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Die Welt · 1905-02-17 · 7 (17.2.1905) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
7 (17.2.1905)
Date
1905-02-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7 oie w^it Seite 3 wird eingewendet, dass Juden, die nach einer solchen Niederlassung auswandern. Ostafrikaner worden würden, anstatt Juden zu bleiben. Die Möglichkeit, Juden zu bleiben, muss doch sicher eine grössere sein in einer jüdischem Niederlassung unter jüdischer Autonomie, als unter den jetzt in Rnssland herrschenden Zuständen, oder hei den Versuchungen, ihr Judentum zu opfern, denen die Juden in w e s t I i c h e n L ä n d e r n ausgesetzt sind. Es wird ihnen wenigstens möglich sein, ein würdigeres Lehen zn führen, sie worden ieden falls keinen Verfolgungen ausgesetzt, sein, und alle diese Umstände müssen einer B°we<rrmg förderlich sein, welche die Wiederherstellung einer jüdischen Nation erstrebt. Alle diese Behauptungen stelle ich auf, ohne in Betracht zu ziehen, ob der Beruht der Konvmission günstig o^av n no-iino+fo" wJ-rrh "Afoinn^ Arijaiphf nach \<\ es von grösster Wichtigkeit für den Zionismus, dass irgend eine Erleichterung — materielle Erleichterung — den Juden in ihrer jetzigen. Lage ohne Verzug zuteil werde, denn ieden rlVr wachsen die Schwierigkeiten dieser Lage und die Gefahren unserer nationalen Zukunft. Wenn sich also Ostafrika nicht als ^eeismot erweist, so muss ein anderer Ort für unsere Zwecke gesucht werden. So^ar wenn der indische Staat in Palästina einer näheren Zukunft an£rehövi<\ als wir ein Recht haben anzunehmen, so bin ich doch, überr/'nurt, dass es nicht weise wäre, nicht zuerst die Lage der Juden zn heben zu suchen, wenn dies durch einen <rnvsartiören Kolonisationsplau auf j ü d i s c h n a t i o u a 1 e r Basis geschehen bann. Trnser Staat kann nur dadurch gestärkt werden, wenn wir vor seiner Errichtung das jammervolle materielle Elend der Juden lindern können! — Daraus geht also hervor, dass Ostafrika in keine m Sinne ein Nebenbuhler Palästinas ist, und dass es sicherlich nicht seine Stelle einnehmen wird. Das kann nie sein — nichts kann dem Juden Palästina ersetzen. Dort, und nur dort, kann er wieder einen jüdischen Staat gründen; in Palästina, und nur in Palästina, können wir wieder eine Nation werden. Die Bedingungen jedoch, unter denen wir jetzt leben, zwinp-en uns. für einen and"re-n 7\rrvk v11 arbeiten als für den, für den Palästina allein vorbehalten ist. Dieser Zweck hat natürlich eine Existenz für sich, er dient aber n n s e r e m Ziel a 1 s G r u n d s t e i n de s G e b ä u d e s. Tn welchem Sinne kann es von uns gesagt werden, dass wir ein Jota unseres Entschlusses, für die jüdische Nation ein gesetzlich anerkanntes Heim in Palästina zu gewinnen, aufgegeben haben, wenn wir uns bemühen, die Lasre des jüdischen Volkes auf nationaler Basis zu erleichtern? Wir wären aber in der Tat unwürdig, wenn wir starr an der festgesetzten "Realisierungsart eines Programmes festhielten. Wir haben gesagt, worin allein unserer Ansicht nach die endgültige Lösung der jüdischen Frage liea't, und ich glaube und hoffe, dass wir daran festhalten würden, wenn wir fünfzig Ostafrikas hätten. Von diesem Grundsatz weichen wir um keines Haares Breite ab. wenn wir sagen, dass die Verhältnisse jetzt eine sofortige Erleichterung der Lasre der Juden erfordern, und wir <rbuiben, dass diese Erleichterung in der grossen j ü d i sehe n "N" i e d e r 1 a s s u n g s i c h f i n d e n w i r d, die uns jetzt angeboten wird. Die Umstände, die niriner Ansicht nach gerade im Interesse des zukünftigen jüdischen Staates sofortige. Abhilfe oder Erleichterung verlangen, haben keinen engen oder speziellen Zusammenhang mit der Tatsache, dass wir im besten Falle noch weit davon entfernt sind, Palästina als gesetzlich anerkanntes Heim zu besitzen. Denn sogar, wenn uns Palästina, so wie es jetzt besteht, gleichzeitig angeboten würde, so bin ich nicht gewiss, oh uns nicht irgend ein Ort, wie Ostafrika. — vorausgesetzt, dass