Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 5 (3.2.1905)
- Date
- 1905-02-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 „bi* # w^lt" Nr. 5 A. Fromm, B. Katz, J. Feier, H. Fleischmann, J. Frisch, F. Hoppen und J. Weissmaan, die an diesem Matiue* mitwirkten, ernteten reichlichen Beifall. Den besten Brfolg hatte unser gesinnungsgenössische Dramatiker Herr Josef Marcus-Ami mit seinem bei dieser Gelegenheit aufgeführten Drama »Levy. Zum Schlüsse wurde eine Kiste Orangen aus Jaffa verlost und an die Anwesenden gratis verteilt. Von nun ab finden im „Zionistischen Lese verein' jeden Samstag abends literarische Vo» träge statt. Die vereinigten zionistischen Sektionen beschlossen, am 24. Jänner a. St. zugunsten des Fonds der Föderation einen Ball zu veranstalten. — Die „Kadimah" hat den zur Eintragung ihres früheren Präsidenten, Herrn H. Fleischmann, ins Goldene Buch nötigen Betrag in verhältnismässig kurzer Zeit aufgebracht und beabsichtigt demnächst auch ihr verdientes Mitglied Herrn J. Goldenthal ins Goldene Buch eintragen zu lassen. Die „Kadimah" wird in nächster Nummer einen offenen Brief an das lionisi-territ. Komitee richten. Herr Dr. Isaak Leon aus Bukarest hielt hier jüngst mehrere zündende Propajarandareden. Hier gastiert seit kurzem eine jüdische Sängertruppe, die unter anderem auch sehr viele jüdischnationale Lieder singt, die sich überall einer besonderen Beliebtheit erfreuen. Beim Absingen eines jeden zionistischen Liedes ist der Applaus stets ein frenetischer. Persenalnachrlchien. Unsere Gg. Frl. Fanny Oberweger in Wierzbowce hat sich mit Gg. Herrn Emanuel Klinger in Krasna-Iiskie verlobt. — Unsere Gg. Dr. Lasar Stern und Ingenieur Anselm Halp»rn-Wien (beide , Bar Kochba" Wien) wurden zu Alten Herren ihrer Vereinigung ernannt. Zeitschriften-Rundschau. Ptlitlsctt-Anthropologisehe Revue, Monatsschrift für das soziale und geistige Leben der Völker. III. Jahrgang, Thüringische Verlagsanstalt, Leipzig. — Wir haben zu wiederholten Malen bereits auf diese vortrefflich redigieite Monatsschrift aufmerksam gemacht. Dr. Ludwig Woltmann hat einen Stab von Mitarbeitern geworben, die ansehnliches Forschungsmalerial anhäufen und oft recht scharfe Federn führen. Es ist zweifellos, dass die Zeitschrift zu den wenigen zählt, die auf einem vielumstrittenen Boden ernste Arbeit leisten wollen. Für uns Zionisten ist die »Politisch-Anthropologische Revue* auch noch speziell wertvoll, weil wir für uns daraus eine Menge Material ziehen können, das für die Theorie unserer Bewegung von Wichtigkeit ist. Inhalt der letzten (Februar-) Nummer: A.Koch-Hesse: Wachstumsperioden beim Menschen. — F. Goldstein: Ueber Bildung menschlicher Mischrassen. — L. Woltmann: Der physische Typus Martin Luthers. — R. Weinberg: Gehirnform und Geisteskrankheiten. — G. Lomer: Die Erblichkeit der Geistesentwicklung. — L. Gumplowicz: Das Andenken Gustav Ratzenhofers. — Berichte und Bepprechungen. — Von besonderem Interesse ist diesmal die Rubrik: Völker- und Rassenpolitik. —r. Aus New-York schreibt man dem „Hazofe": Die Agitation gegen die Imigranten ist im Zunehmen begriffen angesichts der überhandnehmenden Auswanderung aus mehreren Ländern Europas. In früheren Zeiten war das Motiv zur Bekämpfung der Fremdeneinwanderung die angebliche Minderwertigkeit oder der Anarchismus der Emigranten, die der Gesellschaft der neuen Welt schädlich werden könnten. Nun aber haben die offiziellen Feststellhingen klargelegt, dass unter den Einwanderern, besonders aus dem Osten, sich Männer von guter Bildung und Gesittung befinden, und man begnügt sich, gegen die „Fremden'4 die Ueberfüllung New-Yorks geltend zu machen. In eintem Berichte des Regierungskommissärs in Sachen der imigration wurde hervorgehoben, dass in New- York 100 000 Leute arbeits- und brotlos seien und gegen 50 000 Kinder, ohne Frühstück zu essen, die Schulen besuchen. Der Zweck dieser Mitteilung war offenbar der, den Einheimischen Furcht vo»r zuziehenden Imigranten eimzuflössen. Dieser Bericht hat auch auf die Behörden am Hafen von Ellis-Jsland Einfluss geübt, um die Einwanderungsgesetze zu verschärfen, und in den letzten Tagen sind 538 Einwandertet, zum grössten Teile Juden, am Hafen angehalten worden. Dies veranlasste die hiesigen jüdischen Kreise zum Einschreiten. Am 10. Jänner begab sich eine Abordnung mit Oskar Strauss an der Spitze zum Hafen von EMis-Island, um bei den Behörden zugunsten der Angehaltenen zu intervenieren. Ob das Einschreiten von Erfolg sein wird, wie die jüdische Presse hofft, ist ungewiss. Indes sind die Erfahrungen, die Herr Strauss dort machte, ernster Natur. Es werden nämlich jetzt zehnmal soviel Einwanderer angehalten als