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Die Welt · 1905-02-03 · 5 (3.2.1905) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
5 (3.2.1905)
Date
1905-02-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 5 „Die # weit« S^ne 7 einige einzelne Beispiele: Man muss irgend ein Memorandum über unsere Bewegung irgend einem politisch einflussreichen Manne überreichen. Es ist ganz überflüssig den Titel eines Präsidenten des A.-C. zu führen, um sich dieser Mission zu entledigen. Diese Person wird Mitglied der diplomatischen Sektion sein und erscheint im gegebenen Falle als Vertreter des A.-C, d. h. der ganzen zionistischen Organisation. Man muss z. B. Verhandlungen führen mit irgend einer grossen Kolonisa Lionsgesellschaft betreffs gemeinsamer Arbeit in Palästina. Es ist ganz überflüssig, Präsident des A.-C. zu sein, um diese Unterhandlungen zu führen. Das am besten dafür geeignete Mitglied der Palästina Sektion wird diese Verhandlungen im Namen des A.-C, d. h. der ganzen zionistischen Partei führen. Genau so muss es auch mit der Arbeit der anderen Sektionen sein. Aber all diese Arbeiten werden nur dann gut und planmässdg sein, wenn sie durch Vermittlung der Mitglieder des Bureaus geeint und ineinandergreifend sein werden. Sonst wird eine vollständige Zerfahrenheit einreissen. Ich muss noch wiederholen, dass diese Sektionen gemeinsam mit dem Sekretariat selbstständig arbeiten. Sie erhalten bloss allgemeine Direktiven vom grossen A.-C, d. h. von der vereinigten Versammlung der Mitglieder aller Sektionen, und müssen demselben einen genau detail]ierten Rechenschaftsbericht erstatten, ohne auch nur das geringste zu verheimlichen, und zwar nicht weniger als einmal halbjährlich (dazu wird eine Konferenz einberufen). Unser Zentrum oder Bureau, der Wohnsitz der Mitglieder unseres Sekretariates, muss aufhören in der weiten Welt umher zu irren, und muss einen, einfür allemal festgesetzten Sitz haben. Dem jüdischen Volke ist es schon zum Ueberdruss geworden, in der weiten Welt umher zu irren und es will endlich einen bestimmten Wohnsitz für sich bauen und unsere Organisation muss dasselbe tun. Wenn unser Zentrum oder Bureau mit dem Tode oder dem Rücktritt dieser oder jener tätigen Kraft von einem Punkte des Erdbodens nach dem anderen übertragen wird, so verliert es die Stabilität und Beständigkeit. Wenigstens einen Punkt der Erdoberfläche müssen wir noch vor unserer Wiedergeburt in Palästina haben, wohin alle Zionisten des Erdballes ihre Blicke richten können, als auf die Stelle, wo die jüdische Freiheit geschmiedet wird. Unsere weiss-blaue Fahne muss nicht einmal in drei Jahren, während des Kongresses, wehen, sondern 365 Tage im Jahre an einem bestimmten Platze, und das kann nur Basel sein, der Ort unserer Traditionen. Alle internationalen; freiheitlichen Bewegungeh hab/en. ihr beständiges Bureau in der internationalen Schweiz. Mögen sich doch unsere Politiker, welche so sehr für die Uebertragung des Zentrums nach London sind, die Frage vorlegen, was wäre, wenn nach dem Huller Inzident zwischen England und Bussland ein Krieg ausgebrochen wäre; wäre da auch nur ein einziger russischer Zionist imstande, seinen Sehekel nach London zu senden? Und wir hoffen doch, dass unsere Bewegung anwachsen und die ernste Aufmerksamkeit alle r Regierungen auf sich lenken wird. Wir müssen daher auf alle möglichen politischen Kombinationen gefasst sein. (Schluss folgt.) Eim kritische Stimme über d^n Zionismus. Eigentlich müsste ich mich sofort selbst berichtigen: Kritisch in der wahren Bedeutung des Wortes ist die Aeusserung des Berliner < Universitätsprofessors und Repräsentanten der jüdischen Gemeinde in Berlin, Dr. Ludwig. Geiger nicht. Sie ist bloss ein vager Gefühlsausfluss, der im politischen