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Die Welt · 1905-02-10 · 6 (10.2.1905) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
6 (10.2.1905)
Date
1905-02-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 „bis # Weit" Nr. 6 der für die „soziale Hebung dieser Elemente in der Heimat danernd sorgt". Die Heimat ist Russland. Wäre die Saehe nicht so ernst, man möchte an einen Käme/aisscherz denken. Also das ist des Pudels Kern. »Ein paar Schulen! Einverstanden. Aber nicht für die russisqhen Juden, sondern für Leute, die noch immer nichts gelernt und ihre alten Mätzchen noch; immer nicht vergessen haben. Es ist an der Zeit, dass. wir diese jämmerliche ttreisenpolitik wieder einmal aller Welt aufzeigen, wenn wir auch son£t nur ein Achselzucken für sie übrig haben. Das sind die Leute, die jede grosse politische Aktion zu irgend einer aufklärend-philanthropiischen Gründung auf Almosengrundlage degradieren. In der Auswanderungsfrage wenigstens wollen wir das nach Möglichkeit verhüten. , Wenn die Juden heute der jüdischen Emigration machtlos gegenüberstehen, wenn selbst Länder wie England und Amerika judenf eindliche Massregeln in Betracht ziehen, so trifft die Schuht für diese Vorkommnisse zum grossen Teile die bisherige Politik der hervorragendsten jüdischen Organisationen, Grossgemeinden und ihrer Führer. Sie haben alles getan, um den Zusammenhang der Juden untereinander zu lockern, haben alles gefördert, was zur Entjudung des. grössten Teiles der Juden des Westens führen musste und haben jedem Sammlungsbestreben erbitterten, oft heimtückischen Widerstand entgegengesetzt. Unfähig, zu begreifen, dass der Zionismus eine geschichtliche Entwicklungsphase des Judentums darstellt, haben sie ihn nicht nur nicht gefördert, sondern das Unmögliche versucht, eine historische Notwendigkeit zu vereiteln. Jetzt fehlt allerorten die lebenskräftige, imponierende Vereinigung der Juden heit, die Gefahren schon im Entstehen bekämpfen könnte. Jetzt werden stückweise Fetzen aus dem zionistischen Programme gerissen, um damit Abhilfe zu schaffen. Wir fürchten, dass dies alles nutzlos ist. Es war ein stolzes Wort, das von unserer Kongresstribüne ertönte: „Das Judentum wird zionistisch sein oder es wird nicht sein." Die Verhältnisse haben es aber bereits jetzt gerechtfertigt. Wahrlich, wir wollen keine Anklagen erheben, nicht uns brüsten, dass wir recht behalten. Klar sagen wollen wTir es aber wiederum, dass nur das zionistische Judentum, das geeinigte, selbstbewusste, zielsichere, solche Katastrophen vermeiden oder wenigstens in naher Zukunft ungefährlich, wenn nicht unmöglich machen kann. Auch jetzt wird nur die ernste Anstrengung des ganzen jüdischen Volkes Hilfe schaffen können. Eine Organisation, die als Eepräsentantin des ganzen jüdischen Volkes auftreten kann, wird bei den ^Regierungen der verschiedenen Länder Beachtung und Achtung finden. Diese Organisation ist bereits da. Sie muss nur verstärkt werden. Es ist der von Juden der ganzen Welt beschickte Zionistenkongress. Das Angebot der englischen Regierung, die Verhandlungen Herzls mit den Kabinetten der grössten Staaten bezeugen dies aufs unwiderleglich st e. Wird der Kongress offiziell vom der Mehrheit der Juden anerkannt sein, so wird sein Einfluss ein noch viel grösserer werden. Dahin also und nicht nach einem jüdischen Schulverein muss unser Streben gehen. Augenblicklich lässt sieh das leider nicht durchführen. Jetzt heisst es eben, die Folgen der Politik der früheren Jahre tragen. So gut es geht, wird die in Frankfurt geschaffene Organisation, und vorläufig n u r diese, ihre Massregeln treffen müssen. Es ist unser aller Pflicht, sie nachdrücklich zu unterstützen. Sie wird den Emigranten nach Möglichkeit helfen und hoffentlich die zwecklose Emigration aufhalten können, damit diejenigen Hilfe finden, die an ihren bisherigen Wohnorten nicht mehr bleiben können. Leider wird die Hilfe nur eine geringe sein können und das Problem der Auswanderung damit nicht im geringsten gelöst werden, weil es ja nur ein Teil: des Judenproblems überhaupt ist und nur ihr Zusammenhang diesem seine endgültige Lösung finden kann. Die; ^|li|de der Leiden aber, die das, jüdische Volk jetzt durchzüinÄßli^n hat, wird endlich docn die Erkenntnis zum D||$hbrach bringen, dass die nationale Einigung des jüdi^ln Volkes auf zionistischer Grundlage die 'erste Bedin|^ng für die Anbahnung besserer Verhältnisse darstellt, |Äir das geeinte jüdische Volk wird die Auswanderungs^ge endgültig, weil im Einverständnisse mit den;;';-:i?i«d^n Völkern, lösen können; denn nur das geeinte jüdische fSpk wird die Judenfrage selbst aus einem Problem der Gegenwart in ein Problem der Vergangenheit verwandeln. ' W. Dr. Nordau Uber das Ostafrikaprojekt Dr. Max Nord au hatte in den letzten Wochen Gelegenheit, seine Ansicht über die Ostafrikafrage zu äussern, Was angesichts der abgegangenen Expedition und der herannahenden Entscheidung von Wert ist. Er äusserte sich einem Korrespondenten des „Jewish Comiment*' und einem Eedakteur des „Daily Chronicle" gegenüber. Beide Aeusserungen decken sich. ..Besonders interessant ist die Ansicüit jSTordaus, wie sie im „Daily Chronicle", wiedergegeben ist. Er sagte, dass, falls die Kommission dem, nächsten Kongress einen günstigen Bericht bringen würde, das britische Angebot angenommen werden müsste. Er meinte ferner : „Die Handlungsweise, die zu. befolgen ist, Major St. Hill Gibbons, der Leiter der Ostafrika-Expedition. scheint mir klar zu sein. Man muss im Namen der Jüdischen Kolonialbank von der englischen Regierung einen Charter erlangen. Damit endet unsere Tätigkeit in dieser Angelegenheit. Diesen Charter werden wir dann jüdischen Finanziers und sonstigen hervorragenden Juden anbieten, damit sie auf sich die Mühe nehmen, den Charter mit unserer Mithilfe oder ohne .dieselbe auszunützen. Sollten sie dies ablehnen, dann würde die Verantwortlichkeit für die eventuelle Steigerung der Judennot auf sie fallen. Wir konnten bloss den Charter verschaffen, wir haben aber weder Geld noch Menschen, die dem Ostafrikaprojekt Opfer bringen würden. Das ist nicht Zionismus. . Es ist aber insoferne ein grosser Erfolg des Zionismus, dass eine erstklassige Macht zum erstenmal in der Geschichte sich nach

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