in früheren Jahren. Die Zahl der Einwanderer ist so gross, dass 'siei in EUis-Isiand keinen Platz haben- und auf die Schiffe zurückgeschickt wenden müssen. Die Behörden am Hafen wenden alle Mittel an, um die Beschwerden der Einwanderer zu vereiteln. Der Grund zu dieser Behandlung soll der Umstand sein, dass die Imigranten von europäischen Hilfsvereinen dorthin geschickt werden. Welr-@brot)ik* Aus Jerusalem. Rischon le Zion feiert den 15. Schebbath das 25 jährige Jubiläum der Gründung der Kolonie. — In Jerusalem und Umgegend ist der Scharlach epidemisch aufgetreten, der auch schon seine Opfer, zumeist 3—6jährige Kinder, heischte. Eine grosse Panik bemächtigte sich der ganzen Stadt als ein junger Arzt unter 500 Schülerinnen der Eveliine de Rothschild-Schule, verschiedenen Alters, 498 Scharlachkranke konstatierte. Der, wie sich später herausstellte, unbegründete Schrecken hat dennoch etwas Gutes zutage gefördert. Die hiesigen praktischen Aerzte, die seihst Familienväter sind, wollen nämlich epidemische Krankheiten nicht behandeln. Auf jene Schreckensnachricht hin fühlten sie sich denn doch bewogen, die Schülerinnen einer neuen Untersuchung ihrerseits zu unterziehen; da stellte es sich hieraus, dass bloss einige stcharlachverdächti'ge Symptome zeigten. Ja, die Antiugandisten ahnen es nicht, wie weit wir hier noch von der Kulturwelt entfernt sind! Haz i o n i. Einbruchsdiebstahl im Grazer Tempel. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde im Grazer Tempel ein frecher Einbruchsdiebstahl verübt. Sämtliche Sammelbüchsen wurden ausgeplündert. Zur Pflegerinnenfrage. Frau Henriette Weiss, die energische Vorkämpferin für Pflegerinnenschu'len in Oesterreich, deren Bestrebungen zur Verbesserung der jüdischem Krankenpflege wir wiederholt gewürdigt haben und die auch vor einigen Jahren mit vieler Wärm,e aber leider mit wenig Erfolg, für die Heranbildung jüdischer Krankenpflegerinnen am Wiener Rotschildspital agitiert hatte, hat im »..'Wissenschaftlichen Klub" vor einem zumeist aus Damen bestehenden Publikum einen höchst interessanten Vortrag über die Distriktskrankenpiflege in London gehalten.An derliamd eigenerErfahirungen zeigte dieVortragende das segensreiche Wirken der englischen Pflegerin ihren grossen Einfluss auf die Förderung der Hygiene und die Helling der sozialen Lage der breiten Volksschichten und sprach den beherzigenswerten Wunsch aus, dass auch in Oesterreich, wo dieser Frage in Verknüpfung mit den auf die Bekämpfung der Tuberkulose gerichteten Bestrebungen in neuester Zeit .einige Aufmerksamkeit zugewendet wird, das Beispiel Englands und Deutschlands Nachahmung und ausreiche: de materielle Unterstützung finde. Reicher Beifäll lohnte die Vortragende am Schlüsse ihrer überaus anregenden Ausführungen. Auf die Bemerkungen bezüglich der Einführung von Pflegerinnen am Wiener jüdischen Spital wollen wir demrächst eingehender zurückkomimen. Magyarisierung der Juden in Ungarn. Im ersten Halbjahre 1904 wurden in Ungarn zusammen 1874 Namensmägyarisierun gen bewilligt. Hiervon entfallen 1079 auf jüdische Assirnilanten. die sich ihres guten alten Namens schämten. Die ül rigen 795 verteilen sich auf 652 Katholiken und 143 Protestanten. Ein aufsehenerregender Besuch. Der Kronprinz von Deutschland und Prinz Eitel Friedrich haben den Kommers des „Vereins deutscher Studenten44, an welchem die Führer des Antisemitismus, Liebermanin v. Sonnenberg, Stöcker, Diederieh Hahn u. a., das grosse Wort führten, mit ihrier Anwesenheit ausgezeichnet; der Kronprinz hat seine „grosse Freude" ausgesprochen, „heute abends in Ihren Reihen weilen zu dürfen4', und dem Verein „reichen Erfolg44 und ein vivat, crescat, flore^t gewünscht. Ja, noch mehr: er und sein ßrudler sind auch geblieben, nachdem der Festredner als die Aufgabe des Vereins bezeichnet hatte, „in der Bekämpfung des Judentums nicht nachzulassen44 -und „die Sozialdemokratie und ihre jüdischem Führer niederzuringen44. Geradezu grotesk nimmt es sich _aus, dass dieselben Hetzblätter, welche mit wenig Takt und viel Dreistigkeit das Ereignis für ihre Zwecke ausschlachten, es als eine „Bevormundung des künftigen Trägers der Krone4' bezeichnen, wenn die liberalen Zeitungen dem Bedauern Ausdruck geben, dass die Berater der königlichen Prinzen es nicht verhindert haben, dass ihr Verhalten missdeutet werden kann und sie in die Situation brachten, eine Rede mitanzuhören, welche zum Kampfe gegen loyale1, gleichberechtigte Bürger aufrief. Die Berliner jüdische Gemeinde zählt wie in der letzten Repräsentantenversammlung mitgeteilt wurde, gegenwärtig 22.000 steuerzahlende Mitglieder. Die Zahl ist von Jahr zu Jahr in steigendem Masse gewachsen.