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Die Welt · 1905-02-17 · 7 (17.2.1905) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
7 (17.2.1905)
Date
1905-02-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 flbi$ * W^lt Nr. 7 Es kann aber auch niemanden wundern, wenn es unter solchen Umständen den Juden immer schlechter geht und niemand wird es bezweifeln, dass die Juden selbst, oder besser gesagt, die gegenwärtigen jüdischen Vertreter an diesen desolaten Verhältnissen Schuld tragen. Es unterliegt nämlich keinem Zweifel, dass die Juden Lembergs eine Macht bilden könnten, mit der man rechnen müsste, wenn unsere Kultu&vorstände nicht solche bejammernswert? Politik machten und wenn sie in erster Linie jüdische Interess-en /Ai vertreten sich angelegen sein Hessen. Mit anderen Worten: Das Lüstlings wort unseres verewigten Führers rnuss in Tat umgesetzt werden: „Zionisten erobert dk Kultusgemeinde/ Eher wird eine Verbesserung der Lage nicht eintreten. Von diesen geht in Galizieu und auch anders wo der unheilvollste Linfluss aus und wie die Vertretung der Kultusgemeinde ausschaut, so schaut es auch in allen übrigen Vertretungen aus. Auch die Zionisten nehmen am gegenwärtigen Wahlkampfe regen Anteil. An ihrer Spitze das Mitglied des Aktionskomitees. Herr Adolf Stand, der durch seine hin reissende Beredtsamkeit eine mächtige Wirkung übt. Doch scheinen die Aussichten für die oppositionellen jüdischen Gruppen gering zu sein, weil solche Wahlen gewöhnlich von der christlichen Schiitzenpartei im Ver eine mit dem Kahalpräsiideiiteii Byk „gemacht" werden. Zum Schlüsse möchte ich Ihnen noch ein erbauliches Geschichten j i erzählen, das jetzt in der polnischen und jüdischen Publizistik grosses Aufsehen erregt. Wir haben hier eine Talmud Thora- Schule, die von ca. 1Ü0U Kindern frequentiert wird. Die Schule ist eigentlich ein altmodisches Oheder und das Haus, die Schulz immer, der Unterricht ist geradezu ein Hohn auf jede Kultur. Vor einigen Tagen wurde in dieser Schule eine epidemische Augenkrankheit konstatiert. Der Stadtarzt verfügte wegen der sanitätswidrigen Zustände, in der sich Schule und Kinder befinden, die Sperrung derselben, doch hat der Bürgermeister auf Veranlassung des K;:ltuspräside>iiteii die Schule wieder öffnen lassen, um nicht die orthodoxen jüdischem Wähler bei den Gemeinderatswahlen aufzureizen. Ob und wie man diesen gefährlichen Zuständen abhelfen will, davon haben wir noch gar nichts vernommen. Oka. Anregungen für den nächsten Kongress. Anlässlich des bevorstehenden Kongresses erlaube ich mir auf einige Uebelstände hinzuweisen: 1. Infolge der neuen Wahlordnung werden jetzt Delegierte zum Kongresse von 200 Schekelzahlern gewählt. Die Zahl der Delegierten wird, daher im Verhältnisse zum letzten Kongresse bedeutend vermindert werden. Eine recht grosse Anzahl warmiühliender Zionisten, denen es ein Herzensbedürfnis ist, am Kongress aktiven Anteil zu nehmen, hat der beschränkten Zahl der Mandate wegen absolut keine Aussicht, gewählt zu werden Um nun gerecht zu werden, wäre es dringend angezeigt, dass jetzt, entgegen der Gepflogenheit, die vielen Mandate, die oft einer Person zufallen, den anderen sehr zahlreichen Kandidaten, deren Beteiligung an den Kongressarbeiten der Bewegung nur förderlich sein könnte, übertragen werden. Wenn somit ein Genosse bereits gewählt ist und ein zweites Mandat erhält, wäre es wünschenswert, dass er auf das zweite Mandai Verzicht leiste. Sache des. A.-C. wäre es, auch darauf zu wirken, dass e i n Delegierter auch nur ein einziges Mandat inne habe. Zweckmässiger wäre es, wenn sich die Kandidaten rechtzeitig anmelden und das A.-C. in der „Welt" die Kandidaten allwöchentlich bis zur Wahl namhaft mache. 