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Die Welt · 1905-02-24 · 8 (24.2.1905) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
8 (24.2.1905)
Date
1905-02-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr . 8 „bis # weit11 Seite 5 der Synagoge und machten Miene, das Gotteshaus in Brand zu stecken. Die Juden stürzten sich auf die Plünderer, um sie zu verjagen, es wurde von herbeigeeilten Kosaken auf die jüdische Volksmenge im Hofe der Synagoge geschossen. Das achtzehnjährige Judenmädchen Dw orkin wurde getötet und mehrere Juden schwer verwundet Der Gouverneur von Mohilew, der bekannte Klingenberg, traf in Hornel ein, um die Sache zu untersuchen. Aber welchen Lauf kann und wird diese Untersuchung nehmen? Das Urteil im Homeler Prozesse hat bewiesen, womit Exzesse gegen die Juden für die Veranstalter derselben enden. Das während der Exzesse in Hornel im Jahre 1903 geplünderte jüdische Hab und Gut und vergossene jüdische Blut blieb ungesühnt. 12 Russen wurden bloss zu Arrest- und Kerkerstrafen in der Dauer von einigen Wochen bis zu zwei Monaten verurteilt, weil der Gerichtshof die Exzesse als einfache Rauferei qualifizierte. Die Stimmung unter den Juden in Hornel ist denn auch eine äusserst gedrückte. Wenn sogar Mord und Raub an Juden ungesühnt bleiben, so ist jede Hoffnung auf eine bessere Zukunft vergebens. Eine Vorbedeutung für diese Zukunft kann man doch in den Ovationen erblicken, welche hohe Staatsbeamte den antisemitischen Advokaten Schmakew und Romanenko bei deren Abreise aus Hornel dargebracht haben. Die Veranstalter der Exzesse gegen die Juden und die angeklagten Plünderer unter Führung des Gendarmerieobersten Dudkin erschienen sogar am Bahnhofe, um Schmakew und Romanenko zu huldigen. Dass dabei neuerdings gehässige Reden gegen die Juden gehalten wurden, ist ja selbstverständlich. So endete der denkwürdige Homeler Prozess. Für unsere Volksgenossen in der ganzen Welt enthält dieser Prozess ein schreckliches Urteil über die Vergangenheit und eine warnende Lehre für die Zukunft ... Gt. Aus Rumänien. Galatz, 14. Februar 1905. Die hiesigen vereinigten' Sektionen „S a m. Pineles", „Kadimah" und „Dr. Max Nordau" veranstalten während der Winterszeit zwecks Propaganda jeden Sonntag-Nachmittag m u s i k a 1 i s c h - 1 i t e r a r i s c h ei Matinees, die stets van einem überaus zahlreichen, distinguierten Publikum besucht wurden. Der seitens obiger Sektionen ersehnte und dank dem eifrigsten Bestrebens alller Vereinsmitglieder bisher auch, erzielte günstige Erfolg dieser Matinees ist der, dass unser Volksideal, der Zionismus, in alle Schichten der Galatzer jüdischen Bevölkerung drang, indem die aus purer Neugier erscheinenden N i c h t z i o n i s t e n, die früher unserer Bewegung wenig hold waren, derart begeistert werden, dass sie bald unserer Bewegung aus. eigenem Antriebe beitreten und auch noch viele andere ihrer früheren antizionistischen Gesinnungsgenossen zum Beitritt zu der einen oder der anderen zionistischen Vereinigung animieren. Die Propaganda geschieht durch die zündendien Reden der Herren Sam. P i n e 1 e s, Dr. fi e .1 f a n t, J. G o 1 d e n t h a 1, Hermann F 1 e i sc h m a nn, Bernhard K a t z, durch die Deklamationen der beiden Fräulein Klara P o 11 a k und Sophie Ooldenthal, die Gesamgsvorträge der Fräuleins Annette S c h 1 i m o w i t z und Friderike G o 1 d s t e i n und die jüdischnationale Musik der Damen: Fnau Bei gel, Fräulein Call a n e und Fräullein Sophie L u d m e r. Um das Arrangement dieser Matinees machen sich die Herren H. Fleischmann, B. Katz, A. Cahane, J. Margulies und A. Geller besonders verdient. Ganz besonderes Lob und das grösste Verdienst* um die Verbreitung unserer Idee in den Familien der von unserer Bewegung bisher abseits gestandenen Asstmilanten gebührt in erster Reihe Herrn J. S c h ö n b e r g, einem unserer eifrigsten rumänischen Gesinnungsgenossen, sowie dessen Gemahlin, die auch jüngst mit einer glänzenden Propagandarede debütierte. Frau Schönberg ist dank ihrer unermüdlichen Tätigkeit auch zur Präsidentin des neugegründeten Frauen- und Mädchenvereines „Frau Julie Herzl" einstimmig gewählt worden. Bei dieser Gelegenheit möchten wir auch noch den unermüdlichen Fleiss und die Ausdauer