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Die Welt · 1905-02-17 · 7 (17.2.1905) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
7 (17.2.1905)
Date
1905-02-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 lfE>i$ # Weit Nr. 7 Und der Vortragende war der bekannte Paläsfcinaforscher Col. C. R Conder. Es war kein Vortrag, eine Hymne war es* Ein Triumph des palästinensischen Zionismus. Hier sprach ein Mann, der als die erste Autorität in der Palästinaforschung gilt, ein Aussens teilender, ein Christ, und jedes Wort war ein Lob Palästinas, jeder Ausdruck war eine Hoffnung, ein Traum. Ein Politiker hat da gesprochen, der nicht Tagespolitik treibt, sondern die Ereignisse in ihrem historischen Lichte sieht, der mit gleich nüchternem Auge nach rückwärts wie nach vorwärts schaut. Palästina, sagt er, sei ein gutes Land, fliessend von Milch und Honig, wie es immer war, Palästina könnte eine kleinas atisehe Schweiz werden, aber dazu braucht man Männer, die es dazu machten. Niemand weiss, welche Zukunft der Türkei bevorsteht, aber unzweifelhaft ist, dass die palästinensische Frage eine internationale Frage werden wird. England kann dieser Frage nicht ganz fernstehen, da doch der Suezkanal in der Nähe ist, und die übrigen Länder sind auch nicht indifferent. Und wenn die Frage einmal aufgerollt werden sollte, dann — wie sagt der Talmud? — »Kol hakodem soche" — dann muss man die Gelegenheit ausnützen. Und um dies zu ermöglichen, muss man arbeiten. Man muss nach Palästina Kräfte ziehen, junge, arbeitsfähige, ohne sich um die Frage der Autonomie zu kümmern. Kommt Zeit — kommt Rat. Nach Nekubadnezar kam Cyrus . . . Aber in Palästina muss die Arbeit gemacht werden. Und ich zitiere ein schönes Wort aus der Rede des wackeren Colon el Cond er: „Ich sehe nicht ein, warum dort nicht wieder einmal ein Esra oder ein Jehuda Makkabi aufstehen sollte, wie es einst war, wenn ihr ihn nur zur rechten Zeit anerkennt. Ich will nicht aussenstehende Fragen berühren. Ich stand am Zionsberge und überblickte Palästina, aber wenn man zum Zionsberge per Eisenbahn von der Zanzibarküste kommen kann, dann — habe ich unrecht behalten." Ich will die Frage auch nicht berühren, weil sie eine „aussenstehende", dem Wesen und dem Zwecke des Zionismus nicht inhärierende ist, und ich wundere mich ebenfalls mit dem Col. Conder. Und ich möchte meinen Lesern und Freunden die Worte des ehrenwerten Forschers einschärfen: „Ich glaube innig, dass im Laufe der gegenwärtigen Generation eines von beiden eintreten wird. Entweder werdet ihr ein Volk werden, das, über die ganze Welt zerstreut, doch ein Heim hat, das die Heimat des Volkes werden wird, oder ihr werdet von den Nationen verschlungen werden, unter denen ihr lebet — und dann wird es kein Israel mehr geben." Entweder ~ oder! . . . Spectator. Pariser Brief. Paris, den 7. Februar. T. Dem Beschlüsse der am 25. Dezember 1904 stattgehabten Sijzung der „Föderation Sioniste de France" gemäss, eine Reihe von Agitationsreden dahier zu veranstalten, hielt Dr. Max Nordau am verflossenen Samstag-Abend einen schwungvollen Vortrag in der Synagoge der polnisch-russischen Juden der rue de l'liotel de Ville. Eine dichtgedrängte Menge strömte herbei, um den Worten des verehrten Meisters zu lauschen. Nach einer warmen Ansprache des Vorsitzenden Rabbiners Dr. Lubetzky, worin derselbe sein BeKenntnis ablegte, dass er nicht gegen Uganda sei, da die eventuelle Annahme des Ugandaprojektes Zion nicht ausschliesse, indem wir der Verheissungen unserer Propheten eingedenk bleiben. Zion wiederzugew'nen, ergriff Dr. Nordau unter stürmischen Zurufen das Wort. Seine Ansprache führte beiläufig folgende Gedanken aus: Seit dem ersten Augenblicke des Ugandaprojektes an obwaltet leider ein schweres Missverständnis in manchen Zionistenkreisen, dass nämlich in Uganda die Hintansetzung Zions gipfle. Nein; man kann es nicht genug betonen, dass niemals Uganda als ein Zion zu ersetzender Vorschlag auigefasst wurde und dass