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Die Welt · 1905-02-10 · 6 (10.2.1905) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
6 (10.2.1905)
Date
1905-02-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Redaktion und Administration : WIEN IX., TQrkenstrasse Nr. 9. Telephon 14.199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripts nicht zurückgesendet. ♦ Sprechstunden der Redaktion täglich von 10—VJ2 Uhr. ♦ Proiso dor Anzeigen : laut aufliegendem Tarif. Der Inseratenteil wird Dienstag abends geschlossen Einzelne Numnorn 30 Heller. RoTjinCnrfiicO" Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das Ausland: ftJO£UyO|JI Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England gänzjährig Shg* 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R, 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten gansyährig Frcs. 17.— halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig Frcs. 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85 m e. Wien, 10. Februar 1905. — 5. Adar 5665. 9. Jahrgang. Mitteilung des Aktionskomitees. Die Jüdische Kolonialbank hat sich über Ersuchen des Aktionskomitees bereit erklärt, das Inkasso des Schekels und der sonstigen für das Ä.-C. bestimmten Gelder zu übernehmen. Es wird daher ersucht, für das A.-C. bestimmte Beträge an den Jewiah Colonial Trust (Jüdische Kolonialbank) Limited Brook House, 'Walbrook, London E. C. oder an dessen Zahlstellen unter gleichzeitiger Verständigung des A.-C-zu senden. Die Schule der Leiden. Aus Kanada kommen schlimme Nachrichten. Mehrere hundert jüdischer Auswanderer — in Montreal allein an fünfhundert — sind nach Kanada gekommen und finden dort trotz aller Bemühungen keine Arbeit. Eine Hilfsaktion wunde eingeleitet und die Montrealer Behörden um zeitweilige TMterstützung ersucht. Das Gesuch führt aus, dass die Montrealer Juden noch nie wegen Unterstützung ihrer Glaubensibriider an die Behörden herangetreten seien. Durch den plötzlichen starken Zuzug jüdischer Einwanderer speien aber die verfügbaren! und die noch aufzubringenden Geldmittel derart in Anspruch genommen, dass ohne das Eingreifen der Regierung eine Katastrophe unvermeidlich sei. Zum Schlüsse erklären die Bittsteller, dass man bereits die europäischen jüdischen Organisationen telegraphisch aufgefordert habe, von Kanada'jeden Zuzug von Einwanderern unbedingt fernzuhalten. Die kanadische Regierung hat nun auf ihre Kosten tatsächlich für-die Emigranten in Quebeck Kost und Quartier versorgt. Dort sollen die Fremdlinge bis zum l^Tühling bleiben. Dann'wird man ihnen, wie man hofft, Arbeitsgelegenheit schaffen können. Gleichzeitig finden Beratungen statt, wie man Kanada vor dem Zufluss der Emigranten absperren könne. Es ist klar, dass für absehbare Zeit die Emigranten in Kanada kaum Eintritt finden werden.! In Amerika verschärfte Miassregeln gegen die Einwanderer, in. England die Alien Bill wieder in Sicht, und diesmal kaum mehr abzuwehren, im Kapland die grössten Schwierigkeiten bei der Zulassung der Einwanderer, nicht anders in den übrigen britischen Kolonien, in den Ländern des Kontinents Schwierigkeiten selbst bei der Durchreise, von einem längeren Aufenthalte gar nicht zu sprechen — das ist die Signatur der gegenwärtigen Situation, die zu den Vorkommnissen in Kanada geführt hat. Da ist es kein Wunder, dass selbst Leute, deren Blick sonst kaum bis an die Grenzpfähle des Landes reicht, in dem sie .sie ihr Judentum schlecht und recht zu vergessen suchen, aus ihrer süssen Euhe aufgeschreckt werden. Sie beginnen einzusehen, dass die Sache auch für sie ungemütlich werden könnte, dass —• o, wie schrecklich! — die Gehetzten und Verfolgten auch zu ihnen den Weg finden oder zum mindesten die öffentliche Aufmerksamkeit unliebsam erwecken könnten, und werfen nun ganz entsetzt die Frage auf: „Wohin?" Wohin, um diesem Jammer ein Ende zu machen, wohin, um auch sich vor verderblichen Folgen zu bewahren? Das ist allerdings eine ernste Frage. Selbst das Organ des Herrn Messe, das israelitisch-konfessionelle ist gemeint, das als „Allgemeine Zeitung des Judentums" ein stilles, selbstzufriedenes Dasein führt, hat das jüngst herausgefunden. Mit imponierender Sachkenntnis verbreitet es sich über die Frage, die, wie es zu berichten weiss, der Oberrabbiner von Grossbritannien, Dr. Adler, zuerst aufgeworfen habe. Der Artikelschreibcr hat sogar Kunde von. der Frankfurter Konferenz. In beweglichen Worten setzt er auseinander, dass „die Schlagworte der Demagogen leider die Stimme der Menschlichkeit schon gänzlich zu ersticken vermögen". Und was sein grösster Sehmerz ist: „Als einst die Hugenotten, dann die Salzburger auch um ihres Glaubens willen ihr Vaterland verlassen mussten, fanden sie hilfreiche Hände. Aber diese rein jüdische Tragödie, dasss Menschen, welche soeben der schrecklichsten Barbarei entronnen sind, in furchtbares Elend zurückgejagt werden sollen, findet kein Verständnis." Ein Jammer! Wiederein Stück Gleichheitsschwindel beim Teufel trotz des deutsch-israelitischen Freisinns. Dann wird ein bisschen Skandinavien, etwas mehr Texas und Uganda empfohlen, wobei der fromme Wunsch an den AU gütigen gerichtet wird, dass sich die Verhältnisse in .Russland, bald zum . Besseren wenden mögen. Und nun kommt der Clou des ganzen Artikels. Die Misere ist in Zukunft dadurch abzustellen, dass man einen Schulyerein gründet — es darf diesmal sogar ein jüdischer sein —

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