Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 8 (24.2.1905)
- Date
- 1905-02-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 8 „bl* $ Welt" Seite S Juden hätten ihre besonderen kulturellen und wirtschaftlichen Interessen, bilden stets eigene mehr oder minder von den übrigen scharf abgesonderte Gruppen, seien ein eigenes Volk, wenn sich gerade auch in 'Ungarn, durch politische und wirtschaftliche Momente getrennt, bei diesen Wahlen besondere jüdische Parteierscheinungen bildeten — dies hat ja für den „Egyenlöseg" gar nichts zn bedeuten. Hier ist diese Beeinflussung der israelitischen Wähler nur vom konfessionellen Standpunkte aus zu beurteilen — es ist also eine ganz gemeine klerikale Politik, die da getrieben wird. THese klerikale Politik ist nicht nur auf dem Papier geblieben — der Herausgeber des „Egyenlöseg", Herr S z ab o 1 o s i M i k s a, hat ja sogar zugunsten dos Justizministers in einer „Versammlung israelitischer Wähler" im TX. Bezirke gesprochen. Wonach, eigentlich das Israolitentum in dieser Versammlung* bemessen wurde -— sind es Leute, die nach den Satzungen dos Schul eh an -Amol) leben oder jene, die mindestens den Sabbat halten, oder auch jene, die am Jona Kippurta<re nicht offentlieh essen, oder überhaupt alle jene, die in den Matrikel- und Tnvcntarbüchern einer israelitischen Gemeinde geführt werden? Dabei sollen also alle diese Leute, deren Gemeinsames in religiöser Beziehung bloss das „Nicht an das Christentum glauben" ist, besondere konfessionelle Interessen haben! Zu dieser Logik muss sich eben Herr Szabolesi bekennen, wenn er eine jüdische Versammlung' in politischen Dingen einberufen will, und doch keine» jüdische Nationalität anerkennt. Dehnsens, gerade in dieser Versammlung war ja vom alten Ballagi die Bede, hei dem, als er schon längst getauft war, der jetzige Herausgeber des ,.E°yenlöseg" und anscheinend noch andere TCauazitäten der uuurvari sehen Gesellschaft mosaischer Konfession zur Zeit der Tisza- Eszlarer Kampagne erschienen — um von ihm. mit Berufung auf das alte Israel, dem er ja auch angehöre, einen Artikel gegen die Bhifbesehrldurung zu verlangen. Nieht nur, dass also im Austritte aus clor mosaischen Konfession bei grossen Männern nicht einmal vom „Egvonlöseg" etwas Anstössiges gefunden wird — und tätlich lieh hnt wohl noch nicht ein ,.Magvare mosaischer Konfession" gegen Dr. Max Falk agitiert, weil dieser einst den Glauben der Väter verlassen — sondern es scheinen so'O'ar die aus der mosaischen Konfession Ausgetretenen noch etwa? mit dem . Jsraclitontum" Gemeinsames zu haben. (Ein ungarisches Blatt sagte dieser Ta^ über einen getauften Abgeordneten.: ..Er hat etwas X i c h t r e n k tionäros in seinen Gesichtszügen.") Die israelitische Versammlung im TX. Bezirke richtete sich gegen Dr. "Mfadar Ballack weil dieser ein besonderer Antisemit sei. Dr. Ballagi hat dies entschieden widerruf eu — und' ist übrigens trotz der israelitisch-klerikalkonfessionellen "Manifestation bereit* eins* im mm gewählter Abgeordneter — es wäre aber allerdings nicht so ohne, die Frage, wie viel unter den Abgeordneton und sogar speziell unter den liberalen Abgeordneton Antisemiten sind. Das Judentum als "Religion mag: ia den meisten schnrmpo sein, aber die Juden als Individuen. r>h Re<se. als Volk bekämpfen viele. Ja, die Juden nls Volk, lieber ,,Egyenlöseg", und zwar in liberalen Pfirtcikreison! Tn Miateszalka, einem kern ma^yari seh m, reformierten Bezirk des Szatmarer Tvonutates stellte die Vnnhhängigkeifspartei einen jungen Juden — pardo-n. Maswaren, mosaischer Konfession. Dr. Michael S z u n v o g. als Kandidaten auf. Die liberale Partei — und. dem Wahlresultate zufolge ist sie in diesem Bezirke sehr stark — hat diese.