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Die Welt · 1905-02-17 · 7 (17.2.1905) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
7 (17.2.1905)
Date
1905-02-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 „bi* & Welt Nr. 7 W«ft--<SbFoi)ik- Eine Gedenktafel an Herzte Geburtshaus. Der Verein „Ahavath Zion" in Pressburg hat beschlossen, mit den anderen zionistischen Vereinen Ungarns in Verbindung zu treten, damit eine Gedenktafel an Dr. Theodor Herzls Geburtshaus in Budapest angebracht werde. Auch ein Grund! Im russischen „Jurist* wird berichtet, dass der Vizegouverneur von Bessarabien seinerzeit 15.000 Exemplare einer Predigt des Bischofs A n a t o 1 konfiszierte, „weil — so hiess es im Motivenbericht — diese Predigt einen schädlichen Einfluss auf das Volk dadurch üben kann, dass sie die Christen ermahne, mit den Juden in Frieden und Eintracht zu leben*. Aus Trebitsch. * Die Beerdigung des am 5. d. M. hier verstorbenen Kultusvorstehers und Grosskaufmannes Herrn Leopold Ornstein, welche am Dienstag den 7. d. M. stattfand, gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung der hiesigen Bevölkerung. Zahlreiche Freunde und Bekannte des Verblichenen hatten sich im Trauerhause, in dessen Vestibül die Leiche aufgebahrt war, eingefunden. Nach Absingen eines Psalmes durch den Oberkantor Herrn M. Fuchs sprach namens de« hiesigen Männergesangsvereines Herr S. Fried warme Worte des Abschiedes, worauf die Vereinsmitglieder einen ergreifenden Chor sangen. Dann wurde die Leiche, geleitet von einem langen Zuge, an dessen Spitze das Veteranenkorps, die Feuerwehr, die Mitglieder des Männergesangsvereines und die des Lese- und Geselligkeitsvereines dahinschritten, nach der alten Synagoge gebracht. Im Tempel hatten sich inzwischen der Bezirkshauptmann Statthaltereirat J. Schoch mit den Beamten der Bezirkshauptmannschaffc, der Bürgermeister der Stadtgemeinde Trebitsch J. F. Kubes mit sämtlichen Gemeinderäten, Vertreter der Statthalterei und städtischen Behörden, ferner der Bürgermeister der Gemeinde Unterkloster und der israelitischen Gemeinde Trebitsch, die Vertreter der Kultusgemeinde Gross-Meseritsch und anderer Gemeinden, der Ausschuss der Chewra Kadischa und viele andere eingefunden. Nach den üblichen rituellen Gesängen feierte Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. Pollak die ausgezeichneten Eigenschaften des Dahingeschiedenen. Der Männergesangsverein vereint mit dem Tempelchor sangen einen Trauerchoral. In der Zeremonienhalle, welche ihre Erbauung der tatkräftigen Initiative des Verstorbenen verdankt, nahm, nachdem Herr Oberkantor M. Fuchs in ergreifender Weise unter Assistenz des Tempelchors das „Hazur Tomim" rezitiert hatte, Se. Ehrwürden namens der Verwandten, namens des Kultusausschusses, namens der Beamten und Bediensteten, namens der Freunde und zahlreichen Bekannten des Verstorbenen Abschied von dem Toten. Es flössen viele Tränen aufrichtiger Trauer. M. F. Paul Tencer gestorben. In der vorigen Woche ist Paul Tencer in seinem 70. Lebensjahre in Budapest gestorben. Er war der hervorragendste Vertreter der jüdischen Journalistik Budapests und hat als solcher im politischen und gesellschaftlichen Leben Budapests eine sehr grosse Rolle gespielt. Sein Streben ging dahin, das Verhältnis der magyarischen Nation zu den Juden zu einem möglichst herzlichen zu gestalten. Jüdische Abgeordnete im ungarischen Abgeordnetenhaus. An der Zahl der ins ungarische Abgeordnetenhaus gewählten jüdischen Abgeordneten hat sich gegen die vorigen Wahlen nichts geändert. Es wurden nämlich 20 Juden gewählt. Nur ihre Parteigruppierung ist eine andere als früher, da nun mehr jüdische Abgeordnete der Unabhängigkeitspartei angehören. Früher waren 12 Liberale, 7 Kossuthianer. 1 Demokrat Juden, jetzt sind 10 Kossuthianer, 7 Liberale, 2 Demokraten 1 Dissident. Wiedergewählt wurde unter anderen Visantai, Szatmäri, Rosenberg, Veszj, Sändor, Väzsonyi gegen den Handelsminister Hieronimy und Revai gegen den bekannten Sportsmann Nikolaus v. Szemere. Eindämmung der jüdischen Einwanderung nach Ungarn. Der ungarische Landesagrikulturverein richtete an die Stadtbehörde von Budapest das Ansuchen, die an das Ministerium des Innern gerichtete Eingabe, betreffend die Eindämmung der Masseneinwanderung aus Galizien, Rumänien und Russland zu unterstützen. Der Magistrat schloss sich in seiner Vorlage der ganz ausserordentlich strenge Massnahmen fordernden Zuschrift des Agrikulturvereines nicht an, sondern beschloss nur, an das Ministerium eine dringende Eingabe zu richten. Dieselbe wird das Inkrafttreten der die Einwanderungsfrage und Grenzgendarmerie betreffenden Gesetze urgieren. Für die zum ständigen