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Die Welt · 1905-02-17 · 7 (17.2.1905) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
7 (17.2.1905)
Date
1905-02-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 7 lfbi* # W$ltlf Seite 1 Platz für solche Uneinigkeiten, denn dadurch muss unsere Kraft, die auch jetzt noch für die gewaltige Aufgabe, die wir uns gestellt haben, nicht zu gross ist, notwendigerweise geschwächt werden. Wir mfüstsen übereinkommen, über Methoden und Einzelheiten verschiedener Ansicht zu sein, denn Meinungsverschiedenhoiten lassen sich nicht vermeiden. Lasst uns aber die wahre Stärke der zionistischen Bewegung, die Einigkeit in den nationalen Reihen der Juden, mit grösster Sorgfalt bewahren. Denn das Endziel für uns alle, dessen können wir sicher sein, ist dasjenige, für das wir unseren Weg antraten, die Erlangung einer öffentlichrechtlich anerkannten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, der Wiederaufbau von Israel als Nation. Möge es bald und in unseren Tagen kommen. Mit Zionsgrüssen verbleibe ich Hochachtungsvoll L. J. G r e e n b e r g. 9. Februar 1905 — 4, Ackir 5665. Aus England. „Toujours perdrix!" Immer Rebhühner! Immer dieselben Miseren, dieselben Geschichten von Not und Elend, von Auswandererfragen, von Parteiplackereien! Ich glaube ein einziges Mal von dieser Frage absehen zu dürfen, andere, lustigere, luftigere Themen berühren zu müssen. Dadurch, dass wir in der Wunde herumwühlen, wird sie noch nicht geheilt. Und mögen wir zum tausend ersten Male gegen die Fremdenbill protestieren, sie wird dennoch durchgeführt werden, wenn das Wohl der englischen Nation oder die Vorherrschaft einer politischen Partei es erheischen wird. Ich habe einmal an dieser Stelle bereits die Eventualitäten auseinandergesetzt, die aus dem Siege der unionistischen oder] liberalen Partei für uns Juden — und speziell für die von der Alienbill am meisten betroffenen — erfolgen würden. Ich habe behauptet und halte an dieser Behauptung fest, dass die Aenderung der Regierungspolitik keinen wesentlichen EinflLuss auf die Fremdenfrage ausüben werde. Schauen wir uns z. B. die letzten, ich möchte beinahe sagen, „Pronunciamento" der Führer der liberalen Opposition im Ober-und Unterhause, des Lord Spencer und Sir C a m p b e 11-B annerman, an. Und was sehen wir in diesen programmatischen Erklärungen? Eine Abweichung von der jetzt befolgten Regierungspolitik in einigen Fragen — in der Fiskalpolitik Chamberlains, in der Verwaltung Transvaals, welche Frage zum Zankapfel der Parteien in England geworden ist, wenn möglich Gewährung eines Home Rule an Irland. Das sind die Maximalforderungen. Und da man aus Erfahrung weiss, dass die jeweilig herrschende Partei nicht ihr ganzes Programm in Tat umsetzen kann, dass die Stürmer von gestern die Zauderer von morgen sind, dass sie, die als Oppositionelle rücksichtslos gegen alles loszogen, als Regierungsmänner voller Rücksichten sind, so hat man von der Aenderung der Regierung, von dem Wechsel des „Systems" sehr wenig zu erwarten. Und gar in der Einwanderungsfrage! In dieser Beziehung sind die meisten Engländer derselben Meinung. Und es ist ja begreiflich. Englands Produktion ist, wenigstens in gewissen Branchen, in den letzten Jahren zurückgegangen. England hat einen schweren, wirtschaftlichen Kampf mit Deutschland und Amerika zu bestehen. In London grassiert das Elend, taugende von Unbeschäftigten lungern in den Strassen herum — und da kommen immer neue Ströme von Wanderern, armen, zerlumpten, meistens ungelernten Arbeitern. Es ist ja auch dem verbissensten Fremdenfeinde klar, das» diese .Aliens" Schätze von Fähigkeiten, Kräften, Talenten besitzen. Aber bevor diese zur Entfaltung gelangen werden, müssen einige Jahre vergehen. Und während dieser Jahre