die Bedingungen günstig sind — von unendlich grossem Nutzen sein würde. Die Schwierigkeiten, die damit verbunden sind, Raum zu finden für eine so grosse Bevölkerung, die wir als jüdisches Volk unter einem jüdischen Staat zu vereinigen wünschen., oder die so vereinigt zu werden wünschen würde, würden sieh bedeutend verringern, wenn wir ausser Palästina noch eine anderweitige, fast unbewohnte grosse Xicderlassung hätten. Aber alle diese Betrachtungen erlangen dadurch noch grösseres Gewicht, dass wir heute noch keinen Zoll von Palästina besitzen, das heisst, dass der Jude als solcher, i n d e r g a n z e n w e i t e n W e 1 t n i c hl eine n Q u a - d r a t z o 11 L a n d hos i t z t. das j ü d i s c h genannt werden kann. Warum also sollten die Juden, die es so sehr bedürfen, eine Gelegenheit zurückweisen, etwas zu erlangen, was doch jedenfalls als sichtbarer Pieck Erde auf einer einigermassen grossen Karte der Welt bezeichnei werden kann? Tch habe den Einwand gehört, dass ausser Palästina kein Land irgend eine Anziehungskraft für die Jiub n haben kann, da dieses das h e i 1 ige Land ist. bLuizubi-jv ist aber Palästina kein heiliges Land. Es war nie ein solches für uns bevor es das Land der Juden wurd<\ und es wird es nie sein, bis es von neuem unser Land wird, der Mittelpunkt, von dem nach allen Weltgegenden die besten jüdischen Ideale, die beste jüdische Kultur leuchten werden. Ich glaube nicht, dass diese so starr, so wenig elastisch, der fortschreitenden Entwicklung so unfähig wären, dass eine Piiekkehr zu den Verhältnissen, die vor zweitausend Jahren herrschten, unvermeidlich wäre, wenn wir uns wieder in der Sphäre ihres Einflusses befinden. Wenn — was ich nicht glaube — jüdische Ideale und jüdische Kultur im Widerspruche mit den jetzigen Bedürfnissen unseres Volkes stehen würden, wenn — was ich ebensowenig glaube — sie sieh nur mit einer abergläubischen Verehrung für Palästina als das Grab unserer Vergangenheit vereinigen liessen, dann stünden diese Ideale und diese Kultur als von sich selbst verurteilt da. dem Fortschritt feind und nutzlos. Tch denke aber anders. Ich glaube, dass unsere besten Ideale, unsere beste Kultur dem wirkliehen Leben der Gegenwart und der Zukunft dienen, und dass diejenigen sieh sicherlich unter ihren Einfluss stellen müssen, die von Palästina die Erfüllung der Wünsche des heutigen Tages und nicht nur die Verewigung des Gedächtnisses eines vergangenen Zeitalters erwarten, dass diejenigen die Vergangenheit am meisten seh ätzen, die sie in den Dienst der Zukunft stellen, und die das Land dazu gebrauchen, das Volk zu retten, und nicht das Volk, um das Land zu retten. Wenn ich nicht überzeugt wäre, dass Palästina uns die beste Sicherheit dafür bietet, dass die Juden als Ju den für die Welt erhalten werden können, durch den historischen Zusammenhang unseres Volkes mit Palästina, und weil es der einzige Fleck Erde ist. nach dem sich im Laufe der Jahrhunderte unser Volk in seinem bitteren Leiden hoffnungsvoll zurückgesehnt hat, so würde seine Vergangenheit allein für mich nicht die Stellung rechtfertigen, die es in unseren Bestrebungen und unserem nationalen Leben einnimmt. ITnd weil ich in dem ostafrikanisehen Plane eine Möglichkeit für die Erlösung eines grossen Teiles unseres Volkes aus Verhältnissen sehe, i n d e n e n s i e a 1 s J u d e n u n t; e r g e h e n m ü s s e n , un d eine Möglichkeit dazu, sie unter Verhältnisse zu bringen, die sie als Juden erhalten würden, deshalb lege ich diesem Plan einen so grossen Wert bei. Es wird oft behauptet, dass zur Sorge wegen der Zukunft unseres Volkes gar kein Grund vorliegt, dass es besser wäre, nichts zu tun, bis wir unser Volk in Palästina von neuem bilden können. Es wird hervorgehoben, dass zweitausend Jahre vergangen sind, dass wir Verfolgungen ausgesetzt gewesen sind und Duldung gefunden haben, dass wir einerseits in schmutzigen Ghettis eingemauert gewesen sind, wie menschlicher Abschaum, und andrerseits die hoch-

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