Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 7 (17.2.1905)
- Date
- 1905-02-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 „bie * w^it11 Seite 13 Mazzoth zu sein, die ja in Japan selbst nicht zu haben sind. Der „Gemeindevorsteher" bittet deshalb, unter seiner Adresse für ihn und seine Mitgefangenen Mazzoth zu senden. Die Palästinareise. Die Palästinareise kann als vollständig gesichert betrachtet werden. Es wird ein mit allen Komfort ausgestatteter Dampfer zur Ueberfahrt benutzt werden. Von den 600 Angemeldeten haben bloss 88 die Angabe von 200 K erlegt Die Frist zur Anmeldung und zur Einsendung der Angabe wurde bis zum 15. Februar verlängert. Es ist dies der letzte Termin. Nachher werden keine Anmeldungen mehr entgegengenommen. Von den 96 Teilnehmern sind die Hälfte nichtungarische Staatsangehörige, welche durch den Aufruf in der „Welt4* auf diese Palästinareise aufmerksam gemacht wurden. Den ausländischen Gästen, welche Budapest sehen wollen, stehen die Komiteemitglieder bereitwillig zur Verfügung und werden ihnen die Sehenswürdigkeiten und jüdischen Institutionen Budapests zeigen. Das Fahrkartenbureau veranstaltet am 6. März im „Hotel Royal" einen Teeabend mit Zigeunermusik. Die Passagiere sollen sich daselbst kennen lernen. Eine aitjüdische Stadt. Nach türkischen Zeitungen ist eine altjüdische Stadt bei dem Weiterbau dier Mekkabah-n über Maan hinaus in m-enschenleerer Gegend entdeckt worden,. Die Eingeborenen nennen den Ort Wadi-i-Mussa, Tal des Moses. Ein Bauwerk von gewaltigen Abmessungen und ein Amphitheater soll man unter den Trümmern mit Sicherheit unterscheiden können. Wnen es wahr ist, was von dem gesunden Klima, der Nähe von Wasser und Wäldern, von verwilderten Obstbäumen und Weinreben dieser Gegend berichtet wird, in der ein Hügel das Grab des Aron genannt wird, so muss man staunen, dass der Ort nicht längst von neuem bevölkert worden ist. Nach der geographiscIlten Beschreibung der Türken kann man sich die Lage des Ortes nur ungenau vorstellen. Die Türken behaupten, der Ort läge zwischen dem See des Lot, dem Lande Gazael- Chalil und Maan. Mit dem kindlichen Optimismus des Morgenländers wird auch in Aussicht gestellt, dass man nach zwei Jahren, sobald die Mekkabahn bis an die Tore der heiligen Stadt Mohammeds gelangt sei, bequem die alte jüdische Stadt werde besichtigen können. Die Juden unter türkischer Herrschaft. In den Ländern, die jetzt zur Türkei gehören oder früher zu ihr gehört haben, leben gegenwärtig nicht weniger als 2,180.000 Juden. Davon befinden sich auf dem Balkan 233.770, in Kleinasien 51.270, in Armenien und Mesopotamien 53.2E0, in Arabien 45.000, in Tripolis 17.500, in Aegypten 21.800 und in Palästina und Syrien 89.612. Von den Balkanstaaten zählt Serbien 6500, Griechenland 9000 und Bulgarien 33.663 und die europäische Türkei 184.637 Juden. Ferner wohnen auf der Insel Zypern und Rhodos 5868 Juden. Ueber die Zahl der Juden in Palästina liegen neuere Daten nur aus zehn Städten vor. In Jerusalem bilden die Juden mit 28.838 Seelen 62 5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die meisten Juden weist demnächst Safed auf, 7144 56-35 Prozent der Gesamtbevölkerung. An dritter Reihe steht Tiberias mit 3205 c= 63 46 Prozent. In Jaffa wohnen 2970, in Cbaifa 2375 und in Hebron 1130 Juden. Es folgen Akka mit 130, Ramie mit 99, Gaza mit 75 und Nablus mit 31 Juden und 110 S am ar itanern. Im ganzen wohnen in den zehn Städten Palästinas 45.000 Juden unter 21.889 Christen und 117 833 Mohamedaner. Von diesen 45,000 Juden, zu denen noch 8000 jüdische Kolonisten und zerstreut lebende Juden hinzugerechnet werden dürfen, sind 24.4;8 Aschkenasim, 15.331 Sephardim. Der Rest besteht aus 2420 Marokkanern, 1228 Yemeniter, je 530 Persern und Bucharern und 670 Grusiern. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. „Das neue Jerusalem." Ein jüdischer Roman. Verlag von Adolf Bonz u. Co., Stuttgart. Der Verfasser hat es für gut befunden, sich in das Dunkel der Anonymität zu hüllen. Er hat gut daran getan. Er wird wenigstens nicht sagen können, dass die zweifellose Ablehnung, die sein Roman von allen Seiten, finden dürfte, auf persönliche Gegnerschaften zurückgeführt werden müsse. Ablehnung von allen Seiten sage ich. Nicht nur wegen des literarischen Mindergehaltes. Auch der Soziologe, der zufälligerweise dieses Buch in die Hand bekommen wird, auch der Kulturhistoriker wird es verwerfen. Selbst der Antisemit, der manches darin finden wird, was ihm recht wohl behagt, wird sich nicht befriedigt fühlen. Es kommen nämlich im Buche auch ein paar sozusagen anständigere Juden vor. Für einen parteimässigen Judenfresser unverdauliche Kost. Am härtesten wird der Arzt das Buch verurteilen. Was uns der Verfasser mit ganz ungebührlicher