werden die Fremden in den schmutzigsten Löchern, in den „Schwitzhöllena zu Hungerlöhnen arbeiten müssen. Jamüssen — und dadurch werden sie die Insassen schädigen, die Preise unterbieten. Das ist die sehr begreifliche Logik des Antialienisten. Um ein Beispiel der blinden Furcht und Wut der Engländer, speziell der „Great Englishmens" (zum Unterschied von den „little Englishmens" — das heisst Anhängern eines Kleinengland) gegen die Fremden zu geben: Ich glaube, dass ich einmal bereits berichtet habe, dass in London eine Partie von makedonischen Zigeunern angelangt sei und in welchen grässlichen Farben die „Daily Mail" die Verworfenheit, Verkommenheit, Unflätigkeit dieser „Barbaren* geschildert habe. Und ich habe sogar „bona flde" — meiner Treu — meiner Entrüstung Ausdruck gegeben, dass man die jüdischen Emigranten mit einem solchen Gesindel vergleichen darf. Wie! Wir, die Nachkommen von Abraham, Isak und Jakob, wir werden mit Zigeunern, „Gipseys", jedenfalls Nachkommen von Cham, verglichen! Aber wissen Sie, wer diese „makedonischen Zigeuner" waren? Man wird es kaum glauben. Es waren einfache deutsche Bauern vom Rhein. Mit einer köstlichen Naivität erzählt die „Daily Mail", wie sie darauf gekommen ist. Sie hat nämlich einen Berichterstatter hingeschickt, der viele Sprachen versteht, darunter wohl „makedonisches Zigeunerisch". Er kam hin, im vollen Bewusstsein seiner exotischen Mission. Er redete sie in irgend einer von den „siebzig" Sprachen — vermutlich in irgend einem hottentottenähnlichen Idiom an — und siehe da, unsere „Zigeuner* antworteten in dem reinsten rheinischen Dialekt. Die furchtbaren Geschöpfe, die Asiaten, entpuppten sich als biedere deutsche Micheln, ein wenig schmutziger, als es sich gebührt, sonst nichts. Die „Daily Mail" hat vergessen, dass das Urgermanen sind, dass aus ihrer Mitte die eigentlichen „Begründer Britanniens" hervorgegangen sind. Ihre blinde Furcht trieb sie zu Lächerlichkeiten. Ich habe es so ausführlich wiedergegeben nur aus dem Grunde, um zu zeigen, wie stark die Abneigung gegen die Fremdeinwanderung in den meisten Kreisen der Gesellschaft herrscht Die „Moral" ist klar. Aber sind das die „luftigen und lustigen* Höhen, die ich dem Leser zeigen wollte? Nun, die Kraft der Suggestion ist gross. Wenn man von einer Frage eingenommen ist* kann man sie nicht loswerden. Aber ich werde gewaltsam das düstere Gebiet verlassen. Wir kommen nach — Palästina; Nach Palästina? Wieso? Ist denn der Weg vom East End nach Jerusalem so nah? Oder führen alle Wege nicht nur nach Rom, sondern auch nach Zion? Ich muss gestehen* ich habe einmal daran geglaubt. Ich habe geglaubt, dass alle Wege der jüdischen Geschichte, alle Wanderungen des jüdischen Volkes zu einem Ziele führen werden, führen müssen — nach Zion. So dachte ich und sah im Zionismus eine Logik der Tatsachen, eine notwendige, unumstössliche kausale Verknüpfung von Ursache und Wirkung, von historischer Gesetzmässigkeit. Aber ich musste bald ein^ sehen, dass es mit meiner Geschichtskonstruktion ein wenig hapert. Alle Wege führen nicht nach Zion. Manche führen nach — weiss ich wohin? Nach Uganda, nach anderen Territorien. Die gerade Linie ist unterbrochen. Wir haben eine krumme Linie vor uns. Und diese zu berechnen ist bekanntlich schwerer. Nun gut. Ich will ein wenig von Palästina sprechen. Ich hoffe, nicht meine Kompetenz zu überschreiten, da ich nicht etwa, wie es im Talmud heisst, „in Pumhadita sitzen und Aspamia träumen*, sondern die Eindrücke von einer in London gehaltenen Rede über Palästina wiedergeben will. Der Vortrag fand in den WharnclifT-Räumlichkeiten vor ungefähr zwei Wochen statt. Er wurde seitens der „London Zionist League*, unter dem Vorsitze von Mr. Herbert B entwich veranstaltet

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