Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 5 (3.2.1905)
- Date
- 1905-02-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 „bi* # weit?1 Nr. 5 dem Lande grossen Nutzen bringen wind». Dass wir bei der Gründung der Farm den Erfahrungen von Sedsehera Rechnung tragen werden, braucht woM nicht speziell gesagt zu werden. (Schluss folgt) Unsere Organisation. Von M. Ussischkin. IL § 9. Die Mitglieder dos A.-C. wühlen aus i h r<?r Mitte d r e i M ä n n e r, w eiche das Bureau oder das Sekretariat des A.-C. b i 1den und welche beständig in Basel wohnen müssen. §10. Di e ü b r i g e n 20 M i t g 1 i e d e r d e s A.-C. zerfallen in 4 Sektionen zu je 5 M i tg 1 i -e d o rn (die P a 1 ä s t i n a!k oj m m! i s s i o n;, d i e d i p 1 o m a t i s c h e, die finanzielle und d i e A g i t a t i o n s k o m m i s s i o n). Diese Sektionen üben z u s a m m e n m i t d e m Sekretär i a t d i e i h n e n auferlegten Pflichten durch die v e r e i n i g t e V e r s a m m 1 u n g aller M i t - g 1 i e d e r des A.-C. aus. Diese zwei Paragraphe benötigen die allereingehendsten Erläuterungen, weil in denselben der Schwerpunkt der Abänderung-unseres Organisationsstatutes liegt. Ich schlage eine Keform vor, welche radikal mit unserem ganzen verflossenen Regime bricht. Diese Reform bestellt in folgendem: A. Das Nichtvorhandensein eines A.-C.¬ Präsidenten. B. Die Arbeitsteilung in Sektionen. C. Die Beständigkeit des Sitzes des Zentralbureaus. D. Die Honorierung einiger Mitglieder des A.-C. Aber diese Reformen sind aus einer Lebensnotwendigkeit hervorgegangen: Seit dem Tode Herzls hört man in den Reihen der Zionisten und Niehtzionisten nur eine und dieselbe Frage: „Wer wird der Nachfolger sein?" d. h.: „AVer wird Präsident des A.-C. sein?"' Wenn wir nun. dieganze Zusammensetzung aller Mitglieder unserer Organisation betrachten, so kann es nur eine einzige Antwort geben: Niemand. Der eine hat einen Namen, besitzt aber gar keine organisatorischen Talente und keine Tatkraft, der zweite besitzt Tatkraft — es fehlt ihm aber der Name und die notwendige Intelligenz für den ideellen Führer, der dritte hat andere positive Eigenschaften, lässt aber die Willenskraft und die Energie vermissen, dem vierten fehlt der äussere Schliff, die Grossweltmanieren und die Spraehkenritnisbe, welche für Vertreter einer politischen Partei notwendig sind. Mit einem Worte; den Mann, den wir brauchen, haben wir in der Partei nicht und einen aussenstehenden können wir nicht nehmen. Ein solcher Mftnn, wenn er vorhanden ist, muss selber zu uns komtnien, wie auch Herzl vor sieben Jahren zu uns kam, unld dann werden nicht wir ihn wählen, sondern er selbst wird machtvoll die Bewegimg in seine Hand nehmen. Wenn wir aber zum Präsidenten des A.-C, als offiziellen Vertreter der Partei, einen Mann wählen, der nicht alle notwendigen Eigenschaften besitzt, so wird dieser Mann entweder gar nichts machen, oder er wird es sehr schlecht machen, oder er wird eine Schachfigur in Händen von anderen sein. Dieser Posten des Präsidenten des A.-C. wird der Sache keinen Nutzen, sondern nur Schaden bringen, denn der Posten, den der erste Präsident mit so viel Glanz und El r n bekleidet hat, wird viel Prätendenten haben, und ich fürchte, dass sich auf unseren Kongressen die historis! n Binder der Zeiten der Diadochen nach dem Tode von Alexander dem Grossen wiederholen werden. Nicht Glanz und Vertretung brauchen wir jetzt, sondern ein tatkräftiges und arbeitsfähiges Kollegium, denn^^ müssen es uns eingestehen, dass im, T&v^flfffk ^IQ- Jahren im Zentrum fast gar keine Arbeit vorhanden war. Mit Ausnahme der rein diplomatischen Arbeit, welche ausschliesslich Sache des Doktor Herzl war, bietet alles andere ein sehr unerquickliches Bild. Wer aufmerksam die Kritik der Tätigkeit des kleinen A.