2. Opportun wäre es, die Wahlen mit mehr Ernst u behandeln. Wie gehen denn in manchen Orten die Wahlen vor sich? Knapp vor dem Kongress, also zur Zeit der Sommerferien, wo die meisten verreist, die Mittel- und Hochschulen geschlossen sind, daher auch di<© Gymnasial- und akademische Jugend, die ein grosses Kontingent bildet, auch vom Hause abwesend ist, wird der Wahltag bestimmt. Es kommt dann eine geringe Anzahl Schekelzahler zusammen und die Wahl wird vollzogen. Ist das nicht eine pure Komödie? Es ist daher unbedingt notwendig, 'damit die Wahl keine Fiktion sei, dass sie spätestens in der zweiten Hälfte des Juni, wenn noch alle zu Hause sind, so dass eine gewisse Beratung stattfinden kann, wenn noch mindestens zwei Drittel der Schekelzahler zusammen kommen können, abgehalten werden soll. 3. Wenn somit die Wahlen regelrecht und zur gehörigen Zeit abgehalten werden, ist dann das A.-C. auch in der Lage, den Delegierten die Legitimationskarte ins Haus zu schicken, um nicht., wie beim letzten Kongresse, die Delegierten Unannehmlichkeiten auszusetzen und das Ansehen des Kongresses zu gefährden. Statt dass die Delegierten noch vor Eröffnung des Kongresses miteinander konferieren, umlagerten anlässlich des VI. Kongresses hunderte sowohl von Delegierten als auch vo;i Einlassbegehrenden, tagsüber die Kongresssäle und das Stiegenhaus, um sich durch Püffe und Faustkämpfe den Weg ins Sanktuarium des Legitimationsbureaus zu bahnen. Und oft passierte es einem, dass er erst von hier in ein zweites, eini halbe Stunde vom Kongresishause entferntes Bureau geschickt* wurde und von dort wieder zurück. Einen Bekannten im Legitimationslureau zu finden, rechnete man sich als Glück an, man bettelte einfach um die Legitknatioriskarte! Und trotz alles Bemühiens sind am ersten Tage des Kongresses, wie seitens eines Delegierten öffentlich am Kongresse Beschwerde erhoben wurde, über 100 Delegierte draussen gebliel en, weil sie keine Eintrittskarten erhalten konnten. — Es ist ein förmliches Gebot, solchen Missständen nächstens vorzubeugen und die Legitimationskarten den Delegierten ins Haus zu senden. Lemberg im Feber 1905. Karl Stand. An die P. T. Gesinnungsgenossen in Oesterreich! Die Monatsschrift „Zion", Mitteilungen des zionistischen österreichischen Landeskomitees, wird fortan jede vierte Woche als Beilage der „Welt44 erscheinen und mit der betreffenden Nummer zufolge eines Uebereinkommens mit dem österreichischen Landeskomitee den parteisteuerzahlenden Gesinnungsgenossen unentgeltlich zugesendet werden. Im „Zion" werden auch alle die österreichische Organisationen betreffenden Verlautbarungen und Berichte zur Veröffentlichung gelangen. Es werden infolgedessen schon jetzt alle an die „Welt" einlangenden Berichte dem Presskomitee des Landeskomitees übergeben. Es ergeht demnach die Bitte an alle österreichischen Distriktskomitees, Vereine und Vertrauensmänner derlei zur Publikation bestimmte Berichte nicht mehr an die „Welt", sondern an das Landeskomitee, IX., Türkenstrasse 9, einzusenden. Zur Vereinfachung der Manipulation und rascheren Durchführung ist es wünschenswert, dass auf diesen für die Presse bestimmten Sendungen gleich auf dem Kuvert der Vermerk „Presse" angebracht werde. f Hb£ii)e. (Plr diese Rubrik ist die Redaktioi nicht verantwortlich.) Marken für den Nationalfonds. Folgende Gesinnungsgenossen haben für den N.-F Briefmarken gespendet: Wien: Ehepaar Schlepinsky (Klosterneuburg), E. Pick, „Moria4*. Trautenau: Frl. H. Lewy. Beszterczebänya: Ohne Namen. St anislau: Fräulein K, Diamant. Florenz: Frl. R. Schiff. Esse gg: E. Rechnitzer. Brünn: F. Stein, Kolomea: Frl. Anna Sennen-

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