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Die Welt · 1905-02-17 · 7 (17.2.1905) · page 6

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
7 (17.2.1905)
Date
1905-02-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 „&ie # w^it" Nr. 7 Grades von Selbstverleugnung und Opferfreudigkeit fähig sind, der den Juden eine Offenbarung gewesen ist. Wir müssen damit fortfahren, diesen guten Grund zu legen —• wir müssen ebenso jüdisches Nationalgefühl predigen als ein grosses, ewiges Prinzip. Wir können uns darauf verlassen, dass unsere beste Aussieht auf endliehen Erfolg darin liegt, wie viele wir zu dem großartigen Ideale bekehren können, dem wir Treue geschworen haben. Damit ist aber durchaus nicht gesagt, dass wir Gelegenheiten, die sich jetzt bieten, vorübergehen lassen sollen, und gerade weil ich in vielen Kreisen innerhalb und ausserhalb der Reihen der Zionisten die Neigung sehe, die Gelegenheit vorübergehen zu lassen, die uns in Osfcafrika geboten wird, so muss ich es bezweifeln, dass wir den Juden unsere Ideale in genügender Weise vor Augen geführt haben oder dass wir selbst von ihnen in hervorragendem Grade beseelt sind. Ich will auch durchaus nicht sagen, dass wir nicht unsere Arbeit in Palästina mit rastlosem Eifer fördern sollen. Ich habe mit Freuden gesehen, dass unsere Freunde in Wilna dort auf einer Konferenz beschlossen haben, die Bildung eines speziellen Komitees zu fördern, das sich nach Palästina begeben und dort unser Volk nach nationalen Grundsätzen organisieren soll. Wenn diese Arbeit in guten Händen ist und innerhalb gewisser Grenzen ausgeführt wird, so scheint sie mir gerade die Arbeit, mit der sich Zionisten befasse1! sollten und che gute Früchte tragen dürfte. Dieser Gedanke scheint mir mehr Zukunft zu haben, als che Idee, Interesse im Land und andere Dingen zu erwerben, während wir noch keine politischen Rechte im Lande besitzen. Ich bin seit langer Zeit der Ansicht gewesen, dass, was Raiästina anbetrifft, die Zionisten ihre Kraft der Ansiedlung einer viel grösseren jüdischen Bevölkerung widmen sollten, als jetzt dort ansässig ist. Fs scheint mir nur billig, dass, was auch unser moralisches und sentimentales Recht an das Land sein mag, wir doch kein praktisches Recht daran haben, so lange nicht eine hervorragende Mehrzahl der Bevölkerung aus Juden besteht. Und dies bringt mich darauf, zu sagen, dass die Tätigkeit der Zionisten in Palästina sich jetzt einer eingehenden Prüfung der Gründe zuwenden sollte, welche unser Volk veranlassen, andere Orte zur Ansiedlung zu erwählen und nicht Palästina. Es wäre sicher nicht tunlich, die Auswanderung nach Palästina durch Almosengeben zu fördern, wenn sieh dies auch durchführen Ii esse. Line so gebildete Ansiedlung wäre von wenig Nutzen im Aufbau einer starken, selbständigen Bevölkerung. Eine Auswanderung nur aus Gefühlsgriinden würde nicht viel erfolgreicher sein. Der Grund, warum unsere Leute jetzt nicht nach Palästina auswandern, liegt in den dort herrschenden, die Freiheit beschränkenden Sitten und Gesetzen, die sich manchmal, wenn auch in versteckter Weise, direkt gegen die Einwanderung der Juden richten und manchmal unserer Industrie und unserem Ruhmesgeist Fesseln anlegen, unter denen sie sieh unmöglich entwickeln und gedeihen können. Die Zionisten sollten, bevor sie irgend eine Besitznahme von Land zu erwirken suchen, aber eine solche stets im Auge behaltend, sich anstrengen, alle derartigen Reformen in Palästina durch zusetzen, die es allen Juden, die dies zu tun wünschen, ermöglichen, nach Palästina auszuwandern und alle Hindernisse von Arbeit und Handel beseitigen. Diese Reformen worden nicht bald kommen. Aegypten, nachdem es seit über zwanzig Jahren tatsächlich von England regiert worden ist. liegt noch immer im Kampfe mit seinen Kapitulationen. Was aber dort trotzdem durch gerechte