern. Wir sprachen bin und her und kamen endlich zu folgenden Schlüssen: 1. der Nationalfonds kann leicht grosse Summen bekommen, wenn für ihn f bissig gesammelt wird. — Das war nicht neu. 2. Ausser den Sammlungen im Kreise von Freunden und Bekannten, ausser den Bogen- und Büchsensanmilimgen ist von allen jüdischen Vereinen, Korporationen und Gemeinden ein Beitrag einzuziehen. — Das war schon etwas mehr. 3. Der beste Saiumliingsmodas ist die Selbst beste uerung. Allmonatlich hat ein jeder Jude, der sich überhaupt um. jüdische Angelegenheiten, kümmert, vor allem aber jeder, der sieh. Zionist nennt, eine Steuer zu leisten, so gross oder so klein er will. I) a m i. t i s t, e s a b e r n oc h nicht genug. Er muss sieh einen, eigenen Kreis bilden, dessen Mitglieder nicht nur selbst die Steuer zahlen, sondern, auch wieder Mittelpunkte anderer Kreise sind, so dass schliesslich diese Kreise alle Juden umfassen. Das wird nicht gleich sein, aber es ist in grossem Masssta.be in nicht allzulanger Zeit durch führbar. — Das schien uns das beste. Als ich nach unserer Unterredung mit einer kleinen. Liste von freiwilligen Steuerzahlern an den Nationalfou'ds die Herren verliess, da besehloss ich, die Geschichte dieser Unterhalt im g einfach zu erzählen. Vielleicht, dass andere es noch, besser machen; aber etwas, nein, viel tun müssen wir alle; denn wenn es so weiter geht, dann werden wohl manche und nicht die Schlechtesten, an dein Willen unseres Volkes, für seine Zukunft wirklich ernst zu arbeiten, irre werden. Heran, wer kein Maulheld ist! Hie Rhodus, hie salta. Schalom . . . Von unserem Nationalfonds. Gibt es Juden, die mit Zionisten verkehren und nichts von unserem Nationalfoncls wissen? Schämen wir uns nicht und sagen wir wahrheitsgemäß — ja! Als ich jüngst bei einer passenden Gelegenheit — ich finde, wenn ich es recht bedenke, jede Gelegenheit passend — für den Nationalfonds sammelte, fragte mich dti einer in aller Unschuld: „Was für ein Nationalf onus?" Und nun niusste ich ihm als Neuigkeit vermelden, dass schon seit Jahr und Tag in allen Weltteilen von Juden Gehl gesammelt werde, das Volksvennögen sein, und bleiben, das einen eisernen oder besser goldenen Fonds bilden solle, dessen Summen bei einer gewissen Höhe für Landankauf verwendet werden müssen. Und dieses Land werde nicht einzelnen, sondern dein ganzen Volke gehören. „Natürlich, Land in Palästina?" fragte die Unschuld und machte ein mögliehst ironisches Gesieht. „Ureilieh," antwortete ich. „Wenn wir aber durch allzu errosse Spenden in die Lage kommen sollten, auch in der Umgebung von Palästina Land zu erwerben, so werden wir nicht böse sein/c Das sagte ich auch ironisch, denn ich weiss leider, dass der Fall nicht so schnell eintreten wird, wenn die Sammlungen nicht energischer und vor allem beständiger vor sich gehen werden. Dann zeigte, ich die Nationalfondsinarke, erklärte die Eüchsensammlungen, die Einrichtung der Sainmelbogen und kam auch auf die Seihstbestell erring zu sprechen. Ein jüdisches Studentenheim in Lemberg. Aus Lemberg kommt die erfreuliche Nachricht, dass die Vorarbeiten für die Gründung eines Studentenheuns so weit gediehen sind, dass man in kürzester Zeit an die Ausführung dieses nachahmenswertem Projektes wird schreiten können. Die Idee, die schon lange als stille Sehnsucht unter der akademischen Jugend lebte, ging von uinseneim wackeren Gesirnungsgenossen Heinrich L ö w e n h e r z aus, der es verstand, sowohl unsere Kultus gemeinde, -die dem vorbereitendien Komitee die kostenlose Abtretung eines Platzes an Stelle des alten jüdischen Spitals in Aussicht stellte, wie auch vermögieiidc Glaubens- und Gesinnungsgenossen für diese überaus notwendigie Institution lebhaft zu interessieren. In den letzten Tagen verzeichnet das Komitee eine Spende von 1000 Kronen, die ihm vom kaiserlichen Rat Jakob Stroh zugekommen ist. Dass die Studentenschaft für die Durchführung dieser Idee rüstig arbeitet, versteht sich eigentlich von selbst. Das Projekt verdient Anerkennung und Nachahmung in allen grösseren Universitätsstädten, wo -eine grössere Anzahl unserer akademischen Bürger nur unter den grössten Entbehrungen ihren Studienweg verfolgen kann. Wenn man mit Energie an die Sache heranträte, dürfte es nicht schwer fallen, die leitenden jüdischen Kreise, wie Kitltusgemeinde, Baron Hirsch-Stiftung, die isr. Allianz, die Buai Brith und wohlhabende Persönlichkeiten für den Plan der Gründung eines jüdischen Studentenheims inWien zu gewinnen. Wir empfehlen unserer zionistischen Studentenschaft, die sich doch jetzt zu ein'e>m Verbände zusammengeschlossen hat, diese Idee einer reiflichen Erwägung zu unterziehen. Es erfüllt uns auch mit Genugtuung, mitteilen zu können, dass unsere aufopferungsfäbige und gut zionistische Leinberger Gymnasialjugend bereits gute Fortschritte und ein erklekliclies Sümmchen zur Begründung eines Gymnasiastenheims zusammengebracht hat. Oka.

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