-C. auf allen Kongressen verfolgt hat, weiss, dass immer die entschiedene Frage gestellt wurde: „Was hat das kleine A.-C. gemacht?"', und niemals erhielt man eine befriedigende Antwort. Die Bank wurde geschaffen, einerseits durch Ausarbeitung und Registrierung des Statuts, in London un)d andrerseits durch den Verkauf ihrer Aktien. Den zweiten Teil der Arbeit absolvierte die allgemein-zionistische Organisation, das erste aber machte das Zentrum, und zwar sehr schlecht. Dieses ganze kleine A.-C., mitsamt dem Fünferausschuss, den Bankdirektoren, Juriskonsult, Kommissionen usw. haben ein Statut ausgearbeitet, welches in seiner Plumpheit und Verwirrtheit seinesgleichen nicht hat; sie änderten ungesetzlich und mutwillig das grundlegende Statut von dem Tätigkeitsorte der Bank und die Durchsicht einer ganzen Reihe von Paragraphen des Bankstatuts ist jetzt auf der Tagesordnung. Die Aktienregistrierung und die ■ersten Arbeitsjahre der Bank waren so ungeschickt, so verwirrt, dass, wenn nicht nach London ein Aussenstehender (Levontin) gekommen wäre, die Entwirrung nicht so leicht geworden wäre. Wie viel Geld wurde, ohne etwas einzubringen, auf Konferenzen der Direktoren, des Aufsichtsrates, der Juriskonsiilten und dergl. verausgabt? Seit drei Jahren hat der Kongress den Nationalfonds begründet. Ein Jahr früher wurden seine Statuten ausgearbeitet, eine ganze Reihe von Fondskommissionen waren vorhanden, Konferenzen und Verhandlungen dieser Kommissionen fanden statt und die Fondsstatuten befinden sich heute noch in derselben Lage wie vor vier Jahren. Von. den Kultur- und Kolonisation skonimissionen wissen ja alle, dass es blosse Fiktionen sind. Eine Ausnahme bildet die ■ Palästinakommission, welche auf dem C. Kongresse gewählt wurde und im letzten Jahre etwas geleistet hat. Wer ist an alledem schuld? Wien als Stadt, wie die .einen annehmen, oder die Zusammensetzung des kleinen A.-C, wie die anderen behaupten? Weder das eine noch das andere, antworte ich — schuld ist direkt unsere Organisation. Viel zu plump und kompliziert ist unser Organisationsapparat (das grosse A.-C, das kleine A.-C, der Aufsichtsrat, der Fünferausschuss, die Mitglieder verschiedene Kommissionen, die Direktoren, Gouverneure usw. usw.). Andrerseits hatten wir nicht einen einzigen Menschen, der sich voll und ganz der Sache widmete und sich nicht damit nur unter anderem beschäftigte, der sich spezialisiert hätte, der bis auf den Grund diese oder jene Seite unserer nationalen Bewegung erforscht hätte. (Ich spreche natürlich n'icht von Herzl.) Deshalb geschah alles sprunghaft, nach Eingebung der Minute, oberflächlich. Wo auch unter solchen Bedingungen das zukünftige Zentrum sein mag und aus welchen Männern es auch zusammengesetzt sein wird — die Resultate werden doch dieselben bleiben. Man muss jetzt nicht nur eine glänzende Vertretung, sondern auch ein arbeitsfähiges Kollegium schaffen, welches sich voll und ganz der Volkssache widmen soll. Unsere Arbeit in der Zukunft stelle ich mir in folgender Form vor. Das grosse A.-C. arbeitet in der ersten Sitzung nach dem Kongress allgemeine Direktiven für alle Seiten unseres Programmes aus und übergibt jeden