Regierung und Freiheit erlangt worden ist, kann m u t a t i s m u t a n d i s auch in Palästina erreicht werden. Was in der Ljibanonprovinzi geschehen ist, ist vielleicht efin näherliegendes Beispiel, aber in Anbetracht dieser Resultate wird vielleicht ein weiser Reformplan für Palästina den Beifall des Sultans finden und die Unterstützung der Mächte erlangen. Es muss sehr im Interesse der letzteren liegen, wenn das Land, das für die Juden die grösste Anziehungskraft hat, denselben eröffnet wird, wenn sie dorthin auszuwandern Avünschen; der erstcre würde keinen geringe1]! 'Vorteil darin sehen, einen grossen Zu.fl.uss von Woldstand nach Palästina zu bringen. Pur uns sind die Vorteile solcher Reformen zu augenscheinlich, um hier näher auf dieselben einzugehen. Ich habe hier gewagt, vier Richtungen anzudeuten, nach denen sich meiner bescheidenen Meinung nach die Tätigkeit der Zionisten in nächster Zukunft ausbreiten sollte: 1. Die Sicherung des Anerbietens eines grossen Gebietes in Ostafrika für das jüdische Volk seitens der britischen Regierung, wenn der Bericht der Kommission dies rechtfertigt. 2. Die Propaganda des nationalen Ideals als Kuilus unter den Juden. Die Ernennung eines Komitees in Palästina zum Zwecke der Organisation seiner jüdischen Bewohner und der Propaganda des nationalen Ideals unier ihnen. 4. Die Förderung von Reformen in Palästina, welche den Juden jede Gelegenheit geben sollen, sich dort anzusiedeln und Industrien zu betreiben. Dieses Programm sehliesst Dinge in sich, im Vergleiche mit denen Xebensachen, wie der Art der Leitung und das Personal unserer Bewegung;, von keiner Bedeutung sind, Ich will auch nicht sagen, dass es keine anderen Richtungen gibt als die angegebenen, nach denen sich die Tätigkeit der Zionisten mit Vorteil ausbreiten könnte1. Wenn wir ein weises und logisches Programm haben, mit dem herzlichen Wohlwollen derer, die sich demselben anschliessen, so ist der Rest verhältnismässig von geringer Wichtigkeit. Ich habe gesagt, dass es nicht wahrscheinlich ist, dass wir alle mit jedem Punkte des Programmen einverstanden sein werden, das aufgestellt werden mag. Aber ist es aussichtslos, zu glauben, dass manche unter uns sich mit jedem Punkte einverstanden erklären werden und dass wir alle uns dahin einigen können, den Punkten keine Hindernisse in den Weg zu legen, mit denen wir nicht einverstanden sind, wenn wir sie auch nicht mit Rat und Tat fördern helfen? Ich habe mich veranlasst gesehen, diesen Brief zu sehreiben, weil ich hoffe, dass er. wenn nneb nur in <roringem Grade, dazu beitragen wird, die richtigen Mittel zu finden, um die ostafrikanische Frage zu lösen, um unsere Arbeit in Palästina fortzusetzen und um für unsere Ideale energisch Propaganda zu machen. Was den ostafrikanischen Plan anbetrifft, so sind manche Zionisten sehr gegen ihn eingenommen. Die Zionisten. (Pc für ihn -"vm!, achten und schätzen die Einwände seiner Gegner, obgleich sie sie nicht teilen, aber sie teilen ihre Motive, so wie sie sie achten und sehätzen. Sie. glauben, dass alle diejenigen, die dem ostafrikanischen Plan widerstreben, diese Stellung nur mit dem Wunsche einnehmen, den Augenblick um so schneller herbeizuführen, in dem Israel wieder ein Volk in Palästina sein wird. Wir. die wir für den Plan sind, erbitten von ihnen nur dieselbe Rücksicht. Alle Reden darüber, dass wir nicht so treue Zionisten sind oder dass unser Zionismus nicht den wahren Stempel trägt, sind unwürdig, oder schlimmer noch, sie sind nutzlos, denn sie führen zu nichts. Es wird ein trauriger Tanr für unsere Bewegung sein, wenn irgend ein Teil von uns aufsteht, der sich als „orthodox*"' bezidehnet und diejenigen als „heterodox" verlacht und verhöhnt, die nicht in jeder Einzelheit mit ihm übereinstimmen. In unserer Mitte ist kein

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