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Die Welt · 1905-02-10 · 6 (10.2.1905) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
6 (10.2.1905)
Date
1905-02-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 6 „ut*-weit» Seite 3 einer jüdischen repräsentativen Körperschaft umschaute, um mit ihr zu verhandeln und die zionistische dazu erwählte. Es gibt ja zahlreiche Komitees und Vereine, z.B. die Anglo-Jewish-Association, die „Ica", aber niemand von ihnen wurde von der britischen Regierung als Vertreter der Gesamtjudenschaft anerkannt. Die britische Regierung hat sich mit ihrem Angebot an die Zionisten gewendet, und darauf dürfen wir stolz sein. Wie ich bereits sagte, können wir nichts dem Ostafrikaprojekt opfern. Alle unsere Kräfte müssen bloss dem eigentlichen Zwecke des Zionismus gewidmet sein. Die englischen Juden mnssten das Ostafrikaprojekt ausführen. Von ihrer Regierung ging das Angebot aus und die Rücksichten der einfachsten Dankbarkeit lassen sie als die besten ausführenden Kräfte betrachten. Ich glaube an die organisatorische Gabe der Engländer, und dass sie der neuen Kolonie zum Erfolge verhelfen könnten. Der eigentliche Widerspruch, der seitens der Mchtzionisten gegen das Projekt geltend gemacht wurde, basierte auf dem Umstände, dass man da von einer „autonomen jüdischen Siedlung" sprach. Nim, ich persönlich habe nie an die Notwendigkeit dieses Ausdruckes geglaubt, aber mein Freund Herz 1, der damals bereits krank war, bestand darauf und betonte diesen Ausdruck. Aber Avas bedeutet eigentlich dieser Ausdruck, und wozu dient er? Wenn die Siedlung von jüdischer Bevölkerung bewohnt sein wird, dann wird diese das Recht haben, ihre eigenen Gesetze zu bilden, wie es in jeder anderen englischen Kolonie der Fall ist. Das ist die Bedeutung des Wortes „autonom". Es ist nicht bloss überflüssig, sondern angesichts der Gegnerschaft, die es hervorgerufen hat, auch unangemessen." Zum Neuen Jahre.*) (Schlug.) 4. D i e <i n n e r e Organ i s a t i o n der Kolonie n. Die judäischen Kolonien, die von lange beir schon einen selb ständige rem Einschlag -besassen, zeigen in bezug auf die innere Organisation ihrer Angelegenheiten mehr Initiative als die anderen Kolonien, Die Orangenpf länger von Judäa, in erster Linie die numerisch stärkeren von Pethach-Thikwah, haben ihre Verkaiifsgenossenschaft „Pardess", die im vergangenen Jahre ein verhältnismässig gutes Geschäft gemacht hatte. Mit Vergnügen erfahren wir, dass die vom „Pardess" in diesem Jahre nach Hamburg gesandten Orangen die anderen hiesiger Provenienz an Güte übertrafen. Der erste für' dieses Jahr in Rechowoth in Aussicht genommene Versuch mit der Tabakkulitur wird auf genossenschaftlichen* Basis erfolgen. Ebenso bildeten die Tabakpflanzer von Wadi-el-Hunin eine Kredit- und Absatzgenossenschaft. Auch die Frage der Bildung von Winzer vereinen wird in den judäischen Kolonien immer dringender Die schon seit etwa direi Jahren in Aussieht genommene Gründung von Weiiikellereien in Rechowoth und Pethach-Thikwah bleibt bis. jetzt immer noch ein Pium desiderrum der Kolonisten. Der Zusainmenschluss derselben würde auch hierin fördernd sein können. In Rischon-le-Zion übernahmen die Kolonisten die Expedition der Weine von den Kellereien bis an Bord des Schiffes im Hafen von Jaffa. Die Genossenschaft der Spediteure, wenn man so sagen darf, erzielt zufirie dein st eil ende materielle Erfolge. Die Uebernahme der Verwaltung der Kellereien selbst seitens der Kolonisten ist noch weit von ihrer Verwirklichung. Auch in, Samaria regt sich der Wunsch nach einem genossenschaftlichen Zusammenschlüsse der Bevölkerung in den *) Aus dem Jännerheft von ,.A 11 n e u 1 a n d", Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschliessung Palästinas. Berlin; W. 15, Pfalzburgerstrasse 83. Kolonien. Dem Lokalkomitee