Leben belanglos erscheint; denn Politik lässt die Gefühle und persönlichen Stimmungen links liegen. Da entscheiden Tatsachen. Es ist manchmal recht gut und lehrreich, die „Kölnische Zeitung1" zu lesen; nicht wegen der gefärbten Darstellung von Weltereignissen, sondern: hie und da stösst man auf einen jüdischen Literaten, der hier — nicht etwa in einem Judenblatt — seine Auslassungen über „D i e deutsche L i t e r a t u r u n d der Z i o n i s m u s" abdrucken fest. Nach, einer kulturhistorischen Einleitung über das Motiv „Jude" in der deutschen Literatur, gelangt der Verfasser schliesslich zur modernsten literarischen Strömung unter den Juden: dem Zionismus. Kurze, objektiv gehaltene Kritiken über Herzls „Das neue Ghetto" und Nor-da us „Doktor Kohn" folgen. Beeht eingehend befasst sieh Prof. Geiger mit dem jüngst anonym erschienenen Werke „Das neue Jerusalem", um schliesslich den Stab über den Zionismus — wohl verstanden den politische n, rriehlt efte literarischen Ausströmungen desselben — vollends zu brechen. Es ist eben ein eigen Ding, das -zionistische — wie das Leben überhaupt — aus der Literatur zu konstruieren. Ich glaube, dass es wohl nicht allzuviele geben wird, die an dem literarischen Urteil des Prof. Geiger zweifeln, sehr Adel aber werden über den Politiker Geiger lachen, besonders wenn sie die nachfolgenden Auslassungen lesen („Kölnische Ztg. Erstes Beiblatt Nr. 77). Da steht wörtlich folgendes: „Mein Zweck ist nur, auf ihn als typische Erscheinung hinzuweisen. Der Zionismus ist dem Deutschtum gefährlich wie die Sozialdemokratie ipk! der Ultramontanismus. Er hat von beiden etwas: von jener dien Radikalismus, von diesem das Jenseitige, das Ersehnen eines Vaterlandes ausser dem ihm durch Sprache und Art zugehörigen. Gewiss können Sozialdemokratie und Ultramontanismus viel schlimmer wirken, weil ihre Bekenner nach Millionen zählen, aber auch der Zionismus kann, wenn die Verständigen nicht Einhalt tun. seine Armee auf Hunderttausende bringen. Wie daher vor ultramontanen Geschichtswerken und sozialdemokratischen Lehren, so muss auch vor der zionistischen Afterweisheit gewarnt werden. Der deutsche Jude, der in d >r deutschen Literatur zu Worte kommt, erkenne, wie er seit iy2Jahrhunderten gewohnt ist, nur in Deutschland s e i n Vater 1 a n ä, nur in der d e u t s e h e n Sprache seine Muttersprach e, e r n e n n e n ii r d a s deutsch e V o 1 k das sein e, u n d n n r die Zukunft dieser Nation sei und bleibe d i e j e n i g e, a n der seine H off nun g h ä n g t.. Jedes Verlangen, mit seinen Glaubensbrüdern ein Volk zu bilden ausserhalb Deutschlands ist, ganz abgesehen von seiner Undurchführbarkeit und von der krassen Undankbarkeit gegen die Nation, in deren Mitte er lebt, ein Wahn; denn der deutsche Jude ist seiner Volksei gentümliehkeit nach ein Deutscher, und Zion ist für ihn das Land der Vergangenheit, nicht der Zukunft.*) Ein Kommentar ist in diesem Falle vollständig überflüssig. Nur eine kleine Reminiszenz sei gestattet: Im Vorjahre las Prof. Geiger an der Berliner Alma mater ein einstündiges Kolleg über „Die Juden in der deutschen Literatur". In dem Einleitungsvortrage streifte er mit ähnlichen Worten die zionistische Bewegung. Die Folge waren Lärmszenen, worauf in der nächstfolgenden ShmJe Prof. Geiger erwiderte, er habe nicht die Absicht, ein Streitkolleg zu halten und bitte, ihm, wie auch er umge *) Wir bemerken, dass wie diese Meinungen des Verfassers nur insoweit teilen, als er eine gegen das Deutschtum gerichtete Verzweigung des Zionismus im Auge hat. Ueber die zionistischen Bestrebungen als solche haben wir mehrfach unsere abweichende Ansicht ausgesprochen. (Anmerkung der Redaktion der „Kölnischen Zeit u n g".)

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