zweier Herren aus dem Rumänischen Fiederationskomitee hervorheben. Es sind dies die Herren H. S c h e i n (Vizepräsident) und S. Edelstein (Sekretär). Im Vereine „Dr. Max Nordau" macht sich der Präsident Herr Nathan Z i p k i s um die Propaganda sehr verdient. Die Sektion „Kadimah" beschloss in ihrer letzten Komiteesitzunc, die Herren Beruh. K a t z, gegenwärtigen Präsidenten des Vereins, und J. Goldenthal, früheren Präsidenten in Anerkennung ihrer hervorragenden Leistungen und ihres Bestrebens zur Förderung unserer nationalen Idee i nrs goldene Buch »eintragen zu lassen. Beim Betreten des Vereinslokales der vereinigten Galatzer Sektionen „Sam. Pineles", „Kadimah4' und „Dr. Max Nordau*' überkommt jeden einzelnen ein freudiges Gefühl, wenn er die Wände ringsum mit Diplomen aus dem goldenen Buche dekoriert sieht. Nebenbei bemerkt, gehört Galatz zu denjenigen Städten Rumäniens, die bisher die meisten Eintragungen ins goldene Buch vorgenommen und auch sonst die meisten Spenden für den Natiomalfonds geleistet haben. K. I. H. Weiss. (Zu seinem 90. Geburtstage.) Sang- und klanglos, im engen Kreise gezählter Verehrer und Freunde, die sich mit Kecht seine Schüler nennen, feierte vor einigen Tagen der greise Lektor des Wiener ,,Beth-Hamidrasch", I s a k Hirsch Weiss, seinen 90. Geburtstag. Es ist vielleicht mir den Wirren, die in den letzten Wochen im Osten herrschten, zuzuschreiben, dass in der hebräischen Presse, im Kreise derjenigen, ¥0 des greisen Gelehrten Jünger und Schüler nach Tausenden zählen, dieser Tag mit Stillschweigen übergangen wurde. Denn Weiss' eigentliche Heimat ist, trotz seines mährischen Geburtsortes und trotz seiner langjährigen Wirksamkeit als Lehrer in W i e n, immer dort zn suchen, wro er mit seinem ganzen Wissen, mit der grossen segensreichen Produktivität seiner Gelehrsamkeit wurzelt, in der hebräischen L i t e r a t u r d es Ostens, die seine Werke zu den besten Büchern des vorigen Jahrhunderts zählt. In der hebräischen Literatur nimmt Weiss einen hervorragenden Platz ein. Weiss selbst rechnet sich zu den Schülern östlicher Gelehrter, wie Krochmal, Kapaport, Isak Ber Lewinsohn, wenn er auch zugibt, bei Zunz viel gelernt zn. haben. In seinen „Memoiren", die anlässlich seines 80. Geburtstages (1895) erschienen sind, sollte er seine Biographie schreiben; aber ganz eigentümlich mutet es an, wenn wir diese Autobiographie aufschlagen und, anstatt das Lehen und die Wirksamkeit des Autors darin geschildert zu sehen, bis auf einige Details aus seinen Jugendjahren, nichts finden als eine Würdigung der Leistungen jener Männer, von denen er mündlich odur schriftlich gelernt, ans deren Jeschiwah. oder Büchern er sich, seine kostbaren Geist.esschätze geholt hat. So sehr tritt seine Persönlichkeit hinter die derjenigen zurück, denen er das verdankt, was er geworden ist, und die ihm zum Vorbild dienten in seiner ganzen wissenschaftlichen Tätigkeit. Weiss hatnie nach Popularität im groben Sinne des Wortes gehascht. Im Westen, wo er zwar eine stattliche Anzahl von Schülern in den talnmdi sehen Disziplinen heranzog, ist er von den breiten. Massen nur wenig gekannt. Da haben es hunderte von Rabbi neu, die ihre Weisheit in deutscher Sprache, in. Predigten und Broschüren grösseren und geringeren AVer!es der Oeffentlichkeit kundtaten, zn. weit grösserer Popularität gebracht. Weiss war es um viel Grösseres zu tun. Er wollte Ewiges schaffen, die Kationalliteratur bereicham, den stolzen inonnmeiitalen Bau der eigentlichen jüdischen Wissenschaft mit bleibendem Zierrat schmücken und er begab sich, nach dem Osten. Er schrieb seine Werke hebräisch, für die Talmudbeflissenen des Ostens, deren wissenschaftliche Verkehrssprache die hebräische geblieben ist. Ihm verdanken wir, wir alle, die in der hebräischen Literatur auferzogen sind, das Schönste; und Beste, was wir können. Seiner „Geschichte der jüdischen. Tradition" verdanken hunderte und tansende von Autodidakten die historische Schulung, die Anleitung zu methodischer Behandlung des verworrenen talnradischen Wissens, das sich in unseren Köpfen vom zartesten Jugendalter aufgehäuft. Weiss hat uns auch in verschiedenen Ausgaben von. talmudischem und nachtalrnudi-

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