-; ..Pardon" nicht gerufen, sondern in ihrem Aufrufe betont, d a s s sie wohl die A b s t a m m u n g nieman d e m v o r wirf t, aber vor diese m J u d e n warne, d e r seinen N a m e n „S trasse r" i n ,.S z u n y o g" v e rw a n d e 1t, u ra etwas zu f äl sehen, zu verstecken, um den Magyaren, derernichtist, zu spielen. Gibt es eine schärfere Absage an die Assimilation? Die abgeflossene Wahlkampagne hat sogar eine noch grössere Abwehr der Assimilationsbestrelmngen gezeitigt und ein einfacher bäuerischer Gemeindemt in P e c s k a hat die Stilisation besorgt. Es mögen, lautete sein Antrag im Genieinderate, die Namen, der Wähler, welche für die liberale Partei gestimmt haben, unter Trauerrand auf der Gemeindotafel aufgeschrieben werden, mit Ausnahme d o r J u d e n, d e n n diese haben i n dies e m L a. n. d e k e i n e t a u s e n d j ä h r i g e V e r g n n g e nh e i t. Mit einer solchen TTmSchreibung begründet der biedere. Nagv Tstvan, dass die Juden in PYigam eine besondere Nationalitiit sind, daher weder Magyaren noch Pumänen. Ob es ihnen zum Torf eil gereicht, oh zum Nach l eih überall scheint man heute zu wissen, dass die ungarischen Juden mehr sind als eine blosse Konfession. Die Juden selbst fühlen es. dass sie eigene Interessen haben., eine eigene Abwehr bei nllen Angriffen braueheu, und flüchten sich unter das konfessionelle Dach, gegen das ohnehin niemand geht. Wer das. ableugnet, was offenkundig und feststehend ist, kann nur die Politik des Vo<rel Siranss treiben — und darum kann das Ableugnen der jüdischen Nationalität in Ungarn, das ja übrigens zn den Possen reissweien des ,.TC<rvonlöseg" führen muss — einmal n'tir traurige Folgen hal>en. An die ungarischen Assimilanten richten nker die letzten Vorfälle <uno ernste "MVdmun <r. Weder in Mates^znlka. noch in Pecska edht es Ziouisten. Die bisher] <ro Xnmnf erweise wider die Ziouistcu. Anrufen der Geudarni'-m. des St e rl th n u r>t m a im es, der Sfantsanw;;! j seleift, das Boschuldi'o-on des Landesverrates, km-z all die Kriftel, wie sie in Na£Vvarad, Ovör. Poz^nnv etc. nrobiert wurden, helfen nicht. (Tin7 ohne Mitwirkung der Ziouisbu vwln-eibd sieh im ganzen Lande die Meinung, dass die Juden keine M.agvriren seien. Da gibt es ^bon nur ein ATiffod dagegen: das „.Mairvareuf um mosaischer TvonPcssiou" pnienti^ron zu lassen, und wer es dann und seine "Rehlheit an.?Tcifi, wi»*d eimresnerrt. Wenn auch schliesslich zum Schlüsse alle ..nichtmosaischen" M'niryarm im Kerker shzon --- die ungarischen Juden sind und bleiben doch M'a Ovaren! La. ,,ludewerfolqunrjen" und „Zukunft des Judentums'1. Zwei Sendboten der Firma Rudolf Messe kamen kürzlich nach Breslau. Zuerst Herr Redakteur J. Kastau vom „Berliner Tageblatt". Er sprach im „Verein für indische Oesehichte (!) und Literatur" über ..Judenverfolgungen in alter, mittlerer und ueue?ier Zeil". Wenn ein Jude heutzutage vor Juden über -oleh ciuThcma spi'icht und das Publikum weinte, so wäre es kein Wunder — wenn das Publikum aber vor Lachen weint . . . 0 ^o g"sehab es nämlich. Das Publikum amüsierte sieb köstlich. Besonders anmüsanf war es, wenn der "Redner sehr oft Talsachen, die er anführen wollte, zur Hälfte vergessen hatte und sieh dann saus srene (wie er ja. auch seine B. T. Bemerkmigmi iiher Zionismus schreibt^ an den nebenan sitzenden Vorstand, um Aushilfe wandte. \/Wcr weiss denn heute noch." sagde er einmal, „dass im zweiten Buche Mosis schon das Gebot der Nächsten Ii ehe steht? Oder sbdiPs in« dritten? Genau weiss ich's nicht," Dies ein kleines Beispiel. TTnd dieser Manu mit seiner so vorzüglichen S'-w-kkenninis kam zum Schluss seines Vortrages auf den Zionismus zu sprechen und hielt den Zionisten ..Fnkenntms historischer Tatsachen" vor. Herr Ivastan den Zionisten! Und dann behauptete Herr Ivastan in seiner wunderbaren Sach-