im Zionissmus Uganda nicht enthalten ist. Wir sind und bleiben Zionisten. Aber wir sind ein Volk ohne Land und ein solches Volk hat nicht das Recht, ein Land abzuweisen, das eine grosse Regierung so hochherzig ihm anbietet. Die zionistische Organisation hat um so weniger das Recht, dieses Angebot abzuweisen, indem dieselbe durch die Tatsache, dass eins gresse Regierung offiziell mit ihn verhandelt, als die einzige Organisation des jüdischen Volkes, vor aller Welt anerkannt wird. Nicht an irgend einen Kahal, nicht an die J. C. A. — diese missverstehende Vollstreckieirin eines grossen Willens — nicht einmal an die Anglo-Jewish wandte sich die englische Regierung, sondern an uns Zionisten, die wir nicht grosstuend beteuern, wir seien beschnittene Gallier oder beschnittene Angelsachsen u. s. w.; aber wir sagen, wir sind die Abgeordnete unseres Volkes, Wir konnten und durften uns daher nicht desavouieren, indem wir die englische Regierung an andere, besser qualifizierte Vorsteher unseres Volkes verwiesen. Wir haben dieses Angebot entgegengenommen und es an seinen Bestimmungsort — an den Kongres-s — weiter befördert. Wird das Lard gut befunden werden, so .sagen wir dem jüdischen Volke: „Tue wie es dir beliebt/4 Damit erledigen wir unsere Aufgabe als Zionisten; nicht mehr. Nicht wir Zionisten. werden uns mi; der Verwirklichung des Uganda-ProjeKtes befassen, wir haben haben ja nicht genügend Barmittel dem Zionismus zuzuweisen aber es gibt wohl andere Juden, Nichtzionisten, die sich wohl damit werden befassen wollen. Bisher waren es nicht Juden, aber zionistische Christen, welche die zur Expedition erforderlichen Summen auigebnicnt haben. Nun ist die Kommission am Werke, das Land zu untersuchen, -nach allen Richtungen hin. Falls der Bericht über Besiedlung günstig ist, dann wird die Jüdische Kolonialbank einen Charter bekommen, worin nicht nur dem Wortlaute nach, ab^r auch mit dem Vorbehalte, dass Sinn und Geist nicht gefälscht wird, es heissen wirdr dass jüdischen Einwohnern gestattet sei, nach ihren Wünschen sich einrichtein zu dürfen und in dem ihnen garantiert wird, dass sie, vorbehaltlich der englischen Rechte, in keinem Falle der Freiheit verlustig geben werden. Die Ansiedler werden wissen, was sie haben, was sie schulden, wann sie zu zahlem haben. Vom ersten Augenblick an wird dafür gesorgt sein, dass jüdischer Geist frei zur Geltung kommt. Seilte aber das, Land schlecht sein, so sagen wir: „Ihr wusstet auch nicht, was iür ein Land es ist; wir bedanken uns bestens!4' Im Jahre 1648, während des Kosakenaufstandes, wur e grosses Unglück über die Juden herauf beschworen, hunderte, tausende Juden wurden massakriert, gefoltert, gemartert, lausende andere entkamen dem Blutbadie durch die Flucht. Und in ganz Europa sah man ein Schauspiel von Judeiiflucht. Damals aber gab es jüdische Solidarität. Der Jude des Westens erschrak, als er die hageren Märtyrergestalten sah, aber er wies sie nicht von der Schwelle. Wenige Juden hatten eigene Häuser, man wohnte enge, aber man rückte die Betten zusammen, mian teilte den Bissen. Jetzt geht auch eine Judenflucht vor sieh. Achtzigtansend landeten in den letzten Monaten iin New York. Nicht Reiselust, Abwecbslungsfreude treibt Site von ihrer Heimstätte fort, sondern die bittere Judennot! Wie benehmen sich nun die glücklichen Juden? Sie streckten nic'ht ihre Hand mit einem B a r u c h - h a b a den Abkömmlingen entgegen! „Wir kennen euch nicht, Polaken," ist die Parole. Man macht Anstrengungen, sie l!oszuweiden. Niemals war es mein Wunsch, reich zu sein. Jetzt aber wünsche ich es! Ich wünsche es mit aller Kraft meiner Seele, ich verspüre eine Geldgier wie ein Wucherer, um diese uferlos? Not lindern zu können! Jeden Tag klopfen diese Unglücklichen an meine Tür, mich um ein Stückchen Brot anzugehen, oder mit der Bitte, nach' Amerika geschickt zu werden. Ich tat mein Möglichstes! Aber es kommen immer neue. Nun, Amerika

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