der palästinischen Organisation (füstadruth) von Haifa gelang es, einen bedeutenden Teil der Einwohner von Zichran-Jakob, Hederah und Atlit für die Gründung einer ländlichen Kreditkasse zu gewinnen. Gegenwärtig werden die Statuten dieser Kreditkasse ausgearbeitet und es ist an zunehmt en, dass in kurzem diese Institution ins Leben treten wird. ^Uebleirnaupt scheint uns die eben erwähnte Organisation der palästinischen Judenheit dazu berufen zu sein, durch die Heranziehung von hingebungsvollen, für das Volkswohl bedachten Kräften in der inneren Konsolidierung unserer Kolonien eine bedeutende Rolle zu spielen. Der Vollständigkeit halber erwähnen wir noch, dass sowohl in den Kolonien im oberen Galiläa wie auch im Süden von Judäa (Kastinieb) der Status quo sich im laufenden Jahre nicht geändert hat. 5. Neue Kulturen» Dass wir in unserem allgemeinen Ueberbllck der im verstrichenen Jahre geleisteten Arbeit uns speziell bei der Aufzählung neuer Kulturen aufhalten wollen, die in den Kolonien eiir geführt worden, hat seineu Grund einerseits in der Wichtigkeit einer zweckbewussten Einführung von neuen Kulturen in die palästinische Landwirtschaft überhaupt, andrerseits in der Bedeutung der gegenwärtig in Betracht kommenden Kulturen. Das verstrichene Jahr hat uns Erfahrungen gebracht in folgenden drei wichtigen Kulturpflanzen: im Tabak, in der Baumwolle und in der Erdnuss. Taba k. Der Tabakbau wurde in Palästina vor sieben Jahren eingeführt, und zwar verdankt dieser Zweig der Landwirtschaft seine Einführung in Palästina dem puren Zufall. Ein englischer Tabakkaufmann, der sich zufällig auf leinet" Reise in Palästina befand, machte die Administration auf die Möglichkeit des Gedeihens des Tabaks im nördlichen Teile Palästinas aufmerksam. Es wurden alsdann Versuche mit Tabak in Muteile angestellt, später wurde Tabak auch in Jesisod-Hamaalali und Rosch-Pinah gebaut. Dort erhält sich die Kultur auch noch jetzt. 1902 wurde ein Versuch mit dem Tabak in Zichron- Jakob gemacht, der aber im folgenden Jahre nicht mehr wiederholt wurde. Vor zwei Jahren begann man mit dem TalxiKbin in Wadi-eli-Hiinin und in, Pethach-Thikwah. Nächstes Jahr wird auch Rechowoth Tabak bauen. Was den palästinischen Tabakbau kennzeichnet, ist die nichtfachmäunische Behandlung des Erzeugnisses, weiche dazu führt, dass man im Laude eigentlich keine charakteristische Marke von Tabak produziert. Dazu gesellt sich noch der Umstand, dass die Behandlung des Tabaks in bezug auf Fcrmcntierung, Sortierung, Verpackung iru allgemeinen sein* maugcilr.üt ist. Darum bat sich der Tabak trotz des vorhandenen grossen Bedarfes im benachbarten Aegypten keinen Absatz verschaffen können. Das abgelaufene Jahr brachte einen Ertrag von zirka 11 000 kg, die nur mit Schwierigkeit und unter Verlust plaziert werden konnten. Lim eine Verbesserung in dieser zweifelsohne für Palästina zukunftsreichen Kultur zu erreichen, müsstc diese von eine" Kompetenten Institution, am besten einer Versuchsstation, zum Gegenstand eines genaueren Studiums gemacht werden, und zwar in bezug auf Sortenwahl, Erutebcrcitung, Fermentierung, Sortierung, Verpackung etc. Baumwolle. Die Preistreibereien der letzten zwu Jahre in, der Baumwolle, die von den amerikanischen Orosskautleuten zum Schaden, der europäischen Baumwoilhidustre unternommen wurden, zwangen die europäischen Indiistrieländeir, sich nach anderweitigen Produktionsgebieten für Baumwolle umzusehen. Ausser den verschiedenen, in den eigenen Kolonien ins Leben gerufenen Unternehmungen suchten die am meisten in dieser Frage interessierten Länder auch in ihren respektiven Interessen gebieten nach Baumwolle. So entstand z. B. in Deutschland die Deutsch-Levantinische Baumwollgese'llschaft. Ein englisches Baumwollbaus sandte seinen Ver-"

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