Weitschweifigkeit und sichtlichem Behagen von der sexuellen Perversität und dem sexuellen Leben der Juden überhaupt erzählt, mit der ausgesprochenen Tendenz, dem Leser beizubringen, dass es sich um spezifisch jüdische Eigenschaften handle, das wird der Arzt mit einem grimmigen Lachen aufnehmen, namentlich der Arzt der Grossstadt, in der dieser Roman sich zugetragen haben soll. Wer solche Behauptungen aufstellt wie der Verfasser des Buches „Das neue Jerusalem", der ist entweder ein lächerlicher Ignorant oder ein dummer Verleumder. Nirgends tritt die absolute Unfähigkeit des Verfassers klarer zutage als da, wo er über diese Dinge ganz im Argot der ekelhaftesten antisemitischen Schandblätter spricht. Es ist vollkommen unnötig, das zu widerlegen. Kann man aber den Ekel überwinden, den diese Partien des Buches — es sind leider die breitesten und häufigsten — einem jeden normal Fühlenden einflössen müssen, dann wird man einzelne gute Beobachtungen über das Treiben der jüdischen Grossbourgeoisie der Taufjuden und des verrottetsten Assimilantentums lesen, die allerdings in zionistischen Büchern schon längst viel besser und mit viel grösserer Sachkenntnis vorgebracht wurden. Und das ist es, was mir noch zu einigen Worten über den zionistischen Einschlag Veranlassung gibt, den der Verfasser seinem Buche gab. Ich muss es entschieden ablehnen, dass der zionistisch angehauchte „Held" des Buches etwa als ein Typus eines zionistischen Juden angesehen werde. Was an leuchtendem, vollwichtigem, geistigem und sittlichem Metall in unserer Bewegung liegt, soll durch einen solchen Jammermenschen, der haltlos hin- und herschwankt, bis er aus rein sentimentalen Gründen zu seinem Volke zurückfindet, nicht zu einer wertlosen Legierung herabgedrückt werden. Der Zionist dieses Buches ist fast so unwahr wie der edle arische Leutnant, der uns als Muster aller Tugenden, die den verkommenen Juden fehlen, vorgeführt wird. Doch die Verlogenheit der verschiedenen Typen ist so krass, dass es sich nicht verlohnt, darüber mehr zu sprechen, als zu ihrer Feststellung erforderlich ist. Vielleicht ist auch das schon mehr, als das Buch verdient. W. AI eise hin, „Judenkinder". Aus dem Russischen von Sonja Werner. Bd. XL. Wiener Verlag 1905. Der geistvolle Verfasser des Werkes „Aus dem Tagebuch eines sibirischen Sträflings" bietet in diesem Bändchen ebenfslls ein grau in grau gemaltes Bild aus dem Leben jener Verbannten, nur dass er hier einer armen Judenfamilie mehr Platz gönnt. Man sollte meinen, dass unter diesen sibirischen Sträflingen, die von Gefängnis zu Gefängnis geschleppt werden, J^ein Unterschied herrscht; aber auch hier ist der Jude der Prügelknabe. „Wohin kriechst du, verdammter Jud? Siehst nicht, dass vor dir Menschen stehen?" fährt man — mit Begleitung eines tüchtigen Rippenstosses - den Moisehe, der seine Frau im Gefängnis sterben sah und nun mit fünf Kindern in einem anderen Kerker schmachtet, barsch an. Und als er erwidert: „Ich bin vielleicht kein Mensch, was? Meine Kinder sind was anderes wie deine, was? Die wollen nicht ebenso essen und trirken wie deine?" entgegnete der arische Sträfling: „Ach, du jüdische Fratze, der will hier auch noch reden! Du willst auch ein Mensch sein?u Doch Moisehe gibt nicht nach und „tritt energisch für seine Menschenrechte ein". Und nun folgt eine grauerhafte Szete. Die Kinder sollen ir das Almenasyl, das sie aber wegen der prozentuellen Ueberfüllung nicht aufnehmen will. Man zerrt den Alten ins Gefängnis. Da geschieht das Unerwartete. Wie ein verwundeter Löwe schreit Moisehe auf: „Wie? Judenkinder, das sind wohl junge Hunde, die man hinausjagen kann in den Winterfrost? Wollen nicht ebenso essen, trinken, sie weinen nicht ebenso wie andere Kinder? Ich gehe nicht ins Gefängnis, ich lasse sie nicht auf der Strasse stehen, so schlagen Sie mich doch lieber tot. . . Hab ich denn keine Seele in mir, dass ich mein Fleisch und mein Blut verlassen sollte, um mich selbst zu retten Mit packendem Realismus ist diese Skizze geschrieben, ein Momentbild ohne jegliche Retusche, grauenhaft und bitter, wie das Leben selbst. Nein, Judenkinder weinen nicht ebenso wie andere Kinder. Sie weinen anders : tiefer, schmerzlicher — wie Ahasver. M. Na—r. Maxim Gorki, „Judenmassaksr". Wiener Verlag, Band XXX. Wien, 1905. Der Dichter füht uns in der Titelskizze die Greuel von Judenmisshandlungen vor, Judenmisshandlungen in ihrer barbarischen Art, deren nur die aufgehetzten russischen Bauern fähig sind. Objektiv ohne jeglichen Kommentar stellt Gorki uns diesen Ausschnitt aus den unglückseligen Kischinewer Tagen dar. Doch wissen wir, dass der Dichter stets an unserer Seite in Not und Gefahr stand und steht. Die übrigen Skizzen des Buches bezeugen Gorkis bekannte Maisterscbaft. M. Na—r.