oder zeitweiligen Aufenthalte hier eintreffenden Fremden soll die Einwanderung nur durch bestimmte Stationen gestattet werden. Allgemein wurde aber gegen den gehässigen Ton der Zuschrift i des Agrikulturvereines, die sogar von ,einem fluchbeladenen Volksstamme* spricht, Stellung genommen. Die Magistratsvorlage wurde genehmigt. jüdische Handlungsreisende in Russland. Der von der „Nord* deutschen Allgemeinen Zeitung" auszugsweise mitgeteilte Handelsvertrag Deutschlands mit Russland enthält als Art. 5 über das Pass- und Legitimationswesen folgende neue Bestimmung: „Die Gültigkeitsdauer. der Passvisa wird in Russland auf einen Zeitraum von sechs Monaten erstreckt. Die Bestimmung erstreckt sich auch auf die Passvisa der deutschen Handlungsreisenden mosaischer Religion. Die Gebühr für die Erteilung der Auslandspässe an die in Russland wohnenden Deutschen wird den Betrag von 50 Kopeken nicht überschreiten." Bekanntlich wird gegenwärtig den jüdischen Handlungsreisenden das Passvisum nur auf drei Monate erteilt; sie sind somit nach Inkrafttreten des Vertrages den christlichen Reisenden, für welche die sechsmonatliche Dauer bereits bestand, gleichgestellt. Noch in anderer Hinsicht: Bisher müssen in Russland reisende jüdische Kaufleute für den Gewerbeschein 300, die christlichen nur 150 Rubel zahlen. Laut einer neuen Bestimmung in Artikel 13 des Handelsvertrages werden künftighin bei der Erteilung von Gewerbescheinen Christen und Juden gleich behandelt, indem die allgemeine Gewerbesteuer für deutsche Geschäftshäuser, die in Russland reisen lassen, auf 150 Rbl., die persönliche Steuer für jeden Handlungsreisenden auf 50 Rbl. festgesetzt und ausdrücklich hinzugefügt wird, dass für jüdische Geschäftsinhaber kein Unterschied mehr bestehen soll. Hingegen scheint die Beschränkung, dass unsere Stammesgenossen für Reisen im Innern Russlands ein besonderes Visum und für noch so kurzen Aufenthalt im Don- und Terekgebiet einer speziellen Erlaubnis der Militärverwaltung bedürfen, in Kraft zu bleiben; wenigstens ist aus den bisherigen Veröffentlichungen das Gegenteil nicht zu ersehen. Arbeit für russische Emigranten. Endlich haben sich einige jüdische Grossindustrielle in Galizien entschlossen, ihren armen heimatlosen Brüdern Arbeitsgelegenheit zu geben. Nach einer Mitteilung des Lemberger „Tagblatt" hat sich die Petroleumraffinerie in Jaslo bereit erklärt, 8 bis 10 tüchtige Schlosser zu beschäftigen, ferner werden in der dortigen Dampffabrik für Holzproduktion aufgenommen: 1 Werkführer, 10 Handtischler für Bauarbeiten, 2 bis 3 Maschinentischler, 4 bis 5 Bauschlosser. Reflektanten sollen sich an Dr. A. Kornhäuser in Jasio wenden. Wird dieses Werk der Brüderlichkeit, das, wie es scheint, durch Vermittelung unseres letztgenannten Gesinnungsgenossen ausgeübt wird auch gehörige Nachahmung finden? Es wäre freilich wünschenswert! Krg. Ausweisung jüdischer Emigranten. Wie das Lemberger „Jüdische Tagblatt" unterm 31. v. M. berichtet, verliessen vorige Woche 30 jüdische Emigranten, die in Lemberg keine Arbeit finden konnten und von der Polizeibehörde an dem weiteren Verbleiben verhindert waren, die Stadt, um sich zu Fuss nach Hamburg zu begeben. Das „Tagblatt" entwirft von diesem traurigen Zuge, der von einem zahlreichen, leider unbemittelten Publikum, das nicht helfen konnte, begleitet wurde, ein rührendes Bild des Jammers. Die Aermsten unter den Zuschauern dieser Golus- Szene haben eine Sammlung eingeleitet, die kaum 100 Kronen ergab; das war das höchste, was sie ihren wandernden Brüdern mit auf den „Fussweg" zu geben vermochten. Weder der Kahal noch Dr. Caro, die ein sogenanntes Komitee zur Unterstützungder Emigranten leiten, kümmerten sich um das Los der Unglücklichen. Die Lage ist um so schlimmer geworden, als die Polizei nach einem weiteren Berichte des genannten Blattes vom 1 d. M. auch diejenigen Emigranten, die in Lemberg Beschältigung gefunden, zwingt, im Laufe von drei bis acht Tagen die Stadt zu verlassen. „Wo ist der Kahal? Wo ist Dr. Caro mit seinem Komitee?" schliesst das „Tagblatt". Weshalb werden denn keine christlichen Deserteure ausgewiesen? ... Krg. Jüdische Kriegsgefangene in Japan. In Matzujama (Prov. Jjo) sind zirka 100 jüdische Kriegsgefangene interniert, welche von der japanischen Regierung sehr gut behandelt werden und sogar das Recht erhielten, eine eigene Gemeinde zu bilden, welcher es jedoch mit Ausnahme eines „Gabbe", den sie sich in der Person ihres Leidensgefährten Pinches Rachesky selbst gewählt haben, so ziemlich an allem fehlt. Sie besitzen weder Tefillin noch Talessim noch Gebetbücher etc. Da Pessach naht, fürchten sie, ohne

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